Wirtschaftsschutz
Spionage auf Geschäftsreisen
Wirtschafts- und Industriespionage: Im Fokus des Interesses stehen Geschäfts geheimnisse
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Spionage- und Sabotageaktivitäten im Ausland sind eine Gefahr – sie reichen von technischer Überwachung bis hin zu gezielten Kontaktaufnahmen. Wer die Risiken kennt und sich vorbereitet, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch sein Unternehmen.
Der Wirtschaftsschutz der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) informiert über Sicherheit auf Dienstreisen. Unter Wirtschaftsschutz sind die präventiven Bemühungen der DSN zum Schutz der heimischen Wirtschaft vor Spionageangriffen zu verstehen. Im Zentrum dieser Tätigkeit steht der Kontakt zwischen Unternehmen und dem Verfassungsschutz. Die DSN sensibilisiert österreichische Betriebe hinsichtlich der Gefahren durch Wirtschafts- und Industriespionage. Sensible Daten und Geschäftsgeheimnisse bzw. Informationen zu Know-how sind besonders schützenswert. Kriminelle oder ausländische Nachrichtendienste könnten spezielles Interesse daran haben, an derartige Daten zu gelangen.
Wirtschafts- und Industriespionage.
Unter Spionage versteht man das Sammeln von geheimen Informationen im Auftrag eines fremden Staates. Die Informationen müssen nicht immer Staatsgeheimnisse sein. Vor allem bei der Wirtschafts- und Industriespionage stehen Geschäftsgeheimnisse im Fokus. Österreich ist interessant für ausländische Spionageaktivitäten aufgrund des speziellen Know-hows in Wirtschaft, Forschung und Technik. Besonders betroffen sind Branchen mit hohem Innovationsgrad und hohem strategischen Wert, wie beispielsweise:
- IT und Telekommunikation
- Militärtechnik und Fahrzeugbau
- Automatisierung, Robotik und Luftfahrt
- Energiewirtschaft
- Biotechnologie, Pharmaindustrie und Landwirtschaft
Die Konsequenzen für Unternehmen und Geschäftsreisende sind: Mitarbeitende könnten aus politischem oder wirtschaftlichem Interesse ins Visier geraten, sei es im Rahmen von nach außen hin lediglich unverbindlichen Gesprächen oder geschäftlichen Begegnungen. Der Schutz des geistigen Eigentums österreichischer Unternehmen ist eine Aufgabe für den Verfassungsschutz. Für ein vertrauliches und kostenfreies Erstgespräch können sich Unternehmen an wirtschaftsschutz@dsn.gv. at wenden.
Schutz vor Bedrohungen aus dem Cyber-Raum.
Schutz vor Spionage: Bei der Benutzung elektronischer Geräte ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten – insbesondere bei Dienstreisen ins Ausland
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Um sich vor Spionage zu schützen, ist bei der Benutzung der elektronischen Geräte erhöhte Aufmerksamkeit – insbesondere bei Dienstreisen ins Ausland – geboten.
Der erste Schritt zu mehr Sicherheit ist eine sorgfältige Vorbereitung. Geräte sollten nur in dem Umfang mitgenommen werden, wie sie tatsächlich benötigt werden. Je weniger Daten im Gepäck sind, desto kleiner ist das Risiko. Besonders sensible Informationen gehören im Idealfall nicht auf den Laptop oder das Smartphone.
Ebenso wichtig sind Software-Updates und Schutzprogramme. Verwenden Sie nur Software, die auf aktuellem Stand ist, damit bekannte Schwachstellen nicht ausgenutzt werden können. Sichern Sie Ihre Systeme mit langen, ausgefallenen Passwörtern und einer Mehrfaktor-Authentifizierung ab. Extra angelegte Reise-Systeme sowie -Konten sollten verwendet werden.
Eine Gefahrenquelle sind offene WLANs in Flughäfen, Bahnhöfen oder in Hotels. Hierbei besteht das Risiko, dass Verkehrsdaten mitgelesen werden. Nutzen Sie für dienstliche und private Zwecke vertrauenswürdige Netze von VPN-Anbietern. Es sind länderspezifische Vorschriften zur Nutzung von VPN-Diensten zu berücksichtigen.
Verwenden Sie kein fremdes Zubehör wie USB-Sticks, Ladegeräte etc., da diese Schadsoftware übertragen können. Geräte, die nicht dauerhaft beaufsichtigt werden können, sind zu versperren, um sie vor Verlust oder technischer Manipulation zu schützen.
Ein unterschätztes Risiko sind soziale Medien: Öffentliche Ankündigungen von Reiseplänen können ungewollt Aufmerksamkeit wecken. Aber auch Fotos, Standortangaben oder harmlose Posts können Rückschlüsse auf Arbeitsinhalte oder Aufenthaltsorte ermöglichen. Fremde Nachrichtendienste nutzen diese Informationen für eine gezielte Kontaktaufnahme oder Überwachung.
Sicherheits-Check.
Wenn man nach der Reise an den Arbeitsplatz zurückkehrt, sollte man einen Sicherheits-Check machen. Das Reise-System der IT sollte übergeben und zurückgesetzt und die Reisekonten gesperrt werden. Die Geräte sollten auf Manipulation oder Schadsoftware überprüft werden. Daten, die unterwegs gespeichert werden, können gesichert und anschließend gelöscht werden, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Und: Etablieren Sie einen Meldeprozess, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Verdacht dokumentieren und an die zuständige Stelle mitteilen können. Achten Sie auf die Verfügbarkeit dieser Stelle im Hinblick auf unterschiedliche Zeitzonen.
Schutz vor Manipulation.
Bei internationalen Geschäftsreisen, Fachgesprächen oder Ähnlichem kann neben dem offiziellen Teil oft unbemerkt Wirtschafts- und Wissenschaftsspionage stattfinden. Dabei sammeln fremde Akteure direkt oder verdeckt Informationen. Ziel ist es, Wettbewerbsvorteile zu erlangen oder Druck auf das Gegenüber aufzubauen.
Selbst vor der Anwendung von in Österreich illegalen Mitteln wird nicht zurückgeschreckt. Bleiben Sie aufmerksam und beobachten Sie genau, wer mit Ihnen ins Gespräch kommen möchte. Lehnen Sie Themen höflich ab, über die Sie nicht sprechen wollen oder dürfen und melden Sie Verdachtsmomente an Vorgesetzte.
Der wirksamste Schutz beginnt mit Informationen über den Zielaufenthaltsort. Wer auf Geschäftsreise geht, muss die Bedrohungslage im Zielland einschätzen können. So lässt sich erkennen, welche Akteure vor Ort tätig sind und mit welchen Mitteln sie arbeiten.
- Bereiten Sie Ihre Reise mithilfe offizieller Informationsstellen (BMEIA: Reiseregistrierung ) vor.
- Nutzen Sie Sicherheitsbriefings Ihrer Organisation oder Behörde.
- Melden Sie Auffälligkeiten sofort an die zuständigen Stellen.
Kein Vertrauensvorschuss gegenüber neuen Kontakten: Auch in scheinbar oberflächlichen Gesprächen werden manchmal relevante Details geteilt, die dem Gegenüber wichtige Informationen über Ihre Person und Ihr Unternehmen liefern.
- Hinterfragen Sie unerwartete Nähe und besondere Aufmerksamkeit.
- Vermeiden Sie Kontakte und Situationen, die Sie erpressbar machen könnten.
- Gehen Sie sparsam mit persönlichen Informationen und zu Ihrem Arbeitsumfeld um, auch in unverfänglichen Gesprächen.
- Nehmen Sie keine (unüblichen) Geschenke oder Dienstleistungen an.
„Need-to-know“-Prinzip: Je weniger Informationen über Sie, Ihr Unternehmen und Ihre Pläne bekannt sind, desto schwieriger ist es für fremde Akteure, ein Profil von Ihnen zu erstellen. Fremde Nachrichtendienste arbeiten systematisch und strategisch: Jedes Detail kann ein Puzzleteil sein.
- Teilen Sie Informationen nur nach dem Prinzip der Notwendigkeit.
- Vermeiden oder verzögern Sie Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken (z. B. erst nach Rückkehr).
- Antworten Sie auf Fragen neutral und vage, ohne konkrete Daten preiszugeben.
- Besprechen Sie vor Reisebeginn, welche Rolle Sie auf der Geschäftsreise haben und welche Informationen auf privater und dienstlicher Ebene Sie preisgeben wollen.
Vermeiden von Konfliktsituationen. Integrität ist Ihre beste Verteidigung: Wer unangreifbar bleibt, sich unauffällig und regelkonform verhält, bietet keine Angriffsfläche für mögliche Erpressung.
- Halten Sie sich stets an die Gesetze des Gastlandes.
- Meiden Sie Situationen, die als Druckmittel gegen Sie verwendet werden können.
- Achten Sie auf lückenlose Dokumentation Ihrer Reiseunterlagen sowie auf aktuelle Reisedokumente.
Ein Ratgeber zum Thema CyberSicherheit auf Dienstreisen findet sich auf der Webseite der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) unter www.dsn.gv.at im Bereich Publikationen.
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2025
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