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Polizeigeschichte

Wiens Polizeioberaufseher

Im März 1757 wurde in Wien ein Polizeiamt eingerichtet. Leiter der neuen Behörde als „Polizeioberaufseher“ und damit Wiens erster Polizeichef wurde der Armeeoffizier Joseph de Carrière.

Wilhelm Marx von Marxberg: erster „Präsident der Polizeidirektion Wien“
Wilhelm Marx von Marxberg: erster „Präsident der Polizeidirektion Wien“
© BMI/Archiv

Habsburgs Herrscherin Maria Theresia initiierte eine Reihe von Reformen im Polizeiwesen. Mit Dekret vom 20. November 1741 löste sie die Stadtguardia in Wien auf, 1773 auch die Rumorwache sowie die Tag- und Nachtwache. Ab 1775 war die Militär-Polizeiwache für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit in Wien zuständig. Die neue Wache war zwar ein militärischer Wachkörper, unterstand aber der niederösterreichischen Statthalterei und später dem Polizeiamt.
Mit der Polizeireform 1751 wurden in Wien landesfürstliche Viertelkommissare und Gassenkommissäre mit 188 aus der Bürgerschaft ausgewählten Unterkommissaren aufgestellt. Wien wurde in vier und die Vorstädte in weitere Polizeiviertel eingeteilt; jeweils geleitet von einem Viertelkommissar. Die Häuser wurden nummeriert und Fremde unterlagen der Meldepflicht. 1754 wurden zwölf Räte und Sekretäre der niederösterreichischen„ Repräsentation und Kammer (Landesregierung) mit der Führung der Polizeigeschäfte beauftragt. Für die Dienstaufsicht der Unterkommissäre wurden drei Polizeiaufseher angestellt: Josef Praat, Joseph de Carrière und Johann Kayser. Ihnen wurden fünf Bedienstete für Verwaltungsaufgaben beigegeben.

Erste Polizeibehörde.

Mit der Einrichtung des Polizeiamtes im März 1757 hatte die Residenzstadt erstmals eine Polizeibehörde. Sie unterstand der niederösterreichischen Statthalterei („Repräsentation und Kammer“). Polizeiaufseher Joseph de Carrière wurde zum Rat und Oberaufseher der Viertelkommissare ernannt. Er war somit der erste Chef („Polizeioberaufseher“) der Wiener Polizeibehörde.
Joseph de Carrière, geboren um 1714 in Frankreich, war zehn Jahre lang Offizier in der österreichischen Armee und ältester Oberleutnant im Starhembergischen Regiment. Nach zwei Jahren als Chef der Wiener Polizei wurde er im März 1759 Kommandant der Feldpolizei im Daun-Regiment der Armee. Ab 4. April 1761 diente er als wirklicher Regierungsrat in der Statthalterei Niederösterreich. Er starb 1786.
Nachfolger von Joseph de Carrière als Polizeioberaufseher wurde am 22. März 1759 Johann Kaspar von Eckler (auch: Eckhler). Er stammte aus einer elsässischen Familie und wurde am 29. Februar 1720 in Wien geboren. Er war Sekretär der niederösterreichischen Repräsentation und Kammer (Statthalterei) und wurde am 7. Jänner 1754 geadelt. Nach seiner Ernennung zum Polizeioberaufseher blieb er weiterhin Repräsentations- und Kammersekretär. Am 28. April 1760 wurde er von seinem Amt als Polizeichef enthoben. Er hatte hohe Schulden und war untergetaucht. Johann Kaspar von Eckler starb am 4. Juni 1792. Der um 1720 in Wien geborene Franz Leopold Niller wurde am 28. April 1760 zum Polizeioberaufseher in Wien ernannt. Er war zuvor Advokat. Niller starb am 9. Mai 1772.
Letzter Polizeioberaufseher unter Regentin Maria Theresia war Franz Anton Edler von Beer, geboren um 1737 in Oberstockstall, Niederösterreich. Er war Stadtgerichtsbeisitzer und wurde im April 1765 erster Polizeioberaufseher-Adjunkt. 1773 folgte er Franz Leopold Niller als Polizeioberaufseher nach. 1773 gab es beim Wiener Polizeiamt 14 Konzeptsbeamte und acht Protokollschreiber. Im Erlass über die „Neue Polizeiverbesserung und Einteilung der Vorstädte Wien in Polizeibezirke“ vom 2. März 1776 wurden zusätzlich zu den vier Polizeivierteln der Inneren Stadt in den Vorstädten acht Polizeibezirke eingerichtet.

Polizeioberdirektion.

Kaiser Joseph II., nach Maria Theresias Tod ab 1780 Alleinregent, beauftragte den Präsidenten der niederösterreichischen Regierung, Johann Anton Graf Pergen, die Polizei zu reformieren.1782 wurde aus dem Theresianischen Polizeiamt eine „Polizeioberdirektion“ mit Kommissariaten. Der bisherige Polizeioberaufseher Franz Anton von Beer blieb Polizeichef und wurde zum Regierungsrat ernannt. 1785/86 wurden in wichtigen Provinzhauptstädten Polizeidirektionen eingerichtet, darunter in Graz, Brünn, Linz und Innsbruck. Sie waren ab 1789 der Polizeioberdirektion Wien unterstellt. Franz Anton von Beer wurde „Wirklicher Hofrat“ und diente als „Polizeioberdirektor“ bis zu seinem Tod am 25. September 1796 zwei weiteren Kaisern: Leopold II. und Franz II. Während seiner Amtszeit wurde 1793 mit der „Polizei-Hofstelle“ ein Polizeiministerium eingerichtet. Erster Präsident war Johann Anton Graf von Pergen.
1782 wurde die Bezeichnung „Polizeioberaufseher“ in „Polizeioberdirektor“ geändert. Die beiden Polizeichefs von 1849 bis 1853 führten den Titel „Stadthauptmann“; danach lautete die Bezeichnung „Polizeidirektor“. Die Verwendungsbezeichnung „Präsident“ für den Leiter der Wiener Polizeibehörde wurde 1873 eingeführt. Polizeidirektor Anton Ritter von Le Monnier hätte mit 1. Juli 1873 erster „Präsident der Polizeidirektion Wien“ werden sollen; er starb aber wenige Wochen zuvor. So war sein Nachfolger Wilhelm Marx Freiherr von Marxberg der erste Wiener „Präsident der Polizeidirektion Wien“. Der erste Leiter, der den Amtstitel „Polizeipräsident“ führte, war Eugen Seydel (1933–1934). Mit der am 1. September 2012 in Kraft getretenen Sicherheitsbehörden-Reform wurde der Amtstitel in „Landespolizeipräsident“ geändert.

Werner Sabitzer


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2025

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