Gedcenkstätten für Exekutivbeamte (31)
Gedenktafeln im SPK St. Pölten
Im Stadtpolizeikommando St. Pölten befinden sich zwei Gedenktafeln: Eine Tafel erinnert an Exekutivbeamten, die als Angehörige einer Widerstandsgruppe kurz vor Kriegsende hingerichtet wurden. Die zweite Gedenktafel ist fünf seit 1945 im Dienst getöteten St. Pöltener Polizisten gewidmet.
Gedenktafel für NS-Opfer im Stadtpolizeikommando St. Pölten
© Werner Sabitzer
Zwei Tage, bevor Soldaten der Roten Armee die Stadt St. Pölten eroberten, erschossen SS-Männer am 13. April 1945 in St. Pölten Mitglieder einer NS-Widerstandsgruppe, darunter fünf Polizeibedienstete. Die Gruppe wurde im Frühjahr 1945 vom stellvertretenden Polizeidirektor in St. Pölten, Dr. Otto Kirchl, dem Besitzer des Schlosses Pottenbrunn, Josef Trauttmansdorff-Weinsberg, und anderen Verbündeten gegründet. Sie war die wichtigste überparteiliche Widerstandsgruppe in Niederösterreich und bestand aus Polizeibediensteten, Arbeitern der Glanzstoff-Fabrik und anderer Unternehmen und Bauern. Sie wollten die Stadt St. Pölten der anrückenden Roten Armee kampflos übergeben, um Menschenleben zu retten und die Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktureinrichtungen zu verhindern. Sie planten auch, die Gestapo zu entwaffnen. Die Gruppe wurde im April 1945 von einem Gestapo-Spitzel verraten.
Otto Kirchl, seine Frau Hedwig und weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe wurden am 9. April 1945 verhaftet und bei den Verhören gefoltert. Die Ehepaare Kirchl und Trauttmannsdorff-Weinsberg und andere Widerständler wurden von einem Standgericht am 13. April 1945 im Schulzimmer der Polizeikaserne zum Tod verurteilt und am selben Tag von SS-Leuten im heutigen Hammerpark erschossen. Die Toten wurden in einer Grube im Park begraben. Am nächsten Tag verließen Mitglieder der Gestapo, der SS und anderer nationalsozialistischer Organisationen St. Pölten und flüchteten vor den anrückenden sowjetischen Soldaten.
Nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden die Leichen der Erschossenen exhumiert und in Friedhöfen bestattet. Einige der Opfer erhielten ein Ehrengrab im Hauptfriedhof St. Pölten. 1948 wurden drei Mitglieder des nationalsozialistischen Standgerichts, das die Polizisten und anderen Widerstandskämpfer zum Tod verurteilt hatte, zu mehrjährigen Kerkerstrafen und Vermögensverfall verurteilt.
Stadtpolizeikommando St. Pölten (ehemalige Bundespolizeidirektion): Die Gasse rechts neben dem Gebäude wurde nach dem Polizeijuristen Otto Kirchl benannt.
© LPD NÖ/Dieter Höller
Eine Marmortafel im Stiegenhaus des Stadtpolizeikommandos (ehemals Bundespolizeidirektion) St. Pölten in der Linzer Straße 47 erinnert an die sechs hingerichteten Polizisten. Die Inschrift lautet:
„Zum Gedenken / an die Opfer / des Faschismus! / 13. April 1945 / Dürrauer Josef (Anmerkung: richtig ist Dürauer Johann) / Faux Felix / Heidmeyer Josef / Dr. Kirchl Otto samt Frau / Klapper Johann / Schuster Johann / Gewidmet / vom / Bundespolizeikommissariat St. Pölten / und der / Gewerkschaft der Polizeiangehörigen.“
Johann Dürauer, geboren 1897 in Karlstetten, war Polizeimeister in St. Pölten. Nach ihm ist im Ortsteil Spratzern in St. Pölten eine Straße benannt. Er wurde nach der Exhumierung in einem Ehrengrab im Hauptfriedhof St. Pölten bestattet.
Felix Faux, geboren 1912 in St. Pölten, war Polizeiassistent in der Stadtpolizei St. Pölten. Nach ihm ist im Ortsteil Stattersdorf eine Straße benannt. Er wurde nach der Exhumierung in einem Ehrengrab im Hauptfriedhof St. Pölten bestattet. In dieser Grabstätte wurde auch seine 1986 verstorbene Witwe beerdigt.
Josef Heidmeyer, geboren 1902 in Wien, stellte in der Widerstandsgruppe die Verbindung zu Arbeitern der Glanzstoff-Fabrik in St. Pölten her. Der Polizeimeister hatte von 1934 bis 1938 Beziehungen zu illegalen Organisationen der Kommunisten und der revolutionären Sozialisten in St. Pölten. Nach ihm ist im Ortsteil Wagram in St. Pölten eine Straße benannt. Heidmeyer wurde nach der Exhumierung in einem Ehrengrab im Hauptfriedhof St. Pölten bestattet.
Regierungsrat Dr. Otto Kirchl, geboren am 14. November 1901 in Wien, war Konzeptsbeamter (Polizeijurist) bei der Polizei in Wien und zuletzt stellvertretender Polizeidirektor in St. Pölten. Er und seine Frau Hedwig wurden nach der Exhumierung in einem Ehrengrab am Hauptfriedhof St. Pölten bestattet. Nach ihm ist eine kleine Gasse neben dem Stadtpolizeikommando in St. Pölten benannt. Er ist auch auf einer Gedenktafel in der Landespolizeidirektion Wien am Schottenring verewigt.
Johann Klapper, geboren 1903 in Brandeben, Niederösterreich, war Polizeiverwaltungsbediensteter. Nach ihm ist im Ortsteil Stattersdorf eine Straße benannt.
Polizeioberleutnant Johann Schuster befand sich nicht unter den standrechtlich erschossenen Polizeiangehörigen. Er hatte sich in der Nacht zum 13. April 1945 in seiner Zelle das Leben genommen.
An die Opfer der Nationalsozialisten erinnern auch ein Mahnmal und ein Gedenkstein im Hammerpark in St. Pölten.
Gedenktafel für fünf im Dienst getötete Sicherheitswache- und Kriminalbeamte
© LPD NÖ/Dieter Höller
Die zweite Marmortafel befindet sich im Gangbereich des 1. Stocks im Stadtpolizeikommando und erinnert an fünf seit 1945 im Dienst getötete Angehörige der ehemaligen Bundespolizeidirektion St. Pölten. Die Inschrift lautet: „Opfer ihrer Pflicht / Franz Havlik SW / 16.6.1945 / Franz Hofbauer SW / 5.9.1970 / Norbert Gruber Ray I d KD 16.9.1970 / Michael Tschonner Insp d. SW 26.11.1986 / Peter Waldherr GI d. KD 23.4.1990 / BPD St. Pölten – GÖD – ÖGB – 1990“
Die Gedenktafel wurde am 31. Oktober 1950 im damaligen Bundespolizeikommissariat St. Pölten vom Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit Wilhelm Krechler enthüllt.
Franz Havlik, Sicherheitswachebeamter, kam am 16. Juni 1945 im Dienst ums Leben.
Franz Hofbauer, Sicherheitswachebeamter, wurde am 5. September 1945 bei der Detonation einer Landmine getötet, die er entschärfen wollte.
Norbert Gruber, Rayonsinspektor im Kriminaldienst, starb am 16. September 1970 in Karlstetten bei einem Verkehrsunfall. Der 49-jährige Kriminalbeamte war bei einer Erhebungsfahrt mit dem Dienstmotorrad gegen einen Baum geprallt.
Inspektor Michael Tschoner, Sicherheitswachebeamter, wurde am 26. November 1986 bei einem Schießunfall tödlich verletzt. Der 21-jährige Polizist des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) wurde bei einer Zugriffsübung in einem Abbruchhaus versehentlich von einem Kollegen erschossen, der einen Angreifer gespielt und seine Waffe zuvor nicht ordnungsgemäß entladen hatte.
Peter Waldherr, 47-jähriger Gruppeninspektor im Kriminaldienst, wurde am 23. April 1990 im Dienst erschossen. Waldherr stellte sich einem 24-jährigen Mann entgegen, der seine Ehefrau aus dem Frauenhaus in St. Pölten in seine Gewalt bringen wollte. Als der Kriminalbeamte den Betrunkenen zur Aufgabe zu überreden versuchte, schoss ihm der Täter aus kurzer Entfernung mit einem Gewehr in den Kopf. Die Schussverletzung war tödlich. Danach verbarrikadierte sich der Mörder in einem Zimmer des Frauenhauses. Bei der Erstürmung des Gebäudes durch Spezialisten des Mobilen Einsatzkommandos verübte der Täter Suizid.
Werner Sabitzer
Quellen:
Zuchthäusler lieferte Sankt-Pöltner Freiheitskämpfer der Gestapo aus. In: Österreichische Zeitung, 11. Dezember 1945, S. 2
Ehrung für Sankt- Pöltner NS-Opfer. In: Der Neue Mahnruf, 12/1968, S. 6
Enthüllung einer Gedenktafel für die Opfer des Faschismus. In: St. Pöltner Bote, 9. November 1950, S. 3
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2025
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