Enforce Tac 2025
Sicherheit und Verteidigung
Die Enforce Tac 2025 in Nürnberg bot einen Einblick in technische Entwicklungen zur Stärkung der inneren und äußeren Sicherheit.
Enforce Tac 2025: Präsentation eines Raupenfahrzeugs und eines Tauchscooters © Kurt Hickisch
Die Fachmesse Enforce Tac ist spezialisiert auf den Bedarf an Ausrüstung für Polizei und Militär und ist nur Besuchern aus diesen Bereichen zugänglich. Sie fand vom 24. bis zum 26. Februar 2025 im Messezentrum Nürnberg statt. Neben Ausstellungen gab es an den drei Veranstaltungstagen Fachvorträge.
Im Enforce-Tac-Village wurde demonstriert, wie Einsatzkräfte der Polizei eine Hackergruppe ausheben und Terroristen überwältigen. Zuschauer konnten die Vorführungen auf Bildschirmen mitverfolgen. Es wurden Blendgranaten eingesetzt, Verletzte versorgt und mit einem fernlenkbaren Raupenfahrzeug auf einer Trage abtransportiert.
Kraftfahrzeuge.
Neben sonstigen militärischen Sonderfahrzeugen wurden von den großen deutschen Rüstungsfirmen fernlenkbare bzw. autonom fahrende, elektrisch betriebene Raupenfahrzeuge vorgestellt. Gemeinsam sind diesen die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, die sich durch die Verwendung verschiedener Module ergeben. Mit entsprechenden Aufbauten kann ein und dasselbe Fahrzeug zum Transport von Material, von Verwundeten, zur Aufklärung oder, entsprechend adaptiert, zum Räumen von Minenfeldern eingesetzt werden. Für Hit-and-Run-Aktionen hinter den feindlichen Linien wurden leistungsstarke Elektro-Motorräder präsentiert, die leise, schnell und geländegängig sind.
Einsatzmittel.
Einige Firmen wie Lukas Hydraulik und Opcon boten Geräte zur Einsteig-, Eindring- und Abseiltechnik an, bis hin zu elektromotorisch betriebenen hydraulischen Spreizen. Fahrbare Schutzschilde, ballistische Schutzwesten sowie Körperschutz waren ebenso zu sehen wie stich-, schnitt-, nadel- sowie flammfeste Handschuhe. Am Stand von Rotinor waren Tauchscooter ausgestellt. Transportable, auch für den zivilen Bereich einsetzbare Barrieren, wurden von den Firmen BAAVA und VSV Volkmann angeboten. Das als Fahrzeugsperre gedachte Nagelbrett von Spike Stinger kann, pneumatisch aus- und einfahrbar, über Fernbedienung innerhalb einer Sekunde auf eine Länge von 3,8 m ausgefahren werden.
Eine rein optische Tarnung von Menschen und Geräten ist in Zeiten von Wärmebildkameras nicht mehr ausreichend. Es wurden Tarnanzüge und Tarnnetze gezeigt, die eine thermische Tarnung ermöglichen.
Ein tragbarer Röntgenpulsgenerator von ELP ermöglicht die Durchleuchtung verdächtiger Gegenstände. Der dazugehörende Flachbilddetektor übermittelt die Bildsignale drahtlos zur Auswertung an den Laptop des sich in sicherer Entfernung befindlichen Empfängers.
Der Milfit-Gym-Fitness-Container ermöglicht, Fitness- und Kampfsporttraining, speziell Boxen und Mixed Martial Arts (MMA), auch außerhalb feststehender Gebäude durchzuführen. Die erforderlichen Geräte, Box- und Sandsäcke, Klimmzugstangen, Turnringe, Kletterseile, sind im Container verstaut, werden an Ort und Stelle ausgeladen und über Ausleger an den Außenwänden des Containers angebracht (Original Workout).
An Ort und Stelle können Schnelleinsatz-Luftmatratzen hergestellt werden, die Luftpolstern ähnlich sind, wie sie von der Verpackungsindustrie verwendet werden. Die 65 cm breiten Luftmatratzen befinden sich auf einer Rolle und werden nach einem patentierten System von einer Inflationsmaschine automatisiert aufgeblasen. Die aufgeblasenen Polster sind entweder auf dem Boden liegend oder als Auflage für Feldbetten einsetzbar. Pro Stunde können nach Herstellerangaben bis zu 180 Luftmatratzen hergestellt werden (SMI Unterkunftslösungen GmbH). Ein Verkehrsüberwachungssystem wurde von der Firma Ekin vorgestellt.
Notfallmedizin.
Biegsame LED-Leuchten © Kurt Hickisch
An mehreren Ständen wurde die feldmäßige Erstversorgung von Verletzten realitätsgetreu dargestellt. Verletzungsmoulagen, mit denen zu Übungszwecken Verletzungen nachgebildet werden können, waren unter anderem bei den Firmen RUD-SGM und Trauma-Sim zu sehen.
Beispielsweise für den Einsatz in Feldlazaretten sind LED-Lichterbänder von XPLight gedacht. Diese Lichterbänder sind biegsam, verformbar und wasserfest. Sie können ohne lange Verkabelungsarbeiten an die Decke eines (Sanitäts-)Zeltes gehängt werden und dieses ausleuchten. Zwischen weißem, rotem oder infrarotem Licht kann umgeschaltet werden. Beim Abbau des Zeltes können die Lichtbänder in diesem verbleiben.
Eine aufblasbare Feldtoilette wurde von der Inventied GmbH angeboten. Haltbare Einsatzverpflegung war bei Pro-Ration zu sehen.
Nicht tödliche Waffen.
Eine Druckluftwaffe mit entfernungsunabhängiger Wirkung stellte die Firma UMX vor. Das Gerät verschießt Projektile im Kaliber 18 mm bis zu 105 m, effektiv bis 55 m. Die Entfernung zum anvisierten Ziel wird über den in der Waffe integrierten Laser ermittelt und die Abschussenergie so dosiert, dass, unabhängig von der Entfernung, das Geschoß immer mit der gleichen kinetischen Energie auftrifft. Die 7,2 g schweren Geschoße sind in der Basis- wie auch in der Trainingsausführung mit Granulat aus rostfreiem Stahl gefüllt. Sie sind auch mit UV-Markierungssubstanzen und/oder Pfefferpulver erhältlich.
Die Protectile GmbH, Wien, hat ein System vorgestellt, mit dem, aufgesteckt auf den Lauf einer (Polizei-)Pistole, ein kugelförmiger Wuchtkörper von etwa 5 cm Durchmesser mit scharfer Munition verschossen werden kann. Die Auftreffenergie wird mit ca. 100 Joule angegeben, was als einem harten Punch beim Boxen vergleichbar bezeichnet wurde. Es kann in der Folge mit scharfer Munition weitergeschossen werden oder ein weiteres Projektil aufgesteckt werden. Damit dies leichter vonstatten geht, wurde ein eigenes Holster entwickelt, bei dem der Lauf der Pistole von oben herab auf das Projektil gesteckt wird.
In einem Schießstand der Firma Axon konnte man, nach vorheriger Einweisung in die Handhabung, mit dem Taser gezielte Schüsse auf Zielfiguren abgeben. Ein dem Taser sowohl im Aussehen als auch in der Funktion nachgebildetes Gerät war unter der Bezeichnung TX200P am Stand eines Unternehmens aus Hongkong zu sehen.
Einige Firmen haben Reizgase in der Größe vom handlichen Abwehrspray bis zu Gasbehältern angeboten. Abwehrsprays ohne Reizgas, dafür aber mit Stinkstoff, der nach Erbrochenem riecht, und weitere mit Farbmarkierung und Glitzerelementen, wurde von Code-4 präsentiert.
Drohnenabwehrsystem; Vorführung mit Einsatzhund; Geräte zum Eindringen in massiv gesicherte Objekte © Kurt Hickisch
Drohnen.
Mit großen Ausstellungsständen zu Drohnen, deren Ortung und Abwehr waren beispielsweise die Firmen Aartos und Securiton vertreten. Zu sehen war eine tragbare, mit Methanol betriebene Brennstoffzelle, mit der unter anderem die Akkus von Drohnen wieder aufgeladen werden können (SFC Energy).
Ein Vertreter von Rohde & Schwarz analysierte die Gefahren, die von Drohnen ausgehen, und die Herausforderungen, vor denen die Abwehr steht. Die Gefahren reichen vom ahnungslosen über den unbekümmerten bis zum kriminellen Piloten und Drohnenschwärmen. Der „Werkzeugkasten“ für die Anwender wird immer komplexer, Standardanwendungen vergrößern ihre Kompetenz, die Entwicklung der Unmanned Aircraft Systems (UAS) schreitet rapid fort. Im Handel erhältliche Drohnen operieren in zwei oder drei freigegebenen Frequenzbereichen (ISM-Bänder). Militärisch eingesetzte Drohnen fliegen autonom und verraten sich nicht durch ausgesendete Funksignale (radio silent). In weiterer Folge wurden Lokalisierungs- und Abwehrsysteme vorgestellt.
Über Drohnen der übernächsten Generation (militärisch: Generation After Next – GAN) im Rahmen des Forschungsprojekts AIVIA referierte Stephan G. Humer, Skip Institut Köln. Drohnen würden dabei in eine Visualisierungs-, Analyse- und Interpretationslösung eingebunden werden, die auf Machine-Learning und Deep-Learning-Algorithmen basiert. Autonome Drohnen könnten zur Verkehrs- und Grenzüberwachung eingesetzt und zu intelligenten Schwärmen vereinigt werden. Drohnen könnten eigenständige Analysen durchführen, Zielobjekte lokalisieren und verfolgen.
Die Enforce Tac 2025 wurde von rund 1.000 Ausstellern beschickt und knapp 19.000 Interessierten besucht. Die nächste Enforce Tac wird vom 23. bis zum 25. Februar 2026 wiederum im Messezentrum Nürnberg stattfinden.
Kurt Hickisch
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 5-6/2025
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