Sicherheitstechnik
Mehr als Türen und Schlösser
Vom Schlosser zum Sicherheitstechniker: Bei der neuen Ausbildung steht umfassender Einbruchschutz am Lehrplan. Es wird vermittelt, wie man Schlüssel, Schließzylinder, Schlösser, Beschläge, Sicherheitstüren, Wertsicherungssysteme wie Tresore, aber auch ganze Schließanlagen herstellt und montiert.
Die Ausbildung zum Sicherheitstechniker erfolgt am Ausbildungszentrum Metalltechnik in Wien-Floridsdorf
© Christian Adamovic
Eine neue Sicherheitstür – und Einbrecher haben keine Chance mehr. So einfach ist es leider nicht, wie Kommerzialrat Christian Adamovic betont. „Es geht um Objekte, nicht nur um Türen und Schlösser“, sagt Landesinnungsmeister Metalltechnik Wien und Obmann-Stellvertreter des Kuratoriums für Einbruchschutz und Objektsicherung (KEO). „Man muss auch schauen, ob der Einbrecher neben der Tür durch eine Rigipswand kommen kann.“
Bisher hatte man Glück, wenn der „klassische“ Schlosser vor dem Einbau der Tür auch die Wand begutachtete, ganz zu schweigen von den Fenstern einige Meter weiter. Das soll sich nun flächendeckend ändern. In der Ausbildung zum Metalltechniker, dem ehemaligen Schlosser, kann man sich seit 1. September 2022 auf Sicherheitstechnik spezialisieren. Adamovic war bei der Erstellung des neuen Ausbildungskonzepts federführend, beraten ließ er sich von Chefinspektor Josef Janisch vom Assistenzbereich 4 – Kriminalprävention des Landeskriminalamts Wien.
Christian Adamovic, auch Vorsitzender des Arbeitsausschusses Sicherheitstechnik der Bundesinnung der Metalltechniker, steht schon seit Jahren in Kontakt mit Josef Janisch. Dieser steuerte Input für die Sicherheitstechnik-Ausbildung bei, etwa durch das Einbringen von Täterprofilen, und überzeugte sich bei den ersten Prüfungen über den Kenntnisstand der angehenden Sicherheitstechniker. „Gute Produkte müssen auch gut montiert werden. Wie man das macht, erfährt man in der Sicherheitstechniker-Lehre“, sagt Janisch.
„Ein Elektrikermeister muss eine Prüfung zum Alarmanlagenerrichter ablegen, um eine Alarmanlage installieren zu dürfen. Das wollten wir von der Kriminalprävention gemeinsam mit der Innung Metalltechnik auch für Metalltechniker erreichen.“ Damit soll garantiert werden, dass Kunden einen professionellen Einbruchschutz erhalten.
Oft mangelt es laut Janisch daran, dass der Schlosser bzw. Metalltechniker die Wohnung oder das Gebäude nicht als Ganzes betrachtet, das gesichert werden muss. „Für eine Villa hat ein Schlosser schöne schmiedeeiserne Gitter angefertigt, sie aber mit Plastikdübeln verankert. Ein Einbrecher hat das Gitter ausgehebelt.“ Manchmal werden auch grundlegende Fehler gemacht. Janisch nennt das Beispiel eines massiven schmiedeeisernen Tors, das als Schwachstelle einen vorstehenden Schließzylinder aufwies. Dieser wurde bei einem Einbruch abgerissen.
Neue Themen.
Nach der – je nach Auswahl der Module – dreieinhalb bis vier Jahre dauernden Sicherheitstechniker-Lehre sollte so etwas nicht passieren. In der Ausbildung wird vermittelt, wie man Schlüssel, Schließzylinder, Schlösser, Beschläge, Sicherheitstüren, Wertsicherungssysteme wie Tresore und Schließanlagen herstellt und montiert. Neu in den Lehrplan aufgenommen worden sind Themen wie einbruchhemmendes Glas, Grundlagen der Schwachstromtechnik oder elektronische Verriegelungen. „Der Weg führt zu elektronischen Sperrsystemen wie beim Auto. Wenn diese funktionieren sollen, muss jemand dahinterstehen, der bei Problemen weiß, wo der Fehler liegen kann“, sagt Adamovic.
Zu den Aufgaben des Sicherheitstechnikers zählt der Umgang mit modernen Technologien. Dazu gehört, digitale Sicherungs- und Schließsysteme mit elektronischen Schlüsseln und integrierter Zutrittskontrolle zu programmieren und zu installieren.
Adamovic betont, dass die Beratung der Kunden einen wesentlichen Teil der Arbeit von Sicherheitstechnikern darstellt. Wichtige Themen sind die Arten von Sicherungssystemen und ihre Funktion, die Widerstandsklassen von Türen und Fenstern, die nach ÖNORM B 5338 bzw. EN 1627-1630 zertifiziert sind, die für die Montage erforderlichen Umbauten, die Kosten und Förderungen. Für die Erstellung eines Sicherheitskonzepts muss der Sicherheitstechniker die Schwachstellen des Objekts analysieren sowie mechanische und elektronische Schutzmaßnahmen vorschlagen.
Vorzeigeobjekt.
Christian Adamovic: „Es geht um Objekte, nicht nur um Türen und Schlösser.“
© Michael Weinwurm
Wie ein Objekt optimal gesichert werden kann, sieht man am Ausbildungszentrum Metalltechnik in Wien-Floridsdorf, wo Adamovic unterrichtet. „Das Ausbildungszentrum hat einbruchhemmende Türen und Fenster. Unsere Einbruchsmeldeanlage ist auf einen Wachdienst aufgeschaltet, der in der Nacht regelmäßig Begehungen macht. Dank eines elektronischen Zutrittskontrollsystems gibt es keine Probleme mit Schlüsselverlust. Man kann Zeitfenster für den Zutritt vergeben und diesen aus der Ferne freischalten. Da alle Eintritte automatisch protokolliert werden, weiß man genau, wer sich wann im Gebäude aufgehalten hat“, beschreibt der Landesinnungsmeister.
Selbst die besten Maßnahmen können keinen hundertprozentigen Schutz vor Einbrechern bieten, aber viele abschrecken oder zum Aufgeben zwingen. Die benötigte Zeit, um in ein Gebäude einzudringen, ist ein wesentlicher Faktor dafür, ob ein Täter sein Vorhaben durchzieht oder es abbricht. Laut Kriminalstatistik blieb es 2023 bei fast der Hälfte aller angezeigten Einbruchsdiebstähle in Wohnungen und Einfamilienhäuser beim Versuch.
Spurlos.
Das gilt auch bezüglich der Versicherungsprämien, die für gut geschützte Objekte niedriger ausfallen. Eine unerfreuliche Information zum Thema Versicherung betrifft die Leistung im Schadensfall. „Die Versicherung zahlt nur, wenn es Einbruchsspuren gibt, aber ein Einbrecher kann viele Zylinder ohne Spuren öffnen“, sagt Adamovic. Als Beispiele nennt er die Verwendung eines Nachschlüssels oder eines „Schlagschlüssels“. Das ist ein spezieller Schlüssel(-rohling), dessen Profil für das entsprechende Schloss grob passend und auf die tiefsten Stellen gefräst ist, so dass die Stifte im Schloss ein wenig heruntergedrückt werden. Der für den Schlosstyp passende Schlagschlüssel kann einfach in den Schlosseingang eingeführt werden. Wird nun mit dem Hammer leicht auf den Schlüssel geklopft, werden die Stifte durch das gleiche Prinzip wie bei einem Elektro-Picking bewegt und der Zylinder kann geschlossen werden.
Profi-Einbrecher wenden auch die Methode des Elektropickings an. Bei diesem versetzt eine Elektropick-Pistole die Sperrstifte des Sperrzylinders in Schwingungen und bringt sie kurz in eine nicht sperrende Position. Hochwertige Schließzylinder haben Schutzvorrichtungen gegen diese Methode.
Nicht nur Kriminelle, auch Sicherheitstechniker in der Metalltechnik wissen über diese Tricks Bescheid. Um einen Missbrauch zu verhindern, ist der Zugang zu sensiblen Inhalten in der Lehre reglementiert, sagt Adamovic: „Bevor ein Lehrling den Aufsperrteil macht, muss er eine Strafregisterbescheinigung bringen. Das gilt auch für die Teilnehmer am Kurs Öffnungstechnik.“ Das Mindestalter beträgt 18 Jahre.
Aufsperrer.
Josef Janisch: „Gute Produkte müssen auch gut montiert werden.“
© Bernhard Elbe
Wer die Ausbildung zum Sicherheitstechniker abgeschlossen hat, ist berechtigt, einen Aufsperrdienst zu betreiben. Oft sind nicht dazu befugte Betriebe als Aufsperrer tätig. Schwarze Schafe nutzen die Notlage von Personen, die sich ausgesperrt haben, und verlangen für das Öffnen der Tür Fantasiepreise. „Aufsperrer schicken Kunden, die nicht genug Geld zu Hause haben, mitten in der Nacht zum Bankomaten“, berichtet Janisch. Um solchen Praktiken einen Riegel vorzuschieben, erarbeitete das Kuratorium für Einbruchschutz und Objektsicherung Qualitätskriterien für Sicherheitstechniker und entwickelte das „Gütesiegel Aufsperrer“. Firmen, die es erwerben wollen, müssen sich einer Prüfung unterziehen.
Die Mitarbeiter der Aufsperrdienste sind verpflichtet, jährlich eine Strafregisterbescheinigung vorzulegen. Wer einen Aufsperrer benötigt, erhält über Telefon-Hotline, App oder Website von der Wirtschaftskammer Österreich und der Metalltechnik-Innung die Kontaktdaten der nächstgelegenen mit dem Gütesiegel ausgezeichneten Betriebe. Informationen zum Thema Aufsperrdienste bietet auch die Kriminalprävention an.
Austausch.
Die Kooperation von Kriminalprävention und Landesinnung Metalltechnik hat sich laut Janisch bewährt. Die Innung führt Schulungen für Präventionsbeamte durch, in denen neu auf den Markt gekommene Produkte sowie deren Schwachstellen und Stärken vorgestellt werden. Die Kriminalprävention wiederum hält bei Veranstaltungen der Innung Vorträge darüber, wie sich Einbrüche verhindern lassen. „In den letzten Jahren ist das Thema Internetkriminalität dazugekommen, weil Einbrecher über Internetkameras in Häuser ‚hineinschauen‘, Elektronikschlösser mit dem Handy aufsperren und Fingerprints manipulieren“, sagt Janisch.
Derzeit werden oft Schlösser mit Säure, meist Salpeter-, seltener Schwefelsäure, aufgeätzt, die beim Kontakt mit der Haut zu schweren Verletzungen führt und beim Einatmen der Dämpfe die Lunge schädigt. Janisch holte die Genehmigung des Innenministeriums ein, die Analyseergebnisse, um welche Substanzen es sich handelt, an die Innung weiterzugeben. „Die Sicherheitstechniker müssen das wissen, sonst greift ein Mitarbeiter in die Säure und verliert einen Finger“, erklärt Janisch. Jede Information über das Vorgehen der Kriminellen hilft den Sicherheitstechnikern, die technischen Schutzmaßnahmen gegen Einbrüche zu verbessern.
Rosemarie Pexa
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 5-6/2025
Druckversion des Artikels (pdf, 323 kB)