Frauenförderung
Sicherheit ist auch Frauensache
Das Referat „Frauenkarrieren“ im Innenministerium wurde am 1. April 2024 gegründet – seitdem hat sich viel getan: Neue Maßnahmen fördern den Wiedereinstieg nach der Elternkarenz, Netzwerke sind in Planung und erste Erfolge sind sichtbar.
Referat Frauenkarrieren: Referatsleiterin Sabrina Jamnig (li.) und ihr Team wollen bis 2030 den Frauenanteil in der Führungsriege des Innenministeriums auf 25 Prozent zu erhöhen. © Gerd Pachauer
Am Anfang existierte es nur auf dem Papier – das neugeschaffene Referat Frauenkarrieren. Als eine von rund 40 Vorschlägen der Arbeitsgruppe „Frauen in Führungspositionen“ wartete die Idee darauf, mit Leben erfüllt zu werden. Referatsleiterin Sabrina Jamnig und ihr Team haben eine klare Mission: den Frauenanteil in der Führungsriege des Innenministeriums auf 25 Prozent zu erhöhen – bis 2030. Mit Stand 1. April 2025 gibt es 113 weibliche Führungskräfte (27 Prozent) in der BMI-Zentralstelle und 177 in den Landespolizeidirektionen (elf Prozent). Im gesamten BMI sind es 15 Prozent.
Mut zur Veränderung.
Kein einfaches Unterfangen, wie die Referatsleiterin betont: „Frauen in Führungspositionen zu bringen ist eine große Herausforderung, besonders im männerdominierten Innenressort.“ Doch was benötigt es, um Gleichstellung nachhaltig zu verankern? „Sich hinter dem Motto ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘ zu verstecken, bringt uns nicht weiter. Was es braucht, sind Mut und Akzeptanz, Dinge anders anzugehen“, sagt Jamnig.
Dieser Mut trägt ein Jahr nach der Referatsgründung Früchte: Der Frauenanteil im Innenministerium ist gestiegen – in der Zentralstelle sowie in den Landespolizeidirektionen. Besonders erfreulich: In den vergangenen zwölf Monaten wurden mehrere hochrangige Führungspositionen mit Frauen besetzt, darunter Uta Bachmann als Landespolizeidirektorin in Vorarlberg, Eva Gollubits als Leiterin der Gruppe I/A und Elisabeth Wenger-Donig als Leiterin der Gruppe V/B. „Das sind gute Signale. Es geht in die richtige Richtung“, freut sich Jamnig.
Wiedereinstieg leichtgemacht.
BMI-Zentralstelle: 27 Prozent der Führungskräfte sind weiblich © Alexander Tuma
Neben der Sichtbarkeit von Frauen in der Führungsebene setzt das Referat auf Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ein Meilenstein war die Einführung der Möglichkeit, dass Mitarbeiterinnen während der Elternkarenz ihren dienstlichen Laptop und ihr Handy behalten dürfen – diese Änderung brachte einen großen Vorteil für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landespolizeidirektionen mit sich, die nun auch auf ihren Diensthandys Zugriff auf ihr E-Mail-Postfach haben. „Wir wollten sicherstellen, dass sich Frauen während der Karenz nicht ausgeschlossen fühlen“, erklärt Jamnig.
Der Elternkompass, ein Handbuch, das werdenden Eltern Orientierung zu den Themen Schwangerschaft, Elternkarenz und Wiedereinstieg bietet, ist ein weiteres erfolgreiches Projekt. Ergänzend dazu entwickelte das Team ein Handout für Führungskräfte sowie eine Checkliste für Wiedereinstiegsgespräche, damit Mütter von ihren Vorgesetzten bestmöglich über ihre Möglichkeiten bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz informiert werden können. Jamnig: „Dazu habe ich sehr positives Feedback erhalten – auch von männlichen Führungskräften.“
Führungstandem.
Ein wichtiges Vorhaben sei die Wiedereinführung der Modena-Treffen, bei denen es sich um interne Frauennetzwerktreffen handelt, sagt Jamnig. „Da unser Referat nicht nur für die Zentralstelle zuständig ist, sondern für das gesamte Ressort, möchten wir die Modena-Treffen auch gerne auf die Bundesländer ausrollen.“ Auch die Aufteilung von Führungsverantwortung ist der Referatsleiterin ein wichtiges Thema. „Es gibt Kolleginnen, die aus der Elternkarenz zurückkommen und sich vorstellen können, eine Führungsposition zu übernehmen, aber daran zweifeln, ob so eine Aufgabe in Teilzeit machbar ist.“ In vielen Ländern werde bereits auf ein „Führungstandem“, die Aufteilung der Führungsaufgaben auf ein Team aus zwei Personen, gesetzt – so auch beispielsweise im deutschen Innenministerium, erklärt Jamnig.
Gemeinsam mehr erreichen.
Modena-Treffen: Das interne Frauennetzwerktreffen im Bundesministerium für Inneres soll neu belebt werden © Alexander Tuma
Als Führungskraft weiß die Referatsleiterin, dass der Erfolg solcher Projekte maßgeblich vom Team abhängig ist: „Mir ist in meinem Team wichtig, dass es bei uns nicht nur auf professioneller Ebene passt, sondern auch zwischenmenschlich.“ Übrigens: Das Team um Sabrina Jamnig hat einen Frauenanteil von 100 Prozent. Das sei jedoch keine spezielle Intention. Bei Ausschreibungen seien Bewerbungen von Männern gerne gesehen, betont die Referatsleiterin.
Was die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen betrifft, ist Jamnig positiv überrascht: „Als Leiterin einer neuen Organisationseinheit hatte ich anfangs Sorgen, dass es Vorbehalte geben könnte. Ich habe mit Gegenwind gerechnet, der aber ausgeblieben ist.“ Ob beim Elternkompass oder beim Erlass für mobile Geräte in der Elternkarenz – alle Beteiligten zogen an einem Strang. „Das hat mich ganz besonders gefreut“, betont Jamnig.
Wovon lässt sich das „Frauenkarrieren“-Team inspirieren?
„Skandinavische Länder sind in Sachen Gleichstellung oft Vorbilder. Aber nicht jedes Modell lässt sich eins zu eins übernehmen – wir müssen unseren eigenen Weg finden“, erklärt die Referatsleiterin. „Vorbilder sind manchmal wichtig, man muss sich aber davon auch lossagen können, um Projekten eine eigene Note zu geben.“ „Wir haben mit unserem Referat eine Vorreiterrolle im öffentlichen Dienst eingenommen. In anderen Ministerien sind ‚Frauenbelange‘ meistens in anderen Organisationseinheiten eingebettet.“ Vor einem Jahr war das Referat „Frauenkarrieren“ bloß die Idee auf einem Blatt Papier. Heute ist das Referat eine treibende Kraft für Veränderung im Innenministerium – mit konkreten Projekten, mit sichtbaren Erfolgen und mit einer klaren Vision. Zufrieden ist Sabrina Jamnig noch nicht: „Die Arbeit geht weiter. Wir haben schon einiges erreicht, aber es gibt noch genug zu tun.“
Lisa Maria Unterberger
Sicherheitsakademie
Neuer SIAK-Beirat
Mitglieder des neu bestellten SIAK-Beirats
© Tobias Bosina
Andreas Achatz (BMI-Generalsekretär), Petra Dietrich (Verwaltungsakademie des Bundes), Sylvia Mayer (stv. DSN-Direktorin), Martin Netzer (BMBWF-Generalsekretär), Gerhard Pürstl (Wiener Landespolizeipräsident), Susanne Reindl-Krauskopf (Universität Wien), Rosemarie Schön (Wirtschaftskammer), Mi-chael Takacs (Bundespolizeidirektor), Gregor Wenda (BMI-Abteilungsleiter) und Reinhard Zimmermann (GÖD) wurden am 14. März 2025 im Festsaal des Innenministeriums in der Herrengasse in Wien offiziell ihre Ernennungsdekrete in den Beirat der Sicherheitsakademie (SIAK) überreicht.
„Eure Bestellung ist ein Zeichen des Vertrauens und der Anerkennung in eure Fähigkeiten und Erfahrungen. Ich bin überzeugt, dass ihr mit frischen Ideen und neuen Perspektiven dazu beitragen werdet, die Sicherheitsakademie weiter zu stärken und für künftige Herausforderungen bestmöglich aufzustellen“, sagte Sektionschef Karl Hutter anlässlich der Übergabe. Der Leiter der Sektion I im Innenministerium unterstrich die Bedeutung der SIAK „als größte Bildungseinrichtung des Bundes“, mit knapp 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Weiters sagte er: „Es ist nicht selbstverständlich, dass ihr eure Zeit und Expertise einbringt, um die Sicherheitsverwaltung weiter zu stärker. Dafür ein herzliches Dankeschön.“
Zentrale Aufgaben.
Der Beirat spielt eine entscheidende Rolle als Beratungsorgan der SIAK und gibt Empfehlungen in grundsätzlichen Bildungsfragen des BMI, zur Einführung neuer Lehrgänge sowie deren methodischen und inhaltlichen Gestaltung ab. Auch bei grundsätzlichen Fragen von Kooperationen mit anderen Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie der Bestimmung von Forschungsschwerpunkten spielt das Gremium eine Rolle. Darüber hinaus steht der Beirat – der vom Bundesministerium für Inneres für eine zweijährige Funktionsperiode bestellt wird – für Transparenz, Nachvollziehbarkeit und die kontinuierliche Weiterentwicklung der SIAK.
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 5-6/2025
Druckversion des Artikels (pdf, 435 kB)