Europol
Organisierte Kriminalität
Europol hat mit der EU SOCTA 2025 neue Erkenntnisse zur Sicherheitslage in Europa veröffentlicht. Der Bericht zeigt eine Zunahme von Cyber-Kriminalität, Menschen- und Drogenhandel sowie Geldwäsche. Zudem nutzen kriminelle Netzwerke zunehmend digitale Technologien, um ihre Machenschaften zu verschleiern.
Der Drogenhandel bleibt das lukrativste Geschäftsfeld der organisierten Kriminalität © Europol
Der neueste Bericht des EU Serious and Organised Crime Threat Assessment (EU SOCTA) zeigt, dass die organisierte Kriminalität (OK) in Europa ihre Strategien an aktuelle Gegebenheiten angepasst hat. Sie bedient sich moderner Technologien, globaler Lieferketten und nutzt institutionelle Schwächen aus, um ihre kriminellen Aktivitäten weiter auszubauen. Beinahe jede Form der schweren und organisierten Kriminalität hinterlässt einen digitalen Fußabdruck. Sie nutzt und missbraucht die digitale Infrastruktur, um bei ihren Aktivitäten effizienter zu sein. Zudem machen die neuesten Technologien Cyber-Angriffe schneller und verheerender als je zuvor.
Laut dem Europol-Bericht dominieren Verbrechen wie Drogen- und Menschenhandel sowie Finanzkriminalität weiterhin innerhalb der OK. Zudem steigen die Zahlen der Cyber-Delikte, des Missbrauchs von Krypto-Währungen und Umweltkriminalität rapide an. Die digitalen Märkte bieten Kriminellen neue Möglichkeiten, anonym zu handeln.
Drogenhandel.
Der Handel mit Drogen bleibt ein lukratives Geschäftsfeld der OK. Vor allem der Kokainhandel internationaler Kartelle in Europa hat ein bisher nicht erreichtes Ausmaß angenommen. Die Produktion von synthetischen Drogen in Europa – insbesondere Methamphetamin – steigt ebenfalls an. Kriminelle nutzen den Onlinehandel wie Darknet-Marktplätze und Kryptowährungen für einen weitgehend anonymen Handel und es nimmt der Einsatz von Technologien zu. Der Drogenhandel ist oft mit Gewaltdelikten und Korruption verbunden.
Menschenhandel, Schlepperei und Ausbeutung.
Besorgniserregend ist der Anstieg der Fälle von Menschenhandel und der Ausbeutung vulnerabler Gruppen. Schleppernetzwerke profitieren von Kriegen und geopolitischen Krisen. Die Ausbeutung der Opfer beginnt oft im Internet: Falsche Jobangebote oder erzwungene Cyber-Kriminalität sind neue Methoden, mit denen Menschen in moderne Sklaverei gezwungen werden.
Cyber-Kriminalität.
Ransomware-Angriffe, Identitätsdiebstahl und digitale Betrugsmaschen haben nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmen und kritische Infrastruktur im Visier. Staaten und Kriminelle liefern sich ein Wettrüsten um die Vorherrschaft im Netz
Finanzdelikte und Geldwäsche.
Die OK stützt sich auf Geldwäschemethoden wie den Einsatz von Offshore-Firmen, Kryptowährungen und digitale Zahlungsdienste. So wird den Ermittlungsbehörden die Rückverfolgung illegaler Finanzströme erschwert. Schätzungen zufolge versickern jährlich Milliardenbeträge in dunklen Kanälen, was nicht nur die Wirtschaft destabilisiert, sondern auch Korruption und politische Einflussnahme fördert.
Umweltkriminalität.
Illegaler Rohstoffabbau, Abfallverschiebung und Schmuggel von geschützten Tierarten nehmen in Europa zu. Die EU sieht sich mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert, da organisierte Gruppen gezielt Umweltgesetze umgehen und mit illegaler Abfallentsorgung oder Holzhandel immense Profite erzielen. Die Schäden an der Natur gefährden Ökosysteme und sind oft irreversibel.
Aussicht und Maßnahmen.
Die EU und ihre Mitgliedstaaten stehen vor der Herausforderung, diesen Bedrohungen effektiv zu begegnen. Laut EU SOCTA 2025 muss dafür die Zusammenarbeit nationaler und internationaler Sicherheitsbehörden weiter intensiviert werden: Eine wirksame Strategie erfordert das internationale Zusammenwirken von spezialisierten Einheiten der Polizei und der Justiz. Die Strafverfolgungsbehörden müssen sich der Bedrohungslage flexibel anpassen. Behörden wie Europol und Frontex würden eine zentrale Rolle spielen. Zudem benötige es strengere Gesetze zur Bekämpfung von Geldwäsche, Cyber-Kriminalität und illegaler Finanzströmen.
Der EU SOCTA 2025 ist eine Analyse der Bedrohungslage durch organisierte Kriminalität in der Europäischen Union. Der Bericht wird von Europol mit Unterstützung der Mitgliedstaaten und weiterer internationaler Partner erstellt und alle vier Jahre veröffentlicht. Er dient als Grundlage für die europäische Sicherheitsstrategie.
M. R.-E.
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 5-6/2025
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