Deutschland
Kontrollieren, ermitteln, retten
Die Wasserschutzpolizei Nordrhein-Westfalen hat vielfältige Aufgaben. Für die 900 Flusskilometer, die etwa der Luftlinie von Wien nach Amsterdam entsprechen, sind 270 Polizeikräfte im Dienst.
Wasserschutzpolizei Nordrhein-Westfalen: Die Boote der Rheinflotte sind standardmäßig mit drei Beamten besetzt © Sven Gerigk
Die Rheinwiesen in Düsseldorf sind voller Menschen und auf dem Rhein verkehren dicht an dicht Container-, Tank- und Ausflugsschiffe. Mitten in der Fahrrinne der Berufsschifffahrt ist eine schwimmende Person erkennbar. Mehrere Personen wählen den Notruf. Sofort mobilisiert die Leitstelle ein Großaufgebot an Einsatzmitteln unter dem Einsatzstichwort „P Rhein“.
In kürzester Zeit erscheinen Rettungsboote der Wasserrettung sowie das blau-weiße Boot „WSP2“ der Wasserschutzpolizei Nordrhein-Westfalen. Am nahen Flughafen ist der Hubschrauber der Polizeiflugstaffel gestartet und fliegt im Tiefflug über den Rhein. Kräfte an Land unterstützen mit Sichtkontakt. Der Schwimmer wird in letzter Sekunde aus seiner lebensgefährlichen Lage gerettet. Warum er sich dort im Wasser befand, wird die Wasserschutzpolizei später klären.
Auf Flüssen und Kanälen.
Die Wasserschutzpolizei (WSP) Nordrhein-Westfalen hat ein breites Einsatzgebiet. Mit ihren Streifenwägen für Einsätze am Land und ihren 23 Booten ist sie für 900 Flusskilometer zuständig. Dazu gehören die westdeutschen Kanäle und kleineren Flüsse. Die Boote der Rheinflotte bestreifen die wichtigste europäische Wasserstraße. Der Rhein verbindet die Seehäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen mit Deutschland und angrenzenden Ländern. Über den Rhein-Main-Donau-Kanal besteht eine direkte Verbindung für Fracht- und Hotelschiffe nach Österreich.
Schiffskontrolle bei voller Fahrt.
Im Bootsstreifendienst überwacht und regelt die Wasserschutzpolizei den Schiffsverkehr. Schiffskontrollen erfolgen während der Fahrt oder im Hafen. Polizeihauptkommissar Stefan Loß, Leiter der WSP-Wache Düsseldorf, erläutert: „Je nach Schiffstyp und Umfang der Kontrolle dauern diese bis zu zwei Stunden. Bei Schiffsunfällen ist ein Arbeitstag schnell mit der Aufnahme ausgefüllt.“
Kontrolliert werden die Ausrüstung, der Zustand und die Qualifikation der Besatzungsmitglieder sowie gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeiten. Dazu kommen Dokumente wie das Schiffsführerpatent, das Bordbuch und die Genehmigung zum Gefahrguttransport. Ereignet sich ein Gefahrgutunfall, ist das Polizeiboot dank seiner Sensoren begrenzt explosionsgeschützt.
Bei Gewässerverunreinigungen arbeitet die Wasserschutzpolizei mit der Polizeifliegerstaffel zusammen: „Wo vom Boot aus häufig nur eine Ölspur auf der Oberfläche erkennbar ist, lässt sich vom Hubschrauber aus das Ausmaß und manchmal auch ein Verursacher ausmachen. Unsere Kollegen führen vom Boot aus die weiteren Ermittlungen. Im Gegenzug leisten wir regelmäßig Hilfe für die angrenzenden Polizeibehörden, beispielsweise bei Fahndungen nach Vermissten, die sich am Rheinufer aufhalten könnten“, berichtet Loß.
Die Wasserschutzpolizei überwacht auch Sondertransporte oder sperrt die Schifffahrt bei besonderen Ereignissen – wie dem Feuerwerk anlässlich des „Japantags“. Sie überwacht Unfallbrennpunkte und bekämpft mit den Wasser- und Schifffahrtämtern deren Hauptunfallursachen.
Fast immer auf dem Wasser.
Die Schichten verbringt die Besatzung zumeist auf dem Wasser: Das sind für die Wache Düsseldorf rund 40 Kilometer Rheinstrecke mit den Industriehäfen in Neuss, Düsseldorf und Krefeld, Yachthäfen sowie Natur- und Landschaftsschutzgebiete. „Wir müssen während der Schichten nicht an Land gehen, denn unser Streifenboot ist eine kleine, schwimmende Polizeiwache, in der auch die Schreibarbeiten im Einsatzfall durchgeführt werden“, sagt ein Mitglied der Besatzung. Immer im Auge hat die Besatzung das angrenzende Ufer: „Wenn wir da Verstöße gegen den Naturschutz feststellen, greifen wir ein.“
Die neun WSP-Wachen sind alle der Direktion Wasserschutzpolizei des Polizeipräsidiums Duisburg unterstellt. Dort befindet sich der größte europäische Binnenhafen. Ihr zentrales Kriminalkommissariat bearbeitet Straftaten im gesamten Zuständigkeitsgebiet wie Straftaten gegen die Umwelt, fahrlässige Tötung und Körperverletzungen bei Betriebsunfällen, Urkundenfälschungen von Schifffahrtspatenten, Ursachen von Bränden und Explosionen. Dazu kommen Sachbeschädigungen, Fischwilderei oder Diebstähle auf Ausflugsschiffen. Nicht zuständig ist sie für schwere Straftaten wie erpresserischen Menschenraub, vorsätzliche Tötung oder organisierte Kriminalität.
Gefahren.
Die Wasserschutzpolizei sorgt für Sicherheit auf den 900 Kilometern schiffbaren Wasserstraßen des Landes Nordrhein-Westfalen © Sven Gerigk
Insbesondere im Sommerhalbjahr macht die Freizeitschifffahrt und das oft sorglose Verhalten der Menschen einen bedeutenden Teil der Arbeit der Wasserschutzpolizei aus. Menschen schwimmen oder fahren mit ihren Booten inmitten des Schiffsverkehres. Da befinden sich Schwimmer an den Fahrrinnen der Berufsschifffahrt, Jetskis im toten Winkel der Containerschiffe oder auf Kanälen, und Einhorn-Badeinseln – große, aufblasbare Schwimmtiere – oder Stand-up-Paddler vor Tankschiffen. Dabei laufen sie Gefahr, in Strudel, Strömungen oder in den Sog vorbeifahrender Frachtschiffe zu geraten. Die Polizei warnt präventiv und schreitet bei Verkehrsverstößen ein.
Zu dritt an Bord.
Die Boote der Rheinflotte erreichen mit zwei 450 PS starken Motoren im stillen Wasser rund 50 km/h – rheinabwärts geht es schneller. Drei auf Anhängern verlastete Boote erreichen einige Einsatzstellen schneller über die Straße. Die Besatzung kann mit ihrem Sonargerät Hafenbecken nach Autos absuchen oder mit der Wärmebildkamera Personen in der Dunkelheit am Ufer erkennen.
Besetzt werden die Boote auf dem Rhein mit drei Beamten, deren Funktionen zu Schichtbeginn zugewiesen werden. „Wir sind zumeist alle so ausgebildet, dass jeder alle Tätigkeiten an Bord ausführen kann. Aber einer muss verantwortlich sein. Das ist der Bootsführer. Gesteuert wird das Boot vom Rudergänger“, erklärt ein Mitglied der Besatzung. Nach der Polizeiausbildung mit mindestens vier Jahren „normalem Polizeidienst“ dauert die Ausbildung zum Wasserschutz rund drei Jahre. Die Ausbildung erfolgt während des Dienstes, ergänzt um eine nautische und technische Theorieausbildung sowie drei Monaten an der deutschen Wasserschutzpolizei-Schule in Hamburg. Ziel der Grundausbildung ist die Bootsführer- und Radarausbildung.
Kooperation mit der niederländischen Polizei.
Die Wasserschutzpolizei Nordrhein-Westfalen arbeitet intensiv mit der niederländischen Wasserschutzpolizei, der „Waterpolitie“, zusammen. Die Länder sind über den Rhein eng miteinander verbunden. Gemeinsam kontrollieren sie im Sommer die Sportbootschifffahrt auf der von vielen deutschen Ausflüglern befahrenen niederländischen Maas.
„Hier geht es um den Diebstahl von Booten und Außenbordmotoren“, sagt Stefan Loß. „Sie sind teuer, schnell demontiert und ein begehrtes Diebesgut.“ In der Großschifffahrt kontrolliert jedes Land für sich, doch bei Gefahr im Verzug darf das deutsche Polizeiboot mit bewaffneter Besatzung die Grenze überqueren. Bundesländerübergreifend kooperiert die Wasserschutzpolizei Nordrhein-Westfalen mit dem Kompetenzzentrum für Bootskriminalität in Konstanz am Bodensee.
Eine ganz besondere Verbundenheit.
Die Arbeit auf dem Wasser ist etwas ganz Besonders“, sagt Stefan Loß. Sie berge neben eigenen Herausforderungen und Gefahren viele schöne Momente. Jeder könne seine Nische finden, in der er sich spezialisieren kann – in der Technik oder im Umwelt- und Gefahrgutrecht. Viele Kolleginnen und Kollegen fühlen sich auch in der Freizeit mit dem Wasser verbunden.
Weitere Infos zur Wasserschutzpolizei Nordrhein-Westfalen: https://polizei.nrw/wasserschutzpolizei
Benedikt Haufs
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 5-6/2025
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