Porträt
Ein Polizist als „Retter der Lobau“
Vor 100 Jahren wurde Anton Klein geboren. Er war dienstführender Polizist in Wien sowie Tierforscher, Umweltschützer, Gründer des Lobau-Museums und Initiator des Nationalparks Donau-Auen.
Polizist Anton Klein: „Die Lobau darf nicht sterben!“ © Manfred Christ / www.lobaumuseum.at
Die Lobau am linken Donauufer in Wien-Donaustadt und die niederösterreichischen Donau-Auen östlich von Wien wurden 1996 zum Nationalpark Donau-Auen erklärt. Hier befindet sich die letzte große Flussauenlandschaft Mitteleuropas. Die Auwälder entwickeln sich zu artenreicher Waldwildnis. Seltene Tier- und Pflanzenarten sind zurückgekehrt oder haben ihre Bestände verbessert. Dass die Lobau heute als Teil des Nationalparks Donau-Auen nachhaltig unter Schutz steht, ist zu einem wesentlichen Teil dem Wiener Polizisten Anton Klein zu verdanken, der sich ab 1970 für der Rettung der Lobau einsetzte.
Anton Klein wurde am 22. Juli 1925 in Wien geboren und wuchs in Wien-Erdberg auf. Schon als Kind hielt er Fische in einem Aquarium. Nach der Werkzeugmacher-Lehre wurde er als 18-Jähriger in die Deutsche Wehrmacht eingezogen und an die Front geschickt. Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte er die Polizeischule in Wien und später den Dienstführenden-Lehrgang bei der Polizei. Als Externist holte er die Matura nach. In der Sicherheitswache Mannswörth (Schwechat war bis 1954 der 23. Bezirk von „Groß-Wien“) hatte Klein den Spitznamen „Reiher“, weil er in seiner Freizeit Teiche nach Amphibien und Plankton durchsuchte und Hundsfische fing.
Anfang der 1950er-Jahre begann der Polizist, im Freudenauer Winterhafen und in der Alten Donau zu tauchen – angespornt von den Büchern und Filmen des Tauchpioniers Hans Hass. Im Oktober 1958 publizierte Klein in der Zeitung „Natur und Land“ des Österreichischen Naturschutzbundes einen Beitrag über drei Silberreiher, die er am Donauufer beobachtet hatte.
Zierfischfreunde.
In den 1960er-Jahren beschäftigte sich Anton Klein mit tropischen Zierfischen und wurde Mitglied des Aquarienvereins „Zierfischfreunde Donaustadt“ in einem Gemeindebau in der Wagramer Straße 97. Hier standen seine Zuchtaquarien. Ab März 1969 gab er eine Vereinszeitschrift heraus: „Das Steckenpferd – Fibel für Aquarianer und Terrarianer“. Darin veröffentlichte er immer mehr Beiträge über Natur- und Umweltschutz.
Als Nahrung für seine Aquarienfische suchte Klein mit einem Spezialnetz Kleinsttiere in Tümpeln. Weil aber viele Tümpel verlandeten oder zugeschüttet wurden, ersuchte der Polizist 1969 in einem Brief an den Wiener Bürgermeister Bruno Marek um Erlaubnis, verlandete Tümpel in der Lobau, im Prater und in Albern zu vertiefen, auf dem Gelände des Überschwemmungsgebietes Tümpel anzulegen und in den städtischen Teichen nach Wasserflöhen, Ruderfußkrebsen und anderen Kleinlebewesen zu suchen. Es kam zu einem Gespräch mit dem Bürgermeister, das aber für Klein nicht zufriedenstellend verlief. Der streitbare Klein wandte sich 1970 schriftlich an Bundeskanzler Bruno Kreisky, mit der Forderung, dass bei der Industrialisierung der Umweltschutz besser berücksichtigt werde.
„Lobau darf nicht sterben!“
Als das Tanklager beim Ölhafen ausgebaut werden sollte, mit dem Bau eines kalorischen Kraftwerks begonnen wurde und das naturbelassene Überschwemmungsgebiet durch das Entlastungsgerinne „Donauinsel“ ersetzt werden sollte, startete Anton Klein 1970 die Initiative „Lobau darf nicht sterben!“ Nachdem der Polizist in der ORF-Diskussionssendung „In eigener Sache“ am 16. Juli 1972 bei einem Kurzauftritt auf die Zerstörung der Lobau hingewiesen hatte, wurde er vom „Tierprofessor“ Otto König und von anderen Persönlichkeiten unterstützt. Einige Wochen später beschloss der Wiener Gemeinderat, 73 Hektar Industriegebiet in der Lobau wieder als Grünland zu widmen. Im September 1972 organisierte Klein am Donauufer eine Radfahrer-Demo. Zwei Monate später startete die „Kronen Zeitung“ eine Kampagne zur Rettung der Lobau.
Lobau-Museum.
An den Polizisten und Umweltschützer erinnert die Anton-Klein-Gasse in Wien © Werner Sabitzer
Die städtische Lobau war früher kaiserliches Jagdgebiet und wurde 1905 zum Schutzgebiet erklärt. 1918 erhielt die Stadt Wien vom letzten Kaiser Kail I. einen großen Teil der Lobau, die Mitte der 1920er-Jahre als Naturschutzpark für die Allgemeinheit geöffnet wurde. 1977 klassifizierte die UNESCO die Lobau als schutzwürdiges Gebiet.
Die Mitglieder des „Zierfische“-Vereins richteten in ihrem Kellerlokal in der Donaustadt eine „Lobau-Ausstellung“ ein. Aus dem Aquarienverein entstand 1973 der „Verband für Umweltschutz und Gesundheitssport“. Die Lobau-Ausstellung zog in das „Adjunktenstöckl“ des Forstamts Wien in der Oberen Lobau um. Aus der Ausstellung entstand das „Lobau-Museum“, das am 16. März 1975 eröffnet wurde. 2009 musste das Museum geschlossen werden, weil das Gebäude zu desolat war. Virtuell gibt es das Lobau-Museum seit 2017 unter www.lobaumuseum.at .
Anton-Klein-Gasse.
Bezirksinspektor i. R. Anton Klein starb am 2. Mai 2013 im Alter von fast 88 Jahren. Er wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet. Der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft des Wiener Gemeinderats beschloss am 4. Oktober 2018, in Wien-Donaustadt eine Verkehrsfläche nach dem Umweltschützer zu benennen.
Werner Sabitzer
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 5-6/2025
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