Polizeigeschichte
Generaldirektoren 1945 bis 1975
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde im Mai 1945 die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit wiedererrichtet. Erster Leiter war der ehemalige Offizier und Jurist Franz Nagy.
BMI-Amtsgebäude Herrengasse: 1930 wurde im BKA die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit eingerichtet © BMI / Gerd Pachauer
Nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde in Wien am 27. April 1945, elf Tage vor der Kapitulation des Deutschen Reichs, die Wiedererrichtung der Republik Österreich verkündet und der Anschluss an Deutschland 1938 für null und nichtig erklärt. Eine provisorische Staatsregierung war für die Gesetzgebung und Verwaltung zuständig. Mit dem Behördenüberleitungsgesetz 1945 wurden die Behörden, Ämter und sonstigen Institutionen des Deutschen Reichs in Österreich aufgelöst und die österreichischen Behörden wiedererrichtet. Viele Dienststellen der Polizei und Gendarmerie waren zerstört, beschädigt oder verlassen.
Viele ehemalige Führungskräfte des Innenressorts, die nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1938 aus ihren Ämtern entfernt worden waren, meldeten sich zum Dienst im damaligen Staatsamt für Inneres, das im Dezember 1945 zum Bundesministerium für Inneres wurde.
Unter jenen Führungskräften, die sich kurz nach dem Ende der Kampfhandlungen in Wien im Innenressort zurückgemeldet hatten, war der Jurist Dr. Franz Nagy, der vor dem „Anschluss“ in der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit beschäftigt war. Er wurde am 29. August 1945 zum ersten Leiter der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit in der Zweiten Republik bestellt.
Grabstätte von Franz Nagy auf dem Hietzinger Friedhof in Wien
© Werner Sabitzer
Franz Nagy (de Somlyo), geboren am 20. Jänner 1896 in Wien, entstammte einer siebenbürgischen Adelsfamilie. Sein Urgroßvater und sein Vater waren hohe Staatsbeamte, der Großvater Ludwig Nagy de Somlyo (1791-1858) war Feldmarschallleutnant. Mütterlicherseits war Franz Nagy ein Nachkomme des Wiener Bürgermeisters und späteren Polizeidirektors Ignaz Czapka von Winstetten. Nach der Matura am Franz-Josefs-Gymnasium in Wien 1914 absolvierte Nagy die Militärakademie in Wiener Neustadt, aus der er wegen des Kriegs im August 1915 vorzeitig als Leutnant ausgemustert wurde. Er diente bis Kriegsende an der Front und wurde mehrmals wegen besonderer Tapferkeit ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ritterorden der eisernen Krone.
Nach Kriegsende begann Nagy mit dem rechtswissenschaftlichen Studium in Wien. Von Dezember 1919 bis September 1920 war er bei der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft angestellt und vom September bis November 1921 war er im Verkaufsbüro der Eos, Auto- und Schiffsbauindustrie AG beschäftigt. 1921 wurde er zum Doktor der Rechte promoviert. Er war bei der Unionbank und nach der Fusion ab 1927 bis Dezember 1929 im Börsebüro der Allgemeinen Boden-Credit-Anstalt beschäftigt.
Am 1. April 1930 trat Nagy als Konzeptsbeamter in die Polizeidirektion Wien ein. Nach Dienst in Bezirkspolizeikommissariaten wurde er in das Staatspolizeiliche Büro versetzt. 1934 wurde er in das Bundeskanzleramt berufen, dem damals die Angelegenheiten der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit unterstellt waren. Nagy war im Referat zur Bekämpfung der Straftaten der ab Juni 1933 verbotenen nationalsozialistischen Partei tätig. Er arbeitete am Werk „Vorgeschichte und Geschichte zur Julirevolte 1934“ mit, das vom Bundeskommissär für Heimatdienst herausgegeben wurde.
Unmittelbar nach dem Einmarsch der nationalsozialistischen Truppen in Österreich wurde Franz Nagy am 12. März 1938 festgenommen und in einem Gefängnis der Geheimen Staatspolizei inhaftiert. Am 24. September 1938 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Am 30. September 1942 wurde er freigelassen. Als Beamter wurde er aufgrund des § 4 der Verordnung zur Neuordnung des österreichischen Berufsbeamtentums am 23. Jänner 1939 ohne Anspruch auf Ruhegenuss pensioniert. Vom 1. Jänner 1943 bis 4. April 1945 war Nagy Steuersachbearbeiter bei der Revisions- und Treuhandgesellschaft Experta in Wien.
Nach dem Ende der NS-Diktatur trat Franz Nagy am 25. April 1945 wieder in das Innenressort ein und wurde am 29. August 1945 Leiter der wiedergegründeten Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit mit dem Amtstitel „Sektionschef“.
Seine Hauptaufgaben waren der Wiederaufbau eines funktionierenden Polizeiwesens und die Gewährleistung eines Mindestmaßes an Sicherheit. Lebensmittel und andere Grundversorgungsgüter waren knapp, der Schmuggel und Schwarzhandel blühte. Nagys Spielraum war nicht groß. Der Alliierte Rat, bestehend aus den Oberkommandierenden der vier Besatzungsmächte, hatte faktisch die Staatsmacht inne.
Leiter des provisorischen Staatsamts für Inneres wurde der Kommunist Franz Honner, der seinen Parteikollegen Dr. Heinrich Dürmayer als Leiter der Wiener Staatspolizei einsetzte. Die sowjetische Kommandantur richtete Mitte Mai 1945 den „Polizeilichen Hilfsdienst“ ein, mit 7.200 Männern. Er unterstand dem sowjetischen Stadtkommandanten Alexej W. Blagodatow und wurde vom KPÖ-Funktionär Rudolf Hautmann geleitet. Am 13. Juni 1945 übernahm die wiedererrichtete Polizeidirektion Wien den gesamten polizeilichen Dienst in der Bundeshauptstadt. Der Großteil der Angehörigen des Polizeilichen Hilfsdienstes wurde in den Personalstand der neuen Polizeidirektion Wien übernommen.
Die sowjetischen Besatzer sorgten dafür, dass in der Wiener Polizei viele Kommunisten aufgenommen wurden. Die Polizisten durften keine Besatzungssoldaten festnehmen, wenn diese Straftaten verübten. Dieses Verbot wurde erst ab Februar 1946 in den westlichen Besatzungszonen nach und nach aufgeweicht. Nach der Nationalratswahl im Herbst 1945, bei der die KPÖ nur 5,4 Prozent der Stimmen erhielt, wurde der bisherige Unterstaatssekretär Oskar Helmer Bundesminister für Inneres. Er drängte den Einfluss der Kommunisten in der Polizei zurück.
Dr. Franz Nagy war gesundheitlich schwer angeschlagen, als Folge der Misshandlungen und furchtbaren Zustände in den Nazi-Gefängnissen. Er starb am 3. Juni 1946 im 50. Lebensjahr und wurde auf dem Hietzinger Friedhof in Wien bestattet.
Wilhelm Krechler.
Wilhelm Krechler: Generaldirektor für die öff. Sicherheit von 1946 bis 1956
© BMI
Franz Nagys Nachfolger als Leiter der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit wurde abs. iur. Wilhelm Krechler, geboren am 28. Mai 1891 in Zwentendorf, Niederösterreich. Er absolvierte das Staatsgymnasium in Krems und studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Wien. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er als Offizier im Festungsartillerie-Regiment Nr. 1 eingesetzt. Er wurde mehrfach wegen Tapferkeit ausgezeichnet und diente bis Kriegsende Ende November 1918, zuletzt als Oberleutnant der Reserve. Vom 1. März bis 25. April 1919 war Krechler als Konzeptshilfskraft in der Kontrollabteilung der deutsch-österreichischen Hauptstelle für Volksbekleidung tätig.
Am 26. April 1919 trat er als Konzeptsbeamter in die Polizeidirektion Wien ein. Am 30. Dezember 1920 wurde er zum Polizeikonzipienten und am 9. März 1925 zum Polizeikommissär ernannt. Er versah unter anderem Dienst im Wiener Sicherheitsbüro. Am 1. Dezember 1927 wechselte er probeweise in das Bundeskanzleramt, dem seit April 1923 die Angelegenheiten der inneren Sicherheit unterstellt waren. Am 1. März 1929 wurde Krechler zum Ministerialsekretär ernannt. Im September 1930 wurden die für die innere Sicherheit zuständigen Organisationseinheiten in der neuen Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit zusammengefasst.
Im Herbst 1933 wurde die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit umorganisiert. Hauptgrund war die zunehmende Zahl der Anschläge durch die Nationalsozialisten. Die staatspolizeilichen Agenden wurden im neuen Staatspolizeilichen Büro zusammengefasst. Dem Büro wurden auch das Passwesen, das Fremdenwesen und die Angelegenheiten des Grenzverkehrs zugewiesen. Leiter dieses Büros wurde Sektionsrat Dr. Norbert Ferraris, sein Stellvertreter war Ministerialsekretär Krechler, der am 28. Dezember 1934 zum Sektionsrat ernannt wurde. Nachdem Ferraris Leiter der Bundespolizeidirektion Graz geworden war, folgte ihm der Salzburger Polizeidirektor Bruno Hantsch als Staatspolizeichef nach und am 1. August 1936 wurde Krechler zum Leiter des Staatspolizeilichen Büros bestellt. Am 28. Dezember 1934 wurde Krechler zum Sektionsrat ernannt. Mit 1. August 1936 wurde er Leiter des Staatspolizeilichen Büros. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im März 1938 in Österreich wurde Krechler außer Dienst gestellt und am 20. April 1938 von der Gestapo verhaftet. Am 14. Juli 1939 wurde er unter Auflagen aus der Haft entlassen und zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Sein Ruhestandsbezug wurde auf die Hälfte reduziert und später auf drei Viertel erhöht. Krechler arbeitete ab 1. Oktober 1940 bei der Ersten Allgemeinen Unfall- und Schadensversicherungsgesellschaft.
Nach dem Ende des NS-Regimes meldete sich Krechler im neuen Staatsamt für Inneres der provisorischen Staatsregierung und wurde Leiter des Präsidiums des Staatsamtes, des späteren Bundesministerium für Inneres. Er wurde rehabilitiert und rückwirkend mit 1. Jänner 1940 zum Ministerialrat ernannt. Am 17. Juli 1946 erfolgte seine Bestellung zum Leiter der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit und Ernennung zum Sektionschef. Er war auch Mitglied des Kuratoriums des Dorotheums in Wien. Das Dorotheum befand sich im Bundeseigentum und war dem BMI angegliedert. Krechler wurde im Dezember 1947 zum ständigen Vertreter Österreichs bei der Internationalen Kriminalpolizeilichen Kommission (IKPK) in Paris, der späteren Interpol, nachdem im Oktober zuvor Österreich als vollberechtigtes Mitglied dieser internationalen Organisation aufgenommen worden war.
Krechlers Amtszeit war geprägt von schweren Übergriffen vor allem der sowjetischen Besatzer und durch willkürliche Verhaftungen und Verschleppungen. Innenminister Oskar Helmer setzte 1947 Heinrich Dürmayer als Leiter der Wiener Staatspolizei ab und betraute Ministerialrat Dr. Oswald Peterlunger mit der Führung dieser Dienststelle. Gleichzeitig wurde der Wiener Branddirektor Josef Holaubek zum Wiener Polizeipräsidenten ernannt. Als Reaktion der sowjetischen Kommandantur auf die Absetzung Dürmayers wurden einige nicht kommunistische leitende Polizeibeamte, darunter der stellvertretende Sicherheitsdirektor von Niederösterreich, aus ihren Ämtern entfernt.
Sektionschef Krechler leitete ein Expertenkomitee, das die Aufstellung der „B-Gendarmerie“ vorbereitete, mit Wissen der westlichen Besatzungsmächte. Es wurden Alarm-Bataillone“ aufgestellt und im August 1952 in „Gendarmerieschulen“ zusammengeführt. Die „B-Gendarmerie“ genannten Formation des Innenministeriums wurde zum Grenzschutz, zur Bekämpfung von Unruhen und bei Naturkatastrophen eingesetzt. Aus den Kräften der B-Gendarmerie wurde nach Abzug der Besatzungsmächte ab 1955 der Kern des österreichischen Bundesheers gebildet. Während der zehnjährigen Besatzungszeit hatte die Sicherheitsexekutive eine Reihe von Bewährungsproben zu bestehen, etwa die Ausschreitungen Anfang Oktober 1950, bei denen ein kommunistischer Putschversuch befürchtet wurde. Nach Abschluss des Staatsvertrags am 15. Mai 1955 mussten die letzten Kommunisten ihre Leitungsfunktionen in den Kommissariaten der ehemaligen sowjetischen Zone räumen. Einige führende Polizeibeamte flüchteten in den Ostblock.
Mit Erreichen der Dienstaltersgrenze wurde Sektionschef abs. iur. Wilhelm Krechler mit Ablauf des 31. Dezember 1956 in den Ruhestand versetzt. Er starb am 1. November 1971 im 71. Lebensjahr und wurde auf dem Hietzinger Friedhof in Wien bestattet.
Kurt Seidler.
Wilhelm Krechlers Nachfolger als Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit wurde nicht wie erwartet der Leiter des Staatspolizeilichen Büros, Dr. Maximilian Pammer, sondern Dr. Kurt Seidler, Leiter der für Vereins-, Presse- und Ausländer zuständigen Abteilung in der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit. Seidler, geboren am 2. Juni 1903 in Wien, studierte Rechtswissenschaften in Wien und begann nach dem Gerichtsjahr seine berufliche Karriere 1927 beim Amt der niederösterreichischen Landesregierung. 1933 kam er zur Bezirkshauptmannschaft Korneuburg und ab 1934 war er bei der Sicherheitsdirektion für Niederösterreich als Referent für staatspolizeiliche Angelegenheiten tätig. Nach der NS-Machtübernahme wurde er am 15. März 1938 von der Gestapo verhaftet, bald darauf zwangspensioniert und 1940 zur Wehrmacht eingezogen.
Nach Kriegsende kam er in das Innenressort, wo er in der Administrativsektion tätig war. Am 1. Jänner 1956 wurde er Leiter dieser Sektion und ein Jahr später Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit. Mit Ablauf des 31. Dezembers 1968 hätte er mit Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand versetzt werden müssen. Seine Amtszeit wurde aber um ein halbes Jahr verlängert, so dass Seidler erst mit 1. Juli 1969 pensioniert wurde. Im letzten Jahr seiner Amtszeit agierte er allerdings nur mehr als „Frühstücksdirektor“, denn ein anderer mächtiger Amtsinhaber hatte die wesentlichen Agenden der Generaldirektion übernommen.
Die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit, damals Sektion I, war die mächtigste Sektion im BMI und zuständig vor allem für die Bundespolizei, Bundesgendarmerie, Staatspolizei, Kriminalpolizei und andere wesentliche Aufgaben der inneren Sicherheit.
Josef Holaubek, seit 1947 Polizeipräsident in Wien, wollte seine Machtfülle erweitern und Chef über die Sicherheitsexekutive in ganz Österreich werden. Er strebte die Nachfolge Seidlers als Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit an, stieß aber offenbar auf Widerstand. Im September 1968 wurden Polizei und Gendarmerie aus der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit herausgelöst und in eine neue Sektion II eingegliedert. Leiter dieser Sektion wurde Josef Holaubek, der nun nach Johann Schober der zweite Wiener Polizeipräsident war, der für das Sicherheitswesen auch in den anderen Bundesländern zuständig war. 1969 wurde die Sektion II wieder mit der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit zusammengeführt. Holaubek wurde mit der Funktion des Generalinspizierenden der Sicherheitsbehörden und Landesgendarmeriekommanden „entschädigt“. Das Amt des Generalinspizierenden für die Bundespolizeibehörden wurde im Ständestaat 1934 geschaffen und dem Wiener Polizeivizepräsidenten und späteren Polizeipräsidenten Dr. Michael Skubl übertragen. Im Februar 1938, einen Monat vor dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich, wurde die Kompetenz des Generalinspizierenden auf die gesamte Exekutive in Österreich ausgeweitet. Im Juli 1946 wurde Dr. Norbert Ferraris zum Generalinspizierenden der Sicherheitsbehörden und der Landesgendarmeriekommanden bestellt, aber im November 1947 vom Dienst enthoben. Mit Josef Holaubek wurde dieses Amt erst 1969 wieder besetzt.
Oswald Peterlunger.
Oswald Peterlunger: Generaldirektor für die öff. Sicherheit von 1969 bis 1975
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Kurt Seidlers Nachfolger als Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit wurde Dr. iur. Oswald Peterlunger. Er wurde am 27. Februar 1909 geboren, entstammte einer Tiroler Bauernfamilie und besuchte die humanistischen Gymnasien in Brixen und Feldkirch. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Innsbruck und dem Gerichtsjahr wurde Peterlunger am 12. November 1933 Sachwalter an der Universität Innsbruck, mit der Aufgabe, nationalsozialistischen Umtrieben an der Universität zu begegnen. Anfang 1934 trat er von diesem Amt zurück und wurde am 22. Jänner 1934 Aspirant des höheren Polizeidienstes in der BPD Innsbruck. Nach seiner Dienstleistung bei der staatspolizeilichen Abteilung der BPD Innsbruck wurde er am 1. Jänner 1937 Polizeikommissär der VII. Dienstklasse. Im gleichen Jahr wurde er in das Bundeskanzleramt geholt, wo er in der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit tätig war. Am 4. Februar 1938 wurde er Ministerialkommissär.
Nach der NS-Machtübernahme am 13. März 1938 wurde Peterlunger vom Dienst enthoben und am 6. Oktober 1938 verhaftet. Bis 25. November 1938 war er in Innsbruck in „Schutzhaft“. Am 1. Februar 1939 wurde er aus dem Staatsdienst entlassen. Die Entlassung wurde später abgeändert in eine Versetzung in den Ruhestand unter Zuerkennung von 75 Prozent des normalen Ruhegenusses. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er in die Deutsche Wehrmacht eingezogen.
Nach Kriegsende war Peterlunger kurz bei der BH Reutte tätig, danach leitete er die Staatspolizei bei der Sicherheitsdirektion Tirol und später die staatspolizeiliche Abteilung der BPD Innsbruck. Im März 1947 wurde er zum Stellvertreter des Leiters der staatspolizeilichen Abteilung des BMI bestellt, zum Ministerialsekretär ernannt und in den Personalstand des BMI übernommen. Am 2. September 1947 wurde er als Nachfolger des strafversetzten Dr. Heinrich Dürmayer, Leiter der Wiener Staatspolizei, blieb aber im Stand des BMI. Zur gleichen Zeit wurde Josef Holaubek zum Polizeipräsidenten in Wien bestellt. Am 11. September 1947 wurde Peterlunger zum Sektionsrat und am 1. Jänner 1952 zum Ministerialrat ernannt. Ab 1. Juni 1966 leitete er die Gruppe Staatspolizei im BMI. Mit 1. Jänner 1967 wurde er Leiter der Sektion III und zum Sektionschef ernannt. Am 1. Juli 1969 folgte er Dr. Kurt Seidler als Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit nach; dieses Amt übte er bis zu seiner Ruhestandsversetzung mit Ablauf des 31. Dezember 1975 aus. Danach kehrte Oswald Peterlunger in seine Tiroler Heimat zurück, wo er zurückgezogen lebte. Er starb am 2. Dezember 1985 im 77. Lebensjahr und wurde auf dem Friedhof Innsbruck-West bestattet.
Oswald Peterlungers Nachfolger als Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Dr. iur. Robert Danzinger, war in der Zweiten Republik der erste Jurist in diesem Amt, der kein hochrangiger Beamter des Ständestaats und Verfolgter des nationalsozialistischen Regimes war.
Werner Sabitzer
Quellen/Literatur:
Ableitinger, Alfred; Beer, Siegfried; Staudinger, Eduard G. (Hg.): Österreich unter alliierter Besatzung 1945–1955. Studien zu Politik und Verwaltung, Band 63. Wien/Graz, 1998
Archiv der Landespolizeidirektion Wien
Amtsblatt der Polizeidirektion Wien, 2. Jg., Nr. 6, 7. Juni 1946
Enderle-Burcel, Gertrude; Follner, Michaela: Diener vieler Herren. Biographisches Handbuch der Sektionschefs der Ersten Republik und des Jahres 1945. Herausgeber: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und Österreichische Gesellschaft für historische Quellenstudien, Wien 1997
Fischer, Karl: Die Vier im Jeep. Die Besatzungszeit in Wien 1945-1955. Wiener Stadt- und Landesarchiv. Wiener Geschichtsblätter, Beiheft 1/1985
Hautmann, Hans: Der Polizeiliche Hilfsdienst für die Kommandantur der Stadt Wien im Jahr 1945. In: Quellen & Studien 2000. Die Alfred-Klahr-Gesellschaft und ihr Archiv. Beiträge zur österreichischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, Wien 2000
Helmer, Oskar: 50 Jahre erlebte Geschichte. Wien o. J.
Sabitzer, Werner: Lexikon der inneren Sicherheit, Neuer wissenschaftlicher Verlag, Wien/Graz 2008
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 5-6/2025
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