Gedenkstätten für Exekutivbeamte (29)
Opfer in Erfüllung der Pflicht
Im Direktionsgebäude der Landespolizeidirektion Wien am Schottenring 7-9 erinnern drei Gedenktafeln an die seit 1945 im Dienst getöteten oder verunglückten Bediensteten der Wiener Polizei.
Seit 1945 sind in Österreich über 500 Polizei- und Gendarmeriebedienstete im Dienst gewaltsam ums Leben gekommen, fast 60 davon in Wien. Im Stiegenhaus beim Haupteingang des Direktionsgebäudes der Landespolizeidirektion Wien am Schottenring 7-9 hängen links und rechts an den Wänden insgesamt drei schwarze Marmortafeln mit goldfarbener Inschrift und einem Grabkranz als Abschluss. Sie erinnern an Bedienstete der Wiener Polizei, die seit 1945 ermordet worden oder im Dienst tödlich verunglückt sind. Die meisten Opfer gab es in den beiden Nachkriegsjahren 1945 und 1946.
Gedenktafel in der Landespolizeidirektion Wien: Opfer von 1945 bis 1965
© Werner Sabitzer
Opfer von 1945 bis 1965.
Auf der ersten Tafel sind die Toten der Wiener Polizei von 1945 bis 1965 verewigt. Die Gedenktafel und eine weitere Tafel mit den Opfern des Nationalsozialismus befanden sich im Gebäude der früheren Polizeidirektion am Parkring und wurden im Herbst 1986 von Polizeipräsident Dr. Karl Reidinger in Anwesenheit des Innenministers Karl Blecha im Stiegenhaus bzw. im Festsaal des neuen Direktionsgebäudes am Schottenring enthüllt.
Die Inschrift lautet:
OPFER IN ERFÜLLUNG DER PFLICHT / 1945 / 8. Mai SVEDA Wenzel SWBA, 24.3.1885 / 11. Mai ZEINLINGER Eduard SWBA, 10.1.1909 / 16. Juli STÖGER Vinzenz STRM, 21.3.1907 / 16. Juli FORAL Franz SWBA, 19.7. 1927 / 25. Aug. ILLITZ Johann SWBA, 25.3.1897 / 31. Aug. NIKOLAI Olaf SWBA, 26.3.1921 / 20. Sept. SCHWARZ Ernst SWBA, 16.9.1894 / 25. Nov. OBERST Josef SWBA, 24.8.1925 / 30. Dez. MOSER Ferdinand SWBA, 26.1.1894 / 1946 / 8. Jän. KRÖSS Karl SWBA, 20.3.1914 / 20. Jän. DECOMBE Friedrich SWBA, 5.1.1909 / 30. Jän. PISCHINGER Josef SWBA, 17.10.1920 / 11. Feber BECK Karl SWBA, 20.4.1898 / 24. Feber KÄSSHOFER Josef SWBA, 20.12.1889 / 12. März PLESCH Alfred SWBA, 30.10.1921 / 8. April DOLEZAL Anton SWBA, 2.3.1909 / 10. April DORNER Rudolf SWBA, 7.10.1919 / 20. April GASTGEB Leopold PObw, 3.10.1911 / 20. April KREUZER Friedrich KrRayI, 26.12.1902 / 8. Nov. GRUBER Alfred SWBA, 30.3.1914 / 1947 / 27. Dez. JUNGHOFER Johann prov. Krb, 17.9.1914 / 1948 / 27. März WEIGL Leopold PBzI, 29.8.1897 / 3. April SKOKAN Julius PRvI, 26.3.1893 / 1950 / 26. Mai WECKERMANN Dominik PRvI, 23.2.1897 / 1954 / 30. Dez. BÖHM Karl PRayI, 29.5.1913 / 1962 / 17. Juli RIEDL Johann PRayI, 16.3.1925 / 1964 / 20. Juni HOBOTH Oskar PRayI, 19.1.1919 / 1965 / 7. Okt. PREM Franz PrPW, 17.6.1942
Die Opfer und die Hintergründe:
Wenzel Sveda, geboren am 24. März 1885, Sicherheitswache-Anwärter, starb am 8. Mai 1945, dem Tag des offiziellen Kriegsendes, bei einem Verkehrsunfall.
Eduard Zeinlinger, geboren am 10. Jänner 1909, Sicherheitswachebeamter, kam am 11. Mai 1945 bei der Detonation einer Landmine ums Leben.
Vinzenz Stöger, geboren am 21. März 1907 in Wien, Polizeirittmeister, absolvierte ab November 1935 den ersten Lehrgang der neuen Polizeiakademie und wurde nach dem Abschluss der Offiziersausbildung als Polizeioberleutnant am 8. Juli 1937 der Sicherheitswacheabteilung Ottakring zugeteilt. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1938 wurde Stöger als politisch unzuverlässig mit gekürzten Bezügen in den Ruhestand geschickt. 1939 wurde er in die Wehrmacht eingezogen. Nach dem Ende der NS-Diktatur wurde Stöger am 12. April 1945 wieder bei der Polizei aufgenommen. Am 12. Mai 1945 erschienen einige Kommunisten, die bei der Staatspolizei Dienst versahen, in Stögers Büro in der Hofburg und nahmen ihm fest. Er wurde in das Anhaltelager „Am Steinhof“ gebracht. Der Grund für seine Verhaftung wurde ihm nicht mitgeteilt. Am 17. Juli 1945 hätte Stöger als U-Häftling in das Landesgericht überstellt werden sollen. Am Abend zuvor schoss ein Unbekannter durch ein Fenster auf Stöger, der von drei Projektilen getroffen und getötet wurde. Der Täter konnte nicht ausgeforscht werden. Stögers Leiche wurde in einem Schachtgrab am Zentralfriedhof verscharrt.
Franz Foral, geboren am 19. Juli 1927, Sicherheitswachebeamter-Anwärter, wurde am 16. Juli 1945 ermordet.
Johann Illitz, geboren am 25. März 1897, Sicherheitswachebeamter-Anwärter, starb am 25. August 1945 bei einem Verkehrsunfall.
Olaf Nikolai, geboren am 26. März 1921, Sicherheitswachebeamter-Anwärter, starb am 31. August 1945 bei einem Verkehrsunfall.
Ernst Schwarz, geboren am 16. September 1894, Sicherheitswachebeamter-Anwärter im Polizeikommissariat Margareten, wurde am 20. September 1945 ermordet. Er war Zeuge geworden, wie Männer eine junge Frau überfallen und sie mit einem Revolver bedroht hatten. Schwarz kam dem Mädchen zu Hilfe. Das Mädchen konnte sich in Sicherheit bringen, aber einer der Täter erschoss den Polizisten. Schwarz wurde auf dem Matzleinsdorfer Friedhof beerdigt; er hinterließ seine Frau und einen Sohn.
Josef Oberst, geboren am 24. August 1925, Sicherheitswachebeamter-Anwärter, dienstzugeteilt dem Abschnitt Wieden, wurde am 25. November 1945, um 1:30 Uhr, in der Wiedner Hauptstraße, Ecke Hartmanngasse von einem Unbekannten vermutlich aus nächster Nähe erschossen. In der Nähe der Leiche wurde ein Revolver gefunden. Beim Täter handelte es sich vermutlich um einen Einbrecher, der mit zwei Komplizen einen Einbruch in ein Kürschnergeschäft in der Wiedner Hauptstraße 90 begangen hatte. Die Einbrecher hatten einen Rollbalken aufgebrochen, ein Fenster eingeschlagen und aus dem Geschäft Pelzwaren und andere Kleidungsstücke gestohlen. Als sich ein Passant dem Tatort näherte, flüchteten die drei Täter. Sie konnten nicht ausgeforscht werden.
Ferdinand Moser, geboren am 26. Jänner 1894, Sicherheitswachebeamter-Anwärter, versah am 30. Dezember 1945 am Nachmittag im Wachzimmer Bruckhaufen in Wien-Floridsdorf Dienst, als zwei Männer das Wachzimmer betraten. Als Moser fragte, was sie wollten, schoss einer der beiden Männer mit einer Pistole auf Moser. Das Projektil traf den Polizisten in die Brust. Er wurde tödlich verletzt. Die beiden Männer flüchteten unerkannt.
Karl Kröss, geboren am 20. März 1914, Sicherheitswache-Anwärter, zugeteilt der Verkehrsabteilung, wurde am 8. Jänner 1946 auf der Reichsbrücke erschossen. Vier Männer, vermutlich russische Besatzungssoldaten, hatten auf vorbeifahrende Straßenbahnzüge Schüsse abgefeuert. Als Kröss einschreiten wollte, schoss einer der Männer zweimal auf den Polizisten und traf ihn tödlich.
Friedrich Decombe, geboren am 5. Jänner 1909, Sicherheitswachebeamter-Anwärter, wurde am 20. Jänner 1946 während des Streifendienstes von einem sowjetischen Besatzungssoldaten getötet.
Josef Pischinger, geboren am 17. Oktober 1920, Sicherheitswachebeamter-Anwärter, wurde bei einem Überwachungsdienst am 21. Jänner 1946 von einem unbekannten Mann niedergeschossen. Er starb neun Tage später am 30. Juni 1946 an den Folgen der Schussverletzung.
Karl Beck, geboren am 20. April 1898, und Josef Kässhofer, geboren am 20. Dezember 1889, beide Sicherheitswachebeamter-Anwärter, wurden am 11. Februar 1946 in Brunn am Gebirge von Unbekannten niedergeschossen. Der Ort gehörte damals zu Wien. Beck starb unmittelbar nach der Tat; Kässhofer erlag 13 Tage später seinen Verletzungen.
Alfred Plesch, geboren am 30. Oktober 1921, Sicherheitswachebeamter-Anwärter, wurde am 21. Jänner 1946 in der Schönbrunner Straße von einem Unbekannten niedergeschossen. Plesch starb am 12. März 1946 an den Folgen der Schussverletzungen.
Anton Dolezal, geboren am 2. März 1909, Sicherheitswachebeamter-Anwärter, wurde am 8. April 1946 auf dem Gutraterplatz in Ottakring von einem Unbekannten durch einen Kopfschuss ermordet.
Rudolf Dorner, geboren am 7. Oktober 1919, Sicherheitswachebeamter-Anwärter, wurde am 10. April 1946 auf der Laxenburger Straße in Vösendorf (der Ort gehörte damals zu Wien) mit einer schweren Kopfverletzung leblos aufgefunden. Er war nach Erhebungen mit dem Motorrad auf der Fahrt zurück in das Wachzimmer. In der Nähe des Tatorts lagen das Motorrad und eine blutbefleckte Axt. Seine Dienstpistole, Armbanduhr und Brieftasche fehlten.
Leopold Gastgeb, geboren am 3. Oktober 1911, Oberwachmann, wurde am 20. April 1946 von einem Raubmörder, den er verfolgt hatte, erschossen.
Friedrich Kreuzer, geboren am 26. Dezember 1902, Rayonsinspektor im Kriminaldienst, wollte am 20. April 1946 einen Räuber festnehmen und wurde von diesem erschossen.
Alfred Gruber, geboren am 30. März 1914, Sicherheitswachebeamter-Anwärter, wurde am 8. November 1946 als Rayonsposten bei der sowjetischen Kommandantur von einem russischen Soldaten erschossen.
Johann Junghofer, geboren am 17. September 1914, provisorischer Kriminalbeamter, starb am 27. Dezember 1947 nach einem Schießunfall.
Leopold Weigl, geboren am 29. August 1897, Bezirksinspektor, nahm am 27. März 1948 in Rudolfsheim-Fünfhaus einen Räuber fest. Dieser schlug den Polizisten nieder und ermordete ihn mit einem Kopfschuss.
Julius Skokan, geboren am 26. März 1893, Revierinspektor, wurde am 3. April 1948 im ersten Bezirk in Wien von einem auf frischer Tat betretenen Einbrecher erschossen. Ein zweiter Polizist erlitt eine Schusswunde am Bein. Der Täter konnte kurz darauf in einer Hausruine festgenommen werden.
Dominik Weckermann, geboren am 23. Februar 1897, Revierinspektor, wurde am 26. Mai 1950 von einem Lkw der sowjetischen Besatzungsmacht niedergestoßen. Er starb am nächsten Tag an den Folgen der Verletzungen.
Karl Böhm, geboren am 29. Mai 1913, Rayonsinspektor, starb am 30. Dezember 1954 in der Marokkanerkaserne (Schulabteilung der Sicherheitswache). Während des Waffenunterrichts löste sich ein Schuss und traf den Ausbilder Karl Böhm tödlich.
Johann Riedl, geboren am 16. März 1925, Rayonsinspektor, kam am 17. Juli 1962 bei einem Verkehrsunfall ums Leben.
Oskar Hoboth, geboren am 19. Jänner 1919, Rayonsinspektor, wurde bei einer Verkehrskontrolle am 20. Juni 1964 in der Nacht von einem Pkw erfasst und tödlich verletzt.
Franz Prem, geboren am 17. Juni 1942, Wachtmeister, stürzte am 7. Oktober 1965 während der Fahrt von einem Mannschaftstransportwagen und starb an den Verletzungen.
Gedenktafel für die Opfer der Wiener Polizei von 1968 bis 1997
© Werner Sabitzer
Opfer 1968 bis 1997.
Auf der zweiten Marmortafel sind die Toten der Wiener Polizei von 1968 bis 1997 eingraviert. Die Inschrift lautet:
OPFER IN ERFÜLLUNG DER PFLICHT
1968 / 27. Aug. WATZ Stefan PRayI, 13.10.1921 / 1970 / 30. Jän. PANEK Friedrich PRayI, 13.7.1921 / 13. Sept. PRILLER Egon PRayI, 9.9.1918 / 1972 / 23. Okt. FRIEBERGER Werner PBzI, 12.6.1927 / 1973 / 23. Mai FREUDENREICH Franz PRayI, 21.1.1932 / 1975 / 21. Dez. TICHLER Anton KrBzI, 4.6.1915 / 1980/ 16. Aug. FISCHER Eduard BzI, 29.4.1919 / 1. Okt. SEIDLEIN Alfred Insp, 2.8.1951 / 1981 / 17. Mai HUMER Alois BzI, 31.1.1944 / 1984 / 3. März SCHALK Anton RvI, 30.5.1957 / 5. Sept. KERSCHBAUM Karl RvI, 1.5.1953 / 1986 / 25. Juli ROGER Friedrich BzI, 6.11.1927 / 1988 / 31. Mai ZEHETBAUER Thomas Insp, 3.2.1970 / 1989 / 25. Sept. REININGER Reinhard RvI, 6.3.1965 / 1991 / 18. März SCHROTTENBACH Ferdinand RvI, 23.10.1957 / 22. Mai KÖSSNER Wolfgang RvI, 9.11.1964 / 1993 / 14. Juni RIPPL Gerhard RvI, 1.9.1967 / 7. Nov. SMUTEK Johannes Insp, 13.11.1966 / 1995 / 20. Feb. GILLINGER Christian KrGrI, 23.6.1950 / 1997 / 15. März HENGST Kurt RvI, 21.12.1964
Die Opfer und die Hintergründe:
Stefan Watz, geboren am 13. Oktober 1921, Polizeirayonsinspektor, wurde am 9. August 1968 bei einer Streifenfahrt mit dem Dienstmoped bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Er starb am 27. August 1968 im Krankenhaus an den Folgen der Verletzungen.
Friedrich Panek, geboren am 13. Juli 1921, Polizeirayonsinspektor, wollte in Favoriten einen betrunkenen Autodieb anhalten. Er sprang auf das Trittbrett des Autos, wurde vom Fahrer weggestoßen und vom Fahrzeug überrollt. Panek erlitt schwere Kopfverletzungen, denen er erlag. Der Autodieb verursachte danach einen Verkehrsunfall und wurde festgenommen.
Egon Priller, geboren am 9. September 1918, Polizeirayonsinspektor, wurde bei einer Streifenfahrt mit dem Dienstmoped am 13. September 1970 von einem alkoholisierten Autolenker niedergestoßen und tödlich verletzt
Werner Frieberger, geboren am 12. Juni 1927, Polizeibezirksinspektor, sicherte nach einem Verkehrsunfall die Unfallstelle. Dabei wurde der Wachkommandant von einem Taxilenker mit dem Auto erfasst und tödlich verletzt.
Franz Freudenreich, geboren am 21. Jänner 1932, Polizeirayonsinspektor in der Verkehrsabteilung, wurde am 23. Mai 1973 auf seinem Dienstmotorrad von einem Sonderschwerfahrzeug überrollt, das er in der Nacht durch Wien lotsen sollte.
Anton Tichler, geboren am 4. Juni 1915, Kriminalbezirksinspektor, wurde am 21. Dezember 1975 beim Terroranschlag auf das Gebäude der OPEC, der Organisation der Erdöl exportierenden Länder, an der Ringstraße in Wien von einer Terroristin erschossen. Zwei Beamte der Wiener Staatspolizei bewachten die Gänge und den Konferenzsaal. Die Terroristin Gabriele Kröcher-Tiedemann („Nada“) fragte Bezirksinspektor Anton Tichler, als er in einen Lift einsteigen wollte, ob er ein Polizist sei. Als Tichler nickte, ohne sich umzudrehen, schoss sie zweimal auf ihn. Er starb an einem Genickschuss. „Nada“ ermordete auch einen OPEC-Angestellten.
Eduard Fischer, geboren am 29. April 1919, Bezirksinspektor, starb am 16. August 1980 bei einem Verkehrsunfall.
Alfred Seidlein, geboren am 2. August 1951, Inspektor, befand sich am 2. Oktober 1980 auf einer Einsatzfahrt mit dem Motorrad. Bei einem Zusammenstoß mit einem Pkw erlitt er tödliche Verletzungen.
Alois Humer, geboren am 31. Jänner 1944, Bezirksinspektor, starb bei einem Hubschrauberabsturz am 17. Mai 1981 auf der Stoffenalm bei Saalbach-Hinterglemm in Salzburg. Der von Alois Humer geflogene Agusta-Bell-Hubschrauber der Flugpolizei des BMI kollidierte bei schlechter Sicht mit dem Seil einer unmarkierten Materialseilbahn. Auch die beiden anderen Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Es handelte sich um Bezirksinspektor Johann Hofer (37) von der Alpinen Einsatzgruppe Neukirchen und Abteilungsinspektor Karl Thaller (58) vom LGK Salzburg. Die Besatzung befand sich auf einem Suchflug nach einem vermissten Segelflugzeug. An die Toten des Hubschrauberabsturzes erinnert auch eine Gedenkstätte in Hinterglemm.
Anton Schalk, geboren am 30. Mai 1957 in St. Pölten, Revierinspektor, kam am 3. März 1984 in Ausübung des Dienstes durch eine Gewalttat ums Leben. Der 27-jährige Polizist stellte in der Gemeindebauanlage Reisnerhof in Wien-Meidling einen Mann, der ein Auto gestohlen hatte. Der Autodieb schoss auf die Polizisten, die ihn verfolgten. Anton Schalk wurde von einem Projektil tödlich getroffen. Der Täter starb ebenfalls. Jedes Jahr am Todestag von Anton Schalk legen Kolleginnen und Kollegen auf dem Grab in Traismauer einen Kranz nieder.
An den ermordeten Polizisten Karl Kerschbaum erinnert eine Straßenbezeichnung in Wien-Favoriten
© Werner Sabitzer
Karl Kerschbaum, geboren am 1. Mai 1953, Revierinspektor, erhielt während des Streifendienstes am 5. September 1984 einen Einsatz wegen eines Randalierers in einem Lokal. Als der Polizist mit dem Funkwagen zum Einsatzort in die Quellenstraße in Wien-Favoriten kam und mit seinem Kollegen den Randalierer festnehmen wollte, flüchtete der Täter und schoss mehrmals auf die beiden Sicherheitswachebeamten. Ein Projektil durchbohrte das Herz Kerschbaums. Der Täter wurde wegen schwerer Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu 14 Jahren Haft verurteilt. Kerschbaum hinterließ seine Frau und zwei Kleinkinder. 20 Jahre nach seinem Tod wurde in Wien-Favoriten eine Straße nach ihm benannt. Die Kerschbaumgasse befindet sich hinter der Polizeiinspektion Favoritenstraße.
Friedrich Roger, geboren am 6. November 1927, Bezirksinspektor beim Donaudienst, wurde am 25. Juli 1986 in den Nachtstunden vor dem Wachzimmer am Freudenauer Hafen in Wien von einem unbekannten Täter mit einem Sturmgewehr erschossen. Der Täter hatte den Beamten vor das Wachzimmer gelockt, indem er eine Fensterscheibe mit einem Stein eingeschossen hatte. Die Hintergründe des Verbrechens konnten nie geklärt werden.
Thomas Zehetbauer, geboren am 3. Februar 1970, Polizeipraktikant in Ausbildung, wurde am 21. Mai 1988 im Unterricht bei einem Schießunfall versehentlich von einem Klassenkameraden erschossen.
Reinhard Reininger, geboren am 6. März 1965, Revierinspektor, verunglückte am 25. September 1989 bei einem Verkehrsunfall tödlich.
Ferdinand Schrottenbach, geboren am 23. Oktober 1957, Revierinspektor, wurde am 16. März 1991 in einem Durchgang zwischen der Währinger Straße und der Semperstraße erschossen. Der 22-jährige Täter hatte zuvor eine „Billa“-Filiale überfallen. Schrottenbach war mit der Funkstreife „Ida 1“ an der Alarmfahndung beteiligt. Er und sein Kollege hielten einen Verdächtigen an, auf den die Beschreibung passte. Um besseren Funkkontakt zu haben, gingen die beiden Polizisten mit dem Angehaltenen einen Fußweg zum Währinger Park hinauf. Als Schrottenbach die Jackentasche des Verdächtigen durchsuchen wollte, wich dieser zur Friedhofsmauer zurück, zog einen Revolver, schoss sofort und traf Schrottenbach in das Herz. Sein Kollege schoss auf den Täter und verletzte ihn. Schrottenbach hinterließ seine schwangere Frau und einen fünfjährigen Sohn. Er wurde am 26. März 1991 in Krumbach am Wechsel bestattet. Zehn Tage nach seiner Ermordung marschierten fast 3.000 Sicherheitswachebeamte schweigend zum Bundeskanzleramt. In einer Resolution wurde darauf hingewiesen, dass seit 1984 vier Sicherheitswachebeamte im Dienst ermordet worden waren. In der Resolution wurde ein Entschädigungsgesetz für Polizeibeamte gefordert, das die Übernahme von Verdienstentgang und Schmerzengeld bei unbekannten und zahlungsunfähigen Tätern durch den Staat vorsieht. Eine weitere Forderung betraf Sonderbestimmungen im Pensionsgesetz und im B-KUVG, wenn Polizeibeamte durch Vorsatzdelikte arbeitsunfähig oder getötet werden. 1992 wurde nach dem getöteten Polizisten eine Gasse in Wien-Währing in „Schrottenbachgasse“ benannt.
Eine Gedenktafel und der Wolfgang- Kössner-Park in der Ausstellungsstraße erinnern an den 1991 ermordeten Polizisten Wolfgang Kössner
© Wikimedia Commons/SchorschG
Wolfgang Kössner, geboren am 9. November 1964, Revierinspektor, und drei weitere Polizisten waren am 22. Mai 1991 im zweiten Bezirk in einem Wohnhaus im Einsatz. Ein besorgter Vater hatte die Polizei verständigt, weil sein Sohn durchgedreht sei und ihn mit einem Messer bedroht habe. Der Sohn habe sich im Haus verbarrikadiert. Die vier Polizisten durchsuchten das Haus. Im Stiegenhaus kam ihnen der gesuchte Mann entgegen, ein 19-jähriger Student, mit einem Messer in der Hand. Er schrie die Polizisten an, das Haus zu verlassen, sonst werde er sie „abstechen“. Der Tobende drängte die Polizisten und seinen dahinterstehenden Vater in den Vorraum zurück. Die Polizisten versuchten, den Tobenden mit gutem Zureden und Ablenkungsmanövern zu beruhigen. Das war vergeblich. Mit ihren Gummiknüppeln wollten die Exekutivbeamten dem Mann das Messer aus der Hand schlagen. Wolfgang Kössner gelang es, den Arm zu packen, mit dem der Student das Messer hielt. Der Tobende konnte sich aber losreisen und rammte dem Polizisten das Messer in die Brust. Kössner taumelte zurück und stürzte zu Boden. Als der Täter auch auf einen weiteren Polizisten einstach, schoss ein Beamter mit der Dienstwaffe auf den Angreifer und traf ihn in die rechte Schulter. Der Getroffene ließ das Messer fallen und fiel hin. Wolfgang Kössner starb noch am selben Tag im Lorenz-Böhler-Krankenhaus. In der Polizeiinspektion Ausstellungsstraße im 2. Bezirk erinnert eine Gedenktafel an den Polizisten. 1999 wurde bei der Ausstellungsstraße ein kleiner Park nach Wolfgang Kössner benannt.
Gerhard Rippl, geboren am 1. September 1967, Revierinspektor, war am 14. Juni 1993, kurz vor Mittag, zur Schulwegsicherung in der Döblinger Hauptstraße, Kreuzung Pyrkergasse eingesetzt. Über Funk hörte er von einer Fahndung nach einem Bankraub in der Nähe und ging dorthin. An der Ecke Würthgasse/Döblinger Hauptstraße stieß er auf den Verdächtigen. Dieser schoss sofort mit einem Revolver Kaliber .357 Magnum auf den uniformierten Polizisten. Tödlich getroffen lag Rippl auf dem Gehsteig. Der Mörder verschanzte sich in einem Kindermodengeschäft und nahm drei Frauen und ein Kind als Geiseln. Als er auf den Geiselverhandler der Polizei schoss, stürmten Polizisten das Geschäft; währenddessen hatte sich der Täter selbst erschossen. Die Geiseln blieben unverletzt.
Johannes Smutek, geboren am 13. November 1966, Inspektor, befand sich am 6. November 1993 außer Dienst in der Nähe seines Wohnortes im Bezirk Gänserndorf in Niederösterreich. Er hörte von einer Alarmfahndung und wurde auf einen Verdächtigen aufmerksam. Smutek stellte sich in den Dienst und wollte bei einem Kontrollpunkt Kollegen informieren. Dabei wurde er von dem vorbeifahrenden Gesuchten erschossen.
Straßenbezeichnungen in Wien-Währing erinnern an die ermordeten Polizisten Christian Gillinger († 1995) und Ferdinand Schrottenbach († 1991)
© Werner Sabitzer
Christian Gillinger, geboren am 23. Juni 1950, Kriminalgruppeninspektor, befand sich am 20. Februar 1995, gegen 8 Uhr, außer Dienst in einer Konditorei in Wien-Hietzing und wollte Krapfen für die Geburtstagsfeier seines achtjährigen Sohnes kaufen. Dabei wurde er Zeuge eines Schusswaffenattentats auf einen Rechtsanwalt. Der Beamte stellte sich in den Dienst und verfolgte den flüchtenden Attentäter. Dieser schoss vor dem Schloss Schönbrunn auf den Verfolger und traf ihn tödlich. Der Mörder, ein Italiener, sowie sein Komplize, ein Schweizer, der das Fluchtauto gelenkt hatte, wurden eine Stunde später bei der Alarmfahndung von der Gendarmerie in Purkersdorf festgenommen. Die beiden Männer waren für das Attentat von einer Baumeistergattin angeheuert worden, die sich im Scheidungsverfahren vom Anwalt ihres (Noch-)Ehegatten übervorteilt gefühlt hatte. Der Italiener wurde wegen Mordes und die anderen Beteiligten wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung zu Haftstrafen unterschiedlicher Dauer verurteilt. Christian Gillinger hinterließ seine Gattin und seinen Sohn. In Erinnerung an den Kriminalbeamten wurde 1996 zwischen der Ruhrhofergasse und der Wielemansgasse in Wien-Währing eine Gasse „Gillingerweg“ genannt.
Kurt Hengst, geboren am 21. Dezember 1964, Revierinspektor, kam am 15. März 1997, um 2:10 Uhr, bei Kleinhadersdorf im Bezirk Mistelbach beim Absturz eines Hubschraubers der Flugpolizei ums Leben. Mit ihm starben die drei anderen Insassen – Pilot Günter Winkler, Hauptmann Robert Biereder und Bezirksinspektor Ernst Bromberger. Kurt Hengst war 1984 in die Wiener Sicherheitswache eingetreten und hatte Streifendienst in Meidling und Floridsdorf versehen, danach war er zur Alarmabteilung gekommen. Er war in der UN-Mission im Irak im Einsatz, versah Dienst als Techniker im Wartungsbetrieb in der Flugeinsatzstelle Wien-Meidling und machte eine Ausbildung als FLIR-Operator. Die vier Exekutivbeamten befanden sich auf einem Grenzüberwachungsflug. Nach dem Unglück wurden die Grenzsicherungsflüge in der Nacht eingestellt und erst 2003 mit den neuen FLIR-Hubschraubern wieder aufgenommen. An der Absturzstelle wurde eine Gedenkstätte für die vier Toten errichtet.
Gedenktafel in der Landespolizeidirektion Wien für die Opfer seit 2001
© Werner Sabitzer
Opfer 2001 bis 2016.
Die dritte Gedenktafel an der Hauptstiege der LPD-Zentrale erinnert an die fünf Wiener Polizisten, die seit 2001 ermordet worden oder tödlich verunglückt sind. Die Inschrift lautet:
OPFER IN ERFÜLLUNG DER PFLICHT / 2001 / 10. Jän. HERMANN Erich RvI. 24.7.1969 / 10. Jän. PÜRK Andreas RvI. 20.6.1964 / 2005 / 16. Juni HIRT Hans-Werner GrI. 4.3.1958 / 2013 / 17. Sept. BAUMGARTNER Roman RvI. 26.6.1975 / 2016 / 5. Juli SCHWARZ Daniel Insp. 2.3.1993
Die Opfer und die Hintergründe:
Erich Hermann, geboren am 24. Juli 1969, und Andreas Pürk, geboren am 20. Juni 1964, wurden am 10. Jänner 2001 auf der Wiener Südosttangente bei einem von einem Lkw-Lenker verursachten Unfall getötet. Die beiden Revierinspektoren kontrollierten einen Lkw, als ein unter Alkohol- und Drogeneinfluss stehender Lkw-Lenker in den angehaltenen Lastwagen fuhr und die Polizisten tötete.
Hans-Werner Hirt, geboren am 4. März 1958, Gruppeninspektor, war beim Donaudienst der Wiener Polizei tätig. Er befand sich am 16. Juni 2005, gegen 22:30 Uhr, mit einem Kollegen mit dem Polizeiboot „Donau“ im Bereich Fischamend auf einer Patrouillenfahrt. Plötzlich stieß das Boot gegen einen Schubverband. Das Polizeiboot kenterte. Hirt ertrank, seine Leiche konnte erst am nächsten Vormittag geborgen werden.
Roman Baumgartner, geboren am 26. Juni 1975, Revierinspektor, war Polizist in der Landespolizeidirektion Wien und seit 1. Februar 2011 dem Einsatzkommando Cobra/Direktion für Spezialeinheiten dienstzugeteilt. Er wurde am 17. September 2013 mit den beiden Gruppeninspektoren Manfred Daurer und Johann Ecker von der Landespolizeidirektion Niederösterreich sowie dem Rettungssanitäter Johann Dorfwirth von einem Gewalttäter in der Nähe von Annaberg in Niederösterreich erschossen. Für Roman Baumgartner und die anderen Opfer wurde in der Nähe des Tatorts ein Gedenkstein errichtet.
Daniel Schwarz, geboren am 2. März 1993 in Kärnten, Inspektor, versah nach der Grundausbildung in der PI Storchengasse Dienst. Bei einem Raubüberfall auf eine Supermarkt-Filiale am 5. Juli 2016 bin der Hütteldorfer Straße in Wien-Penzing schoss der Täter den Polizisten in den Kopf. Drei Tage später wurde der lebensgefährlich Verletzte in seine Kärntner Heimat gebracht, wo er im Kreis seiner Familie in St. Kanzian starb. Danniel Schwarz erhielt ein Ehrenbegräbnis. Er wurde im Friedhof Stein im Jauntal bestattet. Der Kollege von Daniel Schwarz wurde vom Räuber mit zwei Schüssen niedergestreckt; er überlebte. Der 49-jährige Täter wurde bei einem neuerlichen Schusswechsel mit WEGA-Polizisten getötet.
Werner Sabitzer
Der Wiener Polizist Roman Baumgartner, dienstzugteilt dem Einsatzkommando Cobra, ist auch auf dem Gedenkstein in Annaberg verewigt
© Werner Sabitzer
Quellen/Literatur:
Bundesministerium für Inneres (Hg.): Gedenkbuch der Österreichischen Gendarmerie und Polizei. Eigenverlag, Wien, 2002
Dokumentationszentrum des Österreichischen Widerstands (DÖW): Opferdatenbank
Sabitzer, Werner: Lexikon der inneren Sicherheit (Polizeilexikon Österreich), Neuer Wissenschaftlicher Verlag, Wien/Graz 2008
Sabitzer, Werner: In Erinnerung an ... In: Öffentliche Sicherheit, Nr. 9-10/2007, S 67-68
Liste der im Dienst ums Leben gekommenen österreichischen Exekutivbeamten der zweiten Republik; Online-Plattform
Ein Opfer der Pflicht. In: Wiener Zeitung, 2. Oktober 1945, S. 3
Mord an einem Wiener Polizisten. In: Neues Österreich, 26. November 1945, S. 2
Der Mord an den Polizeiaspiranten Kröß. In: Wiener Zeitung, 15. Jänner 1946, S. 3
Die Polizei gedenkt der Opfer der Naziherrschaft, in: Arbeiter-Zeitung, 27.10.1946
Ehrung der justifizierten Angehörigen der Wiener Polizei, in: Arbeiter-Zeitung, 1.11.1946
Die elf Märtyrer der Wiener Polizei, in: Österreichische Volksstimme, 1.11. 1946
Enthüllung einer Gedenktafel für justifizierte Polizeibeamte, in: Neues Österreich, 1.11.1946
Gedenktafel in der Polizeidirektion, in: Wiener Zeitung, 1.11.1946
Der Gedenkstein für die Polizeiopfer des Faschismus, in: Arbeiter-Zeitung, 3.11.1946
Gedenkfeier in der Polizeidirektion, in: Neues Österreich, 3.11.1946
Zum Andenken eines treuen Sozialisten, in: Arbeiter-Zeitung, 9.11.1946 (Leserbrief).
Forschungsstelle Nachkriegsjustiz
Raubmord an einem Polizeibeamten. In: Wiener Zeitung, 16. April 1946, S 3
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 3-4/2025
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