Moigrationskommunikation
Mythen über Migration
Mit der Online-Informationskampagne „Myths about Migration“ sollen potenzielle Migrantinnen und Migranten über Risiken, Fakten zur Situation in Europa und Alternativen zu irregulärer Migration aufgeklärt werden.
Menschen werden oft durch Falschinformationen von Schleppern dazu verleitet, den gefährlichen und kostenintensiven Weg nach Europa auf sich zu nehmen
© Gerd Pachauer
Das Bundesministerium für Inneres verfolgt seit mehreren Jahren einen umfassenden Ansatz in der internationalen Migrationspolitik. Neben der Zusammenarbeit mit Transit- und Herkunftsstaaten entlang der Migrationsrouten gehört die internationale Migrationskommunikation dazu. Österreich ist mit einer großen Zahl an irregulärer Migration konfrontiert. Die meisten dieser Menschen kommen mithilfe krimineller Schlepper nach Europa und ein großer Teil ist nicht schutzbedürftig im Sinne von Asyl und subsidiären Schutz.
Falschinformationen.
Die Menschen werden häufig durch Falschinformationen von internationalen Schleppernetzwerken dazu verleitet, den beschwerlichen und kostenintensiven Weg nach Europa auf sich zu nehmen, anstatt eine Perspektive in der Herkunftsregion anzustreben. Das für Schlepper lukrative Geschäft setzt auf die Schaffung der Erzählung, dass alle in Europa ankommenden Migrantinnen und Migranten in jedem Fall ein Bleiberecht und Zugang zu allen Sozialleistungen hätten, was nicht den Tatsachen entspricht. Die schlepperunterstützten Reisen werden auf allen möglichen Kommunikationskanälen beworben, auch in den sozialen Medien.
Migrationskommunikation.
Aufgrund des Vorgehens der Schleppernetzwerke sowie des hohen Informationsbedarfs der (potenziellen) Migrantinnen und Migranten betreibt das Referat „Internationale Migrationskommunikation und -forschung“ des Innenministeriums mehrere Initiativen und Projekte zur internationalen Migrationskommunikation. Es geht vor allem darum, in den Herkunftsregionen fakten- und evidenzbasierte Informationen über die Realitäten irregulärer Migration glaubwürdig darzustellen. So wird – vor allem im Internet – eine Gegen-Erzählung zu den Übertreibungen und Falschinformationen von Schleppern geschaffen. Gleichzeitig sollen Alternativen zur irregulären Migration aufgezeigt werden.
„Myths about Migration“.
Das Referat „Internationale Migrationskommunikation und -forschung“ setzt seit 2021 die BMI-eigene Online-Informationskampagne „Myths about Migration“ um. Mit eigens kreierten Bild- und Video-Sujets samt plakativer Slogans, werden potenzielle Migrantinnen und Migranten über Risiken, Fakten zur Situation in Europa und Alternativen zur irregulären Migration aufgeklärt.
Die Inhalte von „Myths about Migration“ werden über Facebook, Instagram und Google verbreitet. Darüber hinaus wird eine Webseite betrieben, auf der laufend weiterführende Informationen und Nachrichten zu irregulärer Migration aktualisiert werden.
Derzeit wird die Kampagne in sieben Staaten (Bosnien-Herzegowina, Serbien, Marokko, Tunesien, Ägypten, Pakistan, Indien) und neun Sprachen geschaltet, wobei auf neue Migrationsrouten und Ereignisse reagiert werden kann. Es werden bestimmte Regionen und Zielgruppen in Drittstaaten angesprochen, die besonders anfällig für irreguläre Migration sind. So wird sichergestellt, dass ein Kampagnensujet bei einer Person in Pandschab in Pakistan, woher viele irreguläre Migranten kommen, als Anzeige erscheint, aber nicht bei einer Person aus einem wohlhabenderen Bezirk in Islamabad. Seit Beginn der Kampagne wurden knapp 40 Millionen Menschen erreicht und allein 2024 wurden über drei Millionen Link-Klicks erzielt.
Darüber hinaus beteiligt sich Österreich an Awareness-Raising-Projekten, die von Partnern wie dem International Centre for Migration Policy Development (ICMPD) und der Seefar-Foundation umgesetzt werden. Diese Maßnahmen werden zu 90 Prozent aus dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfond (AMIF) der Europäischen Union finanziert und verfolgen einen umfassenderen Ansatz.
Beratung.
Neben Informationen, die wie bei „Myths about Migration“ im Internet und in sozialen Netzwerken verbreitet werden, bieten diese Projekte direkte Beratungen von Menschen an, um sie von einer Entscheidung für irreguläre Migration und den damit verbundenen Risiken abzuhalten. Ein weiterer Vorteil dieser Projekte liegt darin, dass Personen aus den Herkunftsstaaten die Informationen zur Verfügung stellen, wodurch diese für viele Migrantinnen und Migranten noch glaubwürdiger sind.
Philip Schmidt
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 3-4/2025
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