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  2. Ausgabe 3-4/2025
  3. Sicherheitsgipfel

Sicherheitsgipfel

Prävention, Innovation, Kooperation

Handelsverband, Innenministerium und Bundeskriminalamt luden zum Austrian Security Summit nach Wien. 200 Gäste diskutierten beim Gipfeltreffen der Branche über Cyber-Resilienz, KI und Sicherheit im stationären Handel.

Beim Sicherheitsgipfel 2025 wurde die Initiative „GEMEINSAM.SICHER mit dem Handelsverband“ des BMI präsentiert
Beim Sicherheitsgipfel 2025 wurde die Initiative „GEMEINSAM.SICHER mit dem Handelsverband“ des BMI präsentiert
© Karl Schober

Der Sicherheitsgipfel 2025 des Handelsverbands in Kooperation mit dem Bundesministerium für Inneres und dem Bundeskriminalamt fand am 23. Jänner 2025 in Wien fand statt. Mehr als 200 Expertinnen und Experten, Branchenvertreterinnen und -vertreter sowie Entscheidungsträgerinnen und -träger kamen zusammen, um über Cyber-Resilienz, künstliche Intelligenz (KI) und die Sicherheit im stationären Handel zu diskutieren. Unter dem Leitthema „Sicherheit neu denken: Prävention, Digitalisierung und Resilienz“ setzten sich die Gäste mit den neuesten Trends und Best Practices in der Diebstahlprävention, Cybersecurity und im Krisenmanagement auseinander.
Innenminister Gerhard Karner wies auf die erstklassige Zusammenarbeit mit dem Handelsverband im Rahmen der Initiative GEMEINSAM.SICHER hin, die einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher beim Einkaufen leistet.

Die Sicherheitsstudie ist downloadbar unter: www.handelsverband.at
Die Sicherheitsstudie ist downloadbar unter: www.handelsverband.at

Diebstahl und Betrug sind Tatbestände, mit denen dem Handel in Österreich jährlich Schäden in Millionenhöhe zugefügt werden. Ladendiebstähle verursachen hierzulande einen jährlichen Schaden von etwa 500 Millionen Euro. 91 Prozent der Betriebe waren durch Diebstähle von Kunden betroffen. Ladendiebstahl durch Mitarbeitende betraf 57 Prozent der Händler, während nicht genehmigte Rabatte oder andere betrügerische Handlungen 32 Prozent ausmachten. Weitere Probleme waren Falschgeld, Einbruch, Vandalismus und organisierte Bettelei. Ein wachsendes Problem stellt auch der interne Betrug dar.
„Die Schadenssumme liegt bei den meisten Ladendiebstählen unter 500 Euro“, berichtete Nina Putz, Projekt- und Eventmanagerin des Handelsverbandes, beim Sicherheitsgipfel. Der Geschäftsführer des Handelsverbandes, Rainer Will, hob hervor, dass entsprechend der aktuellen Statistik 9 von 10 Händlern Kriminalitätsopfer werden. „Rund zwei Drittel der heimischen Handelsbetriebe waren bereits Opfer von Kriminalität im Netz, 16 Prozent sogar mehrfach. Vor allem die großen Handelsunternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern sind mit 90 Prozent von Betrugsdelikten betroffen“, zitierte Gerald Kühberger, der Pressesprecher des Handelsverbandes, aus der Sicherheitsstudie 2025. Die größten Anteile an Cybercrime-Delikten nehmen Phishing (63 %), die widerrechtliche Aneignung personenbezogener Daten mittels gefälschter E-Mails und Webseiten, sowie Malware (56 %), das Installieren von Schadsoftware auf Internetseiten, ein. Durch regelmäßige Schulungen der Bediensteten können Hackerangriffe verhindert werden.
Auch Bernhard Schafrath, Leiter des Büros für Kriminalprävention und Opferhilfe im Bundeskriminalamt, bestätigt, dass 86 Prozent der Händler in Österreich Erfahrungen mit Kriminellen gemacht haben. Allerdings haben sich die Interessen der Kriminellen in den letzten 20 Jahren „verschoben“. In diesem Zeitraum hat sich die Zahl der klassischen Einbruchsdiebstähle nahezu halbiert. Dafür rückte der Online-Handel in den Vordergrund des Interesses, vor allem der organisierten Kriminalität.

Polizei.

Sicherheitsgipfel 2025: Bernhard Schafrath (Bundeskriminalamt), Andreas Schütz (Taylor Wessing), Ina Bauer (Mediashop), Berhard Zacherl (EY)
Sicherheitsgipfel 2025: Bernhard Schafrath (Bundeskriminalamt), Andreas Schütz (Taylor Wessing), Ina Bauer (Mediashop), Berhard Zacherl (EY)
© Handelsverband

Dennoch gehört Österreich im weltweiten Vergleich zu den sichersten Ländern der Welt und liegt im „Global Peace-Index“ an dritter Stelle, wie Innenminister Gerhard Karner bestätigte. Laut Karner mache auch Internetkriminalität, vor allem Betrugsdelikte, dem Handel zu schaffen. Zur Bekämpfung dieser immer größer werdenden Gefahr werden 38 Kriminalassistenzdienststellen in ganz Österreich geschaffen.
„Auch bei der Polizeigrundausbildung spielen die Themen Internet und künstliche Intelligenz eine zunehmende Rolle“, bekräftigte der Ressortchef. Außerdem werden in allen österreichischen Landeshauptstädten sogenannte Cybercrime-Training-Centers (CCTC) für die Polizei aufgebaut.

Prävention.

Der Bogen von Schutzmaßnahmen im Handel reicht vom regelmäßigen Verschließen der Betriebsräume, über Schulungen des Personals in Sicherheitsfragen bis zur Videoüberwachung in und rund um das Firmenareal. Hinzu kommen Warensicherungs- und Einbruchmeldeanlagen, Banknotenprüfungssysteme sowie der Schutz wertvoller Waren. Investitionen in diese Maßnahmen werden von einer größeren Anzahl an Handelsbetrieben getätigt, wobei mit 53 Prozent der höchste Anteil in der Absicherung der Räume des jeweiligen Betriebes liegt.
„Auf der Seite des Bundeskriminalamtes (www.bundeskriminalamt.at) gibt es 5 Quiz, mit denen Interessierte ihr Wissen über Phishing oder Love-Scam sowie Fake-Shops testen können“, sagte Schafrath. Auf diese Weise ist es möglich, den Umgang mit dem Internet und insbesondere mit Online-Shops zu professionalisieren.
Stefanie Jäger, Chefinspektorin im Referat Community Policing und Bürgerbeteiligung der Landespolizeidirektion Wien nahm Bezug auf die 2017 gegründete Initiative GEMEINSAM. SICHER. „Wir versuchen die Vernetzung voranzutreiben, indem örtlich tätige Polizisten mit Filialleitern von Handelsbetrieben zusammenkommen, um Handlungssicherheit zu schaffen.“ Die Mitarbeiter eines Händlers sollen im Umgang mit den Kunden auf Diebstähle sensibilisiert werden, indem sie beispielsweise lernen Taschenkontrollen durchzuführen.

Michael Ellenbogen

GEMEINSAM.SICHER mit dem Handelsverband

„Grätzlpolizisten“ Stefanie Jäger und Daniel Zipf mit einer Marktleiterin
„Grätzlpolizisten“ Stefanie Jäger und Daniel Zipf mit einer Marktleiterin
© Jürgen Makowecz

„Grätzlpolizei“ gegen Ladendiebstähle

Um die Zahl von Ladendiebstählen zu reduzieren, setzt die Polizei vor allem auf Sicherheitspartnerschaften in der Initiative „GEMEINSAM.SICHER“. Speziell ausgebildete Polizistinnen und Polizisten stehen im Kontakt mit der Bevölkerung in ihrem Bezirk, sie beraten Gewerbetreibende und Einzelhändler. Dabei werden gemeinsam Sicherheitskonzepte erarbeitet. Sie sollen den Handelsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern zum einen Handlungssicherheit im Umgang mit herausfordernden Situationen vermitteln, zum anderen das Sicherheitsgefühl der Kunden steigern. Österreichweit gibt es mehr als 1.000 Grätzlpolizistinnen und -polizisten.
„Der Rückgang der Zahl der Ladendiebstähle zeigt, wie wichtig das Zusammenwirken von polizeilicher Beratung und der Aufklärung von Taten ist. In beiden Fällen leisten unsere Polizistinnen und Polizisten konsequente Arbeit“, sagt Innenminister Gerhard Karner.

Die Sicherheitspartnerschaft mit dem österreichischen Handelsverband bietet Gewerbetreibenden ein Bündel an Maßnahmen, die individuell eingesetzt und umgesetzt werden können. Möglichkeiten dieser Partnerschaften sind die Etablierung von polizeilichen Sicherheitsinseln während der Öffnungszeiten oder Sicherheitsschulungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 3-4/2025

 Druckversion des Artikels (pdf, 687 kB)

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