Betriebliche Gesundheitsförderung
Gymnastikball statt Bürosessel
Zum zweiten Mal wurde das Bildungszentrum St. Pölten mit dem Gütesiegel für die betriebliche Gesundheitsförderung der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) ausgezeichnet. Das „BMI-ON-TOUR“-Team besuchte die Projektleiter, um herauszufinden, was Gesundheitsförderung bedeutet.
Betriebliche Gesundheitsförderung im Bildungszentrum St. Pölten: Die beiden Projektleiter Beatrix Wurzinger und Günter Gassner © BMI/Tobias Bosina
Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein.“ Dieses Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach ist auf der Intranetseite des Bildungszentrums der Sicherheitsakademie (BZS) in St. Pölten zu lesen. Vor Ort wird schnell klar: Die Worte sind in diesem Haus gelebte Realität. Die betriebliche Gesundheitsförderung, die im Innenministerium im Fachbereich des Chefärztlichen Dienstes angesiedelt ist, ist der Grund für unseren Besuch und spiegelt diesen Anspruch wider. Projektleiter sind Oberst Günter Gassner, Leiter des BZS St. Pölten, und Chefinspektorin Beatrix Wurzinger, hauptamtliche Lehrerin. „Wir machen das aus innerster Überzeugung. So ein Angebot muss man einfach nutzen“, sagt Gassner.
Kleine Veränderungen – große Wirkung.
„Die Begrünung und Sitzecke sind nur zwei der vielen kleinen Änderungen, die es im Rahmen der Gesundheitsförderung gab“, sagt er. „Wir versuchen, möglichst viele Vorschläge aus dem Kollegium umzusetzen. Anfangs reichten die Wünsche von ‚Was kann ich gegen Rückenschmerzen tun?‘ über ‚Wir wollen mehr Büroräume‘ bis hin zu ‚Ich möchte besseres Essen‘“, erklärt Wurzinger. Im zweiten Stock wurden neue Büroräume mit mehr Platz für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaffen. „Gerade dieser Bereich liegt uns am Herzen, weil man sich bei der Arbeit wohl fühlen soll“, betont der Leiter des BZS. Neben Pflanzen und einer Sitzecke wurden Gymnastikbälle zum Sitzen, Sportgeräte und Küchenutensilien wie ein Entsafter angeschafft. „Sobald die BVAEB eine Anschaffung genehmigt hat, ziehen wir los und kaufen ein“, sagt Wurzinger. „Die Zusammenarbeit mit der BVAEB ist hervorragend. Unsere Projekte lassen sich unkompliziert und rasch umsetzen“, berichtet Gassner.
Gemeinsam gesund – Sport und Teambuilding.
Logo der betrieblichen Gesundheitsförderung der BVAEB
Gymnastikbälle sollen die Rückenmuskulatur beim Sitzen stärken © BMI/Tobias Bosina
Die Aula wird als Mehrzweckraum genutzt: ob als Veranstaltungsort, Aufenthaltsraum oder Austragungsstätte des jährlichen Tischtennisturniers zwischen Lehrenden und Lernenden. Einer der beiden Tischtennistische wurde mit Fördergeldern der BVAEB finanziert. „Das Tischtennisturnier haben wir mittlerweile zum zweiten Mal abgehalten und beide Male war es ein Erfolg. Diese Events werden uns noch lange in Erinnerung bleiben“, schildert der BZS-Leiter. „Die Turniere konnten schon einige Kolleginnen und Kollegen für Sport begeistern. So manches Mitglied des Kollegiums hat vor dem Turnier der Ehrgeiz gepackt und es wurde fleißig dafür trainiert.“
Doch es bleibt nicht nur bei Tischtennis: Das Kollegium unternimmt gemeinsame Wanderungen, Skitage und Fahrradausflüge. „Eine Kollegin hat mir erzählt, dass sie sich gestern Laufschuhe gekauft hat und mit einem Kollegen vier Kilometer laufen war“, erzählt Wurzinger. Die neu entdeckte Sportbegeisterung ihrer Kollegin ist für sie ein Beispiel für die positiven Auswirkungen der Gesundheitsförderung. „Es ist großartig, wenn Menschen den Spaß am Sport entdecken und dieses befreiende Gefühl erleben, wenn man nach dem Laufen verschwitzt und glücklich zurückkehrt“, ergänzt Wurzinger.
Angenehme Atmosphäre ohne Klimaanlage.
„Auch wenn wir versuchen, alle Wünsche und Vorschläge umzusetzen, gelingt uns das nicht immer“, erklärt Wurzinger. Das Kollegium äußerte bereits mehrmals den Wunsch, Klimaanlagen für die Klassenräume zu beschaffen. Das sei aus baulichen Gründen nicht möglich, ergänzt sie. „Wir haben aber mehrere Ventilatoren für alle Klassenräume angeschafft, um zumindest für eine gewisse Linderung zu sorgen.“
„Bei Hitze im Sommer dürfen die Polizeischülerinnen und Polizeischüler den Unterricht in Zivilkleidung besuchen“, sagt der BZS-Leiter. „Früher waren Gespräche auf Augenhöhe selten, in einem modernen Management sind sie jedoch essenziell.“ Wurzinger fügt hinzu: „Die Grundausbildung bleibt allen Polizistinnen und Polizisten in Erinnerung. In einer angenehmen Umgebung mit motivierten Lehrenden lernt es sich einfach besser.“ Zwischen dem Einsatztrainingsraum, Umkleidekabinen und einer Garage befindet sich eine Besonderheit im Keller des BZS St. Pölten: einen Raum, gefüllt mit Trainingsgeräten: Rückentrainer, Laufband, Hanteln und Kettle-Bells. Die hauseigene Kraftkammer bringt Trainingsmöglichkeiten auf engstem Raum unter – jeder Quadratmeter wird genutzt.
Das BZS St. Pölten erhielt zum zweiten Mal das Gütesiegel für die betriebliche Gesundheitsförderung der BVAEB © BMI/Tobias Bosina
„Keiner von uns würde sich normalerweise in der Pause umziehen, um ins Fitnessstudio zu gehen. Aber wir gehen kurz in den Keller, trainieren und können uns danach gleich duschen. Viele von uns nutzen diese Möglichkeit“, sagt Wurzinger. Rund 80 Prozent der Bediensteten sind mit der Gesundheitsförderung sehr oder eher zufrieden, das zeigt ein Fragebogen der BVAEB. Was also tun, wenn man bereits die meisten Möglichkeiten ausgeschöpft hat? „Wir haben hier ein richtiges Luxusproblem“, sagt Wurzinger, „wir können zwar Seminare und Aktionen anbieten, aber wir können das Haus nicht umbauen.“ Selbst wenn das BZS St. Pölten kein drittes Mal ausgezeichnet werden sollte, wäre das für sie in Ordnung: „Wir konnten bereits so viele Fortschritte durch die betriebliche Gesundheitsförderung erreichen.“
Doch Gassner denkt an zukünftige Projektschwerpunkte: „Im körperlichen Bereich tun wir bereits sehr viel. Mir ist jedoch auch der psychische Aspekt ein Anliegen. Ich denke, hier kann – auch österreichweit – noch viel getan werden.“ Die betriebliche Gesundheitsförderung legt er anderen Dienststellen, Abteilungen oder Referaten ans Herz: „Ja, es ist ein Aufwand, aber dieser lohnt sich auf jeden Fall.“
Lisa Maria Unterberger
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2025
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