Gedenkstätten für Exekutivbeamte (28)
Vierfachmord auf der Landesstraße
Die Hilfsgendarmen Johann Kastler und Josef Böhm sowie zwei weitere Burgenländer wurden am 10. Juni 1946 in der Nähe von Deutschkreutz ermordet. Ein Steindenkmal erinnert an die Opfer.
Mordopfer Josef Böhm und Johann Kastler; Gendarmeriegedenktag 1982 © Gendarmeriearchiv
Am Pfingstmontag, dem 10. Juni 1946, lagen auf der Landesstraße zwischen Deutschkreutz und Nikitsch bei einer Straßenkurve vier Menschen auf dem Boden. Es waren die Hilfsgendarmen Johann Kastler vom Gendarmerieposten (GP) Deutschkreutz und Josef Böhm vom GP Nikitsch sowie der Schmiedemeister Josef Supper und der Landwirt Franz Schreiner, beide aus Unterloisdorf. Ein Bauer brachte die vier Opfer mit einem Pferdefuhrwerk nach Deutschkreutz. Kastler und Schreiner waren tot, die beiden anderen Männer wurden bewusstlos in das Krankenhaus Oberpullendorf geführt, wo sie bald darauf verstarben. Die beiden Hilfsgendarmen waren in Uniform, aber außer Dienst und unbewaffnet.
Die vier Männer waren von Unbekannten in Raubabsicht mit Kopfschüssen ermordet worden. Zunächst dürften Supper und Schreiner erschossen worden sein. Sie waren mit Fleischstücken unterwegs. Danach dürften die Räuber die zufällig unabhängig voneinander auf Fahrrädern vorbeikommenden Hilfsgendarmen erschossen haben. Die Ermittler gingen von drei Tätern aus, da unter anderem drei Fahrräder gestohlen worden waren und ein viertes Fahrrad am Tatort liegen geblieben war. Den Opfern waren das Bargeld und die Fleischwaren geraubt worden.
Beweismangel.
Gendarmen des GP Deutschkreutz nahmen drei Männer als Verdächtige fest. Die Ermittlungen mussten laut Gendarmeriechronik Deutschkreutz „aus Mangel an Beweisen“ eingestellt werden. Der Vierfachraubmord wurde nicht aufgeklärt.
Der pensionierte Gendarm Stefan Gager versuchte in den 1990er-Jahren aus Privatinitiative, auf die Spur der Täter zu kommen. Der ehemalige Ermittler der Kriminalabteilung des Landesgendarmeriekommandos Burgenland sprach Ungarisch und befragte Zeitzeugen in den benachbarten ungarischen Gemeinden. Gager gelang es allerdings nicht, die Raubmörder zu ermitteln. Er vermutete, dass einige Bewohner schwiegen, um die Raubmörder von 1946 zu decken.
Eine Gedenkstätte in Deutschkreutz erinnert an die ermordeten Gendarmenn Josef Böhm und Johann Kastler sowie an die Zivilisten Josef Supper und Franz Schreiner © Werner Sabitzer
Steindenkmal.
An der Nikitscher Straße im Kreutzer Wald bei einem Kilometerstein außerhalb von Deutschkreutz erinnert ein Gedenkstein mit einer Marmorplatte an die vier Todesopfer. Auf der Marmorplatte sind zwei flammende Granaten sowie die Fotos und die Namen der ermordeten Hilfsgendarmen Johann Kastler und Josef Böhm abgebildet. Die Inschrift lautet: „10. 6. 1946 im Dienste gefallen“. Darunter befinden sich die Namen der ebenfalls getöteten Landwirte Josef Supper und Franz Schreiner mit dem Zusatz: „10. 6. 1946 ermordet“. Später wurde neben der Marmorplatte ein Bild des ermordeten Franz Schreiner hinzugefügt.
Werner Sabitzer
Quellen:
Raubmord im Burgenland. In: Neue Zeit, 14. Juni 1945, S. 2
Vierfacher Raubmord auf einer burgenländischen Landstraße. In: Neues Österreich, 13. Juni 1946, S. 3
Chronik des Gendarmeriepostens Deutschkreutz; Eintragung vom 10. Juni 1946
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2025
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