Bundespolizeidirektion

Erfahrungsaustausch mit US-Polizei

Eine Delegation der Bundespolizeidirektion des BMI unter Führung von Bundespolizeidirektor Michael Takàcs besuchte unterschiedliche Polizeibehörden in den USA, um Erfahrungen in operativen Maßnahmen sowie Aus- und Fortbildung mit den dortigen Partnerbehörden auszutauschen.

Eine Delegation des Innenministeriums traf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des US-Departments of Homeland Security
Eine Delegation des Innenministeriums traf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des US-Departments of Homeland Security
© BMI

Auf dem Besuchsplan der Delegation des Innenministeriums von 4. bis 11. November 2023 stand unter anderem das Federal Law Enforcement Training Center (FLETC), das Ausbildungszentrum für Exekutivbedienstete des Bundes, in Brunswick/ Glynco/Georgia. Bundespolizeidirektor Michael Takàcs konnte einen Blick hinter die Kulissen werfen und junge uniformierte Polizisten einen Tag lang in ihrer Grundausbildung begleiten. Vor allem die Trainingseinrichtungen und Ausbildungsmethodik brachten neue Erkenntnisse für die tagtägliche Arbeit der Polizei.
Glynco ist die Hauptanlage für das FLETC. Es liegt im Südosten von Georgia und verfügt über Klassenzimmer, Schlafsäle sowie administrative und logistische Supportstrukturen, einschließlich einer Mensa. Weiters gibt es dort 18 Schießanlagen, darunter ein hochmoderner Indoor-Schießanlagenkomplex mit 146 separaten Schießständen, sowie acht hochflexible halbgeschlossene Schießanlagen mit 200 zusätzlichen Schießständen.
Zu den weiteren Trainingsressourcen gehören ein weitläufiger Fahrtrainings-Bereich, eine Mehrzweckhalle für physisches Körpertraining und Einsatztechniken, eine Anlage für Training mit Sprengkörpern, ein nachgebauter Flughafenpassagierbereich und zahlreiche andere Strukturen, die die gesamte Grundausbildung unterstützen.
Zum Trainingskomplex gehört auch „Danis City“, eine künstliche Stadt mit 34 Gebäuden, die 50 Trainingsörtlichkeiten für unterschiedliche Ausbildungsschwerpunkte und Szenarien bietet (wie Zugangskontrollen, Durchsuchungen inkl. Diensthunden, Festnahmen, Amokläufen, Umgang mit Chemikalien/Gefahrstoffen, Suche nach versteckten Türen/Räumen). Das komplette Areal hat eine Fläche von etwa 1600 Acres – entspricht in etwa 650 Hektar.

Friedhof Arlington: Joshua A. Ederheimer, Homeland Security, Bundespolizeidirektor Michael Takacs
Friedhof Arlington: Joshua A. Ederheimer, Homeland Security, Bundespolizeidirektor Michael Takacs
© BMI

Ein weiterer Programmpunkt der Dienstreise war der Besuch des Ausbildungszentrums des Federal Protective Service in Bren Mar, Virginia. Dort konnten die Delegationsteilnehmer die Ausbildung und den operativen Zugang zum Objektschutz betrachten. Dabei konnten viele Ideen für die Entwicklung der Objektschutzpolizei in der Landespolizeidirektion Wien gesammelt werden. Der Erfahrungsaustausch mit der „Vermont State Police“ zeigte wiederum Probleme der Polizeiarbeit im ruralen Umfeld auf. Einzelstreifen und lange Wege sind dort die Herausforderungen in der täglichen Polizeiarbeit. Interessant erschien ein Projekt, im Zuge dessen Spezialisten der Krisenintervention bei psychischen Problemfällen gemeinsam mit der Polizei zu Einsätzen fahren.

Arlington.

Bundespolizeidirektor Michael Takàcs besuchte auch den Nationalfriedhof in Arlington im Bundesstaat Virginia, südwestlich der Bundeshauptstadt Washington, D. C. Arlington ist mit rund 250 Hektar Fläche so groß wie der Wiener Zentralfriedhof und steht als Sinnbild US-amerikanischer Erinnerungspolitik und Soldatentums. Rund 420.000 Gräber gefallener Veteranen und deren Familienangehörigen finden sich auf der Anlage, am Zentralfriedhof sind es rund 330.000 Gräber. Takàcs wurde von der Leitung des Nationalfriedhofes eingeladen, am „Grab des unbekannten Soldaten“ einen Kranz niederzulegen.
Der große, weiße Sarkophag wurde 1932 errichtet und gilt als symbolträchtigster Ort des Friedhofs. Dort bestattet, finden sich die sterblichen Über­reste jeweils eines unbekannten Soldaten des Ersten Weltkrieges, des Zweiten Weltkrieges, des Koreakrieges und bis 1998 eines unbekannten Soldaten des Vietnamkrieges.

„Danis City“, eine künstliche Stadt mit 34 Gebäuden, die 50 Trainingsörtlichkeiten bieten
„Danis City“, eine künstliche Stadt mit 34 Gebäuden, die 50 Trainingsörtlichkeiten bieten
© BMI

Der Gedenkstein ist all jenen US-amerikanischen Militärangehörigen gewidmet, die in den beiden Weltkriegen, dem Korea- und Vietnamkrieg umgekommen sind und deren sterbliche Überreste nicht identifiziert werden konnten. Das Grabmal der unbekannten Soldaten wird 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr von Soldaten des 3. US-Infanterie-Regiments, der ältesten noch aktiven Infanterie-Einheit in der US Army bewacht. Dieser Wachdienst wird von den diensthabenden Soldaten als Ehrendienst wahrgenommen und ist Teil der gelebten Traditionspflege des Verbandes.

Die Befreiung von Berchtesgaden.

Die österreichische Delegation besuchte weiters das Grab des Armeeoffiziers im Ruhestand und späteren Rechtsanwaltes Sherman W. Pratt. Pratt wurde 2013 in Arlington bestattet. Der Kriegsveteran, dem zwei Silver Stars verliehen worden waren (einer im Zweiten Weltkrieg und einer im Koreakrieg), führte eine Einheit der 3. US-Infanteriedivision an, die zur Einnahme Hitlers Berghof am Obersalzberg eingesetzt war. Pratt publizierte ein Buch über die Geschichte von Arlington und verfasste mehrere im Selbstverlag erschienene Bücher über seine persönlichen Erfahrungen.

Eine US-Delegation war auf Einladung von Bundespolizeidirektor Takàcs vom 4. bis 9. Juni 2023 in Österreich und besuchte mehrere Polizeieinrichtungen. „Diese Auslandsbesuche vor Ort bestätigten einmal mehr das Erfordernis des internationalen Erfahrungsaustausches, denn dadurch können bewährte Methoden und Ideen gegenseitig übernommen und im Bedarfsfall angepasst werden“, sagt Takàcs.

A.D./L.K.


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 3-4/2024

Druckversion des Artikels (PDF 479 kB)