Kriminalitätsbekämpfung

Straßenkriminalität bekämpfen

Polizeipräsident Gerhard Pürstl, EGS-Leiter Wolfgang Preiszler: Ehrung der EGS Wien für 25.000 Festnahmen.
Polizeipräsident Gerhard Pürstl, EGS-Leiter Wolfgang Preiszler: Ehrung der EGS Wien für 25.000 Festnahmen.
© Thomas Cerny

Einsatzgruppen der Polizei zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) sind wichtige Pfeiler der Kriminalitätsbekämpfung. Die EGS Wien wurde vor 20 Jahren eingerichtet und hat seither 25.000 Personen festgenommen, 570 Kilo harte Drogen und 6,2 Millionen Euro beschlagnahmt.

„Jeder hat bei uns seinen Platz im Team, es ist wichtig, die Stärken der einzelnen Ermittlerinnen und Ermittler auf der richtigen Position einzusetzen“, erklärt Oberst Wolfgang Preiszler, Leiter der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität Wien. „Unser Team ist vielfältig und, unabhängig vom Rang, kann jeder seine Ideen einbringen – es zählt die einzelne Kollegin, der einzelne Kollege und das Engagement. Teamfähigkeit, hohe Motivation und die Liebe zum Beruf sind Eigenschaften, auf die wir bei der Einsatzgruppe großen Wert legen. Alles andere kann man lernen. Der Arbeitsalltag ist oft fordernd und man muss aufgrund der unregelmäßigen Dienstzeiten auch manchmal im Privatleben zurückstecken. Wenn eine Observation läuft, endet sie nicht mit regulären Dienstzeiten, sondern erst, wenn wir wissen, wo sich der Verdächtige längerfristig aufhalten wird.“

Eigenständig.

Größtenteils plant die EGS Wien ihre Einsätze eigenverantwortlich, wobei jede Gruppe inhaltliche Schwerpunkte setzt. Auch die Dienstplanung erfolgt angepasst an den Deliktsbereich. „Wir sehen uns zu Dienstbeginn auf dem Sicherheitsmonitor an, was in Wien passiert ist. Dabei ist es wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen, die den Erstzugriff gemacht haben, ausführliche Akte schreiben, auf deren Basis wir Täter- und Lageprofile erstellen können“, sagt Preiszler. Man könne sich das so vorstellen, dass die Ermittler am Computer Straßenzüge analysieren, in denen sich Diebstähle häufen, und nach Besonderheiten suchen. Wo dringender Handlungsbedarf bestehe oder die rasche Lösung eines Problems in Aussicht stehe, schreiten sie ein. „Dann konzentriert sich zum Beispiel ein Team auf gestohlene Auspuffe in Meidling und ein anderes auf Taschendiebstähle in der Innenstadt“, schildert Preiszler.

Aufgaben.

Mitglieder der EGS Wien: Bei einer Festnahme muss jeder seine Rolle kennen und jeder Handgriff muss sitzen.
Mitglieder der EGS Wien: Bei einer Festnahme muss jeder seine Rolle kennen und jeder Handgriff muss sitzen.
© Bernhard Elbe

Die EGS Wien besteht aus vier Einsatzgruppen zu je 20 zivilen Einsatzbeamtinnen und -beamten. Zwei Gruppen befassen sich mit Suchtmittelkriminalität, zwei mit Eigentumskriminalität. Darüber hinaus unterstützt die EGS das Landeskriminalamt Wien sowie das Bundeskriminalamt bei größeren Amtshandlungen. Dies geschieht in der Regel durch Zugriffsobservationen und Hausdurchsuchungen. Außerdem wurde die Gruppe bei Terrorlagen, gewaltbereiten Demonstrationen und Großveranstaltungen eingesetzt. Die Mitglieder der Einsatzgruppe sind auch in öffentlichen Verkehrsmitteln und deren Umfeld (U-Bahnhöfe, Bushaltestellen, Verkehrsknotenpunkte) unterwegs.

Suchtmittelkriminalität.

Das Tagesgeschäft der Suchtmittel-Gruppen besteht aus gemeinsamen koordinierten Streifen. Die Gruppe fährt unter der Leitung eines Streifenführers die Drogen-Hotspots an und beobachtet. Findet ein Suchtgiftdeal statt, wird der Kunde außer Sichtweite des Dealers angehalten und befragt. Nach Bestätigung des Deals wird der nach wie vor unter Observation stehende Dealer bei einer einsatztaktisch günstigen Gelegenheit festgenommen. Die hundertprozentige Beweislage ist die Voraussetzung für eine Festnahme, sie basiert mindestens auf dem Geständnis des Kunden und der Sicherstellung der verkauften Drogen. Der Akt wird gerichtsfertig abgearbeitet und der Dealer in der Regel in Untersuchungshaft genommen.

Weitere Arbeitsmethoden umfassen unterschwellige Scheingeschäfte oder Vertrauenskäufe und kurzfristige Telefonüberwachungen. Im Mai 2022 fanden in drei Wiener Bezirken gleichzeitig Zugriffe statt, bei denen fünf Personen festgenommen wurden. Die Tatverdächtigen sollen in Wien seit längerer Zeit Suchtmittel gekauft und weiterverkauft haben. Bei Hausdurchsuchungen in Favoriten und Fünfhaus wurden 8.090 Euro Bargeld, 1,14 Kilogramm Heroin, 296 Gramm Kokain sowie zwei Kilogramm Streckmittel sichergestellt. Die Suchtmittel hatten eine Straßenverkaufswert von 35.000 Euro.

Eigentumskriminalität.

Einsatzgruppen der Polizei gehen gegen Taschendiebstahl, Raub, Einbruch, Drogen- und Gewaltdelikte vor.
Einsatzgruppen der Polizei gehen gegen Taschendiebstahl, Raub, Einbruch, Drogen und Gewaltdelikte vor.
© Bernhard Elbe

Das Spektrum reicht von Taschendiebstählen über Einbruchskriminalität bis hin zu Trickbetrügereien. Die zur Verfügung stehenden Daten werden analysiert, um Serien festzustellen. Wird ein Hotspot ausgemacht, konzentrieren sich die Kräfte der EGS Eigentum auf dieses Gebiet. Dabei orientieren sich die Kollegen an bisher bekannten Sachverhalten, Fakten und am (speziellen) Täterverhalten. Die Verdächtigen werden observiert und optimaler Weise auf frischer Tat betreten. So wurde bereits eine Vielzahl an Tätern festgenommen, wie zum Beispiel zwei Wohnungseinbrecher Ende Juli 2022.

Die Zuteilung zur Einsatzgruppe dauert meist bis zu drei Jahre und richtet sich nach dem Engagement und Wunsch der zugeteilten Einsatzbeamt/-innen. Sie kann jederzeit von beiden Seiten aufgehoben werden. Ziel ist es, die zugeteilten Beamtinnen und Beamten möglichst lange an die EGS zu binden, da die Erfahrung sehr hilfreich für die zukünftige Herausforderungen der Polizeiarbeit in der Stammdienststelle ist. „Wir helfen unseren Zugeteilten, sich in die Richtung zu entfalten, die sie sich wünschen, und bringen aus den eigenen Reihen dienstführende Beamte und Offiziere hervor. Das ist nicht nur ein Dankeschön für die jahrelange Dienstverrichtung, sondern hat auch den Vorteil, dass wir verlässliche Ansprechpartner in allen Dienststellen haben, die dort auch ihr Wissen aus EGS-Zeiten weitergeben“, sagt der Chef der EGS Wien.

Die Ausbildung dauert drei Monate und beginnt mit einem allgemeinen Modul zu den Themen Organisation, Aufgaben, Dienstverrichtung und Einsatzformen. Die Zielgruppe sind Exekutivbeamtinnen und -beamte aus anderen Dienststellen, die zugeteilt werden. Dann beginnt der fachspezifische Teil angepasst an den Deliktsbereich, für den man eingesetzt wird.
„Wir analysieren das Täterverhalten. Ein Taschendieb verhält sich anders als ein Einbrecher. Bei uns lernt man diese Eigenheiten zu erkennen, um Verdächtige auf der Straße, zum Beispiel anhand ihrer Bewegungen zu erkennen. Auch die rechtlichen Bestimmungen für das jeweilige Einsatzgebiet werden genau durchgearbeitet“, sagt Preiszler. „Ein großes Augenmerk liegt auf dem erweiterten Einsatztraining (Technik, Taktik, Schießen). Besonders die Eigensicherung ist bei über 1.000 Festnahmen im Jahr wichtig. Bei einer Festnahme muss jeder die eigene Rolle kennen und jeder Handgriff muss sitzen.“ Abschließend folgen die Grundzüge der Observation. Vertieft wird dieses Basiswissen nach der Ausbildung über Monate und Jahre hinweg im Arbeitsalltag in der Gruppe mit erfahrenen Beamtinnen und Beamten.

Gründung.

Beamte der EGS Vorarlberg und der PI Hohenems stellten Kokain, Marihuana und Waffen in einer Mietgarage sicher.
Beamte der EGS Vorarlberg und der PI Hohenems stellten Kokain, Marihuana und Waffen in einer Mietgarage sicher.
© PI Hohenems/EGS Vorarlberg

„Vor der Gründung der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität im Jahr 2003 haben wir eine völlig ausgeartete Drogenszene am Schwedenplatz gehabt. 114 Dealer wurden damals tagsüber in der Innenstadt gezählt. Der jüngste aufgegriffene Suchtmittelabhängige war 11 Jahre alt. Mit den bestehenden polizeilichen Maßnahmen ist man gegen die gut strukturierten Tätergruppen nicht angekommen – und das merken die Täter natürlich“, sagt Preiszler. „Wir haben dann die Köpfe zusammengesteckt, um eine Lösung zu finden. Das Ganze war ein Trial-and-Error-Prozess über einige Zeit, bis wir dann erkannt haben: Wir brauchen das Wissen der erfahrenen Kolleginnen und Kollegen und die Manpower der Jungen.“

Das Konzept sah vor, dass erfahrene Kriminalbeamtinnen und -beamten aus dem Suchtmittelbereich mit engagierten jungen Exekutivbediensteten aus den Inspektionen zusammen Streifen durchführen und der Drogenszene Einhalt gebieten. Gemeinsam mit Margit Wipfler startete Preiszler dann im Jahr 2002 die Einsatzgruppe im Probebetrieb. Bereits im ersten Quartal nach Einrichtung konnten Hunderte Personen, vorwiegend aus dem Suchtgiftbereich, festgenommen werden.
„Wir haben ständig geschaut, an welchen Schrauben man noch drehen kann, wo noch etwas besser laufen könnte. Das hat sich bis heute nicht geändert. Schließlich konnte die Drogenszene aber stark eingedämmt und die Täter wieder in die Anonymität gedrängt werden“, sagt Preiszler. „Was uns bei der Einsatzgruppe alle verbindet, ist der starke Sinn für Gerechtigkeit. Wir sind nicht nur mit Tätern, sondern auch mit den Opfern von Verbrechen in Kontakt. Ein Einbruch in den eigenen vier Wänden oder ein Raub hat auch psychische Nachwirkungen. Hier etwas in eine positive Richtung bewirken und Menschen das Gefühl geben zu können, da tut jemand was dagegen, spornt uns jeden Tag an.“

Erweiterung.

Suchtmittelkriminalität: Die Suchtmittel-Gruppen der EGS Wien fahren Drogen-Hotspots an und beobachten.
Suchtmittelkriminalität: Die Suchtmittel-Gruppen der EGS Wien fahren Drogen-Hotspots an und beobachten.
© Bernhard Elbe

Das erfolgreiche Konzept wurde im November 2003 auf die Eigentumskriminalität und im Jänner 2004 auf die Bekämpfung von Raubkriminalität ausgeweitet. „Da alle Gründungsmitglieder aus der Suchtgiftfahndung kamen, musste das Wissen in diesen Bereichen erst aufgebaut werden. Wir haben dabei auch externe Quellen angezapft, unter anderem einen Privatdetektiv, der Erfahrung bei der Taschendiebstahlsbekämpfung hatte. Das macht die EGS auch aus: Wir sind bereit von anderen zu lernen und probieren neue Ideen aus, um zu sehen, was funktioniert und was nicht.“

Österreichweit.

Mit 1. Juli 2004 wurden in Anlehnung an das Wiener Modell österreichweit Einsatzgruppen in vier Regionen eingerichtet, um die Sachbearbeiter der Landeskriminal­ämter, der Stadtpolizeikommanden, der Bezirkspolizeikommanden und der Polizeiinspektionen bei operativen Maßnahmen im Zusammenhang mit aktuellen Kriminalitätsbrennpunkten zu unterstützen: EGS Ost (Wien/Niederösterreich/Nord- und Mittelburgenland mit Standort ­Wien), EGS Süd (Steiermark/Kärnten/Südburgenland mit Standort Graz), EGS Mitte (Oberösterreich/Salzburg mit Standort Linz) und EGS West (Vorarlberg/Tirol mit Standort Innsbruck).
Als 2005 die Wachkörper Bundespolizei, Bundesgendarmerie und Kriminalpolizei zusammengeführt wurden, richtete das Bundesministerium für Inneres in jedem Bundesland außer Wien eine Einsatzgruppe im Assistenzbereich des Landeskriminalamts ein. In Wien blieb die EGS vorerst direkt dem Leiter des übergeordneten Landeskommandos unterstellt, im Dezember 2008 folgte die Einrichtung als Assistenzbereich.

EGS Burgenland.

Die Mitglieder der Einsatzgruppe konnten seit der Einrichtung im Jahr 2005 2.100 Täter festnehmen. Derzeit besteht sie aus zwei dienstführenden Beamten und zehn zugeteilten Beamtinnen und Beamten. „Unsere Amtshandlungen umfassen neben Observationen mit Zugriffen nach Suchtgiftdeals und Einbrüchen, die Unterstützung bei Großveranstaltungen wie dem Nova-Rock-Festival, bei Ermittlungen nach Morden, Vergewaltigungen und Überfällen“, berichtet Chefinspektor Heinz Wind, Leiter der EGS Burgenland. „Beim Entführungsfall Natascha Kampusch haben wir einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung liefern können. Einer unserer größten Erfolge war die Klärung eines Juwelierraubes in Eisenstadt. Ein Täter wurde von mir unmittelbar nach der Tat festgenommen, der zweite Täter kurz darauf im Schloss­park“, berichtet Wind. Die EGS war auch bei den Ermittlungen nach dem Tod von 71 Flüchtlingen auf der A4, im Gemeindegebiet von Parndorf, involviert. Wir haben DNA-Material gesichert und die Identitäten der Opfer überprüft“, sagt Wind. Weiters hatten die EGS-Mitglieder zur Aufklärung des Mordes an einer 35-jährigen Gelegenheitsprostituierten beigetragen, deren Leiche zerstückelt und im Neusiedlersee versenkt worden war. Derzeit fallen viele Aufgaben im Zusammenhang mit der Migrationslage an der Grenze an.

EGS Niederösterreich

EGS-Mitglieder sind auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, Bahn höfen und Haltestellen unterwegs.
EGS-Mitglieder sind auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, Bahn höfen und Haltestellen unterwegs.
© Bernhard Elbe

Die EGS Niederösterreich ist ein klassischer Assistenzdienst mit überwiegend kriminalpolizeilichen Aufgaben. Die tägliche Arbeit umfasst Zugriffsobservationen und die Unterstützung bei Festnahmen und Hausdurchsuchungen. Auch Überwachungsmaßnahmen nach Einbruchsserien, Raubserien auf Geldinstitute, Tankstellen oder Wettbüros sowie Verbrechen im Bereich Menschenhandel, Schlepperei sowie Rotlichtmilieu fallen in ihr Aufgabengebiet. Da diese Amtshandlungen zum überwiegenden Teil Anknüpfungspunkte in Wien haben, wird die EGS Niederösterreich auch mehrmals in der Woche in der Bundeshauptstadt tätig. Daraus resultiert eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der EGS Wien.
An den wenigen Tagen, an denen keine konkreten Aufträge vorliegen, bindet sich die EGS Niederösterreich in den Streifendienst ein und unterstützt im Bedarfsfall die Kolleginnen und Kollegen der Polizeiinspektionen bei intensiveren Einsätzen oder solchen mit höherem Gefährdungsgrad. Besonders hervorzuheben ist die Operation „Krä-he“ (Serie von Bankomatsprengungen im Jahr 2019), bei der die EGS nach mehr als sechs Monaten Ermittlungen und Observationen zur Festnahme zahlreicher Täter beigetragen hat.
„Die EGS ist eine Einheit, die nur selten im Rampenlicht steht und aus kriminaltaktischen Gründen nicht immer erwähnt werden kann, obwohl sie in vielen Fällen mit hohem Engagement einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung von schwerwiegenden Straftaten geleistet hat“, sagt der Leiter der EGS Nieder­österreich.

EGS Kärnten.

Der EGS Kärnten sind vierzehn Beamte zugeteilt, zwei davon dienstführende Beamte. Die Kerngebiete Suchtgift- und Eigentumskriminalität sowie Gewaltdelikte sind nicht in einzelne Gruppen getrennt. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Bekämpfung von Suchtmittelkriminalität – bedingt durch die Grenznähe zu Slowenien (Balkanroute) und Tätergruppen, die vom oberitalienischen Raum aus vor allem in der Landeshauptstadt Klagenfurt agieren. Eigentumsdelikte umfassen vorwiegend Einbruchsdiebstähle, oft von durchreisenden Tätern (zum Beispiel in nachtparkende Camper und Wohnwagen entlang der Autobahnen) als auch durch ortsansässige Täter oder Gruppierungen. Dabei handelt es sich oftmals um Begleitkriminalität zur Bestreitung des Suchtmittelkonsums oder um Berufseinbrecher.
Die Bekämpfung von Gewaltdelikten beschränkt sich auf Großveranstaltungen wie beim GTI- oder Harley-Davidson-Treffen. Im Einzelfall wird auch bei der Fahndung nach hilflosen, unmündigen oder gefährdeten Personen unterstützt. Geleitet wird die EGS Kärnten von Chefinspektor Peter Thun-Hohenstein und seinem Stellvertreter Abteilungsinspektor Peter Mostögl. „Neben Spezialisten wie ehemaligen Cobristen und Observanten bringt jedes einzelne Mitglied Erfahrungen von den Dienststellen mit. Die Mischung von technischen Fähigkeiten, kreativem Denken, kriminalistischem Gespür, Ausdauer und Motivation ergibt ein enormes Potenzial“, sagt der EGS-Leiter. Anfang Oktober 2019 zündete ein vorerst unbekannter Täter vor einem Mehrparteienhaus in Mittelkärnten eine Paketbombe und verletzte dadurch eine Frau lebensgefährlich. Bei den Erhebungen geriet der ehemalige Lebensgefährte des Opfers immer mehr in Tatverdacht. Obwohl sich der Verdächtige versteckt hielt, konnte er im Zuge der Fahndung und eines Hinweises ausgeforscht und festgenommen werden.

EGS Oberösterreich

Die EGS Oberösterreich wurde im Jahr 2004 mit zwei Beamtinnen und 23 Beamten eingerichtet. Der Bedarf ergab sich aufgrund vermehrt auftretender reisender internationaler Tätergruppen – häufig aus dem osteuropäischen Raum – und der dadurch geforderten raschen und flexiblen kriminalpolizeilichen Maßnahmen. Im Jahr 2011 wurde die EGS Oberösterreich neu strukturiert und das Personal aufgestockt. Derzeit verfügt sie über drei Einsatzgruppen mit insgesamt 40 Beamten. Grund dafür waren die Grenz­öffnungen mit Wegfall der Kontrollen und den daraus resultierenden notwendigen Ausgleichsmaßnahmen (Schleierfahndung). Das Stammpersonal besteht aus erfahrenen Kriminalbeamten, Einsatztrainern, ehemaligen Cobra-Beamten und ausgebildeten Observanten. Diese werden permanent von etwa 20 zugeteilten Polizeibeamtinnen und -beamten aus verschiedenen Polizeidienststellen verstärkt. Jährlich werden durchschnittlich 550 Verdächtige festgenommen.
„Eine Spezialität der EGS Oberösterreich ist die Observation und Festnahme auf frischer Tat“, schildert Chef­inspektor Wolfgang Derntl, Leiter der Einheit. „Internationale Tätergruppen werden ab der Einreise unter Observation gestellt und oft tagelang bis zum Einbruch, Raub oder Suchtgiftübergabe überwacht. Dadurch konnten schwere Einbrüche in Juweliergeschäfte, Parfümerien, Trafiken, Autohäuser, Wohnhäuser aufgeklärt und die Täter auf frischer Tat verhaftet werden.“ Aber auch die Straßenkriminalität wird ständig überwacht. Im Sommer 2022 wurde gemeinsam mit dem Stadtpolizeikommando Linz ein Heroinhändler beim Verkauf an verschiedene Kunden observiert. Dabei wurde dieser von zwei vermeintlichen Kunden beraubt und schwer verletzt. Die Beamten der EGS konnten daraufhin zuerst die beiden flüchtigen Räuber und unmittelbar darauf den Heroinhändler festnehmen.

EGS Salzburg

Die EGS Salzburg startete mit sechs Beamten und mit der ursprünglichen Arbeit als Kriminalisten, die die Straßenkriminalität zu bekämpfen hatten. Im Laufe der Zeit wurden vermehrt operative Aufgaben (verstärkte Überwachungen, Observationen und Festnahmen) für das Landeskriminalamt übernommen, diese machen mittlerweile einen Großteil der Tätigkeit aus. Auch bei Großveranstaltungen, wie internationalen Fußballspielen, dem Electric Love Festival oder Rave on Snow, sind verdeckte Beamte der EGS im Einsatz. Mittlerweile besteht die EGS Salzburg aus 18 Bediensteten und wird von Chefinspektor Alfred Greinmeister geleitet: „Aufgrund des Engagements der EGS als Assis­tenzdienst ist man nun auf einem Status, dass fast sämtliche Amtshandlungen über Anforderungen übernommen werden, falls es die Ressourcen zulassen.“
Zu den Erfolgen der letzten Jahre zählen die Ausforschung nach einer Variante des Neffentricks, bei der ein vermeintlicher Kriminalbeamter eine 82-jährige Frau dazu bringen wollte, ihre Ersparnisse in Höhe von 45.000 Euro abzuheben. Ermittler der EGS wiesen die Pensionistin an, den Telefonkontakt zu den Betrügern aufrecht zu erhalten und den Forderungen der Täter zu entsprechen. Die Wohnadresse der Frau wurde von EGS-Beamten observiert. Im Zuge der vorgetäuschten Geldbehebung in der vorab informierten Hausbank, konnten die Täter festgestellt werden. Als die Betrüger das Geld abholen wollten, wurden sie festgenommen. Aufgrund dieses Erfolges konnten Straftatbestände mit einer Schadenssumme von knapp zwei Millionen Euro geklärt werden.

EGS Steiermark.

Bei der EGS Steiermark verrichten derzeit 26 Beamte Dienst, davon 24 zugeteilte Beamte. Die Arbeit umfasst neben Observationen und Vorpasshaltungen (verstärkten Überwachungen), die Überwachung von Veranstaltungen, u. a. Formel 1, Moto GP, Nightrace Schladming.
Die EGS Steiermark wird über Anforderung anderer Polizeidienststellen oder im Rahmen des bezirksübergreifenden Streifendienstes tätig. Die Anforderungen betreffen nahezu sämtliche kriminalpolizeiliche Bereiche (Suchtmittel, Eigentum, Leib/Leben, Raub, etc.) und beziehen sich vorwiegend auf Observationen, Festnahmen, Durchsuchungen und Fahndungen. „Jeden Monat führt die EGS bis zu acht Suchtgiftschwerpunkte durch“, erklärt der Leiter der EGS Steiermark, Chefinspektor Günter Martinelli. „Dabei werden vor allem Parkanlagen in Graz überwacht. Die EGS übernimmt dabei sämtliche Tätigkeiten: Beobachtung der Übergaben, Anhaltung der Abnehmer, niederschwellige Scheinkäufe, Festnahmen, Einvernahmen und Finalisierung der Anzeigen.“
Die Erfolge im Jahr 2022 umfassten die Festnahme zweier Täter wegen gewerbsmäßigen Ladendiebstahls sowie von drei Suchtmittelhändlern, die rund um den Grazer Volksgartenpark unterwegs waren. Durch die von der EGS geführten Ermittlungen konnten der Tätergruppe insgesamt 29 Suchtmittel­übergaben an Abnehmer nachgewiesen werden.

EGS Tirol.

Bei der EGS Tirol arbeiten derzeit sechzehn Bedienstete, davon zwölf zugeteilte Beamte und Einsatztrainer, Observationsführer und Drohnenpiloten. „Diese Anzahl an Bediens­teten hat sich als notwendig erwiesen“, erklärt Chefinspektor Manfred Moser, Leiter der EGS Tirol. „In den Jahren 2005 bis 2020 erforderte die Situation in der Landeshauptstadt Innsbruck in der Bekämpfung der Straßenkriminalität, insbesondere der offenen Drogenszene, aber auch der Zunahme von Gewaltdelikten, die Konzentration aller polizeilichen Kräfte. Im besonderen Ausmaß war hier bereits die EGS eingesetzt. Aufgrund von Strukturermittlungen, Observationen und technischen Maßnahmen erfolgten Serienverhaftungen und Rekordsicherstellungen an Suchtmitteln und Bargeld. Beispielsweise nahm die EGS von Jänner bis August 2015 31 Personen fest. Der Gruppe konnten sechs Beschaffungsfahrten nachgewiesen werden und es wurde Bargeld in Höhe von 19.500 Euro sowie verschiedene Suchtmittel, wie 20 kg Cannabisharz, Marihuana und Kokain, sichergestellt.
Neben Suchtmitteldelikten konnten Diebstähle, Körperverletzungen und Einbruchsdiebstähle aufgeklärt werden. Im Juni 2021 wurde bei einer routinemäßigen Fahrzeug- und Lenkerkontrolle, bei der EGS-Beamte Suchtgift sicherstellten, ein internationaler Schlepperring ausgehoben. Die sechs Beschuldigten hatten von Februar bis Dezember 2021 170 Personen durch Österreich geschleppt.

EGS Vorarlberg

Die EGS Vorarlberg ist mit acht Beamten die personell kleins­te Einheit in Österreich. Sie wird hauptsächlich über Anforderung des Landeskriminalamts und der Polizeiinspektionen tätig und unterstützt diese insbesondere bei personalintensiven oder längerfristigen Amtshandlungen. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt auf Observationen. Aufgrund der Grenznähe arbeitet man oft eng mit den Mobilen Einsatzkommandos (MEK) aus Deutschland und Observationseinheiten aus der Schweiz zusammen.
„Täter aus Deutschland und der Schweiz treffen sich dabei immer wieder im sozusagen neutralen Vorarlberg, besprechen sich hier und reisen dann wieder aus. Solche Treffen finden meist spontan statt und für die eingesetzten Kräfte gibt es kaum Vorlaufzeit“, schilderte Chefinspektor Martin Zwerger, Leiter der EGS Vorarlberg. „Deswegen ist es wichtig, rasch zu agieren und auf Ortskenntnisse zurückgreifen zu können.“ In einem Fall konnte aufgrund einer Observation ein verbautes Schmuggelversteck in Form eines doppelten Bodens in einem Fahrzeug entdeckt werden, der sich elektronisch entriegeln ließ.

Anna Strohdorfer/Herbert Zwickl

Zur Person

Wolfgang Preiszler ist als stellvertretender Leiter im Assistenzbereich der Chef der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS). Er ist seit August 1982 bei der Wiener Polizei, wo er u. a. bei der Alarmabteilung Dienst versah. Ab dem Jahr 1989 war er bei der Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus (EBT) im Innenministerium als verdeckter Ermittler tätig. Später ging er zu Kriminalpolizei, arbeitete im Sicherheitsbüro als Suchtgiftfahnder, bevor er nach Absolvierung des Offizierskurses als Assistent des damaligen Landespolizeikommandanten Roland Horngacher gemeinsam mit Margit Wipfler die EGS aufbaute. Wipfler heißt jetzt mit Nachnamen Kassan und arbeitet als Gruppenführerin in der Kriminalprävention des LKA Wien.

EGS Wien

Aufnahmekriterien

Alle zwei Jahre wird ein Grundausbildungslehrgang EGS für Exekutivbedienstete der Verwendungsgruppe E2b in der Landespolizeidirektion Wien ausgeschrieben. Die Zulassungskriterien umfassen die volle körperliche und geistige Eignung für den Exekutivdienst, mindestens zwei Jahre praktische Diensterfahrung im exekutiven Außendienst ab E2b-Ernennung (hier erfolgt derzeit eine Evaluierung betreffend einer Reduktion auf ein Jahr), keine disziplinarrechtliche Beanstandung und die erfolgreiche Absolvierung des Auswahlverfahrens, das sich aus vier Bereichen zusammensetzt: Sporttest (3000-Meter-Lauf, Liegestütz, Sit-ups, jeweils ein vorgegebenes Leistungslimit), Schießtest, psychologische computerunterstütze Eignungsdiagnostik mit vorgegebener Mindestpunkteanzahl und ein psychologischer Teil (Interview).


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2022

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