Geldwäsche

Europol warnt mit der Kampagne „#dontbeamule“ vor den Gefahren der Finanzagententätigkeit.
Europol warnt mit der Kampagne „#dontbeamule“ vor den Gefahren der Finanzagententätigkeit. © Europol

Keine Freundschaftsdienste

Der Kriminalbeamte Bernhard Schafrath beschäftigte sich in seiner Master-Arbeit mit dem Phänomen „Money-Mules“ – Personen, die Geld aus krimineller Herkunft überwiesen bekommen, es auf unterschiedliche Art weitertransferieren und sich der Geldwäscherei strafbar machen.

Ziel der Kriminellen ist es, die Bankkonten der angeworbenen Personen – „Money-Mules“ – für ihre Zwecke zu nutzen, um kriminell erwirtschaftetes Geld zu verschieben.
Wer sich als „Money-Mule“ („Geldesel“, „Finanzagent“) einspannen lässt, macht sich der „Geldwäscherei“ strafbar. Dass sie einen Beitrag zur Geldwäscherei geleistet haben, erfahren sie oft erst, wenn die Bank ihre Konten sperrt oder die Polizei gegen sie ermittelt.
Im Zentrum der Master-Arbeit an der FH Campus Wien, Masterstudiengang Public Management, des Kriminalbeamten Bernhard Schafraths stand die Forschungsfrage, ob bzw. welche gemeinsamen Charakteristika in Österreich tätige Money-Mules haben. Es wurden alle 191 Money-Mule-Fälle analysiert, die in Österreich 2020 polizeilich bekannt geworden waren. Dabei wurden 5 Kategorien festgelegt, die 40 Merkmale umfassten. Die erhobenen Daten wurden in Häufigkeiten dargestellt und die daraus resultierenden Aspekte miteinander verglichen, um Rückschlüsse auf gemeinsame Charakteristika zu ziehen. Die Ergebnisse wurden mit internationalen Studien verglichen, wobei einige Übereinstimmungen festgestellt wurden.

Charakteristika.

Von allen analysierten Fällen waren 54 Prozent der Money-Mules in Österreich weiblich, 46 Prozent männlich. Knapp die Hälfte waren zwischen 20 und 34 Jahren alt. Das durchschnittliche Alter eines Money-Mules betrug 34 Jahre. Die Tätigkeit wurde zumeist unter zwanzig Tagen ausgeübt, im Schnitt für neun Tage. Mehr als ein Drittel der Money-Mules war arbeitslos. Die Anwerbung erfolgte größtenteils auf indirekte Art, über seriös wirkende Jobangebote auf Internetseiten, via soziale Medien, Spam-Mails oder über Messaging-Apps. Es gab auch eine „direkte Anwerbung“, künftige Money-Mules wurden oft von unbekannten Personen angesprochen, beispielsweise vor der Schule, im Verein, auf der Straße vor dem AMS und dergleichen. Dabei wurden ihnen verschiedene Angebote unterbreitet. Neben Jobangeboten wurden die Personen mit diversen „Hilfen bei Notlagen“ geködert, beispielsweise wurde vorgegaukelt, dass die Person eine Geldtransaktion erhalten habe und (noch) nicht über ein österreichisches Konto verfüge. Die Zahlung wurde dann auf das Konto des neuen Money-Mules geleitet, in bar behoben und dem Anwerber oder der Anwerberin übergeben oder weitertransferiert.

Die Gelder

Die Gelder wurden hauptsächlich an Kryptowährungsplattformen überwiesen oder mittels Geldtransferdienste weitergeleitet. Wenn um einen Freundschaftsdienst gebeten wurde, erfolgte die Anwerbung persönlich und die Gelder wurden meist innerhalb Österreichs weitergeleitet oder in bar an die Anwerber oder andere, fremde Personen übergeben. Die Gesamtsumme der Überweisungen betrugen pro Money-Mule für die gesamte Tätigkeitsdauer zwischen 10.000 und 50.000 Euro. Die Tätigkeit wurde zu 40 Prozent als Zuverdienstmöglichkeit ausgeübt. Nahezu alle Money-Mules beteuerten, dass sie nicht wussten, dass die transferierten Gelder aus kriminellen Machenschaften stammten.
Mit internationalen Studien deckten sich die österreichischen Erkenntnisse insofern, dass persönlich angeworbene Money-Mules vermehrt um Freundschaftsdienste gebeten werden. Sie transferierten dabei die Gelder, zumeist vom eigenen Konto innerhalb Österreichs oder übergaben es persönlich. Bei vorgetäuschten Jobangeboten wurden die Personen indirekt via Mail, Pushnachricht, Messenger und dergleichen angeworben und kannten ihre Anwerber nicht persönlich. Laut Schafrath werde bei Ermittlungen in Österreich oft verabsäumt, bei der Einvernahme die richtigen Fragen zu stellen. In der Regel vernehmen die Ermittler nur die Money-Mules und die Auftraggeber bleiben unbekannt. Um mehr Wissen über das Phänomen der Money-Mules zu gewinnen, ist aus Sicht des Verfassers eine enge Zusammenarbeit zwischen Kriminalpolizei, Geldwäschemeldestelle und den Banken sicherzustellen und Handlungsleitfäden für ermittelnde Polizisten zu erarbeiten.

Bernhard Schafrath

Bernhard Schafrath versah Dienst in verschiedenen Polizeidienststellen in Wien und Niederösterreich und arbeitet seit 2019 im Bundeskriminalamt, in der Abteilung 7 (Wirtschaftskriminalität).

Bernhard Schafrath: Geldwäsche in Österreich. Charakteristik der in Österreich agierenden Finanzagenten. Masterarbeit: Fachhochschule FH Campus Wien, Masterstudiengang Public Management, 129 Seiten.


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2021

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