Polizeiuniform

Professionalität und Eleganz

Blaue Uniform der Bundespolizei seit 2005: Europäischer Trend zur dunkelblauen Uniform.
Blaue Uniform der Bundespolizei seit 2005: Europäischer Trend zur dunkelblauen Uniform.
© Gerd Pachauer

Die blaue Farbe für Polizeiuniformen hat weltweit eine lange Tradition. Auch in Österreich gab es schon vor der Wachkörperzusammenlegung 2005 blaue Uniformteile bei der Polizei.

Aus Grün und Grau wird Blau: Dieses Motto war vielfach zu lesen, als 2005 im Zuge der Wachkörperzusammenlegung in Österreich die grünen Uniformen der Bundessicherheitswache und die grauen Uniformen der Bundesgendarmerie von einer neuen dunkelblauen Uniform des einheitlichen Wachkörpers Bundespolizei abgelöst wurden. „Dem europäischen Trend folgend, orientiert sich die Gestaltung der neuen Uniform an der Grundfarbe Dunkelblau“, führte der Auftrag zur Umsetzung des neuen Wachkörpers aus. Am 18. Mai 2004 wurden der Öffentlichkeit die ersten Entwürfe für die blaue Uniformierung und das neue Design der Fahrzeugflotte präsentiert. Doch was hat es mit diesem „europäischen Trend“ bei Polizeiuniformen auf sich? Und war die Farbe Blau für die österreichische Polizei vor 16 Jahren tatsächlich ein Novum, wie vielfach berichtet wurde?

Hechtgraue bzw. bläuliche Uniform der k. k. Militär-Polizeiwache bis 1850.
Hechtgraue bzw. bläuliche Uniform der k. k. Militär-Polizeiwache bis 1850.
© Polizeiarchiv

Blickt man auf die historische Entwicklung in Österreich, so hatte die blaue Uniformfarbe im Polizeibereich lange keine besondere Bedeutung. Die Militär-Polizeiwache, die ab Ende des 18. Jahrhunderts eine gewisse Ordnung in das vorher zersplitterte Sicherheitswesen in Wien bringen sollte, trug anfangs „hechtgraue“ Uniformen. Der Uniformrock, der später zum Frack wurde, wirkt auf zeitgenössischen Abbildungen bläulich. Blaue Hosen wurden von der kaiserlichen Infanterie verwendet, allerdings gemeinsam mit einer weißen Jacke. Nach 1848 wurde die Infanterie neu eingekleidet, in der Folge auch die Militär-Polizeiwache, die sich in ihrer Dienstkleidung, wenn auch nicht vollständig, an den Streitkräften orientiere. Ohne dass ein genauer Hintergrund überliefert ist, wechselte die Militär-Polizeiwache um 1850 zu dunkelgrünen (im Volksmund später auch „flaschengrün“ genannten) Uniformen. Offensichtlich wurde bei den Feldzügen im heute zu Italien gehörenden Piemont anlässlich der Revolutionsbewegung im Kaisertum Österreich 1848 und 1849 ein großer Uniformposten in dunkelgrüner Farbe erbeutet, wie Friedrich Jäger in seiner Publikation „Das große Buch der Polizei und Gendarmerie in Österreich“ berichtet. Die 1849 gegründete österreichische Gendarmerie übernahm die dunkelgrüne Uniform, die bereits bei der lombardischen Gendarmerie in Verwendung gewesen war, teilweise mit einer blaugrauen, beinahe schwarz wirkenden, Hose. Bis 1918 wurde bei der Gendarmerie das dunkelgrüne Tuch weiterverwendet. Die graue Farbe („Feldgrau“) war nur im Militäreinsatz als „Feldgendarmerie“ gebräuchlich und wurde erst nach Kriegsende zur generellen Uniformfarbe der Gendarmen. Die 1869 gegründete Sicherheitswache verwendete anfangs einen graugrünen Waffenrock mit grauer Hose, nach Kriegsende wurde 1918/19 eine adaptierte Felduniform verwendet, bevor aufgrund von Stoffproblemen Khaki-Uniformsorten in Gebrauch kamen, die von den Siegermächten beschafft wurden. Zwischen 1924 und 1927 erfolgte ein Farbwechsel zurück zum traditionellen Grün.
Örtliche Sicherheitswachen verwendeten im 19. Jahrhundert teils dunkelgrüne, teils schwarze Uniformteile. Im Polizeimuseum in der Marokkanerkaserne in Wien ist eine Uniformkappe der k. k. Gewölbewache ausgestellt, die aus schwarzem Stoff gefertigt ist. Die Gewölbewache war in Wien neben der Militär-Polizeiwache eingerichtet und bestand von 1850 bis 1918. Ihre Aufgabe war die Bewachung von Geschäftslokalen, sie hatte dieselben Rechte wie die Militär-Polizeiwache. Nach Gründung der Sicherheitswache wurde sie dieser unterstellt. Im 20. Jahrhundert wurde bei den Gemeindesicherheitswachen großteils das „Flaschengrün“ mit schwarzen Hosen gebräuchlich. Eine Ausnahme bildeten die kommunalen Sicherheitswachen in Vorarlberg, die bis 2005 die graue Uniformierung der Gendarmerie verwendeten.

Erstmals Blau.

Blaue Politessenuniform ab 1971 (Polizeimuseum Wien).
Blaue Politessenuniform ab 1971 (Polizeimuseum Wien).
© Gerd Pachauer

Es sollte bis in die 1970er-Jahre dauern, bis die blaue Uniformfarbe in Österreich erstmals bei der Polizei auftauchte, und zwar im Bereich der Bundessicherheitswache: Aufgrund der zunehmenden Motorisierung und durch Personalengpässe bei der Sicherheitswache wurde der Bundesminister für Inneres 1971 dazu ermächtigt, Vertragsbedienstete einzustellen. Die „weiblichen Straßenaufsichtsorgane“, offiziell als VB/S OStA (Vertragsbedienstete mit Sondervertrag – Organe der Straßenaufsicht) bezeichnet, erhielten eine dunkelblaue Uniform, um sie von den ersten Sicherheitswachebeamtinnen zu unterscheiden, die in Wien 1967 ihren Grundausbildungslehrgang abgeschlossen hatten. Für diese Polizistinnen hatte das Modehaus Fred Adlmüller in Zusammenarbeit mit der Modeschule Hetzendorf eigene Uniformen mit Rock entwickelt, wobei die Uniformjacke – wie bei den männlichen Kollegen – aus dunkelgrünem Stoff bestand. Die Uniformierung der nunmehrigen Straßenaufsichtsorgane, umgangssprachlich als „Politessen“ bekannt, folgte dem gleichen Schnitt und Muster, die dunkelblaue Farbe für Jacke und Rock war jedoch eine Premiere. Das Bild der „Politessen“ in Blau prägte bis Ende der 1980er-Jahre das Straßenbild österreichischer Großstädte. Allein in Wien waren zum Teil 200 VB/S OStA im Dienst. Mit der Öffnung des Polizeidienstes für Frauen erhielten die Straßenaufsichtsorgane im Dezember 1990 die Möglichkeit, nach einer einjährige Ergänzungsausbildung in den regulären Polizeidienst übernommen zu werden. 40 ehemalige „Politessen“ nützten diese Möglichkeit und wurde im Dezember 1991 in Wien, Graz und Linz bei der Sicherheitswache aufgenommen. In Wien wurde die Parkraumüberwachung 1994 neu strukturiert: Die blaue Uniformierung blieb weiterhin bestehen, Männer und Frauen konnten sich nun gleichermaßen bewerben. Organe mit blauer Tellerkappe standen aber ausschließlich im Dienst der Stadt und durften nur die Entrichtung der Wiener Parkgebühren kontrollieren, während Organe mit weißer Tellerkappe fachlich der Polizei unterstanden und für Park- und Halteverboten sowie Ladezonen zuständig waren.

Polizeipraktikanten.

Die Wiener Polizeipraktikanten („Kadetten“) hatten eine blaue Uniform.
Die Wiener Polizeipraktikanten („Kadetten“) hatten eine blaue Uniform.
© Privat

Auch in einem weiteren Bereich der Sicherheitswache wählte man in den 1970er-Jahren zum ersten Mal die Uniformfarbe Blau: Ab 1974 wurde bei der Wiener Polizei eine dreijährige „Polizeilehre“ angeboten. Bewerben konnten sich ausschließlich Männer nach der Pflichtschule. Sie durchliefen im Alter zwischen 15 und 18 eine Praktikantenausbildung, an deren Ende sie in die Sicherheitswache übernommen werden konnten. Die Praktikanten, die in der Öffentlichkeit auch als „Polizeikadetten“ bekannt waren, erhielten im zweiten Ausbildungsjahr eine blaue Jacke und eine blaue Tellerkappe. Damit waren sie optisch von den grün uniformierten Sicherheitswachebeamten zu unterscheiden. Auf dem Sakko war zudem ein großes Stoffabzeichen mit der Aufschrift „Bundespolizei Wien“ aufgenäht, das ausschließlich von den Kadetten getragen wurde. Weitere Bekleidungsstücke, etwa für den Verkehrsdienst, waren in Weiß gehalten, zudem gab es einen (interessanter Weise grünen) Trainingsanzug. Knapp 15 Jahre lang konnte man – neben den Politessen – somit eine weitere blau uniformierte Gruppe in Bereich der Wiener Polizei wahrnehmen. Im Jahr 1986 wurden die letzten Polizeipraktikanten aufgenommen und 1989 in den Personalstand der Wiener Polizei übernommen.

Modernisierungsschritte.

Bei der Erneuerung von Uniformen der Polizei und Gendarmerie in den 1990er-Jahren wurde der Farbe Blau keine weitere Bedeutung beigemessen. Ministerialrat Richard Mock, heute Leiter des Referates IV/4/c (Uniformierung und Sachleistungen) im Bundesministerium für Inneres und geschäftsführender Leiter des Bekleidungswirtschaftsfonds, berichtet, dass im Vorfeld der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft in Saalbach-Hinterglemm 1991 die Gendarmerie erstmals eine Mehrzweckjacke trug, wodurch die Repräsentationsuniform von der Alltagsuniform getrennt wurde. Die Farbe Grau blieb trotz der völligen Neugestaltung der Dienstkleidung unangetastet. Auch wenn Diensthemden bei der Polizei und Gendarmerie in den 1990er-Jahren optisch zum Teil weniger grau, als vielmehr bläulich wirkten und bei der Gendarmerie ein blaues Barett eingeführt wurde, hielt man trotzdem bei der Sicherheitswache an Grün fest. Im Bereich der Bundesgendarmerie wurden 1999 inoffiziell Überlegungen getroffen, aufgrund der Entwicklung in anderen europäischen Staaten auf die historische Uniformfarbe der Gendarmerie in Frankreich zurückzugreifen. „Bei einer Neuuniformierung hätte es damit erstmals eine blaue Gendarmerieuniform in Österreich geben können“, sagt Mag. Gerald Hesztera, der heute in der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit tätig ist. Letztlich kam es nicht dazu: Im Jahr 2002 – noch deutlich vor einer Entscheidung über die Zusammenlegung der Wachkörper – wurde zwar eine Modernisierung der Uniformen mit einer neuen Zwei-Farbstufen-Kombination initiiert, allerdings ohne blaue Elemente. Stattdessen gab es neben Grün und Grau nun für beide Korps vereinheitlichte schwarze Stoffteile und rote Streifen auf Jacken und Poloshirts. Blaue Segmente waren nicht vorgesehen, um – so die Erinnerung eines Zeitzeugen – eine mögliche Verwechslung mit privaten Wach- und Schließgesellschaften zu verhindern. Ein „Zwiebelschalen-Prinzip“ gestattete größere Witterungsflexibilität, die zur Verfügung stehenden Uniformsorten wurden angeglichen.

EKO Cobra.

EKO-Cobra-Leiter BerEKO-Cobra-Leiter Bernhard Treibenreif: Blaue Cobra-Uniform 2002 bis 2005.nhard Treibenreif: Blaue Cobra
EKO-Cobra-Leiter Bernhard Treibenreif: Blaue Cobra-Uniform 2002 bis 2005.
© BMI

Zeitgleich mit der Neuuniformierung von Sicherheitswache und Gendarmerie im Jahr 2002 gab es allerdings eine neue Organisationseinheit im Bundesministerium für Inneres, die – für viele überraschend – mit blauen Uniformen ausgestattet wurde: das Einsatzkommando (EKO) Cobra. Die Sondereinheit des BMI war 2002 aus einer Fusion des Gendarmerieeinsatzkommandos mit den Mobilen Einsatzkommandos der Bundespolizei und den Sondereinsatzgruppen der Bundesgendarmerie hervorgegangen – als „übergeordnete“ Uniformfarbe wurde daher Blau gewählt. So wie bei der Polizei und der Gendarmerie wurden in einzelne Uniformsorten schwarze Elemente und rote Streifen verarbeitet, nun allerdings kombiniert mit einem sehr dunklen Blau, genannt „Nachtblau“. Mit Erlass vom 2. Mai 2002 wurde für die Cobra zudem eine Repräsentationsuniform mit dunkelblauem Sakko geschaffen. Auch die Distinktionen wiesen nicht die sonst übliche rote Grundfarbe auf, sondern waren „nachtblau“.

Team04.

Als knapp ein Jahr später die politischen Weichen im Innenressort in Richtung einer Wachkörper-Zusammenlegung gestellt wurden, schlug das Diskussionsgrundlagen-Papier der zuständigen Projektgruppe „Team04“ im März 2003 teils eine Übernahme von alten Uniformen, teils aber auch die Schaffung neuer Uniformteile wie einer neuen Einsatzjacke vor. Die Jacke sollte, wie es der Vorschlag explizit benannte, im „Cobra-blau“ gehalten sein, um die bisherigen Farben der Sicherheitswache und der Gendarmerie abzulösen. Der endgültige Umsetzungsvorschlag des „Team04“ im Frühjahr 2004 hielt dann fest, dass sich die farbliche Ausgestaltung der gesamten Uniform an der Farbe „Dunkelblau“ zu orientieren habe. Der ursprüngliche Gedanken, einige der erst 2002 eingeführten Uniformsorten für den neuen Wachkörper Bundespolizei zu übernehmen, wurde fallen gelassen. In einer Übergangszeit bis Ende 2007 konnten allerdings noch grüne und graue Uniformen weitergetragen werden. Sachverständige des BMI entwickelten auf Basis von Vorschlägen einer Designergruppe Prototypen der neuen Uniformen. Hose, Hemd und Mehrzweckjacke wurde den Polizistinnen und Polizisten in zahlreichen Informationsveranstaltungen vorgestellt, in Abstimmung mit der Personalvertretung wurde schließlich Ende 2004 das endgültige Aussehen der neuen Uniform festgelegt. Der Bekleidungswirtschaftsfonds der Exekutive führte die Ausschreibungsverfahren zur Beschaffung der blauen Uniformartikel durch. „Der konkrete Blauton in Österreich wurde ausgewählt, weil er einen leichten Rotstich aufweist. Das ergab einen weicheren Farbton und die in Rot gehaltenen Distinktionen haben am besten dazu gepasst“, schildert Richard Mock. Angebliche „EU-Vorgaben“ seien bei der Entwicklung der neuen blauen Uniform in Österreich zwar erwähnt worden, „eine verbindliche Rechtsgrundlage konnte aber niemand benennen. Vielmehr ist es so, dass sich Blau als einzige und beste Farbe herauskristallisiert hat“, unterstreicht Mock. Im Jahr 2006 wechselte auch die bis dahin grün bekleidete Justizwache zur blauen Uniformfarbe.

Präsentation der neuen, dunkelblauen Uniform der Bundespolizei 2004.
Präsentation der neuen, dunkelblauen Uniform der Bundespolizei 2004
© BMI

Europäischer Trend.

Befasst man sich mit der Entwicklung von Polizeiuniformen in anderen europäischen Staaten, finden sich – vor allem medial rezipierte – Verweise auf mutmaßliche Beschlüsse oder Rechtsakte, die eine einheitliche blaue Polizeiuniformierung in der Europäischen Union zum Gegenstand haben sollten. Tatsächlich gibt es weder eine formale Entscheidung „aus Brüssel“, noch eine Richtlinie oder gar eine Verordnung, die den Mitgliedstaaten eine solche farbliche Umstellung nahelegen würde. Die Spurensuche auf dem EU-Parkett führt ins Jahr 1998 zurück. Zu dieser Zeit soll unter den Abgeordneten im Innenausschuss des Europäischen Parlaments eine optische Angleichung der Polizeikräfte diskutiert und befürwortet worden sein. Dass ein solches gemeinsames Verständnis jedoch Chancen gehabt hätte, in eine Richtlinie gegossen zu werden, wie es manche Quellen andeuten, muss aus heutiger Sicht bezweifelt werden. Das Bestreben nach einem europaweit engen Zusammenarbeiten der Polizeibehörden und einem möglichst einheitlichen Auftreten im Sicherheitsbereich war allerdings ein klarer Schwerpunkt zu dieser Zeit: 1998 wurde über eine Verstärkung der Polizeikooperation bei den nächsten EU-Erweiterungen diskutiert und die Einrichtung von Europol in Den Haag finalisiert. Große EU-Staaten wie Frankreich, Italien oder Großbritannien, die in vielen Bereichen großen Einfluss auf die Meinungsbildung ausübten, hatten bereits blaue Polizeiuniformen

Frontex

Neue dunkelblaue Uniform der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex) seit 2021.
Neue dunkelblaue Uniform der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex) seit 2021.
© Frontex

Frontex, die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, benennt das Jahr 1998 als jene Phase, „in der auf europäischer Ebene die Idee an Schwung gewann, übereinstimmend die blaue Farbe als prioritär für Polizeiuniformen auszuwählen.“ In einer Entscheidung des Frontex-Verwaltungsrates (Management Board) vom 1. August 2020 wird auf diese Entwicklung hingewiesen und festgestellt, dass heute die Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten ihre Polizeikräfte mit blauen Uniformen ausstatte. Diese Farbe wurde daher auch für ein einheitliches Erscheinungsbild von Frontex-Beamten in der neuen „Ständigen Reserve“, dem „Standing Corps“, herangezogen, das seit 2021 operativ ist. Bislang war zur jeweiligen nationalen Polizeiuniform bei Frontex-Einsätzen nur eine einheitliche Frontex-Armschleife verwendet worden, nun gibt es für die Angehörigen des Standing Corps eine eigenständige blaue Uniform, auf der das im Juni 2020 erneuerte Frontex-Logo zu sehen ist. „Die EU hat erstmals einen eigenen uniformierten Dienst“, berichtete die Agentur bei der Präsentation der ersten blauen Kleidungsstücke. Der Entwurf und die Spezifikationen für die Frontex-Uniform stammen von der deutschen Textildesignerin Andrea Rechtsteiner. „Die Verwendung von Dunkelblau stellt sicher, dass es den Uniformen der meisten nationalen Strafverfolgungsbehörden optisch ähnlich ist. Es vermittelt Autorität und dient gleichzeitig der Gemeinschaft. Daher ist die Uniform als Strafverfolgungsbehörde klar erkennbar und glaubwürdig, ohne einschüchternd zu wirken“, beschreibt die Designerin auf ihrer Homepage. Die Einbeziehung von Azurblau in der oberen Hälfte des Hemdes und der Jacke vermittle „die europäische Dimension und ihre Werte“ und unterscheide Personal der Ständigen Reserve „auf subtile, aber angemessene Weise“ von dem der jeweiligen nationalen Behörden.

In Großbritannien und den USA

In Großbritannien und den USA sind blaue Polizeiuniformen seit bald 200 Jahren ein gewohntes Bild. Die 1829 gegründete London Metropolitan Police wird nicht nur als Modell für die Schaffung moderner, entmilitarisierter Polizeiorganisationen bezeichnet, sondern auch als Vorbild für die Einführung blauer Polizeiuniformen. In Großbritannien fiel die Wahl auf diese Farbe, weil sich die damals unbewaffnete Polizei deutlich von den Streitkräften in Rot und Weiß abheben sollte. In den USA begannen ab den 1840er-Jahren die ersten Großstädte, professionalisierte Wachen nach dem Londoner Vorbild aufzustellen. Die Dienstkleidung war vielfach uneinheitlich und orientierte sich an dem, was gerade verfügbar war. Nach dem Ende des U.S.-amerikanischen Bürgerkrieges 1865, in dem die Armee der „Union“ der Nordstaaten siegte, blieben große Mengen von blauen Uniformen für Unions-Soldaten übrig. Diese Farbe war gewählt worden, weil sie aus größerer Entfernung nicht leicht erkennbar war. Örtliche Sicherheitskräfte in verschiedenen Metropolen des ganzen Landes erhielten nun die Restbestände der Armee-Uniformen und begannen, ihre Polizisten in Blau einzukleiden.
Für viele weitere Staaten rund um den Globus waren die anglo-amerikanischen Pioniere richtungsweisend für den Aufbau und die Ausstattung der jeweiligen eigenen Polizeibehörden, auch wenn die Uniformfarbe Blau unabhängig von konkreten Vorbildern in Studien generell mit „Sicherheit“ und „Wohlbefinden“ assoziiert wird. Professionalität und Eleganz werden immer wieder als besondere Attribute blauer Uniformen genannt. In zahlreichen ehemaligen britischen Kolonialstaaten prägte dessen ungeachtet die Farbe Khaki das Bild der uniformierten Ordnungshüter. So tragen bis heute die meisten indischen Streifenpolizisten khakifarbige Uniformen.

Internationale Entwicklungen.

In Deutschland gab es im 19. Jahrhundert sowohl blau als auch grün gekleidete Polizeiorganisationen. Während etwa die Königliche Schutzmannschaft zu Berlin dunkelblaue Uniformjacken trug, verwendete die preußische Gendarmerie grüne Uniformen. Mit der „bürgerlichen Revolution“ 1848 wurde die primär mit dem Militär verbundene grüne Uniformierung bei der Polizei vielerorts von blauer Dienstkleidung abgelöst. Bayern hatte auch in der Monarchie grüne Jacken für die polizeilichen Amtsträger. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die mit der Monarchie verbundene Farbe Blau in einer Reihe von Bundesländern zugunsten grüner Uniformen ersetzt. Während des „Dritten Reichs“ war die Polizei ausschließlich grün uniformiert, nach dem Zweiten Weltkrieg schwenkten einige deutsche Länder wie Nordrhein-Westfalen wieder auf dunkelblaue Dienstkleidung um.
In der DDR verwendete die Volkspolizei ab 1952 grüne Uniformen. 1976 wurde die Polizeiuniform in der gesamten Bundesrepublik Deutschland vereinheitlicht – grüne und beige Elemente herrschten nun vor, auch nach der deutschen Wiedervereinigung 1990. Im Jahr 2000 hielt die deutsche Innenministerkonferenz fest, dass eine Farbumstellung der Dienstkleidung der Polizei „zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vordringlich“ und auch nicht „kostenneutral“ möglich sei. Erst nach und nach führten die Bundespolizei und alle 16 Bundesländer eine blaue Polizeiuniform ein. Das erste Bundesland war Hamburg 2003, zuletzt stellten das Saarland 2014 und Bayern 2016 auf Blau um. Die bayrische Polizeiuniform entstand nach österreichischem Vorbild.
Auch in der Schweiz dominieren blaue Farbelemente bei der Polizeiuniformierung. Bei der jüngsten Erneuerung von Uniformen einigte sich ein Großteil der (deutschsprachigen) Kantone auf ein einheitliches Design und eine einheitliche Beschaffung.
In der gesamten „westlichen Hemisphäre“ sind heute blaue Polizeiuniformen vorherrschend. Dennoch gibt es Ausnahmen, etwa in Nordamerika: Die Royal Canadian Mounted Police, Kanadas Bundespolizei, trägt als Repräsentationsuniform immer noch einen scharlachroten Waffenrock. Eine Vielzahl von Sheriff-Organisationen in den USA verwendet Uniformen in beigen, braunen oder grünen Farbtönen. Im Schatten der jüngsten Unruhen nach Fällen von Polizeigewalt in den USA wurde Kritik laut, dass das Erscheinungsbild amerikanischer Sicherheitskräfte zum Teil zu militärisch sei, etwa durch die Verwendung dunkelblauer, schwarzer, olivgrüner oder fleckgetarnter Uniformen. Um mehr Bürgernähe zu vermitteln, verwenden verschiedene U.S.-Polizeibehörden, darunter Chicago, Cincinnati, New Orleans oder Washington, D.C., daher hellblaue oder weiße Uniformhemden.

Gregor Wenda

Literatur/Quellen:

  • BMI (Hg.): Die neue Bundespolizei, Sondernummer, Öffentliche Sicherheit 12a/2005
  • Farbimpulse.de, Die deutsche Polizei wird europäisch-blau. Münster, 2006
  • Handbuch der österreichischen Uniformen. Wien, 1937
  • Hörmann, Fritz; Hesztera, Gerald: Zwischen Gefahr und Berufung – Gendarmerie in Österreich. Wien, 1999
  • Jäger, Friedrich: Das große Buch der Polizei und Gendarmerie. Wien, 1990
  • Joham, Carmen Kerstin: Das schöne Geschlecht in Uniform. Diplomarbeit, Graz, 2016
  • Johnson, Richard R.: Police Uniform Color and Citizen Impression Formation. Cincinnati, 2005
  • Nickels, Ernest: Good guys wear black: Uniform color and citizen impressions of police. New York, 2007
  • Sabitzer, Werner: Dreijährige „Polizei-Lehre“, Öffentliche Sicherheit 3-4/2021
  • Spencer, Kidd R.: Police Uniforms of Europe 1615-2017, Vol. 4, 2019
  • Wenda, Gregor. Dunkelblau statt Grün und Grau, Öffentliche Sicherheit 3-4/2008
  • Wenda, Gregor: Blau statt grün und beige, Öffentliche Sicherheit 5-6/2015
  • Wittas, Paul: Unser Heer und seine Waffen. Wien, 1936

Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2021

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