Krisen- und Katastrophenmanagement

Zivilschutz in Österreich

Ausbildung

Das Bundesministerium für Inneres erfüllt Ausbildungsaufgaben im Bereich Strahlenschutz, Gefahrstoffe sowie Staatliches Krisen- und Katastrophenschutzmanagement (SKKM) sowohl für die Polizei als auch für die Öffentlichkeit. Die drei wichtigsten Säulen der Tätigkeit sind nachfolgend dargestellt.

Strahlenschutz-Ausbildung

Die Ausbildung für Strahlenspürer/-innen der Sicherheitsexekutive besteht aus drei Ausbildungsteilen. Nach Abschluss der Basisausbildung, der Aufbauausbildung I inkl. Strahlenschutz-Leistungsbewerb in Bronze und der Aufbauausbildung II inkl. Strahlenschutz-Leistungsbewerb in Silber sind die Absolvent/-innen in der Lage, in Eigenverantwortung einen Einsatz im Fall einer radiologischen Notstandssituation im Rahmen ihrer Einsatzorganisation zu leiten und verfügen über eine vollständige Strahlenspürausrüstung.

Die Zivilschutzschule ist eine zertifizierte Ausbildungsstätte gemäß ÖNORM S 5207 (Strahlenschutzausbildung für Interventionspersonal bei radiologischen Notfallsituationen). Entsprechende Kurse werden nicht nur innerhalb der Polizei, sondern auch für die Öffentlichkeit angeboten.

Nach abgeschlossener Ausbildung besteht die Möglichkeit, eine Spezialausbildung zum/zur Luftspürer/-in zu machen, d. h. die Messung ionisierender Strahlung vom Hubschrauber aus.
Alle 515 Strahlenspürer/-innen der Polizei durchlaufen jedes Jahr eine 16-stündige Fortbildung, deren Planung, Organisation und Durchführung ebenfalls der Zivilschutzschule obliegt.

Gefahrstoffkundige Organe

Gefahrstoffkundige Organe (GKO) werden im Anlassfall zu ihrer Sonderverwendung herangezogen. Sie haben eine vollständige Ausbildung zum Strahlenspürer sowie zum Gefahrgutlenker. Die spezielle Ausbildung zum GKO umfasst weitere fünf Wochen. Die Aufgaben liegen in der Gefahrenabwehr in Hinblick auf atomare, biologische und chemische Gefahren. Dabei werden die GKO sowohl vorbeugend in der Erkennung als auch im Ereignisfall tätig. Dabei kann nicht nur eine Fachberatung erfolgen, es ist darüber hinaus auch die Durchführung polizeilicher Aufgaben im kontaminierten Bereich möglich (z. B. Messungen, Probenahme).

Die Aus- und Fortbildung der Gefahrstoffkundigen Organe wird durch die Zivilschutzschule für ganz Österreich durchgeführt. Insgesamt gibt es derzeit österreichweit rund 40 Polizistinnen und Polizisten, die für diese Sonderverwendung umfassend ausgebildet sind und sich jährlich intensiv fortbilden.

Ausbildungen im Staatlichen Krisen- und Katastrophenschutzmanagement (SKKM)

Die SKKM-Führungsausbildung umfasst gemäß der SKKM-Strategie 2020, die im Juli 2009 im Ministerrat beschlossen wurde, insgesamt vier Module.

  • Modul 1: Rechtliche und organisatorische Grundlagen
  • Modul 2: Führen im Katastropheneinsatz
  • Modul 3: Risiko- und Krisenkommunikation
  • Modul 4: Risikoanalyse und Katastrophenschutzplanung

Das Modul 1 „Rechtliche und organisatorische Grundlagen“ ist eine dreitägige Veranstaltung. Ziel der Ausbildung ist es, ein gemeinsames Grundverständnis für das System des SKKM und seine rechtlichen und organisatorischen Hintergründe zu schaffen. Die Inhalte des neuen Moduls wurden in den letzten Jahren von der Arbeitsgruppe „Grundmodul“ innerhalb der SKKM-Fachgruppe Ausbildung erarbeitet.
Das nachfolgende SKKM-Modul 2 „Führen im Katastropheneinsatz“ war früher als „Workshop integrierte Stabsarbeit“ bekannt. In dieser viertägigen Ausbildung wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern anhand theoretischer Vorträge, vor allem aber in mehreren anwendungsorientierten praktischen Beispielen, die Arbeit nach der „Richtlinie für das Führen im Katastropheneinsatz“ vermittelt. Es gibt ein eineinhalb Tage dauerndes Planspiel, in dem eine Katastrophe durch den Stab einer Bezirkshauptmannschaft zu bewältigen ist.

Im Lauf der nächsten Jahre werden die Module 3 („Risiko- und Krisenkommunikation“) und 4 („Risikoanalyse und Katastrophenschutzplanung“) von Experten und Expertinnen erarbeitet und an der Zivilschutzschule in Traiskirchen durchgeführt.

Die SKKM-Module stellen nicht nur eine zeitgemäße und praxisnahe Vermittlung von Führungswissen dar, sondern sind gleichzeitig eine gute Gelegenheit, das Netzwerk im Krisen- und Katastrophenschutz kennenzulernen. Bei der Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wird auf eine ausgewogene Zusammensetzung geachtet. Dadurch ergibt sich eine breite Streuung der Herkunfts-Organisationen und somit eine gute Basis für das gegenseitige Kennenlernen und den Erfahrungsaustausch. Damit werden die Vernetzung und das Verständnis für die Bedürfnisse aller Beteiligten gefördert. Das ist ein wichtiger Beitrag zum reibungslosen Funktionieren der Behörden und Einsatzorganisationen in Katastrophenfällen.

Weitere Tätigkeiten

Um in der Ausbildung stets am aktuellsten Stand zu sein, bringen sich die Mitarbeiter der Zivilschutzschule in zahlreiche Gemeinschaften ein, wie beispielsweise in Gremien des Austrian Standards Institute, des Staatlichen Krisen- und Katastrophenschutzmanagements und des Austrian Institute of Technology. Mit zahlreichen anderen Stellen besteht eine enge Zusammenarbeit mit laufendem Wissensaustausch (Atominstitut, IAEA, Europäische Kommission, UN, NATO).

Ebenso erfolgt im Anlassfall eine Einsatztätigkeit vor Ort, um stets in unmittelbarem Kontakt mit der Einsatzpraxis zu bleiben und bei schwierigen Fällen fachkundige Unterstützung zu geben.

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