Formel 1

Grand Prix – Teil 1: Was Polizisten in Spielberg leisten

Verstärkt auf den Herzschlag von Formel 1-Fans hört man vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 in Spielberg. Welche Herausforderungen das für die Polizei mit sich bringt, erzählt der Polizeikommandant des Bezirks Murtal, Oberstleutnant Mag. Günther Perger.

Eine Million Besucher kommen jährlich nach Spielberg, ins Murtal in die Steiermark. Es ist die beschauliche Landschaft, die sie genießen möchten, und es ist der Red Bull Ring, der sie in die Urlaubsregion Murtal lockt. Eine Rennstrecke, auf der Motorsport stattfindet: Die Moto GP, Rennen der Formel 1, die DTM und andere Motorsportveranstaltungen. Letztere seit Jahrzehnten. Vorerst war es der Flugplatz in Zeltweg, auf dem von 1963 bis 2003 Rennen gestartet wurden. Einen Teil der alten Strecke heute mit dem Auto zu befahren, macht deutlich, was sich seit Niki Lauda oder James Hunt beim Thema "Sicherheit" im Rennsport verändert hat: Ein Waldstück direkt neben der Rennstrecke, nur von kniehohen Leitplanken vom Asphalt isoliert, das gibt es lange nicht mehr. Heute sorgen weite Auslaufzonen an Rennstrecken für die Sicherheit der Rennfahrer.

Apropos Sicherheit! Um für diese beim Formel 1-Wochenende vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 in Spielberg sorgen zu können, setzt auch die Polizei umfangreiche Maßnahmen; präventiv und im Verkehrsdienst. Das sagt Oberstleutnant Mag. Günther Perger, er ist Murtals Bezirkspolizeikommandant. Für die Online-Redaktion des Innenministeriums lässt er sich in die Karten blicken, spricht über Einsatzkräfte, Einsatzabschnitte und Herausforderungen.

"Man muss sich vorstellen, am Red Bull Ring dürfen sich zeitgleich 95.000 Besucher aufhalten; ein Andrang, den wir 2014 nach der langen Grand Prix-Pause auch zu bewältigen hatten", sagt Mag. Perger, der einst Österreichs jüngster Bezirkspolizeikommandant war. Seit 2014 ist er der polizeiliche Einsatzkommandant bei allen Großveranstaltungen am Red Bull Ring, beispielsweise bei der internationalen Flugshow AIRPOWER in Zeltweg oder den Großkonzerten der Rockgruppen "AC/DC" oder "Rolling Stones".

"Und diese hohe Anzahl an Besuchern bedeutet natürlich eine große Herausforderung für die Polizei." Insgesamt seien hunderte Polizistinnen und Polizisten an den vier Tagen, am Tag und in der Nacht, im Einsatz, erzählt Perger. Es stünde eine gut vorbereitete und den Aufgaben angepasste Einsatzstruktur zur Verfügung, etwa ein polizeilicher Einsatzstab, eine Expositur, Bereitstellungsräume sowie eine Versorgungsmöglichkeit für die eingesetzten Polizistinnen und Polizisten. "Darum haben wir uns sehr bemüht", betont Perger, der in der Einsatzzentrale der Polizei am Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg eng mit der behördlichen Einsatzleiterin, Bezirkshauptfrau Mag. Ulrike Buchacher, zusammenarbeiten wird.

Polizei: Sieben Einsatzabschnitte

Im "Welcome-Center", dort wo man Motorsportlegenden hautnah erleben kann, wo Merchandise-Produkte verkauft werden, wo man sich an einer "Carrera-Rennbahnversion" des Red Bull Rings messen kann, wurde die Expositur der Polizei als Anlaufstelle für Besucher eingerichtet. "In dieser Expositur arbeiten Polizistinnen und Polizisten des Bezirkes, um Anzeigen zeitnah aufnehmen und bearbeiten oder Behördenaufträge vollziehen zu können, beispielsweise Übertretungen nach dem steirischen Landessicherheitsgesetz, dem Sicherheitspolizeigesetz oder anderen Rechtsvorschriften", berichtet Perger über den Einsatzabschnitt "Sicherheitsdienst", den ersten von insgesamt sieben Einsatzabschnitten. "Kolleginnen und Kollegen der Landesverkehrsabteilung Steiermark sind für den ‚Verkehrsdienst‘ rund um die Rennstrecke zuständig, eine der wichtigsten Aufgaben am Rennwochenende", führt Perger aus. "Veranstaltungen wie jene der Formel 1 werden vor allem daran gemessen, wie das Verkehrskonzept funktioniert, wie Besucher von den Parkplätzen zur Rennstrecke gelenkt werden."

Der "Ordnungsdienst", ein weiterer Abschnitt, werde von Polizistinnen und Polizisten der Einsatzeinheiten erledigt. "Es ist wichtig, wie sich Besucher am Veranstaltungsgelände bewegen können, ob sich die Veranstaltungsstätte und das Umfeld freundlich präsentieren", sagt Perger. Besonders wichtig ist die Präsenz der Polizei an den Einlassbereichen – das hebt das Sicherheitsgefühl der Menschen." Doch Polizeiarbeit sei viel mehr als das, ergänzt er. Die Qualität einer polizeilichen Arbeit bei solchen Veranstaltungen liege auch darin, Bescheid zu wissen, um Besuchern Orientierung geben zu können. "Wo ist eine Rettung, wo ein Arzt, wie sind die Fußgängerwege angelegt?" Polizistinnen und Polizisten könnten jederzeit Auskunft geben. "Sie tragen Einsatz- und Orientierungspläne mit sich, die wir erstellt haben, und die ihnen die Arbeit erleichtern", sagt der Polizei-Einsatzkommandant.

"Bezirkskräfte" würden Bahnhöfe, neuralgische Verkehrsknotenpunkte oder Einrichtungen mit kritischer Infrastruktur im Bezirk überwachen. Und der "Kriminaldienst" erledige Ermittlungs- und Fahndungsaufgaben. "Ein weiterer Einsatzabschnitt betrifft 'Spezialkräfte', wie jene des Einsatzkommandos Cobra/DSE, des Entschärfungsdienstes, Polizisten mit Sprengstoff-Spürhunden oder gefahrenstoffkundige Organe", erklärt Perger. "Auch diese stehen im Einsatz." Sowie ein "Dokumentationsteam" der Polizei, zu dem auch der Hubschrauber des Innenministeriums mit Infrarotkamera und Suchscheinwerfer gehört.

Wann beginnt die Arbeit für so ein Event?

"Man kann von einer Vorbereitungszeit von rund einem Jahr sprechen, denn mit der Nachbereitung einer Veranstaltung fängt schon die Arbeit für den nächsten Einsatz an, mit dem Verfeinern und Nachjustieren", sagt Perger. "Es finden das ganze Jahr über kleinere und größere Veranstaltungen am Red Bull Ring statt. Bei einem Konzert der Hard-Rock-Band ‚AC/DC‘ im Jahr 2015 hielten sich beispielsweise knapp 100.000 Besucher am Gelände auf." Dabei sei es für den Veranstalter eine der größten Herausforderungen gewesen, 700 Busse zu koordinieren und zu schlichten. Es habe im Zusammenwirken mit dem Einsatzabschnitt Verkehr sehr gut funktioniert, erzählt Perger, "und zwar deshalb, weil wir uns immer im Vorfeld einer Veranstaltung mit Behördenvertretern, Veranstaltern und den Einsatzorganisationen, der Security, aber auch mit Campingplatzbetreibern koordinieren und die Herausforderungen bis ins kleinste Detail besprechen." Eine gute Gesprächsbasis zu haben, sei wichtig, sagt Perger. "Weil persönliche Gespräche durch nichts zu ersetzen sind, und man nur durch sie ein gegenseitiges Vertrauen aufbauen kann."

Bei diesen Informations- und Abstimmungsbesprechungen werden auch mögliche Gefährdungssituationen erläutert. "Es geht dabei auch darum, wie sich Bedienstete des Veranstalters, der Securitys, der Rettung oder Feuerwehr zu verhalten haben, sollte es zu lebensbedrohlichen Amtshandlungen kommen", sagt Perger. "Wir sensibilisieren aber auch das Ordnerpersonal dahingehend, beim Einlass verstärkte Personen- und Behältniskontrollen durchzuführen." Mit den Veranstaltern sei der Sicherheit wegen außerdem vereinbart, im Kernbereich einer Veranstaltung präventive Durchsuchungen von Räumlichkeiten und Tribünen mit SKOs und Sprengstoffspürhunden durchzuführen." Und Sicherheit zu vermitteln, ist wesentlich, wenn knapp 200.000 Besucher am kommenden Wochenende wieder einmal den Red Bull Ring stürmen werden.

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Von Reinhard Leprich, BMI I/5 Online-Redaktion

Oberstleutnant Günther Perger, polizeilicher Einsatzkommandant bei allen Großveranstaltungen am Red Bull Ring.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer

Artikel Nr: 16049 vom Freitag, 29. Juni 2018, 11:44 Uhr
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