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Gemeinsames Gedenken am ehemaligen KZ-Außenlager Guntramsdorf/Wiener Neudorf
Eine Vergegenwärtigung der Verbrechen an der neu errichteten Gedenk-Stele mit Innenminister Gerhard Karner, der Leiterin des Mauthausen Memorial, Barbara Glück, und anderen Gästen fand am 12. Jänner 2026 statt.
Am 12. Jänner 2026 besuchte Innenminister Gerhard Karner das ehemalige Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen im Bereich Guntramsdorf/Wiener Neudorf, wo seit Oktober 2025 eine Gedenk-Stele die Verbrechen der Nationalsozialisten in Erinnerung ruft und sichtbar macht.
"Die Außenlager-Stelen sind ein wichtiger Beitrag für die Verankerung und Weiterentwicklung einer regionalen Gedenkkultur. Die schrecklichen Verbrechen geschahen nicht nur in Mauthausen, sondern auch in den rund vierzig Nebenlagern auf dem heutigen österreichischen Staatsgebiet. Die Gemeinde Guntramsdorf leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte", sagte Innenminister Gerhard Karner.
Innenminister Gerhard Karner wurde von Bürgermeister Robert Weber empfangen. Im Anschluss erfolgte eine Besichtigung der Stele, bei der Barbara Glück als Direktorin des Mauthausen Memorials die Geschichte des ehemaligen Außenlagers sowie die Bedeutung des Erinnerungsortes erläuterte. Danach fand ein stilles Gedenken mit der Niederlegung weißer Rosen bei der Stele statt.
An dem Termin nahmen auch Jürgen Gangoly, Vorsitzender des KZ-Gedenkvereins Guntramsdorf, sowie Helmut Miernicki, Vorsitzender von ecoplus, der Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich, teil.
Über die Gedenk-Stele
Die im Oktober 2025 errichtete Gedenk-Stele ist vier Meter hoch und besteht aus 39 dreiseitigen Betonprismen, in die die Namen, Richtungen und Entfernungen sämtlicher Außenlager des KZ Mauthausen sowie des Stammlagers eingeprägt sind. Die dreieckige Grundform verweist auf die Häftlingsabzeichen der Konzentrationslager. Die Stele in Guntramsdorf ist die sechste ihrer Art; weitere Erinnerungszeichen sind in ganz Österreich geplant.
Die österreichweite Errichtung der künstlerisch gestalteten KZ-Außenlager-Stelen zur Sichtbarmachung der ehemaligen Mauthausen-Außenlager ist eine Initiative der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, in Guntramsdorf gemeinsam umgesetzt mit der Marktgemeinde Guntramsdorf, ecoplus und dem KZ-Gedenkverein.
Das KZ-Außenlager in Guntramsdorf
Das KZ-Außenlager Guntramsdorf war von August 1943 bis April 1945 ein Nebenlager des Konzentrationslagers Mauthausen und lag auf dem Gebiet des heutigen Guntramsdorf bzw. Wiener Neudorf. Es wurde auf dem Gelände der "Flugmotorenwerke Ostmark" errichtet, einer Produktionsstätte für Flugzeugmotoren. Zur Herstellung von Motoren wurden tausende KZ-Häftlinge angefordert und zur Zwangsarbeit in das Außenlager verbracht. Im Lager waren über 4.000 Gefangene aus verschiedenen Ländern Europas interniert.
Heute erinnert in der Industriestraße in Guntramsdorf eine Gedenkstätte an dieses Außenlager. Initiativen wie der KZ-Gedenkverein Guntramsdorf/Wiener Neudorf und das Mauthausen Komitee Österreich engagieren sich seit Jahrzehnten für die Erinnerungs- und Bildungsarbeit, etwa durch Führungen, Gedenkveranstaltungen und den Aufbau einer Stele zur Sichtbarmachung der Orte nationalsozialistischen Terrors. Ziel dieser Arbeit ist es, die Geschichte des Lagers, das oft wenig bekannt war, in der Öffentlichkeit zu verankern und an die Schicksale der Opfer von Gewalt, Entrechtung und Zwangsarbeit zu erinnern.