Spitzensport

Bevorzugung? Weit gefehlt!

Die jungen Frauen und Männer haben vieles gemeinsam: Den Polizeiberuf, den Spitzensport, die Prominenz. Durch Letzteres unterscheiden sie sich von den vielen unbekannten Helden der Polizei. Treffen sie einander in Salzburg, unterscheidet sie nichts mehr von Polizistinnen und Polizisten ohne Spitzensport-Hintergrund.

Es fängt schon beim Exerzieren an. Als sich die Polizei-Spitzensportlerinnen und -sportler am Hof der Landespolizeidirektion Salzburg neben der Tankstelle zum Morgenappell formieren, unterscheidet sie nichts von Polizistinnen und Polizisten ohne Spitzensport-Hintergrund. Als Polizeikräfte in Uniform gekleidet, ist nicht zu erkennen, ob sie in Eiskanälen oder am Wasser sportliche Höchstleitungen erbringen. Mündlichen Kommandos wie "Antreten" oder "Still gestanden" folgen sie besonders geordnet. "Disziplin ist bei der Polizei sehr wichtig, aber ganz besonders beim Einsatztraining, weil es hier um Sicherheit geht", betont Kontrollinspektorin Margit Lusznig, seit 2011 Landeseinsatztrainerin und verantwortlich für die Ausbildung von knapp 1.700 Polizistinnen und Polizisten der Polizeigrund- sowie Sonder- und Zusatzausbildungen der Landespolizeidirektion Salzburg. "Je strenger der Ordnungsrahmen ist, desto leichter tun sich Ausbilder und später Dienstführende beim Erteilen von Aufträgen", sagt sie.

Keine Bevorzugung

"Wir haben 26 Spitzensportlerinnen und -sportler der Polizei aus dem Winter- und Sommersport vom 14. bis 18. September 2020 zur Einsatztrainingswoche im Bildungszentrum Salzburg, und meine Aufgabe, bzw. die meiner fünf Kollegen aus dem Trainerstab, ist es, die angehenden Polizistinnen und Polizisten in kürzester Zeit auf den Außendienst vorzubereiten", sagt Lusznig. Spitzensportlerinnen und -sportler würden dieselbe Ausbildung genießen wie alle anderen Polizistinnen und Polizisten, nur in kürzerer bzw. komprimierterer Form, hebt die Landeseinsatztrainerin hervor. "Es gibt keine Bevorzugung gegenüber Polizistinnen oder Polizisten ohne Spitzensport-Hintergrund. Wir schauen darauf, dass alle Inhalte geschult und alle Tests gemacht werden. Erst dann, wenn alles erledigt ist, erhalten sie die Berechtigung für den Außendienst." Dem Einsatztrainer-Team sei wichtig, dass der Ablauf des Einsatztrainings so ablaufe, wie in der Praxis eine Amtshandlung ablaufen könnte, sagt auch Reinfried Herbst, ehemaliger Spitzensportler und Spitzensportkoordinator im Innenministerium.

Buntes Trainingsprogramm

Am Programm in der Einsatztrainingswoche stehen unter anderem Waffentechnik, das "scharfe" Schießen mit der Glock 17 und dem Sturmgewehr 77, das Anlegen von Handfesseln, das Erlernen von Grundeinsatztechniken sowie Personsdurchsuchungen, Grundsätze der Eigensicherung und Fahrzeuganhaltungen. Auch das Betreten von Räumlichkeiten unter den Vorgaben der Eigensicherung wird geübt, wie Abteilungsinspektor Robert Thetter das Übungsszenario beim FX-Training erläutert. "Der Polizei wird ein Einbruch in ein Haus gemeldet, es wird vermutet, dass ein Täter noch anwesend ist", sagt er. "Aufgabe ist, das Haus zu durchsuchen und dementsprechend vorzugehen, wenn man einen Täter antrifft."

Die Schwimmerin Lena Kreundl, der Ruderer Matthias Taborsky und der Rodler David Gleirscher treffen am Einsatzort ein, beginnen mit der Hausdurchsuchung. Sie führen das routiniert aus, ohne Spur von Nervosität, als würden sie das schon viele Male trainiert haben. "Es war aber das erste Mal, dass wir dieses FX-Training gemacht haben", sagt Lena Kreundl, die seit 1. September 2017 Teil des Spitzensportkaders im Innenministeriums ist. "Wir haben bisher ähnliche Übungen separat gemacht, heute haben wir alles verknüpfen müssen, das war sehr interessant." Der Kunstbahnrodler David Gleirscher, ebenfalls seit drei Jahren im BMI, beschreibt: "Da steigt das Adrenalin, man ist nicht richtig vorbereitet darauf. Man weiß, es ist nur Training und keine wirkliche Gefahrensituation da, aber trotzdem muss man in einen Raum hineingehen und man fragt sich, wer da ist. Es ist eine gute Vorbereitung auf die Realität, aber ich glaube, das haben wir relativ gut hinbekommen." Man müsse auf viele Dinge achten, wenn man den Raum betritt, betont Matthias Taborsky, wie Kreundl und Gleirscher seit 1. September 2017 Polizei-Spitzensportler. "Man denkt, man ist immer einen Schritt zu langsam, das gilt es zu trainieren und zu fixieren." Taborskys großes sportliches Ziel ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio. Nach der Dienstprüfung 2022 möchte er als Polizist arbeiten. "Das Einsatzkommando Cobra würde mich reizen", sagt er. "Weil man dort ähnlich wie im Spitzensport auf höchstem Level agiert."

Flugpolizei und alpine Einsatzgruppe

Am Lehrplan in Salzburg steht auch ein Vortrag der Flugpolizei des Innenministeriums. Die Flugeinsatzstelle Salzburg stellt dafür einen Polizeihubschrauber bereit. Für Sabrina Filzmoser, die zweifache Europameisterin und zweifache Bronzemedaillen-Gewinnerin bei Weltmeisterschaften im Judo gewohntes Terrain – immerhin ist sie im Besitz des Berufspilotenscheins. "Es ist schon etwas Besonderes in einem Polizei-Hubschrauber zu sitzen", sagt sie, die 6-fache Militärweltmeisterin, die seit 1. Oktober 2018 dem Spitzensportkader des Innenministeriums angehört und ihre zweite Einsatztrainingswoche absolviert. Beim Einsatztraining lerne man, Selbstvertrauen und Handlungssicherheit für künftige Amtshandlungen zu bekommen, beispielsweise bei Übungen im Schießkanal oder bei Anhaltungen im Straßenverkehr, sagt sie. Was den Spitzensport und die Polizei verbindet, beschreibt Filzmoser, die vor kurzem den 8.163 Meter hohen Berg "Manaslu" in Nepal bestiegen hat, so: "Aus dem Spitzensport kann man viel mitnehmen, nicht nur die zielgerichtete Arbeit auf verschiedene Situationen hin, auch die Wertschätzung und den Respekt anderen gegenüber, denn im Spitzensport lernt man immer wieder verschiedene Kulturen und verschiedene Menschen kennen und schätzen." Als Botschafterin des Projekts "Judo for Peace" hilft Filzmoser mit, Uniformen für Polizeisportler in Katmandu in Nepal zu sammeln, die sich derzeit im COVID 19-Lockdown befinden und keine Unterstützung erhalten.

Am letzten Tag der Einsatztrainingswoche wird die Arbeit der "Alpinen Einsatzgruppe" vorgestellt. "Die Sportlerinnen und Sportler sollen sehen, wie vielfältig Polizeiarbeit sein kann", sagt die Landeseinsatztrainerin. "Und beim Abseilen in einer Klamm geht es unter anderem darum, sich auf seine Kollegen verlassen zu können."

Für die Skifahrerin Cornelia Hütter ist es das zweite Einsatztraining. "Es ist extrem interessant", sagt sie. "Wir Spitzensportler leben ja in einer Blase, in der unsere Welt stattfindet und in der wir für Wettkämpfe trainieren, und trotzdem ist die Polizei so nah für uns, weil man viele Parallelen erkennen kann." Man müsse stets bereit sein, mit dem Fokus aufs Wesentliche. Am Anfang sei es zwar interessant gewesen, "aber ich habe mich noch nicht so identifizieren können, weil ich den Polizeiapparat noch nicht gekannt habe, aber je länger ich dabei bin, umso mehr sehe ich die vielen Möglichkeiten, die der Polizeiberuf bietet". Der Sport sei sehr zeitintensiv, das Innenministerium gäbe einem die Möglichkeit, den Sport mit einem zweiten Standbein ausüben zu können, und das aktiv während der Sportkarriere, sagt Hütter, die seit 1. September 2017 bei der Polizei ist und 2021 das Praktikum in einer Klagenfurter Polizeiinspektion absolvieren wird.

Bessere Stressbewältigung

Obwohl es keine Bevorzugung gegenüber Polizistinnen oder Polizisten ohne Spitzensport-Hintergrund gibt, und obwohl es keine Abweichung beim Einsatztraining gibt, erkennt die Landeseinsatztrainerin doch einen Unterschied zu Polizeischülerinnen und -schülern ohne Spitzensport-Hintergrund. "Der Unterschied ist der, dass Spitzensportler andere motorische Voraussetzungen haben, was bedeutet, dass sie besser mit Stress umgehen können. Im Sport lernen sie, eine Leistung auf die Minute abrufen zu können, und davon profitieren sie auch beim Einsatztraining." Die Landespolizeidirektion Salzburg liegt an der Alpenstraße in Salzburg Süd, das Bildungszentrum Salzburg der Sicherheitsakademie des Bundesministeriums in der Weiserstraße, neben dem Salzburger Hauptbahnhof. Leiter des Bildungszentrums Salzburg der Sicherheitsakademie des Bundesministeriums für Inneres ist Oberst Peter Brunner.

"Das neue Bildungszentrum (BZS) Salzburg bietet mit acht Lehrsälen, einem EDV-Lehrsaal und weiteren Projekt- und Arbeitsräumen sowie Lerninseln die perfekte Infrastruktur für die Aus- und Fortbildung von Polizistinnen und Polizisten – ob mit oder ohne Spitzensport-Hintergrund", sagt er. "Für die Sportausbildung können ein Sportsaal, ein Ergometer-Raum und ein Fitnessraum genutzt werden."

Spitzensportlerinnen und -Sportler beim Einsatztraining in Salzburg

Frederic Berthold (Skicross, LPD V), David Gleirscher (Kunstbahnrodeln, LPD T), Cornelia Hütter (Ski Alpin, LPD K), Adam Kappacher (Skicross, LPD S), Sebastian Kislinger (Snowboard Alpine, LPD Stmk), Lena Kreundl (Schwimmen, LPD OÖ), Nikolaus Leitinger (Biathlon, LPD S), Thomas Mayrpeter (Skicross, LPD OÖ), Caroline Pilhatsch (Schwimmen, LPD Stmk), Mirjam Puchner (Ski Alpin, LPD S), Markus Schiffner (Skispringen, LPD S), Matthias Taborsky (Rudern, LPD W), Tamara Tippler (Ski Alpin, LPD Stmk), Daniel Traxler (Skicross, LPD OÖ), Daniela Ulbing (Snowboard Alpine, LPD Kärnten), Martina Kuenz (Ringen, LPD Tirol), Anna Boustani(Segeln, LPD S), Daniel Gastl (Ringen, LPD T), Lara Hinterseer (Karate, LPD S), Julian Lüftner (Snowboard Cross, LPD V), Karim Mabrouk (Kickboxen, LPD W), Christoph Rothbauer (Schwimmen, LPD W), Julia Scheib (Ski Alpin, LPD Stmk), Lora Ziller (Karate, LPD OÖ), Samuel Baumgartner (Ski Freestyle, LPD OÖ) und Sabrina Filzmoser (Judo, LPD OÖ). Insgesamt sind derzeit 64 Spitzensportlerinnen und -sportler im Förderprogramm des Innenministeriums aufgenommen.

Ausbildungszeit fünf Jahre

"Im Innenministerium wurden neue Rahmenbedingungen geschaffen, die der Polizei und den Spitzensportlern helfen, gemeinsam erfolgreich zu sein", sagt Dr. Günther Marek, Leiter der Gruppe I/C (Öffentlichkeitsarbeit, Gesundheit, Psychologie, Sport) im Innenministerium. "Es wurde unter anderem die Ausbildungszeit auf fünf Jahre verlängert und es wurden E-Learning-Module eingeführt, damit die Athletinnen und Athleten auch lernen können, wenn sie trainieren oder einen Wettkampf bestreiten." Die Spitzensportförderung habe eine lange Tradition im Innenministerium und sei als duales Förderungssystem aufgebaut, ergänzte Marek. "Was den Vorteil hat, dass die sportliche mit der beruflichen Karriere abgestimmt werden kann."

Die Spitzensportlerinnen und -Sportler beim Morgenappell.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer
Sabrina Filzmoser, zweifache Europameisterin und zweifache Bronzemedaillen-Gewinnerin bei Weltmeisterschaften im Judo bei der Alpinausbildung.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer
Beim FX-Training stand eine Hausdurchsuchung am Programm.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer
"Disziplin ist bei der Polizei sehr wichtig, aber ganz besonders beim Einsatztraining", sagt Landeseinsatztrainerin  Margit Lusznig.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer

Artikel Nr: 18146 vom Donnerstag, 1. Oktober 2020, 07:30 Uhr
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