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99 Festnahmen durch die "Ermittlungsgruppe Falsche Polizisten" seit Herbst 2022

Innenminister Karner zog bei einem Pressegespräch am 19. Dezember 2023 mit den Leitern der "Ermittlungsgruppe Falsche Polizisten" Bilanz.

"Betrugsdelikte finden immer stärker digital statt, dennoch gibt es nach wie vor herkömmliche Betrugsdelikte. Eine besonders heimtückische Variante, die in der Weihnachtszeit verstärkt genutzt wird, ist die Betrugsmasche des falschen Polizisten", sagte Innenminister Gerhard Karner bei einem Pressegespräch mit Manuel Scherscher, Abteilungsleiter im Bundeskriminalamt, und Karl Popper, Ermittler des Landeskriminalamts Niederösterreich, am 19. Dezember 2023 im Innenministerium.

Mit den Ängsten der Menschen illegal Geld zu lukrieren ist ein lukratives Geschäft. Besonders ältere Menschen werden gezielt für die perfiden Betrugsmaschen ausgenutzt. Nicht nur in Österreich steigen die Fallzahlen, sondern europaweit. Die Täter gehen höchst professionell vor und nutzen das Vertrauen in die Polizei für ihre Zwecke aus. Aufgrund der zunehmenden Anzahl an Anzeigen wurde im September 2022 die "Ermittlungsgruppe Falsche Polizisten" (EG FaPo) zur Bekämpfung dieses Massenphänomens gegründet. Unter der Leitung des Bundeskriminalamts und des Landeskriminalamts (LKA) Niederösterreich sind bundesweit alle Landeskriminalämter beteiligt. "Das Ziel der EG FaPo ist, vulnerable Altersgruppen bestmöglich zu schützen und den falschen Polizistentrick massiv zu bekämpfen", sagte Manuel Scherscher. Im Vordergrund stehen hierbei die bundesweite Analyse und Auswertung zur Gewinnung neuer Erkenntnisse, die zielgerichtete Bekämpfung der Tätergruppierungen im In- und Ausland, die Sicherung des Vermögens sowie der Schutz der Bevölkerung. Der Innenminister warnte außerdem die Bevölkerung: "Es wird niemals eine Polizistin oder ein Polizist vor Ihrer Haustür stehen und Schmuck verlangen. Sie können zu 100 Prozent davon ausgehen, dass es sich dabei um einen Betrug handelt. Es kann jede und jeden treffen. Seien Sie besonders vorsichtig. "

Enorme Schäden

Durch das Phänomen des Polizeitrickbetrugs entstanden in Österreich in den vergangenen Jahren enorme Schadenssummen. Im Jahr 2021 wurden rund sieben Millionen Euro Schaden, 2022 rund 15 Millionen Euro und 2023 bereits rund 19 Millionen Euro verzeichnet. Dank der akribischen Ermittlungen der "EG FaPo" konnten seit deren Etablierung 99 Betrügerinnen und Betrüger festgenommen werden. "Bei solchen Einsätzen ist ein hohes Maß an Professionalität gefragt. Die Ermittlungserfolge sind nur aufgrund der guten Zusammenarbeit mit den zuständigen Staatsanwaltschaften möglich", berichtete Ermittler Karl Popper. Die Festnahmen verteilten sich im Bundesgebiet wie folgt: 2022 wurden in Niederösterreich zwölf Personen, in Oberösterreich, in der Steiermark vier, in Tirol eine und in Wien sieben Personen festgenommen. 2023 wurden im Burgenland fünf Personen, in Kärnten vier Personen, in Niederösterreich 34 Personen, in Oberösterreich neun, in Salzburg drei, in der Steiermark zwölf, in Tirol zwei, in Vorarlberg zwei und in Wien zwei Personen festgenommen.

Die Modi Operandi

Beim Polizeitrickbetrug geben sich die Täter als Polizisten oder Kriminalbeamte aus und täuschen den Opfern vor, dass eine Einbrecherbande festgenommen wurde, wobei Notizen mit dem Namen des Opfers vorgefunden werden konnten und sie nun möglicherweise selbst zum Opfer werden würden. Zur Sicherung ihrer Vermögenswerte würden diese durch die vermeintliche Polizei abgeholt werden. Beim Kautionsbetrug geben sich die Täter als Polizisten, Kriminalbeamte, Staatsanwälte oder Richter aus und täuschen den Opfern vor, dass deren Tochter, Sohn oder Enkelkind einen Verkehrsunfall verursacht habe. Dabei soll es zu einem Todesfall gekommen sein oder hoher Sachschaden entstanden sein, weshalb eine Kaution zu bezahlen wäre, da die Tochter, der Sohn oder das Enkelkind ansonsten eine Haftstrafe verbüßen müsse.

Aktionswoche in Deutschland, Polen Schweiz und Österreich

Seit der Gründung der "EG FaPo" wurden mehrere internationale Arbeitstreffen in Österreich abgehalten. Diese mündeten in internationalen Aktionswochen vom 27. November bis 8. Dezember 2023. Durch die in diesem Zeitraum gesetzten Maßnahmen, an denen täglich etwa 1.000 Einsatzkräfte aus Deutschland, Polen, Österreich und der Schweiz beteiligt waren, konnten 74 Enkeltricktaten und ein Schaden in Gesamthöhe von etwa fünf Millionen Euro verhindert werden. Durch die intensive und länderübergreifende Zusammenarbeit aller beteiligten Dienststellen gelang es im Rahmen der beiden Action Weeks nicht nur, Personen, die für die Logistik und Geldabholung eingeteilt waren, sondern auch Anruferinnen und Anrufer festzunehmen. Ein großer Erfolg war die Zerschlagung eines Callcenters in einem Vorort von Warschau.

Präventionsmaßnahmen

Die Präventionsarbeit ist eine wichtige Säule, um Kriminellen den Nährboden zu nehmen. Nach dem Motto "Wissen schützt" werden in enger Zusammenarbeit mit dem Büro für Kriminalprävention und Opferhilfe des Bundeskriminalamts, den kriminalpolizeilichen Beratungsstellen der Landeskriminalämter und der Initiative "GEMEINSAM.SICHER mit unserer Polizei" umfangreiche Präventionsmaßnahmen erarbeitet und gesetzt.

Präventionstipps

• Vorsicht bei unbekannten Anrufern!
• Fragen Sie sich: Kann die Geschichte stimmen? Sprechen Sie sofort mit Verwandten und Freunden!
• Geben Sie keine Details über Ihr Vermögen preis!
• Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und legen Sie auf!
• Lassen Sie keine Unbekannten in Ihre Wohnung!
• Übergeben Sie niemals Geld oder Gold an Unbekannte!
• Fordern Sie von angeblichen Polizisten einen Dienstausweis!
• Kontaktieren Sie die Notrufnummer 133 und fragen Sie, ob es diesen Polizisten wirklich gibt!
• Nehmen Sie Warnungen von Bankangestellten ernst!
• Sprechen Sie mit Ihrer Familie über diese falschen Polizisten! Vor allem ältere Generationen sind betroffen.

Weitere Informationen finden Sie unter den weiterführenden Links.

Links:

Innenminister Gerhard Karner beim Pressegespräch mit Manuel Scherscher, Abteilungsleiter im Bundeskriminalamt und Karl Popper, Ermittler des Landeskriminalamts Niederösterreich.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer

Artikel Nr: 26437 vom Mittwoch, 20. Dezember 2023, 11:40 Uhr
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