Polizeimuseum Wien

Objekt des Monats Mai: Polizeitelegraf

Mit der Einrichtung einer Telegrafenschule und von vier Telegrafenstationen begann 1871 bei der Wiener Polizei die Telekommunikation. Ein Telegraf und andere historische Telekommunikationsgeräte sind im Polizeimuseum in der Marokkanerkaserne ausgestellt.

Eineinhalb Jahre nach der Gründung der Wiener Sicherheitswache wurde am 18. Juli 1871 die erste Telegrafenschule der Polizei eingerichtet. Ein halbes Jahr später wurden die zwei ersten Leitungen mit vier Stationen aufgebaut. Eine Leitung führte von der Polizeidirektion "Am Peter" zum Polizeigefangenenhaus am Salzgries; die zweite Verbindung bestand zwischen dem Kommissariat Leopoldstadt und der Sicherheitswachekaserne in der Körnergasse. 1872 gab es 30 neue Telegrafenstationen und 1877 konnten die Polizisten bereits von 105 Stationen aus Meldungen durchgeben. Verbindungen bestanden auch zur Feuerwehrzentrale Am Hof, zu den Bezirksfeuerwachen und zu den freiwilligen Feuerwehren der Vorortbezirke. Der Polizeitelegraf war über den Morse-Taster relativ einfach zu bedienen. Im Jahr 1929 verfügte die Wiener Polizei über 250 Telegrafenstationen.

Die ersten Telefone wurden bei der Wiener Polizei im Jahr 1882 in Betrieb genommen, kurz nach der Erfindung der Telefonie. 1929 bedienten vier Frauen und Männer die Telefon-Hauszentrale mit 300 Klinkensteckerverbindungen. Es gab eine weitere Telefonstation für zwei Vermittler sowie 21 kleinere Hauszentralen bei den Bezirkspolizeikommissariaten. Für die Kommunikation nach außen gab es 274 Amts- und 276 Nebenstellen; für interne Telefonate standen 230 Stationen zur Verfügung. Für die Bedienung war eine eigene, 190 Mann starke Sicherheitswacheabteilung zuständig – die "Telegrafenabteilung".

Ab 1884 gab es in Wien auch "Straßentaster", über die Polizisten sich mit Morsezeichen mit der Zentrale verständigen konnten. Um 1900 befand sich im Polizeidirektionsgebäude am Schottenring 9-11 ein Postamt mit einer Rohrpoststation. Im Frühjahr 1927 nahm die Wiener Polizei die erste Kurzwellenstation in Betrieb; sie wurde von speziell ausgebildeten "Gehörlesern" bedient.

Die polizeigeschichtliche Sammlung in der Marokkanerkaserne (Polizeimuseum Wien) gehört zur Abteilung I/8 (Protokoll und Veranstaltungsmanagement) des Bundesministeriums für Inneres. Zu den Aufgaben der Abteilung gehören unter anderem die Bereiche Polizeigeschichte und Traditionspflege.

Text: Werner Sabitzer

Ausbildung in der Telegrafenschule.
Foto: ©  LPD Wien/Archiv
Historisches Telegrafengerät: 1871 begann bei der Wiener Polizei das Zeitalter der Telekommunikation.
Foto: ©  BMI/Werner Sabitzer

Artikel Nr: 15873 vom Dienstag, 15. Mai 2018, 09:08 Uhr
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