Drogenbekämpfung

Chefärztin: "Gemeinsam machen wir Österreichs Straßen noch sicherer"

Der Chefärztliche Dienst des Innenministeriums hat gemeinsam mit der Abteilung II/12 im Innenministerium (Verkehrsdienst der Bundespolizei) neue Standards zur Erkennung von Drogenlenkern im Straßenverkehr festgelegt. Die Kooperation zwischen Polizisten und Polizeiärzten ist wesentlich für die Bekämpfung von Drogen im Straßenverkehr.

"Gemeinsam machen wir Österreichs Straßen noch sicherer", sagte die Leiterin der Abteilung I/10 (Chefärztlicher Dienst) im Innenministerium, Dr. Yasmin Frank-Dastmaltschi, im Rahmen der Polizeiärztetagung "Drogen im Straßenverkehr" am 27. Mai 2019 im Bundesministerium für Inneres (BMI). Um Drogenlenker aus dem Verkehr zu ziehen, sei es wichtig, dass sowohl für Polizistinnen und Polizisten als auch für Polizeiärzte einheitliche Standards zur Erkennung gelten, sagte die Chefärztin. Um diese Standards österreichweit zu etablieren, führt der Chefärztliche Dienst gemeinsam mit der Abteilung II/12 (Verkehrsdienst der Bundespolizei) im BMI und Trainern aus den Landesverkehrsabteilungen österreichweit Schulungen von Polizistinnen und Polzisten im Umgang mit den standardisierten Testverfahren durch. Die Polizeiärztetagung am 27. Mai 2019 bildete den Abschluss der ersten Schulungsphase und förderte den Austausch zwischen Expertinnen und Experten aus dem medizinischen und dem polizeilichen Bereich.

Einheitliches Beurteilungsschema entwickelt

"Die Anzahl der Anzeigen im Zusammenhang mit Suchtgift im Straßenverkehr ist mit Stand 30. April 2019 österreichweit um 24 Prozent zum Vergleichszeitraum 2018 gestiegen", betonte MinRat Mario Mossbeck vom Referat II/12 a (Verkehrsdienst) im Innenministerium. Einer Dunkelfeldstudie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit zufolge, komme es jährlich zu rund 180.000 Fahrten unter Drogeneinfluss. Zur Erkennung von Drogenlenkern im Straßenverkehr haben der Chefärztliche Dienst und der Verkehrsdienst des BMI ein standardisiertes Beurteilungsschema für die Exekutive entwickelt, das von Polizistinnen und Polizisten unmittelbar bei der Überprüfung der Fahrtüchtigkeit zur Anwendung kommt. "In Österreich gibt es bei der Erkennung von Drogenlenkern ähnliche Probleme wie in anderen Ländern, deswegen haben wir uns bei der Entwicklung eines einheitlichen Beurteilungsschemas internationalen Standards angepasst", betonte Dr. Frank-Dastmaltschi. Um die motorische und kognitive Leistungsfähigkeit der Lenkerinnen und Lenker zu überprüfen, umfassen die standardisierten Testmethoden unter anderem einen Pupillentest, einen Geh- und Drehtest sowie einen Rombergtest (Test zur Untersuchung des Gleichgewichtssinns).
Auch für Polizeiärztinnen und – ärzte habe man basierend auf Erkenntnissen der Schulungen, den bereits bestehenden Untersuchungsbogen optimiert, betonte Dr. Maria Tödling-Weiss, eine der beiden stellvertretenden Chefärztinnen im Innenministerium. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projektes sei die gute Zusammenarbeit zwischen Polizisten und Ärzten. "Für Ärztinnen und Ärzte sind die Tests, die die Polizistinnen und Polizisten unmittelbar bei der Amtshandlung durchführen, ein wichtiger Vorfilter, da nur so der Zustand zum Lenkzeitpunkt festgestellt werden kann", sagte die stv. Chefärztin, Dr. Patricia Fous-Zeiner. Und auch umgekehrt sei die Kooperationsbereitschaft der Ärztinnen und Ärzte wesentlich für die Bekämpfung von Drogen im Straßenverkehr.

Schulungsteam aus Ärzten und Polizisten

Zur konstanten Anwendung des Beurteilungsschemas werden kontinuierlich Polizistinnen und Polizisten geschult. Ein zusätzliches Instrument zur Erkennung von Drogenlenkern im Straßenverkehr sind Speichelvortestgeräte. Trotz steigender Anzeigezahlen in den letzten Jahren wurde auf Grund der hohen Dunkelziffer mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit ein Projekt initiiert und der Polizei zu den vorhandenen neun Speichelvortestgeräten weitere 15 Geräte zur Verfügung gestellt. Von Februar bis Mai 2019 fanden fünf Schulungsveranstaltungen zur Erkennung von Beeinträchtigungen von Fahrzeuglenkern durch Suchtgift sowie für den Einsatz von Speichelvortestgeräten statt. Insgesamt wurden österreichweit bereits 80 Polizistinnen und Polizisten geschult. Das Schulungsteam, bestehend aus Ärztinnen des chefärztlichen Dienstes, Vertretern des Verkehrsdienstes sowie aus Trainern der Landesverkehrsabteilungen Oberösterreich und Niederösterreich, legt neben der praktischen Durchführung von Speicheltests und dem Erkennen und der Dokumentation von eindeutigen Beeinträchtigungssymptomen, auch Wert auf die Vermittlung von rechtlichen Rahmenbedingungen. "Es ist wichtig, Kolleginnen und Kollegen zu motivieren, die die Testungen dann regelmäßig, auch im Rahmen von Schwerpunktstreifen, durchführen", betonte Abteilungsinspektor Michael Schmidt, der wie Revierinspektor Rene Pessnegger-Macher dem Schulungsteam angehört.

"Polizisten sollen keine Ärzte werden"
"Es geht bei dem Projekt nicht darum, Polizisten zu Ärzten zu machen oder umgekehrt", erklärte MinRat. Mossbeck im Rahmen der Ärztetagung. Vielmehr gehe es darum, die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Ärzten zu verbessern und somit die Treffsicherheit zu erhöhen. Die Praxis habe gezeigt, dass gerade bei planbaren Einsätzen wie einschlägigen Festivals, die in den Sommermonaten in ganz Österreich stattfinden, Schwerpunktstreifen gut funktionieren. "Poolärzte" werden dabei bereits im Vorfeld avisiert, da der Ärztemangel vor allem in ländlichen Gebieten mitzubedenken sei. "Dann ist es gut, wenn jeder weiß, was der andere braucht", betonte Abteilungsinspektor Schmidt. "Nur gemeinsam können wir gegen Drogen im Straßenverkehr vorgehen", sagte Chefärztin Dr. Frank-Dastmaltschi abschließend.

"Gemeinsam machen wir Österreichs Straßen noch sicherer", sagte Dr. Yasmin Frank-Dastmaltschi, Leiterin des Chefärztlichen Dienstes im Innenministerium.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer
RevInsp. Rene Pessnegger-Macher, MinRat. Mario Mossbeck, Dr. Maria Tödling-Weiss, Chefärztin Dr. Yasmin Frank-Dastmaltschi, Dr. Patricia Fous-Zeiner, AbtInsp. Michael Schmidt.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer
Stv. Chefärztin Dr. Maria Tödling-Weiss erläuterte den Untersuchungsbogen für Ärztinnen und Ärzte.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer
Die gute Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Polizisten sei wesentlich für die Bekämpfung von Drogen im Straßenverkehr, betonte stv. Chefärztin, Dr. Patricia Fous-Zeiner.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer
"Es geht bei dem Projekt nicht darum, Polizisten zu Ärzten zu machen oder umgekehrt", sagte MinRat Mario Mossbeck.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer

Artikel Nr: 17062 vom Montag, 3. Juni 2019, 12:26 Uhr
Reaktionen bitte an die Redaktion

Share Facebook
Share Twitter

Zurück

Presse und Medien

Freitag, 20. September 2019
Tirol

Samstag, 21. September 2019
Wien

Samstag, 21. September 2019
Salzburg

Mittwoch, 2. Oktober 2019
Oberösterreich

Donnerstag, 10. Oktober 2019
Tirol

zu den Terminen