Polizei

Erste Frauen bei polizeilicher Ausbildung

Frauen sind erst seit dem Jahr 1991 männlichen Kollegen im Exekutivdienst gleichgestellt. Zwei Polizistinnen waren anlässlich des 30-jährigen Jubiläums zu Besuch im Wiener Polizeimuseum.

Melanie Gratzer und Andrea Andert waren anlässlich des bevorstehenden Jubiläums am 1. Dezember 2021, an dem vor 30 Jahren der erste Dienst mit Polizistinnen begann, zu einem Gespräch im Wiener Polizeimuseum zu Gast. Dort ließen sie unter anderem Einblicke in ihre Beweggründe für eine Karriere als Polizistin gewähren. Beide sind ursprünglich aus dem Burgenland und trafen sich erst in Wien, als sie zur Bereitschafseinheit (BE) Wien wechselten.

Vorgängermodell Politessen

Nach dem Abschluss des ersten Lehrgangs mit Dienstprüfung am 27.November 1991 ging es für die ersten Polizistinnen los, wobei Frauen bereits seit 1971 im Einsatz waren: Als Politessen entlasteten sie Sicherheitswachebeamte in Städten bei der Verkehrsraumüberwachung. Eine Gleichstellung war damals noch nicht vorhanden: Politessen wurden lediglich dazu eingesetzt, Strafzettel zu verteilen. Die offizielle Bezeichnung lautete "weibliche Straßenaufsichtsorgane", nur umgangssprachlich verwendete man den Ausdruck "Politesse". Diese konnten bei der Gleichstellung von Frauen innerhalb der Polizei eine entsprechend verkürzte Prüfung ablegen, um beruflich umzusteigen. "Früher hat es die speziellen Kriminalbeamtinnen gegeben, die bei gewissen Vernehmungen anwesend waren, die Kinder oder Frauen betrafen", berichtet Andert.

Andrea Andert war beim ersten Jahrgang der Polizistinnen 1991 mit dabei. Als Pionierin hat die Gruppeninspektorin bei diversen Stadtpolizeikommanden innerhalb der Hauptstadt einiges erlebt, wobei ihr der Beruf stets eine Freude bereitet hat. Dabei waren persönliche Entwicklung und Fortschritt immer klare Ziele. Seit Februar 2013 ist Andert bei der Bereitschaftseinheit der Wiener Polizei tätig, wobei sich ihre Karriere eher zufällig ergeben hat: "Meine Freundinnen haben sich damals beworben. Da habe ich mich einfach angeschlossen und war zufällig die Einzige, die sie aufgenommen haben. Es gab einen schriftlichen Aufnahmetest und eine ärztliche Untersuchung."

Bei Melanie Gratzer, die seit Oktober 2014 innerhalb der BE tätig ist, waren die Aufnahmekriterien im Jahr 1993 bereits umfangreicher ausgestaltet; sie musste beispielsweise einen negativen Schwangerschaftstest vorweisen. Für die damals 18-Jährige war der Beruf als Polizistin der Traum, daher konnte sie nicht mal von strengeren Kriterien bei der Bewerbung abgehalten werden. "Meine Zwillingsschwester hat es ins Gastgewerbe gezogen. Damals habe ich, da ich noch nicht volljährig war, dieselbe Ausbildung an der Gastgewerbe-Fachschule wie sie begonnen. Sobald ich aber durfte, gab ich sofort meine Bewerbung als Polizistin ab", erzählte Gratzer.

Interessanterweise haben beide Polizistinnen vorher im Gastgewerbe gearbeitet. Die dort erworbenen Fertigkeiten kamen ihnen für den späteren beruflichen Werdegang zu Gute, denn eine gute Anpassungsfähigkeit sowie eine fundierte Schlagfertigkeit waren in gewissen Situationen oft hilfreich. "In diesem Beruf sollte man nicht allzu zart besaitet sein. In der Gastronomie haben wir so einiges gelernt, das hilfreich war." Da sind sich die Beiden einig.

Änderungen und Berufsalltag

Änderungen im Wandel der Zeit gab es viele, wobei diese nicht nur den technischen oder strukturellen Wandel betrafen, sondern auch die Ausrüstungen, Autos sowie eine deutliche Vervielfältigung von Gesetzen. "Das Fremdenrecht wurde früher nicht so umfangreich angewandt, wie es heute der Fall ist." Eine Kasernierungspflicht war bei Andert ebenfalls noch Thema, bei Gratzer nicht mehr. "Die ersten zwei Monate waren wir durchgehend von Montag bis Freitag kaserniert und durften während dieser Zeit nicht hinaus", so Andert.

Besondere Vorfälle abseits der alltäglichen im Berufsalltag gab es nicht. Das Sprichwort "wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus" hat beiden oftmals die Arbeit erleichtert und zur Deeskalation beigetragen, denn das vorhandene Fingerspitzengefühl beim polizeilichen Einschreiten ist äußerst wichtig.

Abschließend erzählten Andert und Gratzer vom gegenwärtigen Arbeitsumfeld: "In der Bereitschaftseinheit ist das Arbeiten ganz anders, denn man ist als Gruppe unterwegs und hat andere Einsätze als beim Streifendienst." Dabei wird man z.B. je nach Bedarfsfall von Bezirken angefordert, ist bei Staatsbesuchen oder größeren Demonstrationen sowie als Kompetenzteam bei "Corona Einsätzen" im Einsatz.

Sonderausstellung

Seit Ende November 2021 ist im Foyer des Innenministeriums am Minoritenplatz eine Sonderausstellung anlässlich des 30-jährigen Jubiläums zu sehen. Dabei werden die verschiedenen Uniformen von Polizistinnen im Laufe der Zeit zur Schau gestellt. Diese werden aus der außergewöhnlichen Sammlung des Wiener Polizeimuseums in der Marokkanerkaserne bereitgestellt, die Exponate enthält, die einen Überblick über rund 800 Jahre Polizeigeschichte ermöglichen.

Andrea Andert und Melanie Gratzer im Wiener Polizeimuseum.
Foto: ©  BMI/Antal
Erster Lehrgang mit Frauen im Jahr 1991.
Foto: ©  BMI

Artikel Nr: 19192 vom Mittwoch, 1. Dezember 2021, 00:01 Uhr
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