Opferschutz

Kardeis: "Opferschutz ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe"

Klinisch-forensische Untersuchungen tragen maßgeblich zum Opferschutz bei. Um europaweit einheitliche Standards zu schaffen und den internationalen Austausch zwischen Rechtsmedizinern zu fördern, luden das Innenministerium und das Ludwig Boltzmann Institut für Klinisch-Forensische Bildgebung am 8. März 2018 zu einem Symposium nach Wien.

Vielen Opfern fällt es schwer, bei Fällen von körperlicher oder sexueller Gewalt, Anzeige zu erstatten. Für ein Verfahren ist eine zeitnahe und gerichtsverwertbare Dokumentation und Beweissicherung oftmals entscheidend. "Es hilft, wenn die Menschen wissen, dass es sich auszahlt, Anzeige zu erstatten, weil sie beschützt werden können und die Chancen hoch sind, dass der Täter überführt werden kann", sagte die Generaldirektorin für die öffentliche Sicherheit, Dr. Michaela Kardeis, beim Symposium für ein europaweites klinisch-forensisches Netzwerk und einheitliche Standards "JUSTeU!" (juridical standards for clinical forensic examinations of victims of violence in Europe) am 8. März 2018 in Wien. Wissenschaftliche, technikunterstützte Untersuchungen von kriminellen Handlungen seien wichtig, um eine objektive Strafverfolgung sicherzustellen und die rechtliche Position der Opfer zu stärken. Zu dem Symposium luden das Innenministerium und das Ludwig Boltzmann Institut für Klinisch-Forensische Bildgebung Expertinnen und Experten aus Rechtsmedizin, Justiz, Opferschutz sowie aus dem Gesundheitsbereich.

Einheitliche Standards schaffen

Nicht in allen EU-Ländern gibt es klinisch-forensische Untersuchungsangebote, deshalb sollen diese in ganz Europa etabliert und im Rahmen des Projektes "JUSTeU!" europaweite Mindeststandards geschaffen werden. "Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Opfer zu schützen", sagte Kardeis. Vor allem die sexuelle Belästigung und Gewalt gegenüber Frauen und pflegebedürftigen Menschen sind in den letzten Jahren in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. "Durch radiologische Verfahren können beispielsweise Verletzungen ans Licht gebracht und dokumentiert werden, die vorher nicht nach- und somit beweisbar waren", sagt Mag. Martina Stöffelbauer, stellvertretende Leiterin des Büros Kriminalprävention und Opferhilfe im Bundeskriminalamt. Durch die Zusammenarbeit mit dem Ludwig Boltzmann Institut werden die Opfer in den Mittelpunkt gerückt. "Mit dem Projekt ‚JUSTeU!‘ wollen wir die Bedeutung klinisch-forensischer Untersuchungen für den Opferschutz hervorheben und dieser wichtigen Thematik eine Stimme auf europäischer Ebene verleihen", betonte auch Mag Dr. Reingard Riener-Hofer vom Ludwig Boltzmann Institut für Klinisch-Forensische Bildgebung, die das Projekt leitet.

Europaweites Netzwerk

Das von der EU geförderte Projekt "JUSTeU!" startete im Februar 2017 für eine Laufzeit von zwei Jahren und ist dem Schutz von Opfern körperlicher und/oder sexualisierter Gewalt gewidmet. Die internationale Arbeitsgemeinschaft setzt sich aus rechtsmedizinischen und juristischen Expertinnen und Experten aus Deutschland, Italien, der Tschechischen Republik und Österreich zusammen.
"JUSTeU!" hat sich zum Ziel gesetzt, die tatzeitnahe Befunddokumentation und Spurensicherung im Sinne des Opferschutzes und der Rechtssicherheit zu stärken und internationale Standards zu schaffen. Darüber hinaus ist ein Ziel die Gründung eines über die Projektlaufzeit hinaus bestehenden Netzwerkes (Clinical Forensic Network; "CFN Europe"), das rechtsmedizinischen Experten zum Austausch dienen soll.

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"Es hilft, wenn die Menschen wissen, dass es sich auszahlt, Anzeige zu erstatten", sagte Generaldirektorin Michaela Kardeis.
Foto: ©  BMI/Gerd Pachauer

Artikel Nr: 15655 vom Freitag, 9. März 2018, 08:00 Uhr
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