Polizeimuseum Wien

Objekt des Monats Jänner: Gewölbewache

Im Polizeimuseum in der Marokkanerkaserne in Wien befinden sich einige Exponate der k. k. Gewölbewache (1850 – 1918), darunter eine Uniformkappe, ein Ölbild eines Gewölbewachmanns und ein "Präsentierungsprotokoll" mit den Daten der Wachleute.

Im November 1850 wurde in Wien neben der Militärpolizeiwache die Gewölbewache eingerichtet. Sie war für die Bewachung von Geschäftslokalen zuständig und wurde über Beiträge der Gewölbebesitzer und Geschäftsleute finanziert. Aufgabe der Gewölbewächter war es, ebenerdige Niederlagen bzw. Geschäftslokale vor Einbruch, Diebstahl und Beschädigung zu schützen, für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu sorgen, Ruhestörer und Gesetzesübertreter "zu Stande bringen" und Vorfälle zu melden. Außerdem war die Wache für die Anlegestelle der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft im Prater zuständig.

Die Gewölbewache bestand aus zwei Inspektoren, acht Unterinspektoren und 80 Wächtern. Je zwei Wächter waren für die 40 "Quartiere" zuständig. Aufgenommen werden durften laut Erlass von 1850 nur "rüstige, entschlossene und ganz tadellose Personen". Sie hatten Anspruch auf Militärbenefizien und Provisionen. Bei besonders erfolgreichen Amtshandlungen erhielten sie eine Belohnung.

Die Gewölbewachleute hatten wie die Angehörigen der Militär-Polizeiwache alle für Wachen bestehenden Rechte und konnten auch von der Waffe Gebrauch machen – nach den einschlägigen Bestimmungen des Gendarmeriegesetzes von 1850.

Die ursprünglich als militärischer Wachkörper aufgestellte Gewölbewache wurde 1870 dem Zentralinspektorat der 1869 gegründeten Wiener Sicherheitswache unterstellt und in einen Zivilwachkörper umgewandelt. Nach dem Ende der Monarchie übernahm die im November 1918 aufgestellte Stadtschutzwache die Aufgaben der Gewölbewache. Die Stadtschutzwache wurde 1932 in die Sicherheitswache eingegliedert.

Ab Dezember 1867 gab es auch in Linz eine Gewölbewache, finanziert von den Besitzern der bewachten Geschäftslokale und Häuser. Nach der "Dienstinstruktion für die Linzer Gewölbe-Schutzwache" hatten die Wachleute auf die Gewölbe-Magazinstüren und auf alle Häuser, Eingänge und ebenerdigen Fenster zu achten. Die Wächter durften sich "mit niemanden und am Allerwenigsten mit Individuen des weiblichen Geschlechts in länger andauernde Gespräche einlassen". Die Linzer Gewölbewache bestand bis 1920.

Das Polizeimuseum Wien in der Marokkanerkaserne im dritten Bezirk wird von der Abteilung I/8 (Protokoll und Veranstaltungsmanagement) des Bundesministeriums für Inneres betreut. Zu den Aufgaben der Abteilung gehört unter anderem der Bereich Exekutivgeschichte/Traditionspflege.

Text: Werner Sabitzer

Uniformkappe der Wiener Gewölbewache.
Foto: ©  BMI/Werner Sabitzer
Gewölbewachmann mit Dienstnummer am Kragen (Ölbild im Wiener Polizeimuseum).
Foto: ©  BMI/Werner Sabitzer

Artikel Nr: 16593 vom Freitag, 11. Jänner 2019, 09:00 Uhr
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