Flugpolizei

Am Boden bleiben, auch wenn die Turbine dröhnt

Einfühlungsvermögen, Geduld und Gelassenheit, höchste Konzentration und in der Luft "am Boden bleiben": Das und vieles mehr haben die Fluglehrer des Innenministeriums gelernt, die im Oktober 2017 ihre nach europäischen Luftfahrtstandards zertifizierte Ausbildung abgeschlossen haben.

"Es erfordert ein Höchstmaß an Einfühlungsvermögen, Gelassenheit, Konzentration sowie an Belastbarkeit und Ausgeglichenheit, auch bei dröhnender Turbine ruhig zu bleiben – schließlich ist man als Fluglehrer verantwortlich für die Schüler, den Hubschrauber und noch einiges mehr", sagt Kontrollinspektor Patrick Fritz, einer von drei Fluglehrern bei der Flugpolizei des Bundesministeriums für Inneres, die erstmals nach europäischen Luftfahrtstandards ausgebildet worden sind. "Man sollte unter anderem auch ein Experte in den Bereichen Aerodynamik, Wetterkunde oder luftrechtlichen Belangen sein. Es ist eine schöne Aufgabe, Fluglehrer zu sein, aber auch eine besondere Herausforderung."

Erstmals nach europäischen Luftstandards ausgebildet

Der Wiener Kontrollinspektor Steve Wallitzky und die Tiroler Kontrollinspektoren Thomas Raffler und Patrick Fritz wurden als erste Fluglehrer des Innenministeriums nach europäischen Luftfahrtstandards ausgebildet. "Die Flugpolizei unterhält eine sogenannte 'approved training organisation' (ATO), eine nach europäischen Luftfahrtstandards zertifizierte Luftfahrerschule", erklärt Fritz. "Wir sind eine nach zivilen Bestimmungen zugelassene Luftfahrerschule und dürfen beispielsweise Berufspiloten, Typenberechtigungen oder Nachtsichtflugberechtigungen für den internen Gebrauch ausbilden." Dafür brauche man Fluglehrer.

"Früher haben Fluglehrer Ausbildungen nach nationalen Bestimmungen erworben. Seit Einführung der europäischen Luftfahrtnormen ist die Ausbildung von Fluglehrern überarbeitet und umfassender geworden." Die neue Ausbildung nach europäischen Luftstandards beinhalte insgesamt 125 Stunden Theorieausbildung und mindestens 30 Stunden Praxisausbildung, sagt Fritz. "Das war der erste Lehrgang der Hubschrauberflugschule der Flugpolizei, der auf europäischen Luftfahrtstandards basiert."

Der Weg zum Fluglehrer

"Die Flugpolizei des Innenministeriums unterteilt man grob in die Bereiche Flugbetrieb, in den technischen Betrieb und den administrativen Bereich", sagt Fritz. "Innerhalb des Flugbetriebs gibt es neben dem typischen Einsatzbetrieb auch die Hubschrauberflugschule, die Hubschrauberpiloten aus- und weiterbildet, beispielsweise wenn neue Hubschraubertypen angeschafft werden oder neue Piloten aus- oder weiterzubilden sind." Jede Ausbildung in der Luftfahrt sei klar nach den europäischen Luftfahrtnormen definiert. "Unter anderem wurde in der Ausbildung zum Fluglehrer großer Wert auf Pädagogik gelegt – wie vermittelt man eine komplexe Sache so einfach, dass sie ein Flugschüler versteht, aber trotzdem der Gesamtsachverhalt erhalten bleibt."

Wann greift man ein, wenn der Flugschüler einen Fehler macht? Wie weit lässt man ihn "gehen", um trotzdem einen Lerneffekt zu erzielen? Wie zeigt man einem Schüler eine Übung, damit er sie nachfliegen kann? Oder wie vermittelt man als Fluglehrer Wissen und Fähigkeiten, sodass der Flugschüler nicht über- oder unterfordert ist? "Das sind die wesentlichen Inhalte der neuen Ausbildung für Fluglehrer."

In der Praxis werden verschiedene Übungen trainiert, darunter Präzisionsübungen sowie Navigationsflug- oder Nachtflugübungen. "Man muss in der Ausbildung zum Fluglehrer den Bereich abdecken, der zwischen dem liegt, was ein Berufspilot schon weiß und kann, und dem, wie er dieses Wissen weitervermitteln kann. Als Fluglehrer lernt man unter anderem, den Hubschrauber von der anderen Seite aus zu fliegen – der Blickwinkel ändert sich – und das in allen Belangen. Man muss schließlich in der Lage sein, auch einen Fehler des Schülers während des Trainings zu korrigieren, und da ist die Grenze oftmals sehr schmal." Alle Fluglehrer versehen neben ihrer Tätigkeit als Lehrer Dienst in den Flugeinsatzstellen und sind im täglichen Einsatzbetrieb tätig – damit wird größtmögliche Routine und Praxisbezogenheit gewährleistet.

Zu den Personen

Der 34-jährige Kontrollinspektor Steve Wallitzky ist seit 2005 bei der Polizei. Neben seiner Tätigkeit im polizeilichen Streifendienst und bei der Kriminalpolizei erwarb er die Privatpilotenlizenz für Hubschrauber. Seit 2012 ist Wallitzky bei der Flugpolizei und seit Abschluss der Ausbildung als Einsatzpilot bei der Flugeinsatzstelle Wien beschäftigt.

Kontrollinspektor Thomas Raffler ist 32 Jahre alt und seit 2008 bei der Polizei. 2007 absolvierte er privat die Ausbildung zum Tragschrauberpiloten und war drei Jahre lang im Besitz eines eigenen Tragschraubers (engl. Gyrocopter), der in St. Johann in Tirol stationiert war. Die Ausbildung zum Privathubschrauberpiloten schloss er 2010 in einer Flugschule in Salzburg ab, da damals eine Hubschrauberlizenz Voraussetzung zur Aufnahme bei der Flugpolizei war. Raffler ist seit 2012 bei der Flugpolizei und versieht als Einsatzpilot Dienst in der Flugeinsatzstelle Wien.

Kontrollinspektor Patrick Fritz ist dreißig Jahre alt und seit 2006 bei der Polizei, mit einer Unterbrechung von eineinhalb Jahren, bei der er im gewerblichen Flugverkehr als Linienpilot tätig war. Er ist im Besitz der Linienpilotenberechtigung und darf ein- und mehrmotorige Flugzeuge fliegen. Fritz ist auch als Fluglehrer für Flächenflugzeuge ausgebildet. Seit 2014 ist Fritz bei der Flugpolizei und versieht seit Abschluss der Ausbildung Dienst in der Flugeinsatzstelle Wien.

Text: Reinhard Leprich

Ausgebildet nach europäischen Luftfahrtnormen: Steve Wallitzky, Thomas Raffler und Patrick Fritz.
Foto: ©  BMI/Thomas Raffler
Hochalpine Landungen sind besondere Herausforderungen für Schüler und Maschine.
Foto: ©  BMI/Martin Kainberger
Schulungsflug über Wiens Südgrenze Richtung Bad Vöslau.
Foto: ©  BMI/Patrick Fritz
Dichter Schneefall: Lernen bei allen Wetterlagen.
Foto: ©  BMI/Martin Kainberger

Artikel Nr: 15326 vom Donnerstag, 23. November 2017, 09:40 Uhr
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