Gedenkstätten für Exekutivbeamte (25)
Heldenkapelle für einen Gendarmen
Auf dem Plöckenpass in Kärnten befindet sich eine Gedächtniskapelle mit dem Marmorsarg für den Gendarmeriebeamten Simon Steinberger, einem Helden der Feldgendarmerie im Ersten Weltkrieg.
Gedächtniskapelle am Plöckenpass in Kärnten; Marmorsarg für den Postenkommandanten Simon Steinberger
© LPD Kärnten/Michael Masaniger
Nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich am 23. Mai 1915 kamen auf die Gendarmen im Gailtal und im Kanaltal harte Zeiten zu. Die Gendarmen sicherten strategische Stellen, um Anschläge zu verhindern. Die Gendarmen waren auch zuständig für die Rekrutierung und Ausbildung von freiwilligen Schützen in Kärnten, Evakuierungen, die Aufsicht über Kriegsgüter und die Sicherstellung der Lebensmittelverteilung. Im Juni 1915, einige Wochen nach der Kriegserklärung Italiens an Österreich, besetzten italienische Truppen den 2.226 Meter hohen Ostgipfel des Cellon (Frischenkofel) am Plöcken in den Karnischen Alpen. Die Soldaten beschossen Kötschach-Mauthen mit schweren Waffen.
Bezirkswachtmeister Simon Steinberger, Kommandant des Gendarmeriepostens Mauthen, und fünf Assistenzgendarmen stiegen in der Nacht zum 25. Juni 1915 über die steil abfallende und als fast unbezwingbar geltende Nordostwand des Cellon und griffen die italienische Kompanie bei Tagesanbruch an. Die überraschten Gegner flüchteten auf den Westgipfel, verschanzten sich dort und schossen mit Granaten auf die Gendarmen. Steinberger und seine Leute verteidigten das Gebiet fünf Tage lang, bis Verstärkung eintraf. Pioniere brachten für die nachrückenden Soldaten an den gefährlichsten Stellen der Nordostwand Sicherungsseile an. Das Granatfeuer auf Kötschach-Mauthen wurde unterbunden. Von den sechs Österreichern hatten nur Steinberger, der Assistenzgendarm Großmann und ein Holzknecht und angeblicher Wilderer aus dem Gesäuse in der Steiermark Alpinerfahrung.
Simon Steinberger, 1874 in Dobersberg bei St. Veit an der Glan geboren, wurde 1895 in ein Infanterieregiment einberufen. Von 1909 bis 1923 war er Kommandant des Gendarmeriepostens Mauthen. Für den Husarenstreich am Plöcken wurde Steinberger mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse und später mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Er starb am 28. Jänner 1949.
Gedächtniskapelle am Plöcken.
Gendarm Simon Steinberger
© Archiv
Simon Steinbergers Gebeine ruhen in einem Marmorsarg in der Gedächtniskapelle an der Plöckenpassstraße westlich des Plöckenhauses. Die Aufschrift auf dem Deckel des Marmorsarges kautet: „GEND. BEZ. INSP. D. R. / SIMON STEINBERGER / † 28. 1. 1949“. In der Kapelle befinden sich zwei weitere Marmorsärge für Helden des Ersten Weltkriegs, für den General der Infanterie Carl Scotti und den Finanzwachebeamten Franz Weilharter. Die Kapelle wurde am 29. Juni 1929 eingeweiht. An dieser Stelle stand zuvor die Elisabethkirche, die während des Ersten Weltkriegs bei Kampfhandlungen zerstört wurde. Die Kapelle wurde 2017 renoviert. Hier wurden 2017 auch die Gebeine von gefallenen Soldaten beigesetzt, die bei Ausgrabungen am Kleinen Pal gefunden worden waren.
Jedes Jahr am letzten Sonntag im August veranstaltet der „Khevenmüller 7er-Bund“ bei der Gedächtniskapelle die traditionelle Plöcken-Gedenkfeier, bei der den im Ersten Weltkrieg gefallenen österreichischen und italienischen Soldaten gedacht wird. Im Rahmen der Feier legen Kolleginnen und Kollegen des BPK Hermagor und der PI Kötschach-Mauthen am Grab Steinbergers einen Kranz nieder. An den Gendarmen erinnert der „Steinberger-Weg“ auf den Cellon. Der Unteroffizierslehrgang 2006 des Bundesheeres wurde im Rahmen der Traditionspflege „Gendarmerie-Bezirkswachtmeister Simon Steinberger“ benannt.
Werner Sabitzer
Quellen/Literatur:
Die Plöcken-Gedenkkapelle – Mahnmal, Grabstätte und Ort der Erinnerung und des Friedens. In: Das rote Barrett, Truppenzeitung des Jägerbataillons 25, Nr. 3/2015, S. 15
Sabitzer, Werner: Attacke am Plöcken. In: Öffentliche Sicherheit, Nr. 5-6/2015, S. 12
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2024
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