Exekutivgeschichte und Traditionspflege
Hechtgrau und dunkelgrün
„Züngelnder Adler“ und „Flammende Granate“: Eine Sonderausstellung in Linz-Ebelsberg widmet sich der Geschichte der Gendarmerie und der Wiener Sicherheitswache.
Sonderausstellung in Linz-Ebelsberg: „Eine Zeitreise durch die Geschichte der Gendarmerie und Sicherheitswache“
© LPD OÖ/Michael Dietrich
Mit kaiserlicher Verordnung wurde am 8. Juni 1849 im Kaisertum Österreich die Gendarmerie eingeführt. Hauptaufgaben waren laut Dienstinstruktion „die Erhaltung der Ruhe und Sicherheit des Landes, der Bewohner und des Eigentums“. Außerdem sollte „den Gelüsten des Leichtsinns, Übermuts oder der verbrecherischen Gesinnungen und deren Bestrebungen“ entgegengetreten werden. Damit wurde nach der Revolution 1848 ein flächendeckender Sicherheitsapparat auf dem Lande geschaffen.
Wiener Sicherheitswache.
20 Jahre nach der Gründung der Gendarmerie genehmigte Kaiser Franz Joseph I. mit Entschließung vom 2. Februar 1869 die Errichtung der k. k. Sicherheitswache in Wien. Die Militär-Polizeiwache wurde aufgelöst. Hauptaufgaben waren die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit, der Schutz des Eigentums und die Obsorge, dass die Gesetze befolgt werden. Die k. k. Sicherheitswache bestand nur in Wien; in den anderen großen Städten gab es städtische Sicherheitswachen.
Kempen-Medaille, Kappe und Säbel der Gendarmerie, Säbelgehänge goldfarben (Offiziere) und silberfarben (Chargen)
© LPD OÖ/Michael Dietrich
Die Gendarmerie und die Sicherheitswache waren mit harten Zeiten und enormen Herausforderungen konfrontiert: Erster Weltkrieg mit dem Zerfall der Doppelmonarchie, Putschversuche und andere gewalttätige innenpolitische Auseinandersetzungen, Hunger, Armutskriminalität und Gewaltverbrechen in der Zwischenkriegszeit, autoritärer Ständestaat 1934, nationalsozialistische Machtübernahme 1938, Zweiter Weltkrieg, ein schwieriger Neubeginn nach 1945 sowie Gewalt, Übergriffe, Verschleppungen und Ausschreitungen während der Besatzungszeit. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Bundesgendarmerie und die Sicherheitswachen der Bundespolizeibehörden in den Bereichen Ausbildung, Uniformierung, Ausrüstung, Bewaffnung, EDV, Fuhrpark sowie Strategien und Methoden der Kriminalitätsbekämpfung und Prävention immer wieder den aktuellen Erfordernissen angepasst.
Mit der am 1. Juli 2005 in Kraft getretenen Polizeireform wurden die Sicherheitswache, die Bundesgendarmerie, das Kriminalbeamtenkorps und Teile der ehemaligen Zollwache zur neuen, einheitlichen „Bundespolizei“ zusammengeführt. Damit endete die 156-jährige Geschichte der Gendarmerie und die 136-jährige Geschichte der Wiener Sicherheitswache.
Exekutivausstellung.
Kurator Klaus Windischbauer © LPD OÖ/Michael Dietrich
Aus Anlass des 175. Gründungstags der Gendarmerie und des 155. Jubiläums der Sicherheitswache stellte Gruppeninspektor i. R. Klaus Windischbauer, Gründungsmitglied des BMI-Fachzirkels Exekutivgeschichte und Traditionspflege sowie des Exekutivhistorischen Vereins Oberösterreich (EHV OÖ), eine Sonderausstellung im Wehrgeschichtlichen Museum in der ehemaligen Hiller-Kaserne in Linz-Ebelsberg zusammen. Ausgestellt sind Exponate der Gendarmerie und der Sicherheitswache, wie Zeitleisten, Uniformen, Helme und Tellerkappen, Orden, Funktionsabzeichen und Dekrete, Fahnen, Dienststellenschilder, Bilder, Dokumente. Zur Eröffnung der Sonderausstellung am 10. Mai 2024 kamen unter anderem der ehemalige oberösterreichische Sicherheitsdirektor Heimo Siegel, die ehemaligen Polizeidirektoren Josef Stark (Linz), Johann Steininger (Steyr) und Johann Rudlstorfer (Wels), die Gendarmeriegeneräle i. R. Ernst Holzinger und Arthur Reis, Generalmajor i. R. Manfred Schmidbauer, die Landtagsabgeordnete Dr. Elisabeth Manhal, die Linzer Vizebürgermeisterin Tina Blöchl sowie Vertreter des BMI, der Bundespolizei und von exekutivnahen Vereinen und Institutionen. Die Sonderausstellung endet am 26. Oktober 2024.
Werner Sabitzer
„175 Jahre Gendarmerie und 155 Jahre Sicherheitswache“, 11. Mai bis 26. Oktober 2024, Wehrgeschichtliches Museum Oberösterreich (www.wehrgeschichte-ooe.at ), Hiller-Kaserne, 4030 Linz-Ebelsberg, Wiener Straße. Kontakt und Führungen: Klaus Windischbauer, +43-699-11778890, wklaus@drei.at
Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2024
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