Polizeigeschichte

Das Theresianische Polizeiamt

Habsburgs Herrscherin Maria Theresia reformierte das Polizeiwesen und richtete im März 1757 in ihrer Residenzstadt Wien ein Polizeiamt ein – die erste Polizeibehörde in Wien.

Militär-Polizeiwache in Wien (1775 bis 1869)
Militär-Polizeiwache in Wien (1775 bis 1869) © Archiv

Als Maria Theresia 1740 nach dem Tod ihres Vaters Kaiser Karl VI. das Erzherzogtum Österreich übernahm, bestanden in Wien zwei Polizeiwachen – die Stadtguardia und die Rumorwache. Daneben agierte die Tag- und Nachtwache für untergeordnete Ordnungs- und Sicherheitsaufgaben. Politische Behörde war die Regierung Österreichs unter der Enns.
Die neue Herrscherin initiierte eine Reihe von Reformen im Polizeiwesen. 1741 löste sie die Stadtguardia auf. 1773 wurden auch die Rumorwache sowie die Tag- und Nachtwache aufgelöst. Ab 1775 war die neue k. k. Militär-Polizeiwache für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung in Wien zuständig. Die neue Wache war zwar ein militärischer Wachkörper, unterstand aber der niederösterreichischen Statthalterei und später dem Polizeiamt. Mit der Polizeireform des Jahres 1751 wurden in Wien landesfürstliche Viertelkommissare und Gassenkommissäre aufgestellt. Dazu kamen 188 aus der Bürgerschaft ausgewählte Unterkommissare. In der Inneren Stadt bestanden vier und in den Vorstädten weitere Polizeiviertel; jeweils geleitet von einem Viertelkommissar. Die Häuser wurden nummeriert und Fremde unterlagen der Meldepflicht. 1754 wurden zwölf Räte und Sekretäre der niederösterreichischen Repräsentation und Kammer (Landesregierung) mit der Führung der Polizeigeschäfte beauftragt.
Für die Dienstaufsicht der Unterkommissäre wurden drei Polizeiaufseher angestellt, darunter der Armeeoffizier Joseph de Carrière. Ihnen wurden fünf Bedienstete für Verwaltungsaufgaben beigegeben. Die Einrichtung der Polizeiaufseher im Jahr 1754 war ein vorbereitender Schritt zur Gründung des Polizeiamts drei Jahre später.

Erste Polizeibehörde.

Erzherzogin Maria Theresia (Büste am Heldenberg) richtete im März 1757 in Wien ein Polizeiamt ein
Erzherzogin Maria Theresia (Büste am Heldenberg) richtete im März 1757 in Wien ein Polizeiamt ein © Werner Sabitzer

Mit der Einrichtung des Polizeiamtes im März 1757 hatte die Residenzstadt erstmals eine Polizeibehörde. Das neue Amt unterstand der niederösterreichischen Statthalterei, die damals als „Repräsentation und Kammer“ bezeichnet wurde. Polizeiaufseher Joseph de Carrière wurde zum „Rat“ und Oberaufseher der Viertelkommissare ernannt. Er war somit der erste Chef („Polizeioberaufseher“) der Wiener Polizeibehörde.
Joseph de Carrière, geboren um 1714 in Frankreich, war zehn Jahre lang Offizier im Starhembergischen Regiment der österreichischen Armee. Nach zwei Jahren als Chef der Wiener Polizei wurde er im März 1759 Kommandant der Feldpolizei im Daun-Regiment der Armee. Nachfolger von Joseph de Carrière als Polizeioberaufseher wurde im März 1759 Johann Kaspar von Eckler, Sekretär der niederösterreichischen Repräsentation und Kammer (Statthalterei). Nach seiner Absetzung wurde der Advokat Franz Leopold Niller im April 1760 zum Polizeioberaufseher in Wien ernannt. Nach dem Tod Nillers am 9. Mai 1772 wurde Franz Anton Edler von Beer 1773 Leiter des Polizeiamtes. Er war der letzte Polizeioberaufseher unter Regentin Maria Theresias
1773 gab es im Wiener Polizeiamt 14 Konzeptsbeamte und acht Protokollschreiber. Im Erlass über die „Neue Polizeiverbesserung und Einteilung der Vorstädte Wien in Polizeibezirke“ vom 2. März 1776 wurden zusätzlich zu den vier Polizeivierteln der Inneren Stadt in den Vorstädten acht Polizeibezirke eingerichtet.

Polizeioberdirektion.

Unter Kaiser Joseph II., nach Maria Theresias Tod ab 1780 Alleinregent, reformierte der Präsident der niederösterreichischen Regierung, Johann Anton Graf Pergen, die Polizei. 1782 wurde aus dem Theresianischen Polizeiamt eine „Polizeioberdirektion“ mit Kommissariaten. Der bisherige Polizeioberaufseher Franz Anton von Beer blieb als „Polizeioberdirektor“ Leiter der Wiener Polizeibehörde. 1789 wurden die Polizeidirektionen in den Provinzstädten der Polizeioberdirektion Wien unterstellt. Diese Regelung wurde mit der Leopoldinischen Polizeiverfassung vom 1. November 1791 wieder aufgehoben.

Vom Polizeioberaufseher zum Landespolizeipräsidenten.

Der Amtssitz des Polizeioberdirektors von Wien befand sich ab 1783 in der Seitzergasse 4
Der Amtssitz des Polizeioberdirektors von Wien befand sich ab 1783 in der Seitzergasse 4 © Archiv
Kaiser Joseph II. (Gemälde im Hofmobiliendepot): Polizeireform mit Einrichtung einer Polizeioberdirektion 1782
Kaiser Joseph II. (Gemälde im Hofmobiliendepot): Polizeireform mit Einrichtung einer Polizeioberdirektion 1782 © Archiv

Die Funktionsbezeichnung der Leiter des 1757 gegründeten Wiener Polizeiamts lautete „Polizeioberaufseher“. Nach der Einrichtung einer Polizeioberdirektion 1782 im Rahmen der Josephinischen Polizeireform führte der Wiener Polizeichef die Bezeichnung „Polizeioberdirektor“. Amtssitz der Polizeioberdirektion war ab 1783 das Haus des Studienfonds in der Seitzergasse 4. Im Jahr 1823 zog die Polizeioberdirektion in das Gebäude Petersplatz 7/Tuchlauben 4.
Als Folge der Revolution 1848 gab es eine Polizeireform und der Leiter der Wiener Polizeibehörde wurde ab 1849 „Stadthauptmann“ genannt. 1853 wurde die Bezeichnung in „Polizeidirektor“ umbenannt. Polizeidirektor Anton Ritter von Le Monnier erhielt die Berechtigung, ab 1. Juli 1873 den Titel „Präsident der Polizeidirektion in Wien“ zu führen. Allerdings starb er zwei Wochen zuvor. So war sein Nachfolger Wilhelm Marx Freiherr von Marxberg der erste „Präsident der Polizeidirektion Wien“. 1874 bezog die Polizeidirektion Wien das ehemalige Hotel „Austria“ am Schottenring 11. Das Hotel war für die Weltausstellung 1973 in Wien errichtet worden.
Der erste Leiter, der den Amtstitel „Polizeipräsident“ führte, war Eugen Seydel (1933–1934). In der NS-Diktatur wurde diese Bezeichnung beibehalten. Der nach Kriegsende im April 1945 von der russischen Kommandantur eingesetzte Leiter des Polizeilichen Hilfsdienstes“ Rudolf Hautmann führte den Titel „Zentralpolizeichef“. Am 13. Juni 1945 wurde die Wiener Polizeidirektion wiedererrichtet und die Leiter wieder zu „Polizeipräsidenten“. Das Polizeidirektionsgebäude am Schottenring 11 war im Frühjahr 1945 durch Fliegerbomben schwer beschädigt worden und wurde später abgerissen. Die Polizeidirektion übersiedelte in das Palais Erzherzog Wilhelm am Parkring 8 im ersten Bezirk; das Generalinspektorat der Sicherheitswache und das staatspolizeiliche Büro befanden sich im Nebenhaus in der Zedlitzgasse 8. 1974 wurde das neu errichtete Direktionsgebäude am Schottenring 7-9 neben dem Grundstück der alten Polizeidirektion bezogen. Mit der am 1. September 2012 in Kraft getretenen Sicherheitsbehörden-Reform wurde der Amtstitel des Wiener Polizeichefs in „Landespolizeipräsident“ geändert.

Werner Sabitzer

Quellen/Literatur:
Archiv der Landespolizeidirektion Wien
Bibl, Viktor: Die Wiener Polizei, Wien 1927
Kallbrunner, Josef: Die Wiener Polizei im Zeitalter Maria Theresias. In: Monatsblatt des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien 1916, S. 237 ff.
Kallbrunner Josef: Zur Geschichte der Theresianischen Polizei. In: Monatsblatt des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. 1918, S. 142 ff.
Oberhummer, Hermann: Die Umwandlung des Theresianischen Polizeiamtes in die Oberpolizeidirektion. In: Monatsblatt des Vereins für Geschichte der Stadt Wien. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien 1919-1938. 1929, S. 13 f.
Oberhummer, Hermann: Die Wiener Polizei. 200 Jahre Sicherheit in Österreich, Wien 1937
Sabitzer, Werner: Lexikon der inneren Sicherheit. Neuer wissenschaftlicher Verlag, Wien/Graz 2008


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 5-6/2024

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