Opferschutz

Ansprüche von Polizeibediensteten

Führungskräfte und Personalvertreterinnen und -vertreter der Landespolizeidirektion Wien wurden am 18. Oktober 2023 bei einer Veranstaltung des Referats A1.4 Mitarbeiterbetreuung zum Thema Opferschutz für Polizeibedienstete informiert.

Da in den Beratungen und Gesprächen mit betroffenen Kolleginnen und Kollegen festgestellt werden konnte, dass der Opferstatus und damit verbundene Rechte nur dem Gegenüber (den Zivilisten), nicht aber auch sich selbst zuerkannt wird, entstand die Idee zu dem Info-Tag“, sagte Angelika Schäffer-Fischill, Leiterin der Mitarbeiterbetreuung der Landespolizeidirektion (LPD) Wien.

Gewalt am Arbeitsplatz.

Opferschutzveranstaltung in der LPD Wien: Karlheinz Dudek, Xenia Zauner, Michael Lepuschitz, Angelika Schäffer-Fischill (alle LPD Wien), Natascha Smertnig, Rechtsanwalt Franz Galla (beide Weisser Ring), Christoph Muuß (LPD Wien)
Opferschutzveranstaltung in der LPD Wien: Karlheinz Dudek, Xenia Zauner, Michael Lepuschitz, Angelika Schäffer-Fischill (alle LPD Wien), Natascha Smertnig, Rechtsanwalt Franz Galla (beide Weisser Ring), Christoph Muuß (LPD Wien)
© Thomas Cerny

Bei der Veranstaltung wurden einerseits die Leistungen des Weissen Rings von Geschäftsführerin Natascha Smertnig dargestellt. Denn Gewalt am Arbeitsplatz ist eines der Schwerpunktthemen der Opferunterstützungseinrichtung. Andererseits wurden von Rechtsanwalt Franz Galla, Vorstandsmitglied Weisser Ring, sämtliche relevanten Rechtsmaterien vorgestellt und anhand von Praxisbeispielen näher erklärt. Neben den bekannten Bestimmungen der Strafprozessordnung (StPO) gab es Einblicke in das Verbrechensopfergesetz und das Gehaltsgesetz, dessen Bestimmungen früher im Wachebediensteten-Hilfeleistungsgesetz verankert waren.
Weiters gab es Einblicke in das Mediengesetz, wo es unter anderem um den Persönlichkeitsschutz im Einsatz geht. Um keinerlei Ansprüche oder Fristen zu versäumen, ist eine gute Kenntnis der Materie und eine rechtzeitige Antragsstellung von Nöten. Daher waren Führungskräfte und Personalvertretungsorgane als Zielgruppe dieses Info-Tages definiert.

Traumatisierende Einsätze.

Neben der Weisser-Ring-Geschäftsführerin referierten die Leiterin der Mitarbeiterbetreuung Angelika Schäffer-Fischill und Christoph Muuß vom Referat A1.4 über das Erkennen und den Umgang mit psychischen Auswirkungen von potenziell traumatisierenden Einsätzen. Hier wurde näher erläutert, welche Probleme bei bzw. nach einem potenziell traumatisierenden Ereignis auftreten können. Anhand von Praxisbeispielen wurde erklärt, welche Veränderungen bei betroffenen Kolleginnen und Kollegen auftreten können und wie Führungskräfte und Personalvertretungsorgane reagieren sollten. Nicht jeder „schlimme“ Einsatz bedeutet gleich ein Trauma bzw. führt sogleich zu einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Unterstützung.

An der Informationsveranstaltung nahmen Führungskräfte und Personalvertreter der LPD Wien teil
An der Informationsveranstaltung nahmen Führungskräfte und Personalvertreter der LPD Wien teil
© Thomas Cerny

Dennoch sollte man die Selbstfürsorge nicht außer Acht lassen und bei Bedarf professionelle Unterstützung suchen. Diese Unterstützung wird in Wien bei der Mitarbeiterbetreuung angeboten, eine Kontaktaufnahme ist ohne Einhaltung des Dienstweges möglich. Die Beratung selbst verläuft streng vertraulich und kann einen wesentlichen Beitrag bei der Aufarbeitung von aktuellen oder durchaus schon länger zurückliegenden Einsätzen leisten.

Die Kontaktdaten des Referates A1.4 Mitarbeiterbetreuung sowie sämtliche Unterlagen zur Veranstaltung sind am Sharepoint der LPD Wien abrufbar. Weiters wird auf das österreichweite Angebot des Peer-Supports des Psychologischen Dienstes im BMI verwiesen. Hier stehen speziell ausgebildete Kollegeninnen und Kollegen sowie Psychologinnen und Psychologen des Psychologischen Dienstes nach krisenhaften Einsätzen für Gespräche zur Verfügung.

Die Unterstützung des Weissen Rings reicht vom Beratungsgespräch über die gemeinsame Planung der nächsten Schritte bis hin zur psychosozialen und juristischen Prozessbegleitung (www.weisser-ring.at ).


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 3-4/2024

Druckversion des Artikels (PDF 302 kB)