Ausstellung 100 Jahre Interpol

100 Jahre Polizeikooperation

Am 7. September 2023 wurde im Foyer des Innenministeriums am Minoritenplatz in Wien eine Sonderausstellung über „100 Jahre Interpol“ eröffnet.

Dokumente über die Tagung 1923; BK-Direktor Andreas Holzer, Innenminister Gerhard Karner, Stephen Kavanagh (Interpol)
Dokumente über die Tagung 1923; BK-Direktor Andreas Holzer, Innenminister Gerhard Karner, Stephen Kavanagh (Interpol)
© Karl Schober

Im Herbst 1923 war Wien Gastgeberstadt einer großen kriminalpolizeilichen Konferenz: 138 Delegierte aus 20 Staaten berieten über Kriminalwissenschaften, internationale Verbrechensbekämpfung, staatenübergreifenden Informationsaustausch oder die Einführung einer internationalen Verkehrssprache der Polizei. Tagungsort war die damalige Polizeidirektion am Schottenring 11. Am letzten Tag, dem 7. September 1923, beschlossen die Teilnehmer, eine permanente Internationale Kriminalpolizeiliche Kommission – IKPK (Commission Internationale de Police) zu gründen und damit die Grundlagen für die heutige „Interpol“ zu schaffen.
Genau 100 Jahre später wurde im Bundesministerium für Inneres in Wien eine von der Abteilung für historische Angelegenheiten gestaltete Sonderausstellung zur Erinnerung an den Gründungstag der Interpol eröffnet. Innenminister Mag. Gerhard Karner und General Mag. Andreas Holzer, MA, Direktor des Bundeskriminalamts, konnten Interpol-Exekutivdirektor Stephen Kavanagh als Ehrengast begrüßen.
In der Ausstellung werden die verschiedenen Stationen der Interpol-Entwicklung geschildert. Dabei wird auch die Vorgeschichte behandelt: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die grenzüberschreitende Kriminalität zu: 1904 wurde in Paris das erste Abkommen unterzeichnet, in dem sich europäische Polizeibehörden zur Zusammenarbeit im „Mädchenhandel“ verpflichteten. Im Jänner 1912 auf der „1. internationalen Opiumkonferenz“ in Den Haag wurde erstmals ein staatenübergreifendes Drogenkontrollabkommen beschlossen. Bei einem internationalen Polizeikongress in Monaco im April 1914 wurde die Gründung einer internationalen Kommission für Polizeikooperation beschlossen. Aufgrund des Ausbruchs des 1. Weltkrieges sollte es allerdings bis 1923 dauern. Wiens Polizeipräsident Johann Schober setzte dafür die Initiativen.

Weltruf.

Exponate zum Thema Moulagen
Exponate zum Thema Moulagen
© Karl Schober

Die Wiener Polizei und die „Wiener Schule der Kriminalistik“ hatten damals Weltruf. Das wird in der Sonderausstellung mit Fotos und Schaustücken illustriert. So erhielt Polizeipräsident Schober etwa vom New Yorker Polizeichef im Jahr 1927 vier Beiwagen-Motorräder für die Wiener Sicherheitswache. 1928 wurden drei österreichische Polizeiexperten nach China entsandt, um das Sicherheitswesen im „Reich der Mitte“ zu reformieren. 1931 reisten zehn chinesische Polizeioffiziere nach Österreich, um in der Marokkaner Kaserne eine zweijährige Polizeiausbildung zu erhalten. Gertrude Wagner, Tochter eines Wiener Polizisten, verliebte sich dabei in den chinesischen Polizeioffizier Du Chengrong und folgte ihm bei seiner Rückkehr nach China, wo das Paar 1935 heiratete. Die außergewöhnliche Liebesgeschichte wurde verfilmt.
Johann Schober war der erste IKPK-Präsident. 1940 wurde die Zentrale von Wien nach Berlin verlegt, die Aktivitäten kamen zum Erliegen. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde die Kommission 1946 neu gegründet und ihr Büro in Paris eröffnet. 1956 wurden in Wien neue Statuten beschlossen und die Kommission erhielt die Bezeichnung „Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation“, kurz „Interpol“.

Interpol-Jubiläumstagung.

Vom 28. November bis 1. Dezember 2023 findet die Generalversammlung anlässlich des 100-jährigen Bestehens von Interpol wieder in Wien statt.
Die Sonderausstellung kann noch bis zum Jahresende im Foyer des Amtsgebäudes Minoritenplatz 9 besichtigt werden.

Gregor Wenda


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2023

Druckversion des Artikels (PDF 244 kB)