Kindesmissbrauch

Kooperation mit den Philippinen

Das Bundeskriminalamt kooperiert mit philippinischen Behörden in der Bekämpfung des sexuellen Kindesmissbrauchs. Unterstützung leistet die Verbindungsbeamtin des österreichische Bundesministeriums für Inneres in Thailand, die auch für die Philippinen zuständig ist.

Der Leiter und die Stellvertreterin des philippinischen Women and Child Protection Centers, die beiden BK-Ermittler und die österreichische Verbindungsbeamtin
Der Leiter und die Stellvertreterin des philippinischen Women and Child Protection Centers, die beiden BK-Ermittler und die österreichische Verbindungsbeamtin
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Chefinspektor Jürgen Ungerböck und Kontrollinspektor Roland Binder vom Referat „Sexualstraftaten und Kinderpornografie“ im Bundeskriminalamt führten im November 2022 Arbeitsgespräche mit Vertretern der philippinischen Nationalpolizei sowie dem National Bureau of Investigation in Manila. Im Mittelpunkt standen Verdachtsfälle von sexuellem Kindesmissbrauch mithilfe des Internets mit Bezügen zu Österreich.
„Die Philippinen sind traurigerweise das globale Epizentrum von sexuellem Kindesmissbrauch mithilfe des Internets. Dabei werden philippinische Kinder von ihren Bezugspersonen sexuell missbraucht und das kinderpornografische Material wird an Kunden im Ausland verkauft“, erklärt Chefinspektor Jürgen Ungerböck, Leiter des Referats „Sexualstraftaten und Kinderpornografie“ im Bundeskriminalamt. Hierbei ergeben sich immer wieder Bezüge nach Österreich, weshalb für die Abklärungen die Zusammenarbeit mit den philippinischen Behörden erforderlich ist.
„Die besondere Herausforderung bei den Philippinen-Fällen ist, dass dieser Kindesmissbrauch in vielen Fällen per Livestreaming in Echtzeit passiert. Die Beweissicherung ist schwierig und der virtuelle Missbrauch durch die österreichischen Verdächtigen ist schwer nachweisbar“, ergänzt Kontrollinspektor Roland Binder.

Unterstützung von der Verbindungsbeamtin.

Seit Februar 2019 ist die in Thailand stationierte BMI-Verbindungsbeamtin auf den Philippinen akkreditiert und hat Kontakte zu den philippinischen Behörden aufgebaut, die in diesem schwierigen Deliktsbereich ermitteln: Das Women and Child Protection Center der philippinischen Nationalpolizei und das National Bureau of Investigation sind die wichtigsten Ansprechpartner. Gemeinsam bilden beide Organisationseinheiten seit Februar 2019 mit anderen Partnern, etwa der Nichtregierungsorganisation International Justice Mission, das sogenannte „Philippine Internet Crimes Against Children Center“ (PICACC), wo die Missbrauchsfälle eingereicht, gesichtet und abgestimmt abgearbeitet werden.
„Es ist ernüchternd, mit welcher Menge an Verdachtsfällen von sexuellem Kindesmissbrauch über das Internet die Kollegen auf den Philippinen wöchentlich konfrontiert werden. In den vergangenen Jahren ist viel passiert und die Philippiner bekommen mittlerweile viel internationale Unterstützung bei Ermittlungen, operativen Einsätzen, im Ausbildungsbereich bis hin zu materieller Hilfe, um diese Fälle abzuarbeiten und die Kinder aus den Miss­brauchsverhältnissen zu lösen“, erklärt die Verbindungsbeamtin. „Der direkte Kontakt ist unerlässlich, um rasch Abklärungen durchführen zu können.“

Anstieg der Zahl an Fällen.

Seit 2014 wurde ein deutlicher Anstieg der Zahl an Missbrauchsfällen auf den Philippinen festgestellt, wobei meist ausländische „Kunden“ an die Eltern oder andere Bezugspersonen Geld überweisen. Im Gegenzug muss das Kind hinter einer Webcam sexuelle Handlungen an sich vornehmen. Laut Einschätzung von Experten gibt es mehrere Gründe, weshalb die Philippinen im internationalen Vergleich stark von sexuellem Missbrauch von Minderjährigen mithilfe des Internets betroffen sind: Neben den schwierigen sozio-ökonomischen Verhältnissen im Land haben die Philippinen eine hohe Arbeitslosenquote und viele Menschen haben Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Menschen suchen daher nach alternativen Einkommensmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass aufgrund der großen Diaspora im Ausland es flächendeckend Transaktionsmöglichkeiten im Land gibt, was die Überweisung von Geld vom ausländischen Konsumenten an den philippinischen Vermittler begünstigt. Es gibt auf den Philippinen eine sehr hohe Internetnutzung und Nutzung sozialer Medien. Da Englisch Amtssprache ist, gibt es keine Sprachbarrieren. Diese Faktoren bieten „optimale Rahmenbedingungen“ für sexuellen Kindesmissbrauch mithilfe des Internets.

Treffen.

Ungerböck und Binder haben vor Ort den Leiter des Women and Child Protection Centers der philippinischen Nationalpolizei sowie die Führungskräfte des National Bureau of Investigation getroffen. Im Mittelpunkt standen dabei ein komplexer österreichischer Ermittlungsakt sowie die Abstimmung zum operativen Vorgehen zur Abarbeitung der österreichischen Verdachtsfälle.
„Auch der Austausch mit anderen internationalen Kollegen in Manila hat uns bestätigt, dass wir in diesem Deliktsbereich nur die Spitze des Eisbergs sehen. Umso wichtiger ist es, dass der operative Austausch mit den philippinischen Kollegen funktioniert und wir vor Ort auch mit anderen Polizeiattachés im Wege über die Verbindungsbeamtin des Innenministeriums laufend vernetzt sind, um Verdachtsmomente rascher abklären zu können“, erklärt Ungerböck.


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 1-2/2023

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