Porträt

Einmal Polizist, immer Polizist

In den 1970er-Jahren war Polizist Herbert Zwickl das Gesicht der Wiener Polizei. Mit einer Plakatkampagne wurden Menschen für den Exekutivdienst rekrutiert.

Testimonials einst und jetzt: Herbert Zwickl, pensionierter Kriminalbeamter, ;Dominic Sklensky von der Wiener Polizei.
Testimonials einst und jetzt: Herbert Zwickl, pensionierter Kriminalbeamter, Dominic Sklensky von der Wiener Polizei.
© Bernhard Elbe

Polizisten sind Menschen, die es gewohnt sind, Verantwortung zu tragen und zu helfen, wo sie können – das ändert sich auch nach der Pensionierung nicht“, erzählt Herbert Zwickl, der seine Einberufung 1971 erhielt, nachdem er einige Jahre als Mechaniker bei einem Lkw-Unternehmen tätig war. „Ich habe viele Polizisten gekannt, die gemeint haben, man könne mich bei der Polizei gut gebrauchen. Schließlich habe ich die Aufnahmeprüfung in der Marokkanerkaserne in Wien gemacht, die damals ein Diktat, eine mathematische Prüfung und eine ärztliche Untersuchung umfasste.“

Rekrutierung.

Herbert Zwickl (re.) mit Klassenkameraden: Sie feierten im Frühjahr 2022 ihr 50-jähriges Dienstjubiläum.
Herbert Zwickl (re.) mit Klassenkameraden: Sie feierten im Frühjahr 2022 ihr 50-jähriges Dienstjubiläum.
© Privat

Während seiner Zeit in der Polizeischule wurde Zwickl von seinem Lehrer als Testimonial für eine Rekrutierungskampagne vorgeschlagen. „Ein Fotograf hat mich aus der Klasse geholt, innerhalb einer Stunde waren die Fotos fertig und sind dann in ganz Wien aufgehängt worden“, schildert er. Nach Absolvierung der Polizeischule war Zwickl auch als Polizeiwerber im Bezirk Mödling in Niederösterreich unterwegs und hat Kontakt zu den Bezirkshauptmännern, Bürgermeistern und Arbeitsämtern hergestellt. „In persönlichen Gesprächen habe ich jungen Menschen von den Vor- und Nachteilen des Polizeiberufs erzählt. Es ist mir darum gegangen, sie für den Beruf zu begeistern und ihnen gleichzeitig ein realistisches Bild zu vermitteln. Über die Einstellungen und die Tauglichkeit des potenziellen Bewerbers habe ich mich dabei auch gleich informieren können“, sagt der ehemalige Polizeiwerber, der insbesondere auch Vorträge vor Abrüstern in Bundesheer-Kasernen, Rotkreuz-Mitarbeitern und Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr hielt. „Der Hintergedanke war, dass jeder, der schon mal Uniform getragen hat, eine Beziehung dazu hat.“ Bereits in den ersten zwei Monaten konnte er 113 Personen für den Polizeidienst anwerben.

Karriere.

Herbert Zwickl als Judolehrer in der Kadettenschule der Wiener Polizei.
Herbert Zwickl als Judolehrer in der Kadettenschule der Wiener Polizei.
© Privat

Nebenberuflich hat Zwickl die Berufsreifeprüfung absolviert und den Pilotenschein gemacht. Nach seiner Tätigkeit als Polizeiwerber wechselte er zur Motorradpolizei und dann in den Kriminaldienst. Er war außerdem Mitbegründer der Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus (EBT) und am Aufbau der „Sonderkommission Briefbomben“ beteiligt. Einige Jahre war er in seinem Heimatbezirk Ottakring als Streifenpolizist tätig. „Ich war dort gut vernetzt, wir sind alle gemeinsam aufgewachsen. Zu einem Teil sind wir zur Polizei, zur Rettung oder zur Feuerwehr gegangen, zum anderen sind aber auch Pülcher dabei gewesen. Wenn jemand polizeilich gesucht worden ist, hat es nie lange gedauert, bis ich die entsprechenden Auskünfte bekommen habe“, erzählt Zwickl, der 1947 in Wien geboren wurde. „Eine Polizistin oder ein Polizist sollte generell den Kontakt mit Menschen suchen, sich mit jedem unterhalten können und schauen, wo man helfen kann. Ein starker Charakter und hohes Allgemeinwissen sind dabei von Vorteil. Manchmal ist es auch notwendig, sich über die Grenzen des Berufs hinaus zu engagieren und um die Ecke denken zu können.“

Damals und heute.

„Polizistinnen und Polizisten sollten körperlich fit sein. Dass der Sporttest mittlerweile ein großer Teil der Aufnahmeprüfung ist, finde ich eine sehr gute Entwicklung“, sagt Zwickl, der selbst seit seiner Jugend hobbymäßig geboxt hat und später auch als Judolehrer in der Kadettenschule tätig war. „Was sich noch zum Positiven verändert hat, sind die klaren Rollenverteilungen und der Professionalisierungsgrad jeder Position. Ein Beispiel: Heutzutage sind die Funksprecher Profis und wissen, was für welchen Einsatz angefordert werden muss. Früher war das anders, da ist man mit sehr wenigen Infos hingefahren.“

Familie.

Seit fast 50 Jahren ist Herbert Zwickl verheiratet, hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder. „Meine Frau war früher Politesse – sie hat sogar einmal eine Reise nach Paris gewonnen, weil sie zur beliebtesten Politesse Wiens gewählt wurde“, sagt der 76-Jährige. „Sie kennt den Beruf. Daher war auch das Verständnis für Überstunden und belastende Einsätze da. Wir haben immer viel und offen miteinander geredet und teilen gemeinsame Interessen, zum Beispiel haben wir beide das Bedürfnis, möglichst viel von der Welt zu sehen. Dazu nutzen wir jetzt auch die Zeit nach meiner Pensionierung im Jahr 2004. Ich habe immer was geplant, zum Beispiel habe ich begonnen, Klavier zu spielen und mir einen Hund zugelegt. Deswegen war die Pensionierung eigentlich nur der Start eines neuen Lebens.“

Reisen.

Herbert Zwickl als Motorradpolizist im Einsatz.
Herbert Zwickl als Motorradpolizist im Einsatz.
© Privat

Das Amazonas-Gebiet, China, Indien, Borneo und viele weitere Ziele hat Herbert Zwickl schon besucht: „Gleich nach meinem Lehrabschluss habe ich meine Sachen gepackt und bin nach Paris gefahren, habe mir dort einen Job als Mechaniker gesucht und ein halbes Jahr bis zu meiner Einrückung dort gelebt. 1982 habe ich mit meiner Frau ganz Frankreich bereist in einem umgebauten Mercedes-Bus, in dem wir schlafen konnten.“ Auch auf seinen Reisen hat der Polizist viele Kontakte geknüpft: „Im Zuge meiner Planung nehme ich immer im Vorhinein mit den lokalen Polizeibehörden Kontakt auf und arrangiere ein Treffen vor Ort. Sie freuen sich, einen Polizisten aus Wien kennenzulernen und ich bekomme Tipps zu den örtlichen Gegebenheiten. Man fühlt sich als Teil einer großen Polizeifamilie. Es ist ein Beruf, der über Ländergrenzen und auch generationenübergreifend verbindet. Auch wenn sich die Strukturen und Herausforderungen verändern, mit denen man arbeitet, teilt man doch ähnliche Erlebnisse aus dem Polizeialltag.

50 Jahre liegen zwischen den beiden Rekrutierungskampagnen, deren Testimonials Herbert Zwickl in den 1970er-Jahren und Dominic Sklensky im Jahr 2022 sind. Derzeit setzt man den Fokus auf Online-Werbung, vor allem auf der Plattform „TikTok“. „Soziale Netzwerke sind auch ein wichtiger Teil meines Lebens, vor allem, um schnell an Infos zu kommen. Die Polizei muss mit der Zeit gehen und da kommt man um Social Media in der Polizeiarbeit und in der Polizeiwerbung nicht herum“, betont Zwickl.

Auf dem TikTok-Kanal „diepolizei“ findet man ein Video des Treffens der beiden Testimonials, „Es war für mich sehr interessant zu hören, welche Aspekte des Polizeiberufs sich verändert haben und was bis heute gleichgeblieben ist. Den Austausch finde ich wichtig, weil man ja immer aus der Vergangenheit lernen kann“, sagte Dominic Sklensky, der seit 2010 bei der Polizei ist. Der dienstführende Beamte verrichtet derzeit Dienst im 11. Wiener Bezirk.

Anna Strohdorfer


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2022

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