Polizeigeschichte

800 Jahre Wiener Polizeiwesen

Mit dem Stadtrechtsprivileg vom Oktober 1221 begann in Wien die Geschichte des organisierten Polizeiwesens. Im Lauf der 800 Jahre gab es eine Reihe von Polizeiwachen.

Historische Polizeiuniformen bei der Parade 2019 in der Wiener Innenstadt anlässlich 150 Jahre Wiener Sicherheitswache.
Historische Polizeiuniformen bei der Parade 2019 in der Wiener Innenstadt anlässlich 150 Jahre Wiener Sicherheitswache.
© Bernhard Elbe

Als Herzog Leopold VI. von Österreich am 18. Oktober 1221 Wien das Stadtrechtsprivileg gewährte, wurde eine Stadtwache aufgestellt. Dieses Datum gilt als Beginn des Polizeiwesens in Wien. Später wurden besoldete Wächter eingestellt und es gab eine Torwache und eine Nachtwache. Im 15. Jahrhundert wurde auch eine Bürgerwehr aufgestellt. 1531 wurde zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung eine Tag- und Nachtwache eingerichtet. 1543 wurde die Tag- und Nachtwache getrennt. Nach der Gründung der Stadtguardia gab es die Wächter weiterhin, sie spielten aber eine untergeordnete Rolle. Im 16. Jahrhundert gab auch eine kleine Wache (Scartwacht) des Wiener Bürgermeisters.

Stadtguardia.

1569 wurde die Wiener Stadtguardia aufgestellt. Sie entstand vermutlich aus Teilen der Tagwache und der Nachtwache. Die Stadtguardia bestand aus einem Hauptmann und 70 Landsknechten. Sie war zuständig für den Schutz der inneren Stadt, die Bewachung der Stadttore und zur Unterdrückung von „Rumor und Aufläufen“.
Die Stadtguardia wurde am 1. August 1580 dem Stadthauptmann unterstellt und auch für den Polizeidienst in den Vorstädten herangezogen. Sie wurde von der Stadt Wien bezahlt. 1582 wurde sie in ein „kayserliches Fähndl“ umgewandelt. Die Besoldung erfolgte von da an aus dem Budget der Monarchie. Ab 1587 waren die Guardisten auch für die Meldezettel zuständig und damit für die Agenden der Fremdenpolizei. 1618, zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, wurde die Stadtguardia in ein kaiserliches Regiment mit drei Bataillonen umgewandelt und die Zahl der Guardisten von 500 auf ca. 1.200 Mann erhöht. Die Stadtguardia war bei den Bewohnern Wiens unbeliebt. Die Wächter verdienten wenig und machten den Gewerbetreibenden Konkurrenz, indem sie Verkaufsläden betrieben und auch Wein und Bier ausschenkten. Sie oder ihre Frauen erwarben die von Bauern in die Stadt gebrachten Lebensmittel und verkauften sie mit Aufschlag an die Stadtbewohner weiter. Der Hofkriegsrat unternahm gegen die Beschwerden der Bürger nichts und verwies darauf, dass die Bewachung der Tore und die Handhabung des Sicherheitsdienstes im Inter­esse der Wiener Bevölkerung sei.

Wiens Polizeigeschichte: Stadtguardia, Rumorwache, Militärpolizeiwache, Schwurkreuz der Wiener Sicherheitswache.
Wiens Polizeigeschichte: Stadtguardia, Rumorwache, Militärpolizeiwache, Schwurkreuz der Wiener Sicherheitswache.
© Polizeiarchiv (3), Werner Sabitzer

Rumorwache.

1646 beschloss die niederösterreichische Regierung, in Wien die Rumor- und Stadtsicherheitswache mit hauptsächlich ordnungspolizeilichen Aufgaben einzurichten. Auslöser war ein Streit zwischen der Stadtguardia und der Regierung wegen des Warenvorkaufs durch die Guardisten bzw. deren Frauen. Die neue Wache sollte in jenen Gassen Dienst versehen, in denen die Stadtguardia nicht hinkam. Die beiden Wachen vertrugen sich nicht, es kam insbesondere bei den Stadttoren zu Zwistigkeiten bis hin zu gegenseitigen Festnahmen. Die Rumorwächter wurden ganz oder teilweise von der Stadt Wien bezahlt; übergeordnete Behörde war die niederösterreichische Regierung.

Militär-Polizeiwache.

1741 ließ Maria Theresia die Stadtguardia auflösen, 1773 auch die Rumorwache und die Reste der Tag- und Nachtwache. 1775 wurde die Militärpolizeiwache aufgestellt. Sie hatte für Ruhe und Ordnung auf den Straßen zu sorgen, Gesetzesübertretungen anzuzeigen und Festnahmen vorzunehmen.
Viele Wachleute stammten aus anderen Kronländern und sprachen schlecht Deutsch. Wie die Stadtguardia zuvor war die Militär-Polizeiwache bei den Bewohnern unbeliebt.

Zivil-Polizeiwache.

Im Dezember 1791 wurde in Wien eine 64 Mann starke uniformierte „Civil-Polizei- und Bezirkswache“ für kriminalpolizeiliche Tätigkeiten aufgestellt. Sie wurde 1793 nach Protesten der Militärbehörden aufgelöst. Für den Ausforschungsdienst wurden nun „Polizeidiener“ eingesetzt. 1807 wurde die Zivil-Polizeiwache wiedererrichtet. Sie machte Straßenpatrouillen, bewachte Brücken, kontrollierte die Fuhrwerke, nahm Bettler und Vagabunden fest, bewachte und eskortierte Festgenommene und hatte eine Reihe von Ordnungsaufgaben. Die Wache war hauptsächlich für den kriminalpolizeilichen Geheimdienst zuständig.

Polizeiagentenkorps.

Im März 1872 nahm in Wien das „Institut der k. k. Polizeiagenten“ die Arbeit auf. Das Institut war laut § 1 des Organisationsstatuts ein nicht uniformierter Zivilwachkörper zur Unterstützung der Behörden bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit sowie in der Handhabung der bestehenden Gesetze und Verordnungen durch Versehung des Exekutivdienstes und sonstiger Hilfsdienste. Die Polizeiagenten versahen Informations-, Erhebungs-, Überwachungs- und Ausforschungsdienst. Im November 1919 wurde die Bezeichnung „Polizeiagent“ in „Kriminalbeamter“ geändert. Das Polizeiagentenkorps erhielt die Bezeichnung „Kriminalbeamtenkorps“. Die Kriminalitätsbekämpfung wurde intensiviert.

Gewölbewache.

Im November 1850 wurde in Wien neben der Militärpolizeiwache die Gewölbewache eingerichtet. Sie war für die Bewachung von Geschäftslokalen zuständig und wurde über Beiträge der Gewölbebesitzer und Geschäftsleute finanziert. Die Gewölbewache wurde 1870 dem Zentralinspektorat der neuen k. k. Sicherheitswache unterstellt und in einen Zivilwachkörper umgewandelt. Nach dem Ende der Monarchie übernahm die im November 1918 aufgestellte Stadtschutzwache die Aufgaben der Gewölbewache.

Sicherheitswache.

Kaiser Franz Joseph I. genehmigte am 2. Februar 1869 die Auflösung der Militär-Polizeiwache und die Errichtung der k. k. Wiener Sicherheitswache. Hauptaufgabe der Sicherheitswache als „Zivilinstitut“ war die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit. Die Wachleute hatten das Eigentum zu schützen und über die Befolgung der Gesetze zu wachen, die Staats- und Gemeindebehörden bei ihren Amtshandlungen zu unterstützen und Übelstände zu melden. Wesentliche Aufgabe der Polizei in Wien war es nach dem Ersten Weltkrieg, die Ordnung und Sicherheit wieder einigermaßen herzustellen. Zwei zusätzliche Wachen wurden errichtet – die Stadtschutzwache und die Bahngendarmerie. Der Stand der Sicherheitswache wurde Ende 1918 auf 5.216 Mann und 1919 auf 7.801 erhöht.
Nach der nationalsozialistischen Macht­übernahme 1938 wurde aus der Sicherheitswache die Schutzpolizei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sicherheitswache wiedererrichtet.

Bundespolizei.

Mit der am 1. Juli 2005 in Kraft getretenen großen Polizeireform wurden die Sicherheitswache, die Bundesgendarmerie, das Kriminalbeamtenkorps und Teile der ehemaligen Zollwache zur neuen, österreichweit einheitlichen „Bundespolizei“ mit neuer, dunkelblauer Uniform zusammengeführt.

Städtische Sicherheitswachen.

In Krisenzeiten stellte die Stadt eigene Sicherheitswachen auf, wie die Munizipalgarde (1848), die provisorische Stadtwache (1866) und die Gemeindeschutzwache bzw. Gemeindewache (1927). Die heutige Rathauswache ging aus der Gemeindewach hervor.

Werner Sabitzer


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2021

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