Lebensretter

Rettung aus tödlicher Gefahr

Innenminister Karl Nehammer überreichte Polizistinnen und Polizisten die „Goldene Medaille am roten Bande“ – die „Lebensrettermedaille“ – für ihre lebensrettenden Einsätze.

Innenminister Karl Nehammer bedankte sich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihre mutigen Einsätze.
Innenminister Karl Nehammer bedankte sich bei den Polizistinnen und Polizisten für ihre mutigen Einsätze.
© Karl Schober

Sie haben durch ihr mutiges und selbstloses Einschreiten das Leben von Menschen gerettet. Ich empfinde Demut und Anerkennung gegenüber der Einsatzbereitschaft der Ausgezeichneten“, sagte Innenminister Karl Nehammer am 19. Juli 2021 in Wien bei der Ehrung von zwei Polizistinnen und neun Polizisten. „Wenn es aus meiner Sicht etwas gibt auf der Welt, das kaum zu übertreffen ist, dann ist es die Fähigkeit, Menschenleben zu retten. Für diese Heldentaten spreche ich Ihnen meinen Dank und meine Anerkennung aus“, sagte der Innenminis­ter. Am 26. Juli 2021 zeichnete der Innenminister weitere elf Polizisten als Lebensretter aus.

Frau aus verrauchter Wohnung gerettet.

Geehrt wurden zwei Beamte der Landespolizeidirektion Kärnten, die am 9. Oktober 2019 in Klagenfurt eine Frau aus einer stark verrauchten Wohnung retteten. Die Frau war orientierungslos, als die Beamten in die Wohnung gelangten. Den Polizisten gelang es, die gesundheitlich stark beeinträchtigte Frau ins Freie zu bringen und dem Notarzt zu übergeben, der sie ins Klinikum Klagenfurt einlieferte. Beide Polizisten mussten sich aufgrund von Atem- und Bindehautbeschwerden zu Behandlungen ins Krankenhaus begeben.

Aus Bergnot gerettet.

Karl Nehammer mit Lebensrettern aus Kärnten und deren Chefin, Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß.
Karl Nehammer mit Lebensrettern aus Kärnten und deren Chefin, Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß.
© Karl Schober

Ein Pilot der Flugeinsatzstelle Klagenfurt und ein Flight-Operator retteten am 19. Dezember 2019 im Skigebiet Ankogel in Kärnten einen slowakischen Snow­boarder aus einem stark vereisten Gebiet. Der Mann wollte zu einer Langlaufloipe abfahren, geriet vor einem steil abfallenden Wasserfall auf vereisten Untergrund und konnte aus eigener Kraft nicht mehr nach oben steigen. Bei Windböen steuerte der Pilot den Polizeihubschrauber in die enge Schlucht und stabilisierte ihn soweit, dass der Flight-Operator eine Rettung mit dem Tau vornehmen konnte. Die gesamte Rettungsaktion war für die beiden Beamten mit hohem Risiko verbunden, da der Hubschrauber bei diesen Bedingungen mit verminderter Leistung fliegen konnte. Im Schwebeflug bestand die Gefahr, dass bei plötzlichem Nachlassen des Windes der Hubschrauber nach unten wegsacken konnte.

Mann aus Fluss gerettet.

Drei Kollegen der Polizeiinspektion Klagenfurt/St. Peter retteten am 8. Juli 2020 einem Pensionisten das Leben. Der Mann war in Folge eines Fahrradunfalles in den Sattnitzfluss gestürzt, der einen hohen Wasserstand und eine starke Strömung aufwies. Die Beamten sprangen ins Wasser und versuchten, den Mann bis zum Eintreffen der Feuerwehr über Wasser zu halten. Dieser war bereits stark unterkühlt und mit seinen Kräften am Ende, weshalb sie ihn so schnell wie möglich aus dem Wasser bringen mussten. Über einen Steilhang konnten sie ihn schließlich aus dem Fluss an das Ufer verbringen und dem Notarzt übergeben.

Mann aus brennendem Auto gerettet.

Ein Polizist der Landespolizeidirektion Oberösterreich rettete am 18. Juli 2020 in Bad Aussee einen Mann aus einem brennenden Elektro-Fahrzeug. Bei der „Salzkammergut Mountainbike Trophy“ bemerkte der Beamte ein am Fahrbahnrand abgestelltes Elektro-Fahrzeug, das stark rauchte. Der Lenker, der sich außerhalb des Fahrzeuges befand, gab dem Beamten zu verstehen, dass sich sein geistig und körperlich beeinträchtigter 32-jähriger Sohn noch im brennenden Auto befand und sich nicht selbst befreien konnte. Der Polizist öffnete die Fahrzeugtür und befreite den Mann trotz starken Rauchs und großer Hitze aus dem Auto.

Mann vor dem Ertrinken gerettet.

Am 25. August 2020 retteten eine Polizistin und ein Polizist der Landespolizeidirektion Steiermark in Graz einen Mann aus der Mur. Der Mann war bei der Grazer Keplerbrücke in die Mur gestürzt und von der starken Strömung mitgerissen worden. Er schaffte es mit letzter Kraft in Ufernähe. Der Polizist sprang ins Wasser und konnte den Mann in drei Metern Entfernung vom Ufer ergreifen und an dessen Rucksackriemen in Richtung Mur-Promenade ziehen. Da die Strömung zusehends stärker wurde, sprang die Polizistin mit einem drei Meter langen Ast ebenfalls in die Mur. Unter enormer Kraftanstrengung gelang es beiden, den Mann an den Uferrand zu ziehen.

Frau aus brennendem Haus gerettet.

Geehrt wurde ein Polizist der Landespolizeidirektion Oberösterreich, der am 13. September 2020 in Vöcklamarkt eine Frau aus einem brennenden Wohnhaus rettete. Der Beamte wurde zu einem Brand in einem Einfamilienhaus gerufen. Über ein offenes Fenster im Erdgeschoß stieg er in das Haus ein. Im Haus bemerkte er, dass die 78-jährige Hausbewohnerin zugedeckt im Bett lag und das Bett bzw. die Bettdecke bereits in Flammen stand. Der Polizist ergriff die regungslose Frau an beiden Armen, zog sie aus dem Bett in den Flur und brachte sie in Sicherheit.

Mann aus brennendem Fahrzeug gerettet.

Innenminister Karl Nehammer und Polizeipräsident Gerhard Pürstl mit geehrten Polizisten aus Wien und ihren Angehörigen.
Innenminister Karl Nehammer und Polizeipräsident Gerhard Pürstl mit geehrten Polizisten aus Wien und ihren Angehörigen.
© Jürgen Markowecz

Am 31. Oktober 2020 retteten eine Polizistin und vier Polizisten in der Taborstraße in Wien nach einem Verkehrsunfall einen Mann aus einem brennenden Fahrzeug sowie eine eingeklemmte Person. Ein SUV hatte ein Fahrzeug auf den Gehsteig geschoben und Feuer gefangen. Zwischen den beiden Fahrzeugen und einem Lichtmast war eine Frau eingeklemmt und konnte nicht befreit werden. Der Lenker des SUVs war nicht ansprechbar. Zwei Beamte versuchten, mit Feuerlöschern das Feuer zu bekämpfen. Die anderen vier retteten den Lenker aus dem Wagen. Auch die eingeklemmte Person konnte aus der Gefahrenzone in Sicherheit gebracht werden. Die Feuerwehr löschte die Flammen, die bereits den Fahrgastraum des SUVs erreicht hatten. Der Gerettete bedankte sich in einem Brief bei seinen Rettern.

Menschen vor Suizid bewahrt.

Neben der Rettung von Menschen aus brennenden Häusern, Wohnungen, Fahrzeugen, Flüssen, Bergen wurden Beamte auch für die Rettung von selbstmordgefährdeten Menschen ausgezeichnet.

Wien-Donaustadt.

Eine Polizistin und ein Polizist von der Polizeiinspektion Sonnenallee in Wien-Donaustadt hielten am 20. August 2019 eine Frau vom Suizid ab. Die Frau hatte versucht, sich in ihrer Wohnung das Leben zu nehmen. Da die Wohnungstür versperrt war, kletterte der Polizist auf den Nachbarbalkon, von wo er auf den Balkon der gefährdeten Frau gelangte. Da die Frau keinerlei Vitalfunktionen aufwies, versuchte der Beamte die Frau mit einer Herzdruckmassage wiederzubeleben. Die Kollegin setzte einen Defibrillator bei der Frau ein. Die lebensrettenden Maßnahmen wurde bis zum Eintreffen der Rettung getätigt. Die Frau wurde ins Krankenhaus Nord gebracht.

Villach.

Zwei Beamte der Autobahnpolizeiinspektion Villach konnten am 24. November 2019 eine Frau vom Sprung von einer Autobahnbrücke abhalten. Die Frau stand beim Eintreffen der beiden Polizisten bereits zwischen der Leitschiene und dem Brückengeländer und vermittelte den Eindruck, dass sie jederzeit springen würde. Sie beugte sich so weit über das Geländer, dass sie lediglich mit der rechten Fußspitze die Balance halten konnte. Jede weitere Bewegung hätte in diesem Moment den Fall in die Tiefe bedeutet. Die Beamten näherten sich behutsam und verwickelten die Frau in ein Gespräch. Als sie nahe genug an ihr waren, packten die Beamten sie zeitgleich an ihrer Kleidung und konnten sie so aus dem Gefahrenbereich retten.

Wien-Ottakring.

Ein Polizist rettete am 2. Februar 2020 in Wien-Ottakring eine lebensmüde Frau vor dem Suizid. Die Frau saß im Fenster ihrer Wohnung im dritten Stock. Ein Passant hatte berichtet, dass die Frau zuvor freihändig auf dem Fensterbrett gestanden war und springen wollte. Da die Betroffene auf Zurufe nicht reagierte, begab sich der Beamte mittels Drehleiter zum Fenster. Er forderte die Frau auf, sich in die Wohnung zu begeben. Doch sie reagierte nicht. Da die Gefahr eines Sturzes nicht auszuschließen war, kletterte der Polizist über den Korb und sprang mit aller Kraft Richtung Wohnung der im dritten Stock sitzenden Frau. Während des Sprunges erfasste er den linken Arm der Lebensmüden und zog sie mit in die Wohnung. Die Frau leis­tete keinen Widerstand. Da die Person nach eigenen Angaben an Depressionen litt und besachwaltet war, wurde sie von der Amtsärztin ins SMZ Ost eingewiesen.

Wien-Neubau.

Zwei Polizisten bewahrten am 27. Februar 2020 in Wien-Neubau eine Frau vom Sprung des Daches der Hauptbibliothek in Wien. Sie versuchten, die Frau durch Zureden von ihrem Vorhaben abzubringen und sie zum Herabsteigen zu bewegen. Da sich die Frau nicht beruhigen ließ, begaben sich die Beamten auf das Dach, obwohl die Sicherungsmaßnahmen der Feuerwehr noch nicht aufgezogen waren. Als die Beiden am Dach ankamen, verwickelten sie die Frau in ein Gespräch. Da die hochgradig nervöse Frau bei jedem Näherkommen der Beamten damit drohte, sich vom Dach zu stürzen, blieben sie zunächst auf Abstand. In unbeobachteten Momenten und in kleinen Schritten kamen sie ihr näher. Die Suizidgefährdete setzt sich auf die Dachkante, beugte sich nach vorne und stand plötzlich auf. Die Beamten konnten die Frau ergreifen und sichern. Die gesamte Aktion wurde nur wenige Meter neben der Dachkante durchgeführt.


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2021

Druckversion des Artikels  (PDF, 437 kB)