GEMEINSAM.SICHER in Österreich

„Rapoldipark is back“

Sicherheitsmobil im Rapoldipark: Beate Bradlwarter und Mario Hechenblaickner beraten Bürger und geben Sicherheitstipps.
Sicherheitsmobil im Rapoldipark: Beate Bradlwarter und Mario Hechenblaickner beraten Bürger und geben Sicherheitstipps.
© Gerd Pachauer

Sein Licht leuchtet wieder, dort, wo bis 2018 die Menschen in Innsbruck immer wieder düstere Momente erleben mussten. Heute meiden die Menschen den Park nicht mehr, heute gehört er wieder ihnen.

Dieser Park ist ein Kleinod, ein Paradies für Naturfreunde, ein Anziehungspunkt für Familien, Kinder, Senioren. „Rapoldipark is back“, hatte 2018 jemand bemerkt. Sein Licht leuchtet wieder, strahlend hell auch an diesem 22. Juli 2021: Großartig, wie sich das Licht der Sonne im Wasser des Teichs spiegelt. Wie Mädchen und Buben vom angrenzenden Kindergarten im Gras toben. Wie ältere Frauen und Männer auf Parkbänken verweilen. Wie zwei Mütter mit Kinderwägen das Teichufer entlang schlendern. Wie Radfahrer über asphaltierte Wege rollen oder ihr Rad gemächlich durch diese Naturoase schieben. Es wirkt, als gäbe das Sonnenlicht den Menschen die Schönheit der Parkanlage zurück. Früher war das anders.
„Es hat Zeiten gegeben, da wurde der Rapoldipark immer wieder von Problemgruppen in Beschlag genommen“, sagt Brigadier Martin Kirchler, Leiter des Büros Organisation, Strategie und Dienstvollzug in der Landespolizeidirektion (LPD) Tirol.
„Das Sicherheitsgefühl im Park war sehr schlecht, er wurde gemieden, weil man an diesen Gruppen nicht vorbeigehen wollte, nicht angepöbelt werden wollte.“ Und Kirchler weiß, wovon er spricht: Von 2005 bis 2020 war er im Stadtpolizeikommando tätig, zuletzt als Kommandant, danach wechselte er als Büroleiter in die LPD. „Der Rapoldipark war von Beginn an ein Thema“, sagt er. Aber erst 2018, mit dem Start des Sicherheitsforums „Rapoldipark“ im Zuge der Initiative GEMEINSAM. SICHER seien nachhaltige Erfolge „und aus meiner Sicht sensationelle Ergebnisse“ für den Park erzielt worden.

Naherholungsgebiet in der Stadt.

Rapoldipark in Innsbruck: Die Polizei und die Stadtverwaltung haben Maßnahmen gesetzt, damit der Park wieder eine Begegnungszone und ein Knotenpunkt in der Stadt wird.
Rapoldipark in Innsbruck: Die Polizei und die Stadtverwaltung haben Maßnahmen gesetzt, damit der Park wieder eine Begegnungszone und ein Knotenpunkt in der Stadt wird.
© Gerd Pachauer

„Der Rapoldipark gehört wieder den Familien“, sagt Oberst Romed Giner, Innsbrucks Stadtpolizeikommandant. „Weil sich im Zuge des ‚Sicherheitsforums Rapoldipark‘, im Sinne von GEMEINSAM.SICHER, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, vom Stadtpolizeikommando, der Innsbrucker Kommunalbetriebe AG (IKB), von unterschiedlichen Einrichtungen sowie Anrainerinnen und Anrainern in mehreren Gesprächsrunden zusammengesetzt und analysiert haben, wo die Probleme liegen, wie diese bewältigt werden können und wer das Seinige dazu beitragen kann.“
Der Rapoldipark sei ein Paradebeispiel für die Initiative „GEMEINSAM.SICHER“, hebt der Stadtpolizeikommandant hervor. „Wir haben den Kontrolldruck der Polizei erhöht, es wurde in eine intelligente Beleuchtung investiert und ein massiver Strauch- und Baumschnitt vorgenommen – somit konnte der Park wieder seiner ursprünglichen Widmung übergeben werden.“ Er stehe wieder als Naherholungsgebiet für den städtischen Bereich zur Verfügung, ergänzt der Stadtpolizeikommandant. „Der Kinderspielplatz für Kindergärten, der Teich für Familien, und für viele Menschen als Durchzugsgebiet vom Stadtteil ‚Pradl‘ in die Innenstadt.“

Reduktion von Straftaten.

„Die Probleme lagen unter anderem darin, dass Drogengeschäfte abgewickelt wurden, benutzte Spritzen von Suchtkranken herumlagen, es hin und wieder auch zu strafrechtlichen Delikten gekommen war“, sagt Chefinspektor Hubert Thonhauser, Kommandant der Polizeiinspektion Pradl in Innsbruck und Sicherheitsbeauftragter der Initiative „GEMEINSAM.SICHER“. Es seien laufend Beschwerden eingegangen, Kinder könnten sich nicht mehr frei bewegen, könnten nicht mehr im Park spielen, ohne Gefahr zu laufen, sich zu verletzen, was wiederum Ängste in der Bevölkerung hervorgerufen habe, ergänzt der Inspektionskommandant. „Man hat verschiedene Varianten versucht, anfangs mit einer Videokamera, auch mit dem Einrichten einer Schutzzone, aber erst mit Bestrebungen in Richtung GEMEINSAM.SICHER hat sich das Leben im Park nachhaltig verändert.“

Lichtkonzept.

Wirklich ausschlaggebend sei das Lichtkonzept mit den 70 Kameras für den Park gewesen, das von den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB) konzipiert und umgesetzt wurde, sagt Thonhauser. Weil man jeden Winkel des Parks sehe. „Seitdem haben sich die Straftaten massiv reduziert, der Suchtgifthandel ist auf eine marginale Größe geschrumpft und die Sicherheitssituation im Park hat sich immens gebessert.“

Zusammenspiel von Polizei, Bürgern und Stadt.

Wie wichtig der Rapoldipark, neben dem Hofgarten Innsbruck die größte Grünanlage von Tirols Hauptstadt, für die Menschen der Stadt ist, wie wichtig der Brückenschlag von Polizei, Bürgerinnen und Bürgern und Stadt war, erklärt Ing. Mag. Johannes Anzengruber, Vizebürgermeister der Stadt Innsbruck: „Der Rapoldipark ist eine Begegnungszone und ein Knotenpunkt in der Stadt – es war hier wichtig, dass das Miteinander funktioniert, dass Menschen, dass Familien mit Kindern, keine Hemmungen haben, durchzugehen, zu verweilen, sich aufzuhalten, um die Natur im Park genießen zu können.“
Der Vizebürgermeister hebt das Zusammenspiel von Polizei, Bürgern und der Stadt hervor: „Aus der Vorgeschichte wusste man, dass es Problemzonen gab im Park. Deshalb hat man sich die Probleme an Ort und Stelle angesehen, Lösungsansätze gesucht, den Brückenschlag über Politik zur Sicherheitsbehörde und Polizei gezogen, und gemeinsam Lösungen erarbeitet, sodass wir wieder einen schönen Park in Innsbruck mit einem großen Naherholungs- und Mehrwert haben.“

Büro auf vier Rädern.

Hubert Thonhauser: „Die Menschen trauen sich wieder in den Park.“
Hubert Thonhauser: „Die Menschen trauen sich wieder in den Park.“
© Gerd Pachauer

Mit dabei an diesem 22. Juli 2021 sind auch Mario Hechenblaickner und Beate Bradlwarter vom Fachbereich 04 der Kriminalpolizei. „Wir sind zuständig für Kriminalprävention bei Veranstaltungen in der Stadt Innsbruck und helfen den Kolleginnen und Kollegen im Rahmen der Initiative GEMEINSAM.SICHER“, sagt Hechenblaickner. „Heute unterstützen wir mit dem Sicherheitsmobil, das unter anderem runde Tische bietet, die wir aufstellen, um den Menschen Gespräche in angenehmer Atmosphäre bieten zu können.“ Man sei gut ausgerüstet, mit diesem Büro auf Rädern, sagt er. „Wir verteilen Informationsmaterial, Broschüren und auch GEMEINSAM.SICHER-Giveaways.“
Das Sicherheitsmobil sei vor der Pandemie einmal in der Woche im Park gestanden, seit der Pandemie habe sich das verändert, weil Zusammenkünfte nicht erlaubt waren, ergänzt Thonhauser. „Im Herbst wollen wir es wieder verstärkt zum Einsatz bringen, weil der Zuspruch sehr groß ist.“

Das Sicherheitsforum Rapoldipark

Das Sicherheitsforum Rapoldipark startete 2018 und war ein längerer Prozess mit mehreren Sicherheitsforen, der Ausarbeitung eines Sicherheitskonzepts und der Präsentation in der Öffentlichkeit.“ Der Erfolg sei einzigartig, denn: „Die Problemgruppen meiden seitdem den Park und er kann wieder von den Menschen der Stadt genützt werden“, bringt Büroleiter Kirchler das Erfolgsprojekt „Rapoldipark“ auf den Punkt.

Reinhard G. Leprich


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2021

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