Exekutivgeschichte und Traditionspflege

Projekt „trifft“ Fachzirkel

Das BMI-Projekt „Die Polizei in Österreich: Brüche und Kontinuitäten 1938-1945“ bildete den Schwerpunkt der Tätigkeiten beim 3. Fachzirkel „Exekutivgeschichte und Traditionspflege“.

Fachzirkeltagung 2021 in Großarl: Teilnehmer aus dem BMI und den Landespolizeidirektionen.
Fachzirkeltagung 2021 in Großarl: Teilnehmer aus dem BMI und den Landespolizeidirektionen.
© Fachzirkel

Nach einjähriger coronabedingter Pause fand vom 4. bis 7. Oktober 2021 in Großarl (Salzburg) der 3. Fachzirkel „Exekutivgeschichte und Traditionspflege“ statt. Ministerialrat Mag. Dr. Joachim Steinlechner, Leiter des Fachzirkels im Bundesministeriums für Inneres (BMI), berichtete über die Tätigkeiten der Fachzirkel-Mitglieder in den Bundesländern, die von exekutiv-historischen Publikationen, über ressortinterne Fachausstellungen und Kooperationen/Arbeitsübereinkommen mit internen- und externen Forschungseinrichtungen und Archiven bis hin zu Sicherungs- und Archivarbeiten (Digitalisierungen) im gegenständlichen Arbeitsbereich reichen.
Neben den originären Tätigkeitsbereichen des Fachzirkels stand das BMI-Projekt „Die Polizei in Österreich: Brüche und Kontinuitäten 1938-1945“ im Zentrum der Seminartätigkeiten. Im Frühjahr 2021 beauftragte Innenminister Karl Nehammer, MSc ein Forschungsprojekt, um die Geschichte der Polizei zwischen 1938 und 1945 umfassend und transparent aufzuarbeiten. Die Forschungsergebnisse sollen die Grundlagen für eine umfassende und nachhaltige Auseinandersetzung mit der Geschichte des BMI bieten und der nationalen- und internationalen scientific community sowie der Öffentlichkeit zugänglich sein.
„Neben externen Wissenschaftlern, die in die Projekttätigkeiten eingebunden werden, stellt ressortintern der Fachzirkel die wichtigste Plattform im Projekt dar“, sagte Projektleiter Mag. Gerald Hesztera in seinem Eingangsstatement. „Die Expertise der Fachzirkel-Mitglieder ist für das Projekt von zentraler Bedeutung und zeigt, dass wir im Innenressort auch im historischen Bereich personell sehr gut aufgestellt sind“, betonte Hesztera.
Um eine bestmögliche und qualitativ hochwertige Unterstützung der Projekttätigkeiten zu gewährleisten, wurden die umfassenden Fachzirkel-Tätigkeiten auf die Intentionen des Projektes „heruntergebrochen“ und vier Arbeitsgruppen (AG) eingerichtet.

AG Medien und Öffentlichkeitsarbeit.

Fortlaufende mediale Berichterstattungen sind ein wesentlicher Arbeitsbereich für den Fachzirkel und das Projekt. Dieses Themenfeld wird von Oberstleutnant Helmut Marban BA, Leiter des L1-Büros in der LPD Burgenland, geleitet, der neben seiner Fachzirkel-Tätigkeit auch Mitglied des Projekt-Kernteams ist. Im Zuge des Seminars wurden Strategien einer fortlaufenden und nachhaltigen medialen Positionierung erarbeitet, die zukünftig gemeinsam mit den L1-Büros in den Landespolizeidirektionen und den örtlichen Fachzirkel-Mitgliedern umgesetzt werden.

Traditionspflege der Exekutive: Auftritt der Kärntner Tradtionsgendarmerie.
Traditionspflege der Exekutive: Auftritt der Kärntner Tradtionsgendarmerie.
© Fachzirkel

AG Exekutiv-historische Themen.

Der Fachzirkel wird sich auch verstärkt in die Bearbeitung der vielfältigen exekutiv-historischen Projektthemenbereiche einbringen. Die spezifische Themenlandschaft reicht hier von Biografien über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Einzelereignissen bis hin zu regionalen exekutiv-historischen Untersuchungen. Dabei soll auch eine breite Palette an methodischen Zugängen zur Anwendung kommen, wobei sozial- und mentalitätsgeschichtliche Methodiken ebenso angewandt werden, wie die Verknüpfung unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen, um die Projektthematik umfassend analysieren zu können. Die AG wird vom Historiker und Geographen MMag. Christian Reisinger, Exekutivbeamter in der LPD Oberösterreich, geleitet.

AG Exekutiv-historische Quellen.

Exekutiv-historische Quellen, wie z. B. Chroniken, amtliche Schriftstücke oder Fotos, sind wichtige Grundlagen für die Forschungstätigkeiten. Der Leiter der AG, Oberstleutnant Robert Pontesegger, BA MA vom L1-Büro der LPD Steiermark, wies darauf hin, dass bei den Quellenarbeiten auch Bereiche wie Dateidaten- und Fotoarchive, sowie die Kooperation mit externen Forschungseinrichtungen und Archiven von zentraler Bedeutung sind. „Zudem wird es wichtig sein, dass wir für unsere Tätigkeiten entsprechende Organisations- und Ablaufpläne entwickeln und die Kolleginnen und Kollegen von unseren Tätigkeiten überzeugen können“, sagte Pontesegger.

AG Ausstellungswesen.

Der Fachzirkel wurde von Projektleiter Hesztera auch mit der Konzipierung einer Ausstellung beauftragt, die sich dem Thema „Polizei in der NS-Zeit“ widmen soll. AG-Leiter Hofrat Joachim Huber, BA MA MSc, geschäftsführender Leiter der Abteilung I/5 im BMI, betonte, dass im Fachzirkel bereits sehr hohe Qualität im Ausstellungswesen vorhanden sei. „Mehrere Kollegen des Fachzirkels haben schon Ausstellungen konzipiert und von Anfang bis zum Ende durchgeführt. Ich denke da an Michael Beyrer und die Tätigkeiten des EHV-V (Anm. Exekutivhistorischer Verein Vorarlberg) anlässlich der 100-Jahr-Feier der LPD Vorarlberg 2020, die Tätigkeiten des SEM (Salzburger Exekutivhistorischer Museumsverein) unter der Federführung von Karl-Heinz Wochermayer oder an Klaus Windischbauer aus Oberösterreich, der anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Gendarmerie eine Jubiläumsausstellung in Freistadt auf die Beine gestellt hat“, führte Huber weiter aus.

Fachvorträge.

Joachim Steinlechner: Leiter des Fachzirkels Exekutivgeschichte und Traditionspflege.
Joachim Steinlechner: Leiter des Fachzirkels Exekutivgeschichte und Traditionspflege.
© Privat

Das Fachzirkel-Programm 2021 wurde wiederum durch Fachvorträge einzelner Mitglieder abgerundet. Diese Vorträge hatten unmittelbaren Bezug zu den Projekttätigkeiten: Mag. Michael Beyrer vom LKA Vorarlberg berichtete über die umfassenden Tätigkeiten in der LPD Vorarlberg anlässlich der 100-Jahr-Feier im Jahr 2020. Neben einer Ausstellung und verschiedenen Publikationen (u.a. einer Festschrift) konzipierte Beyrer mit seinem Team auch eine Veranstaltungsreihe für das gesamte Jahr 2020. Diese Veranstaltungen konnten aufgrund der Corona-Maßnahmen leider nicht durchgeführt werden.
Peter Hellensteiner vom Büro L2 der LPD Tirol gab in einer zweistündigen Präsentation einen Überblick über die exekutiv-historischen Tätigkeiten in der dortigen LPD. Hellensteiner hat mit seinen Tiroler „Mitstreitern“ unter anderem große Mengen an Schriftmaterial gesichert, digitalisiert und in Zusammenarbeit mit den lokalen Archiven für die Nachwelt erhalten.
Gernot Sattler vom SPK Graz, derzeit in der Offiziersausbildung an der FH Wiener Neustadt, gab im Zuge einer Präsentation grundlegende Einblicke in seine BA-Arbeit unter dem Titel: „Die ‚lange NS-Zeit‘ in Österreich 1930-1955. Opfer/Täter/Mitläufer?“ Die Geschichte der Exekutive im Raum Leoben. Diese Arbeit soll – unter anderem auf Basis mehrerer Biografien - die regionalen Hintergründe und Entwicklungen jener Zeit darstellen.
Werner Sabitzer, MSc, der – auch im Sinne eines gelebten Generationen- und Wissensmanagements – am Fachzirkel teilnahm, referierte über den Traditionsbereich „Gedenkstätten für im Dienst getötete Exekutivbeamte“, wobei er seinen Schwerpunkt auf die Zeit von 1934 (Juliputsch) bis 1945 (Kriegsende) legte.

„Kamingespräche“.

Die Fachzirkel-Tätigkeiten wurden traditionell von den sogenannten Kamingesprächen „umrahmt“. Werner Sabitzer referierte unter dem Titel „I bin’s, dei Präsident“, 50 Jahre Stein-Ausbruch und Geiselnahme, detailliert über die damaligen Geschehnisse und Ministerialrat Mag. Dr. Peter Glanninger (SIAK) las aus seinem neuesten Kriminalroman „Finsterdorf“.

Interessierte Kollegenschaft.

„Das Projekt ist auch ressortintern auf großes Interesse gestoßen. Viele Kolleginnen und Kollegen haben sich in den letzten Wochen bezüglich einer Mitarbeit gemeldet und wir haben diesbezüglich bereits eine Besprechung mit den Interessenten abgehalten“, berichtete die stellvertretende Projektleiterin und Vertreterin der fachzuständigen Abteilung I/8 im BMI, Mag. Eva-Marina Strauß. „Wir werden die interessierte Kollegenschaft weiterhin servicieren und nach Möglichkeit in die Projekttätigkeiten einbinden. Weitere Interessierte können sich jederzeit unter polizeigeschichte@bmi.gv.at melden“, sagte Strauß.

J. S.


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 11-12/2021

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