Serie Gedenkstätten für Exekutivbeamte (8)

Gedenkstätten für NS-Opfer

Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Österreich von 1938 bis 1945 wurden viele Polizei- und Gendarmeriebeamte ermordet, hingerichtet oder so schwer misshandelt, dass sie starben. Eine Reihe von Gedenkstätten in Österreich erinnert an die Opfer aus den Reihen der Exekutive.

Mahnmal des Künstlers Hans Kupelwieser im Hammerpark in St. Pölten im Gedenken an die hingerichteten Mitglieder der Widerstandsgruppe Kirchl/Trauttmansdorf-Weinsberg.
Mahnmal des Künstlers Hans Kupelwieser im Hammerpark in St. Pölten im Gedenken an die hingerichteten Mitglieder der Widerstandsgruppe Kirchl/Trauttmansdorf-Weinsberg.
© Dieter Höller/LPD NÖ

Frühjahr 1945: Während die nationalsozialistische Propaganda den „Endsieg“ Deutschlands propagierte und Durchhalteparolen verkündete, ahnten viele Österreicherinnen und Österreicher, dass der Zweite Weltkrieg und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft bald zu Ende sein würden.
In St. Pölten bildete sich eine Widerstandsgruppe, angeführt vom stellvertretenden Polizeidirektor in St. Pölten, Dr. Otto Kirchl, und dem Besitzer des Schlosses Pottenbrunn, Josef Trauttmansdorff-Weinsberg. Die Gruppe war die wichtigste überparteiliche Widerstandsgruppe in Niederösterreich. Sie bestand aus Polizeibediensteten, Arbeitern der Glanzstoff-Fabrik und anderer Unternehmen in St. Pölten, Bauern und Gutsbesitzern. Sie wollten die Stadt St. Pölten der anrückenden Roten Armee kampflos übergeben, um Menschenleben zu retten und die Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktureinrichtungen zu vermeiden. Die Widerstandskämpfer planten auch, die Gestapo zu entwaffnen. Sie wurden Anfang April 1945 von einem Gestapo-Spitzel verraten. Otto Kirchl und seine Frau Hedwig wurden mit anderen Mitstreitern am 9. April 1945 verhaftet und bei den Verhören gefoltert. Polizeioberleutnant Johann Schuster nahm sich in der Gestapo-Haft das Leben. Das Ehepaare Kirchl und Trauttmannsdorff-Weinsberg und acht weitere führende Mitglieder der Widerstandsgruppe, darunter vier Polizeiangehörige wurden von einem Standgericht am 13. April 1945 im Schulzimmer der Polizeikaserne zum Tod verurteilt und am selben Tag von SS-Leuten im heutigen Hammerpark erschossen. Die Toten wurden in einer Grube im Hammerpark begraben. Zwei Tage später eroberten sowjetische Truppen die Stadt St. Pölten.
Die fünf hingerichteten Polizeiangehörigen waren:

  • Regierungsrat Dr. Otto Kirchl, geboren am 14. November 1901 in Wien, war Konzeptsbeamter (Polizeijurist) bei der Polizei in Wien und zuletzt stellvertretender Polizeidirektor in St. Pölten. Nach ihm ist in St. Pölten eine Straße benannt. Er ist auch auf einer Gedenktafel in der Landespolizeidirektion Wien angeführt.
  • Johann Dürauer, geboren 1897 in Karlstetten, war Polizeimeister in St. Pölten. Nach ihm ist im Ortsteil Spratzern in St. Pölten eine Straße benannt.
  • Felix Faust, geboren 1912 in St. Pölten, war Polizeiassistent in der Stadtpolizei St. Pölten. Nach ihm ist im Ortsteil Stattersdorf in St. Pölten eine Straße benannt.
  • Josef Heidmeyer, geboren 1902 in Wien, war Polizeimeister. Er stellte in der Widerstandsgruppe die Verbindung zu Arbeitern der Glanzstoff-Fabrik in St. Pölten her. Er hatte von 1934 bis 1938 Beziehungen zu illegalen Organisationen der Kommunisten und der revolutionären Sozialisten in St. Pölten. Nach ihm ist im Ortsteil Wagram in St. Pölten eine Straße benannt.
  • Johann Klapper, geboren 1903 in Brandeben, Niederösterreich. Nach ihm ist im Ortsteil Stattersdorf in St. Pölten eine Straße benannt.

Nach dem Ende der NS-Diktatur wurden die Leichen der Erschossenen exhumiert und in Friedhöfen bestattet. Einige der Opfer, darunter die fünf Polizeiangehörigen, wurden in einem Ehrengrab im Hauptfriedhof St. Pölten beigesetzt. 1948 wurden drei Mitglieder des nationalsozialistischen Standgerichts, das die Mitglieder der Gruppe Kirchl-Trauttmansdorff zum Tod verurteilt hatte, zu mehrjährigen Kerkerstrafen verurteilt.

Gedenkstätten im Hammerpark.

Gedenken an hingerichtete Widerstandskämpfer in St. Pölten: Granitstein im Hammerpark; Ehrengräber im Hauptfriedhof.
Gedenken an hingerichtete Widerstandskämpfer in St. Pölten: Granitstein im Hammerpark; Ehrengräber im Hauptfriedhof. © Dieter Höller/LPD NÖ

Im Gedenken an die Angehörigen der St. Pöltener Widerstandsgruppe wurde von der Stadt St. Pölten 1988 im Hammerpark ein Mahnmal errichtet. Das von der LH-Planungsgesellschaft Stadt St. Pölten und der Kulturabteilung des Amtes der NÖ-Landesregierung gestiftete Mahnmal wurde vom Künstler Hans Kupelwieser gestaltet. Die Enthüllung erfolgte am 8. Dezember 1988. Beim Mahnmal handelt es sich um eine oben offene, begehbare zwei Meter hohe Stahlhalbkugel mit vier Metern Durchmesser in Form einer großen Opferschale. Außen über den Zugang steht das Datum „13. APRIL 1945“ und innen über dem Zugang befindet sich die Inschrift: „SIE STARBEN HIER FÜR ÖSTERREICH“. Das Innere ist als Meditationsraum gedacht. In Augenhöhe gibt es 13 Öffnungen, darunter sind die Namen der Opfer in Bronzebuchstaben angebracht: Otto Kirchl, Hedwig Kirchl, Josef Trauttmansdorff-Weinsberg, Helene Trauttmansdorff-Weinsberg, Johann Schuster, Anton Klarl, Marie Klarl, Johann Dürauer, Josef Heidmeyer, Felix Faux, Johann Klapper, Josef Böhm, Konrad Gerstl.
An der Stelle des Mahnmals hatte die Familie Trauttmannsdorff nach 1945 ein einfaches Steinkreuz errichtet. Das Kreuz wurde beim Umbau der benachbarten Schießstätte Hammerpark 1965 entfernt. 1968 wurde ein Granitstein aufgestellt.
Neben dem Mahnmal befindet sich ein Gedenkstein aus Granit für die NS-Opfer sowie eine Infostele des kulturtouristischen Leitsystems. Der Granitstein wurde am 12. November 1968 enthüllt und enthält folgende Inschrift: „AM 13. APRIL 1945 STARBEN HIER FÜR ÖSTERREICH“. Es folgen die Namen der 13 Opfer: Josef Böhm, Johann Dürauer, Felix Faux, Josef Heidmeyer, Helene Kirchl, Dr. Otto Kirchl, Johann Klapper, Maria Klarl, Anton Klarl, Johann Schuster, Helene Trauttmansdorff-Weinsberg, Josef Trauttmansdorff-Weinsberg, Konrad Gerstl.
Im Stiegenaufgang des Gebäudes des Stadtpolizeikommandos St. Pölten (ehemalige Bundespolizeipolizeidirektion St. Pölten) in der Linzerstraße 47 befindet sich ebenfalls eine Gedenktafel für die standrechtlich erschossenen Polizeiangehörigen der Widerstandsgruppe Kirchl/Trautmannsdorff. Die Inschrift lautet: „ZUM GEDENKEN AN DIE OPFER DES FASCHISMUS! 13. APRIL 1945 • DÜRAUER JOSEF • FAUX FELIX • HEIDMEYER JOSEF • DR. KIRCHL OTTO SAMT FRAU • KLAPPER JOHANN • SCHUSTER JOHANN • Gewidmet vom Bundespolizeikommissariat St. Pölten und der Gewerkschaft der Polizeiangehörigen.

Ehrengrab.

Im Hauptfriedhof St. Pölten (Gruppe XVII, Reihe II) befindet sich das Ehrengrab für einige hingerichtete Widerstandskämpfer der Gruppe Kirchl/Trauttmansdorff. Der Granitstein trägt folgender Inschrift: „IM GEDENKEN AN DIE TOTEN IM KAMPF FÜR ÖSTERREICHS FREIHEIT“. Daneben befinden sich auf dem Boden Granitsteine mit den Namen folgender hingerichteter Polizeiangehöriger: Josef Heidmayer, Johann und Anna Dürauer, Johann Klapper, Felix und Aloisia Faux, Dr. Otto und Hedwig Kirchl. Ein weiterer Granitstein ist dem Ehepaar Anton und Maria Klarl gewidmet. Anton Klarl war Drehergehilfe in der Glanzstoff-Fabrik St. Pölten. Mit ihm wurde seine Frau Mara hingerichtet.
Das Ehrengrab wurde von der Stadt St. Pölten errichtet. Jedes Jahr gedenkt das Stadtpolizeikommando St. Pölten mit einer Kranzniederlegung der hingerichteten Polizeiangehörigen.

Opfer fanatischer Nazis.

Gedenkkreuz für den Gendarmen Oskar Wammerl in Schwarzau am Gebirge.
Gedenkkreuz für den Gendarmen Oskar Wammerl in Schwarzau am Gebirge.
© Dieter Höller

Als Soldaten der sowjetischen „Roten Armee“ sich vom Burgenland der niederösterreichischen Grenze näherten, setzten sich Anfang April 1945 führende Nationalsozialisten aus Neunkirchen nach Schwarzau im Gebirge ab, unter ihnen der Kreisleiter (Bezirkshauptmann) und „Oberste Volkssturmführer“ im Kreis Neunkirchen, Johann Braun, der Neunkirchner Bürgermeister und Kreisstabsführer des Volkssturms im Kreis Neunkirchen, SS-Sturmbannführer Josef Weninger, und Johann Wallner, kommissarischer Bannführer der Hitlerjugend im Kreis Neunkirchen, Leiter des Wehrertüchtigungslagers Neunkirchen und Ausbildner beim Volkssturm. Auch Volkssturm, die Hitlerjugend des Ertüchtigungslagers Neunkirchen, die Gendarmerie und die Dienst- und Parteidienststellen Neunkirchen wurden nach Schwarzau im Gebirge verlagert. Volkssturm, Hitlerjugend und Gendarmerie wurden im ehemaligen Lager des Reichsarbeitsdienstes (RAD) einquartiert.
Kreisleiter Johann Braun richtete in Schwarzau im Gebirge ein „Standgericht“ ein. Es war nicht gesetzeskonform, weil ihm kein Jurist angehörte. „Sonderkommandos“ (Volkssturm-, HJ- und SS-Angehörige) sollten mit der Gendarmerie „politisch unzuverlässige Personen“ festnehmen, die dann vor das „Standgericht“ gestellt werden sollten.
Unter den „politisch unzuverlässigen Personen“ befand sich Oskar Wammerl, geboren am 15. November 1907. Er war Gendarm in Prein an der Rax, antinationalsozialistisch eingestellt und nicht Mitglied der NSDAP. 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Nach einer schweren Verwundung befand er sich ab Februar 1945 in seinem Wohnort Prein an der Rax auf Genesungsurlaub. Er galt zu diesem Zeitpunkt als Angehöriger der Wehrmacht.
Der Gendarmerieposten Prein an der Rax wurde am 1. April 1945 geschlossen und die Gendarmen zogen sich unter Führung des Postenkommandanten Thomas Irschik in das „Auffanglager“ nach Schwarzau im Gebirge zurück. Wammerl blieb in Prein an der Rax und wurde auch nicht aufgefordert, nach Schwarzau zu kommen. Er war aber mit dem Postenkommandanten Irschik in Kontakt. Irschik informierte seinen Vorgesetzen Gendarmerieoberleutnant Rudolf Pauspertl nicht über Wammerls Genesungsurlaub.
Am 12. April 1945 wurde Wammerl von einer Streife unter Führung des Wehrmachtsunteroffiziers Langegger als „Fahnenflüchtiger“ festgenommen, in das RAD-Lager eingeliefert und am 14. April 1945 dem „Standgericht“ vorgeführt. Das „Standgericht“ bestand aus Braun und den „Beisitzern“ Weninger und Wallner. Wammerl wurde der Fahnenflucht beschuldigt, weil er trotz mehrmaliger Aufforderung seinen Dienst beim Volkssturm nicht angetreten hätte. Wammerl verteidigte sich, er sei auf Genesungsurlaub und als Angehöriger einer Wehrmachtseinheit nicht verpflichtet gewesen, sich beim Gendarmeriekommando zu melden. Das „Standgericht“ überprüfte Wammerls Angaben nicht, sondern verurteilte ihn als „Deserteur“ zum Tod. Braun beauftragte Weninger mit der Exekution und bestimmte, dass Wammerl zu hängen sei. Weninger ersuchte wiederum Wallner mit der Hinrichtung. Wallner erklärte, er werde Wammerl nicht hängen, sondern erschießen, denn als Offizier spiele er „nicht den Henker“. Braun war damit einverstanden und befahl, Wammerl nach der Erschießung aufzuhängen, um ein abschreckendes Beispiel statuieren. Die Hinrichtung wurde außerhalb des RAD-Lagers von der Gruppe Hofer des Volkssturm-Sonderkommandos der Kreisleitung Neunkirchen vollzogen. Wallner erteilte den Feuerbefehl. Angehörige der Hitlerjugend hängten die Leiche nach der Exekution an einem Straßenpfahl auf und versahen die Leiche mit einer Tafel mit der Aufschrift: „Ich war ein fahnenflüchtiges Schwein“. Das „Standgericht“ verurteilte am 14. April 1945 vier weitere Männer zum Tod und ließ sie erschießen. Nach einer zweiten Verhaftungswelle wurden weitere tatsächliche oder vermeintliche Regimegegner standrechtlich hingerichtet.
Oskar Wammerl wurde auf dem Friedhof Schwarzau im Gebirge mit anderen Exekutierten begraben. Im Oktober 1945 wurde die Leiche nach Prein an der Rax überführt und dort am 25. Oktober 1945 bestattet.

An Oskar Wammerl erinnert auch eine Gedenktafel in Reichenau an der Rax.
An Oskar Wammerl erinnert auch eine Gedenktafel in Reichenau an der Rax.
© Werner Sabitzer

Im Fall Wammerl dürfte eine persönliche Komponente mitgespielt haben: Oskar Wammerls Frau Maria besaß das Hotel „Kaiserhof“ in Prein an der Rax, das sie an den fanatischen Nationalsozialisten Franz Plechard verpachtet hatte. Plechard war Propagandaleiter der NSDAP-Gruppe Reichenau und Zellenleiter von Prein an der Rax. Im Jänner 1945 zeigte Plechard Maria Wammerl an, weil sie angeblich freundschaftlichen Verkehr mit Fremdarbeitern unterhalten und ihnen gegenüber abfällige Bemerkungen über Adolf Hitler gemacht hätte. Sie wurde festgenommen und an die Gestapo in Wiener Neustadt überstellt. Oskar Wammerl konnte, als er im Februar 1945 nach Prein an der Rax zurückgekehrt war und seinen Genesungsurlaub angetreten hatte, ihre Freilassung erwirken. Die Anzeige erwies sich als haltlos. Offenbar wollte Plechard das Hotel „Kaiserhof“ übernehmen. Ende April 1945 wurde Maria Wammerl erneut verhaftet und am 24. April 1945 mit weiteren Regimegegnerinnen im Keller eines Hauses in Prein eingesperrt. Dort erlitt sie einen Herzanfall. Durch Intervention eines ihr bekannten steirischen Volkssturmführers wurde sie als Einzige enthaftet. Die anderen sieben Frauen wurden im Keller ihres Hotels von den Nazis ermordet.
Die Mitglieder des illegalen „Standgerichts“, Johann Braun, Johann Wallner und Josef Weninger, setzten sich vor Kriegsende ab und wurden am 9. Juni 1945 in Radstadt festgenommen. Sie wurden vom Volksgericht wegen vielfachen Mordes, eines Mordversuchs und als Kriegsverbrecher angeklagt und am 24. Mai 1947 zum Tod durch den Strang verurteilt. Ihr Vermögen wurde zugunsten der Republik Österreich eingezogen. Nach abgelehnten Gnadengesuchen und Wiederaufnahmeverfahren wurden Weninger, Wallner und Braun am 15. Mai 1948 in der Früh hingerichtet.
Franz Plechard flüchtete nach Kriegsende nach Saalfelden, wurde dort am 5. September 1945 verhaftet und im Lager Glasenbach interniert. In der Nacht auf dem 12. Juli 1946 schnitt er sich im Landesgerichtlichen Gefangenenhaus Salzburg mit einer Rasierklinge die Halsschlagadern auf und verblutete. Rudolf Pauspertl versah nach dem Ende des NS-Regimes weiterhin Dienst bei der Gendarmerie, allerdings im Landesgendarmeriekommando Oberösterreich und nicht mehr im Offiziersrang. Er sagte am 8. Mai 1947 beim Volksgerichtsverfahren gegen Johann Braun und Mitangeklagte als Zeuge aus und wurde zwei Tage später vom Gendarmeriedienst suspendiert. Am 9. Juli 1947 beantragte die Staatsanwaltschaft wegen der Verbrechen in Schwarzau im Gebirge die Wiederaufnahme des gegen Pauspertl eingestellten Verfahrens. Pauspertl wurde am 27. Jänner 1949 zu fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt, verschärft durch ein hartes Lager vierteljährlich. Sein Vermögen wurde eingezogen. Er wurde aber schon am 24. Mai 1950 bedingt aus der Haft entlassen. Das Volksgerichtsverfahren gegen Gendarmeriepostenkommandant Thomas Irschik wegen Kriegsverbrechen wurde am 7. November 1949 eingestellt.

Gedenkstätten für Oskar Wammerl.

An den erschossenen Gendarmeriebeamten Oskar Wammerl und andere Opfer des „Standgerichts“ von Schwarzau im Gebirge erinnern eine Gedenktafel bei der Pfarrkirche am Schlossplatz in Reichenau an der Rax und ein Holzkreuz in Schwarzau im Gebirge.
Die am 6. Mai 1995 enthüllte Gedenktafel an der Umfassungsmauer vor der Pfarrkirche zur Heiligen Barbara in Reichenau an der Raxhat mit folgender Inschrift: „1945–1946 kamen im Gemeindegebiet von Reichenau außerhalb der Kriegshandlungengewaltsam ums Leben“. Es folgen die Namen sowie Geburts- und Sterbedaten von Oskar Wammerl und 23 weiterer Opfer. Wammerl wohnte zwar in Reichenau an der Rax, wurde aber in Schwarzau am Gebirge erschossen. Die Gedenktafel schließt mit den Worten „Gedenken und Mahnung“. Gestiftet wurde die Gedenktafel von der Gemeinde Reichenau auf Initiative von Hofrat Dr. Alois Kermer, dem Vorsitzenden des Landesverbandes Niederösterreich der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten.
Das Holzkreuz neben der Straße vor dem Ortsanfang Schwarzau im Gebirge hat die Inschrift: „Den Opfern des Nationalsozialismus vom April 1945 gewidmet“. Auf einer zweiten Holztafel stehen die Namen von sieben NS-Opfern, darunter „Wammerl Oskar“.

Lern- und Gedenkort Charlotte-Taitl-Haus in Ried im Innkreis: Info-Stelen für die NS-Opfer Ludwig Bernegger und Josef Schmierl (Polizei Linz).
Lern- und Gedenkort Charlotte-Taitl-Haus in Ried im Innkreis: Info-Stelen für die NS-Opfer Ludwig Bernegger und Josef Schmierl (Polizei Linz).
© Gottfried Gansinger

Info-Stelen in Ried.

Im Lern- und Gedenkort Charlotte-Taitl-Haus am Roßmarkt 29 in Ried im Innkreis erinnern 26 Stelen mit Biografen an oberösterreichische Opfer des Nationalsozialismus und Faschismus. Darunter befinden sich Stelen für den Kriminalbeamten Josef Schmirl und den Polizeijuristen Dr. Ludwig Bernegger von der Bundespolizeidirektion Linz, die nach dem „Anschluss“ von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

  • Josef Schmirl, geboren am 9. Oktober 1897 in Steyrling, erlernte den Beruf des Messerschmieds und trat nach dem Militärdienst im Jänner 1919 in die Bundesgendarmerie ein. Er versah Dienst in Schärding und heiratete am 5. September 1921 Annemarie Kranebitter, die Tochter seines Vorgesetzten Adolf Kranebitter, Gendarmeriekommandant in Schäding. Ab 1928 war Schmirl Kriminal-Oberinspektor in der Polizeidirektion Linz. Er leitete den Bereich Personenschutz und ermittelte nach dem Verbot der NSDAP gegen illegale Nationalsozialisten. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich wurde Schmirl am 13. März 1938 um 22 Uhr von Gestapo- und SA-Männern in seiner Wohnung in der Auersperggasse in Linz verhaftet, ins Polizeigefangenenhaus Linz überstellt und dort noch in der Nacht erschossen. Nach der offiziellen Version der Nationalsozialisten soll Schmirl Selbstmord durch Erhängen verübt haben. Sein Schwiegervater Adolf Kranebitter stellte aber im Kopf der Leiche, die im Barbarafriedhof in Linz aufgebahrt war, eine Einschuss- und Ausschusswunde fest. 1977 wurde Schmirl posthum das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs zuerkannt. Über Initiative des Heimatforschers Prof. Gottfried Gansinger wurde Schmirls Ruhestätte im Barbarafriedhof in Linz im Gedenkjahr 2018 als Ehrengrab des Landes Oberösterreich gewidmet.
  • Ludwig Bernegger wurde am 30. Dezember 1903 in Ach an der Salzach als Sohn des Finanzoberwachkommissärs Felix Bernegger geboren. Die Familie zog 1915 nach Ried im Innkreis. Ludwig Bernegger legte 1923 die Matura im Gymnasium Ried mit ausgezeichneten Erfolg ab. Er absolvierte das Jus-Studium an der Universität Wien, trat der katholischen Studentenverbindung K.Ö.St.V. Kürnberg zu Wien bei und trat nach der Promovierung zum Doktor der Rechte 1930 in den Dienst der Bundespolizeidirektion Linz. Polizeioberkommissär Bernegger war als staatspolizeilicher Referent zuständig für Ermittlungen gegen illegale Nationalsozialisten. Deshalb zog er sich den Hass der Nationalsozialisten zu. Nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich wurde Bernegger außer Dienst gestellt. SA- und SS-Männer Bernegger holten ihn am 13. März 1938 um drei Uhr früh aus seiner Wohnung in der Dinghoferstraße in Linz und misshandelten ihn schwer. Er wurde in eine Gefängniszelle in der Polizeidirektion Linz gebracht, wo er weiter misshandelt wurde. Wann und wie genau er starb, ist nicht bekannt. Berneggers Witwe Gerda, geb. Ullmann erhielt die Urne mit seiner Asche zugestellt.

In den ersten Tagen nach dem „Anschluss“ brachten die Nationalsozialisten zwei weitere Polizeiangehörige in Linz um – Polizeidirektor Dr. Viktor Bentz und Kriminalbezirksinspektor Josef Feldmann.
Der Lern- und Gedenkort im Charlotte-Taitl-Haus in Ried ist eine Außenstelle des Museums Innviertler Volkskundehaus (Charlotte Taitl, die in diesem Haus gewohnt hatte, wurde am 16. Oktober 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet). Die Ausstellung ist den Opfern von Nationalsozialismus und Faschismus im Bezirk Ried im Innkreis gewidmet. Der Lern- und Gedenkort wurde im Mai 2017 eröffnet.

Gendarmeriepostenkommandant Hugo Lunardon: Opfer des NS-Regimes.
Gendarmeriepostenkommandant Hugo Lunardon: Opfer des NS-Regimes.
© Archiv

„Weil ich meine Pflicht getan habe.“

Unter den Gendarmeriebeamten, die unmittelbar nach dem Einmarsch der NS-Truppen am 12. März 1938 von den neuen Machthabern festgenommen wurden, befand sich Hugo Lunardon, Kommandant des Gendarmeriepostens Dornbirn. Hugo Lunardon, geboren am 2. November 1893 in Hard als Sohn eines italienischstämmigen Schusters, erlernte den Graveur-Beruf und wurde 1914 zum Kriegsdienst an der Front eingezogen. Er wurde zweimal verwundet und verbrachte dreieinhalb Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr nach Vorarlberg konnte er mangels beruflicher Möglichkeiten nicht mehr als Graveur arbeiten und trat in die Gendarmerie ein. Nach der Grundausbildung in Innsbruck wurde er dem Landesgendarmeriekommando (LGK) Vorarlberg zugeteilt. 1923 kam er zur Ausforschungsabteilung des LGK in Bregenz. Lunardon wurde 1927 zum Gendarmerieposten (GP) Feldkirch-Bahnhof, 1924 zum GP Dalaas, kurz darauf zum GP Partenen im Montafon und im Sommer 1930 zum GP Bregenz. Später versah er im GP Hohenems Dienst und 1933 wurde er Kommandant des GP Dornbirn. 1933 kam es zu einem starken Anstieg der Zahl an Terroranschlägen der Nationalsozialisten in Österreich. In Dornbirn hatte sich bereits Mitte der 1920er-Jahre eine besonders aktive Gruppe an Nationalsozialisten gebildet, deren Mitglieder 1933 gewalttätige Aktionen durchführten. Dornbirn galt als „braunes Nest“. Postenkommandant Hugo Lunardon engagierte sich bei der Verfolgung der Dornbirner Mitglieder der im Juni 1933 in Österreich verbotenen NSDAP in besonderer Weise. Er wurde unterstützt vom Kriminalbeamten Anton König. Lunardon nahm unter anderem SS-Sturmbannführer Alfons Mäser fest, der für zahlreiche Anschläge in Vorarlberg verantwortlich war. Mäser wurde zu einer fünfzehnjährigen, schweren Kerkerstrafe verurteilt. Lunardon stieß auf Widerstand auch in den eigenen Reihen. Sein Stellvertreter im GP Dornbirn, Franz Walch, war nationalsozialistisch gesinnt und sabotierte die Aktionen Lunardons. Walch warnte Nationalsozialisten vor bevorstehenden Hausdurchsuchungen und anderen Amtshandlung und versorgte die SS mit internen Informationen. Einige nationalsozialistisch gesinnte Dornbirner Gendarmen wurden auf andere Gendarmerieposten versetzt. Walch versah ab 1. September 1937 Dienst als Kanzleibeamter beim Landesgendarmeriekommando in Bregenz. Lunardon gelang es, Sprengstoff sicherzustellen. Einflussreiche Vorarlberger Nationalsozialisten wurden verhaftet. Am 15. Jänner 1934 wurde der „Gauleiter“ der illegalen NSDAP, Anton Plankensteiner, festgenommen. Die Festnahme führte zu gewalttätigen Aktionen und „Machtdemonstrationen“ der illegalen Nationalsozialisten in Dornbirn und anderen Orten. Für ihr Engagement gegen die illegalen Nationalsozialisten erhielten Revierinspektor Hugo Lunardon und Kriminalinspektor Anton König im Jänner 1935 die Österreichische Große Silberne Verdienstmedaille verliehen.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme am 12. März 1938 wurde Anton Plankensteiner kommissarischer Landeshauptmann von Vorarlberg; SS-Mann Alfons Mäser wurde Sicherheitsdirektor von Vorarlberg (bis zur Einverleibung Vorarlbergs zum Gau Tirol). Noch in der Nacht der Machtübernahme forderte Franz Walch die Festnahme Lunardons. Dieser und der Kriminalbeamte Anton König wurden verhaftet und in das von der Gestapo übernommene Gefangenenhaus nach Bregenz gebracht. Man wollte Lunardon Amtsmissbrauch anhängen, fand aber keine stichhaltigen Indizien.
Franz Walch wurde neuer Kommandant des GP Dornbirn. Er übernahm die Dienstwohnung Lunardons und warf dessen Frau Olga und die beiden kleinen Töchter aus der Wohnung. Walch wurde kurz darauf „Hauptverbindungsmann“ zwischen der Gendarmerie in Vorarlberg und der NSDAP im Landesgendarmeriekommando in Bregenz. Außerdem wurde er Untersuchungsbeamter bei der Sonderkommission, die gegen Gendarmeriebeamte vorging. Hugo Lunardon wurde am 23. Mai 1938 nach Innsbruck überstellt. Einige Tage später wurde er als „Schutzhäftling“ in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, wo er drei Monate lang in verschärfter Einzelhaft („Kommandanturarrest“) verbringen musste. In dieser Zeit erhielt er nur alle paar Tage Essen. In der KZ-Haft wurde Lunardon schwer misshandelt und gedemütigt. Am 11. November 1938 wurde er offiziell aus dem Gendarmeriedienst entlassen. Nach Kriegsbeginn Anfang September 1939 wurde Lunardon in das KZ Mauthausen überstellt, schikaniert, misshandelt und unter unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit im Steinbruch gezwungen. Kälte, Erschöpfung, schwere Misshandlungen und Nahrungsmangel führten zum Tod Lunardons am 14. März 1940. Im Totenschein wurde als Todesursache „Herzmuskelschwäche bei chronischem Herzfehler und Wassersucht“ eingetragen. Die Leiche wurde im Krematorium Steyr verbrannt. Lunardos Häftlingsnummer 14.363 wurde weiterverwendet und einem in das KZ neu eingelieferten polnischen Häftling zugewiesen.
Hugo Lunardon wurde am 29. Juli 1946 von der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit nach dem Beamtenüberleitungsgesetz rehabilitiert. Die Entlassung wurde rückwirkend aufgehoben und Lunardon wurde bis zu seinem Tod dienstrechtlich als im Dienststand der Gendarmerie stehend betrachtet. Rückwirkend mit 1. Jänner 1940 wurde er zum Gendarmerie-Rittmeister ernannt. Der Bundespräsident verlieh ihm am 30. September 1977 posthum das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs.

Gendenktafel für Hugo Lunardon im Bildungszentrum Feldkirch-Gisingen.
Gendenktafel für Hugo Lunardon im Bildungszentrum Feldkirch-Gisingen.
© Katholische Kirche Vorarlberg/Ilzer

In Erinnerung an Hugo Lunardon wurde im Juni 1997 auf dem Gebäude der damaligen Gendarmerieschule Gisingen (Bildungszentrum der Sicherheitsakademie) eine Gedenktafel angebracht. Die Tafel mit dem Gendarmeriesymbol „flammende Granate“ hat folgende Inschrift:
„Hugo LUNARDON Gendarmerie-Postenkommandant von Dornbirn 2.11.1893 – 14.3.1940 Gend.-Rittmeister posthum
Hugo Lunardon führte in den dreißiger Jahren Ermittlungen über Aktivitäten der verbotenen NSDAP durch. Im Jahre 1934 wirkte er entscheidend an der Ausforschung vieler Mitglieder der SS in Vorarlberg mit. Noch in der Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im März 1938 wurde er verhaftet und anschließend in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Später wurde er nach Mauthausen überstellt, wo er unter unmenschlichen Bedingungen zu Tode gebracht wurde.
„Weil ich meine Pflicht getan habe.“ Landesgendarmeriekommando für Vorarlberg, Juni 1997“
Außer der Gedenktafel im Bildungszentrum Feldkirch-Gisingen erinnern ein Gedenkstein in Dornbirn und der „Hugo-Lunardon-Weg“ neben dem Gebäude der Landespolizeidirektion in Bregenz an den Gendarmeriebeamten. Der Gedenkstein für Hugo Lunardon und zehn andere Opfer der NS-Diktatur befindet sich im Park vor dem Stadtarchiv/Stadtmuseum. Die Inschrift lautet:
„Friede – Menschenwürde – Toleranz. Zur Erinnerung an alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dornbirn, die Opfer der NS-Gewaltherrschaft wurden, die in Konzentrationslagern und Gefängnissen gelitten haben, die ausgegrenzt und verfolgt wurden, den wehrlosen Opfern der Euthanasie und den Ermordeten von Widerstand und Verfolgung. Rudolf Bodemann, Wilhelm Himmer, Julius Kilga, Hugo Lunardon, Hilar Paterno, Franz Perle, Johann Prantl, Oswald Schwendinger, Arthur Sohm, Maria Wieland und Otto Wohlgenannt. DI Edmund Turteltaub, Gertrud Turteltaub, Hans Turteltaub und Walter Turteltaub.“
Der Gedenkstein wurde 1993 aufgestellt. 1996 wurde die Liste der Opfer mit den vier Namen der Familie Turteltaub ergänzt.

Gedenktafel für NS-Opfer auf der Fassade des Polizeianhaltezentrums Wien.
Gedenktafel für NS-Opfer auf der Fassade des Polizeianhaltezentrums Wien. © Werner Sabitzer

Gedenktafeln in Wien.

In der Zentrale der Landespolizeidirektion Wien am Schottenring 7-9 befindet sich im ersten Stock vor dem Eingang zum Festsaal eine Marmortafel mit dem Logo der Sicherheitswache, dem Bundeswappen und folgender Inschrift in goldfarbenen Buchstaben: „Den für die Freiheit Österreichs vom nationalsozialistischen Terror hingemordeten Polizeibeamten zum Gedenken“. Es folgen die Namen von 20 Polizeiangehörigen, die Opfer des nationalsozialistischen Regimes wurden:

  • Josef Berger, geboren am 13. Jänner 1902, war Rottwachtmeister der Reserve der Schutzpolizei. Er verbreitete kommunistische Flugschriften, wurde 1941 verhaftet, zum Tod verurteilt und am 25. Juni 1943 im Zuchthaus München-Stadelheim hingerichtet.
  • Viktor Bergner, geboren am 19. November 1898, war Meister der Schutzpolizei. Er wurde im Februar 1944 wegen staatsfeindlicher Betätigung festgenommen und am 30. August 1944 in Dachau erschossen. Er hatte Anschriften für die Anti-Hitler-Bewegung vermittelt.
  • Polizeikommissär Dr. Erwin Braun, geboren am 7. April 1913, wurde am 19. Februar 1941 nach Kielce (Polen) deportiert.
  • Franz Däninger, geboren am 2. Februar 1896, war Hauptwachtmeister im Polizeipräsidium. Er wurde 1942 wegen kommunistischer Betätigung verhaftet, zum Tod verurteilt und am 25. Juni 1943 im Zuchthaus München-Stadelheim hingerichtet.
  • Dr. Emil Friedjung, geboren am 14. Juli 1877, Polizei-Sanitätsrat, wurde am 9. Juni 1942 nach Minsk (Weißrußland) deportiert.
  • Dr. Johann Grossmann, geboren am 21. April 1886, Polizei-Chefarzt, wurde am 5. Juni 1942 nach Izbica (Polen) deportiert.
  • Gedenktafel in der Landespolizeidirektion Wien für NS-Opfer der Polizei.
    Gedenktafel in der Landespolizeidirektion Wien für NS-Opfer der Polizei.
    © Werner Sabitzer
    Leopold Heindl, geboren am 25. März 1896, Hauptwachtmeister der Schutzpolizei, war Mitglied einer kommunistischen Zelle von Polizeiangehörigen. Er wurde 1942 festgenommen, zum Tod verurteilt und am 30. Juli 1943 in Dachau hingerichtet.
  • Andreas Hofer, geboren am 24. August 1915, Revieroberwachtmeister der Schutzpolizei, wurde gemeinsam mit Kaplan DDr. Heinrich Maier, Dipl. Ing. Walter Caldonazzi, Josef Wyhnal, Dipl. Ing. Hermann Klepell, Dr. Wilhelm Ritsch, Dr. Franz Josef Messner und Dr. Clemens von Pausinger am 28. Oktober 1944 zum Tod verurteilt. Laut Anklage des Volksgerichtshofs hätten sie „durch Beteiligung an einem separatistischen Zusammenschluss den Hochverrat vorbereitet und dadurch die Feinde unseres Reiches begünstigt“. Nach einem Fußmarsch der Verurteilten von Wien nach Stein/Donau (Niederösterreich) wurde Hofer am 15. April 1945 mit 43 weiteren Verurteilten erschossen.
  • Karl Kerner, geboren am 4. Dezember 1889, Hauptwachtmeister der Schutzpolizei, war Mitglied einer kommunistischen Zelle von Polizeiangehörigen. Er wurde 1942 festgenommen, zum Tod verurteilt und am 25. Juni 1943 im Zuchthaus München-Stadelheim hingerichtet.
  • Dr. Otto Kirchl, am 13. April 1945 in St. Pölten standrechtlich hingerichtet (siehe oben), war Polizeijurist in Wien, bevor er stellvertretender Polizeidirektor in St. Pölten wurde. Deshalb ist er auch auf der Opfertafel in der LPD Wien verewigt.
  • Polizei-Sanitätsrat Dr. Emil Kominik, geboren am 2. Jänner 1877 wurde am 24. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und starb dort am 10. September 1944.
  • Lorenz Kuscher, geboren am 25. November 1894, Meister der Schutzpolizei, wurde 1942 wegen kommunistischer Betätigung verhaftet, zum Tod verurteilt und am 25. Juni 1943 im Zuchthaus München–Stadelheim hingerichtet.
  • Mahnmal im 6. Stock der Landespolizeidirektion Wien.
    Mahnmal im 6. Stock der Landespolizeidirektion Wien.
    © Werner Sabitzer
    Amtswart Josef Mandl, geboren am 5. März 1877, wurde am 30. März 1943 in das Ghetto Theresienstadt deportiert.
  • Dr. Julius Munk, geboren am 10. Dezember 1901, Polizei-Sanitäts-Oberkommissär, emigrierte als Betroffener der Nürnberger („Rassen“-)Gesetze im September 1938 nach Frankreich und wurde im Februar 1944 als Arzt in der französischen Widerstandsbewegung festgenommen. Er war unter anderem in den Konzentrationslagern Dachau, Natzweiler/Kommando Frankfurt am Main und Buchenwald inhaftiert, wo er am 18. April 1945 nach der Befreiung des Lagers starb.
  • Johann Newald, geboren am 20. Jänner 1901, Hauptmann der Schutzpolizei, wurde am 4. Oktober 1944 verhaftet, wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tod verurteilt und am 27. Oktober 1944 in Dachau hingerichtet.
  • Dr. Josef Pleininger, geboren am 8. Juli 1888, Stadthauptmann von Wien-Meidling, wurde am 12. März 1938 verhaftet und starb am 9. April 1938 im Gefangenhausspital des Wiener Landesgerichts.
  • Oberpolizeirat Felix Richter, geboren am 14. Juli 1884, wurde am 5. Jänner 1943 in das Ghetto Theresienstadt und von dort am 18. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert.
  • Hermann Schneider, geboren am 22. März 1906, Hauptwachtmeister der Schutzpolizei, wurde 1942 verhaftet, wegen kommunistischer Betätigung zum Tod verurteilt und am 25. Juni 1943 im Zuchthaus München-Stadelheim hingerichtet.
  • Alois Theyrer, geboren am 17. Juni 1898), Hauptwachtmeister der Schutzpolizei, war Mitglied einer kommunistischen Zelle von Polizeiangehörigen. Er wurde 1942 festgenommen, zum Tod verurteilt und am 25. Juni 1943 im Zuchthaus München-Stadelheim hingerichtet.
  • Hofrat Dr. Ludwig Weiser, geboren am 26. Februar 1887, Leiter der Staatspolizei, wurde nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im März 1938 festgenommen und befand sich bis Oktober 1939 in Schutzhaft. Er wurde in Deutschland konfiniert und starb am 14. Juni 1944 in Dresden.

Die Gedenktafel wurde vom Bundesministerium für Inneres gestiftet und am 1. November 1946 von Polizeipräsident Arthur Klauser im damaligen Direktionsgebäude, 1010 Wien, Parkring 8, in Anwesenheit des Innenministers Oskar Helmer enthüllt. 1974 wurde die Gedenktafel im neuerrichteten Direktionsgebäude der Bundespolizeidirektion (seit 2012: Landespolizeidirektion) Wien angebracht.

Mahnmal am Polizeianhaltezentrum.

„Stein des Gedenkens“ für NS-Opfer Karl Halaunbrenner vor dem Palais Modena, dem Sitz des Bundesministeriums für Inneres.
„Stein des Gedenkens“ für NS-Opfer Karl Halaunbrenner vor dem Palais Modena, dem Sitz des Bundesministeriums
für Inneres.
© Gerd Pachauer

Zwischen 1938 und 1945 waren im Polizeigefangenenhaus an der Rossauer Lände in Wien-Alsergrund Tausende Regime-Gegner, Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti, Deserteure und andere vom NS-Regime verfolgte Menschen inhaftiert. Von dort aus wurden sie zum Verhör in das Gestapo-Hauptquartier am Morzinplatz gebracht. Hunderte von ihnen wurden hingerichtet.
An der Fassade des Amtsgebäudekomplexes Berggasse/Rossauer Lände, in dem sich das nun Polizeianhaltezentrum genannte Polizeigefangenenhaus befindet, wurde am 3. Mai 2018 in Anwesenheit der Staatssekretärin im Bundesministerium für Inneres, Mag. Karoline Edtstadler, und der Widerstandskämpferin Prof. Käthe Sasso ein Mahnmal zur Erinnerung an alle Opfer des Faschismus enthüllt. In die zweiteilige Metalltafel wurde folgender Text eingraviert: „Käthe Sasso wurde 1942 hier als 16-jährige inhaftiert und kam im Jänner 1943 als Häftling ins Wiener Landesgericht. 1944 wurde sie ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Wenn wir die Gerechten vergessen, versteinert unser Herz.“ Rechts daneben befindet sich der Text: „Zur Erinnerung an alle Opfer des Faschismus. Hier, im ehemaligen Polizeigefängnis Rossauer Lände, waren in der Zeit ohne Gnade von 1938 bis 1945 politische Gegnerinnen und Gegner des NS-Regimes eingekerkert. Dieses Gefängnis war der Vorhof zu den Verhören und Folterungen auf der Gestapo-Leitstelle auf dem Morzinplatz.
Käthe Sasso (Mädchenname Smudits), geboren im März 1926 in Wien, war in einer NS-Widerstandsgruppe aktiv. Im August 1942 wurde sie von der Gestapo verhaftet. Sie wurde im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert. Auf dem „Todesmarsch“ kurz vor Kriegsende von Ravensbrück zum KZ Bergen-Belsen gelang ihr die Flucht. Sie kehrte nach Wien zurück und heiratete den Widerstandskämpfer Josef Sasso. Als Zeitzeugin berichtet sie seit den 1990er-Jahren über das NS-Terrorregime. Prof. Käthe Sasso lebt heute in Winzendorf, Niederösterreich und ist eine der letzten Zeitzeuginnen.

Weitere Gedenktafeln.

Auch in anderen Landespolizeidirektionsgebäuden befinden sich Gedenktafeln für die Opfer des Nationalsozialismus, etwa in Salzburg (siehe: Gedenktafel für NS-Opfer; in: Öffentliche Sicherheit, Nr. 3-4/21 (März/April 2021), S. 91-92). Vor dem Palais Modena in der Herrengasse 7 in Wien, dem Sitz des Bundesministeriums für Inneres, wurde 2020 ein „Stolperstein“ für den von den Nazis zu Tode misshandelten jüdischen Gendarmeriebeamten Karl Halaunbrenner angebracht (siehe: „Und alles, weil ich ein Jude bin“; in: Öffentliche Sicherheit, Nr. 1-2/21, S. 65-67).

Gedenktafel im Wiener Westbahnhof: Erinnerung an den ersten Transport von NS-Gegnern, darunter Polizeiführungskräfte, in das KZ-Dachau.
Gedenktafel im Wiener Westbahnhof: Erinnerung an den ersten Transport von NS-Gegnern, darunter Polizeiführungskräfte, in das KZ-Dachau.
© Werner Sabitzer

Gedenktafel im Westbahnhof.

150 von den Nationalsozialisten nach der Machtübernahme festgenommene Österreicher wurden am 1. April 1938 in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Unter den Häftlingen befanden sich hochrangige Polizeiangehörige, die für die Verfolgung der illegalen Nationalsozialisten von 1933 bis 1938 verantwortlich gemacht wurden: Dr. Richard Böhm, Dr. Rudolf Manda, Dr. Maximilian Pammer, Franz Zelburg, Maximilian Ronge, Emanuel Stillfried-Rathenitz, Dr. Josef Kimmel, Dr. Friedrich Streitmann, Dr. Leopold Buchsbaum und Dr. Heinrich Hüttl.
Am 2. April 1938 trafen weitere Häftlinge vom Westen Österreich im KZ Dachau ein, darunter der Landesgendarmeriekommandant von Oberösterreich, Dr. Ernst Mayer, Salzburgs Polizeidirektor Viktor Ingomar, der Sicherheitsdirektor von Salzburg, Ludwig Bechinie-Lazan, der Kriminalbeamte Wilhelm Ackermann und der Gendarmeriebeamte Johann Lackner. Nicht alle überlebten den Nazi-Terror: Ludwig Bechinie-Lazan wurde am 26. September 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald verlegt und am 22. Juli 1941 in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein in Deutschland umgebracht. Viktor Ingomar wurde im Jänner 1939 in die Strafvollzugsanstalt Stadelheim in München gebracht, wo er am 4. Februar 1944 ums Leben kam.
In Erinnerung an den ersten Häftlingstransport nach Dachau wurde am 17. März 1988 im Wiener Westbahnhof eine Gedenktafel angebracht. An dieser Stelle befand sich ursprünglich eine Metalltafel.
Die Marmortafel hat wie die Vorgängertafel folgende Inschrift: „Niemals vergessen! 150 österreichische Patrioten von den Nazi-Barbaren gleich nach der Okkupation unserer Heimat verhaftet, wurden von diesem Bahnhof am 1. April 1938 als erster Transport in das KZ Dachau verschleppt. Diese Menschen kamen aus allen Bevölkerungsschichten, aus allen politischen und religiösen Lagern. Ihre einzige Schuld bestand in ihrem Bekenntnis zu Österreich! Dies war der Anfang – das Ende der Holocaust. Wehret den Anfängen!“ Darunter befinden sich die Namen der Stifterorganisationen: KZ-Gemeinschaft Dachau sowie Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs.
Eine Reihe von Gedenkstätten in Österreich erinnern an jene Polizei- und Gendarmerieangehörigen, die beim Putschversuch der Nationalsozialisten im Juli 1934 ums Leben kamen.

Werner Sabitzer

Gedenktafel im Stadtpolizeikommando St. Pölten für die Opfer des Nationalsozialismus.
Gedenktafel im Stadtpolizeikommando St. Pölten für die Opfer des Nationalsozialismus.
© Dieter Höller

Quellen/Literatur:
Arnberger, Heinz; Kuretsidis-Haider, Claudia (Hrsg.): Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand, Verfolgung, Exil und Befreiung, Mandelbaum Verlag, 2011.
Brettner, Friedrich: Payerbach – Reichenau – Schwarzau/Geb. – Schicksalsjahre 1938 – 1945. Eigenverlag, Gloggnitz, 2010.
Butterweck, Hellmut: Nationalsozialisten vor dem Volksgerichtshof Wien. Österreichs Ringen um Gerechtigkeit 1945–1955 in der zeitgenössischen öffentlichen Wahrnehmung. Studienverlag, Innsbruck, 2016.
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): Gedenken und Mahnen in Wien 1934-1945. Gedenkstätten zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung. Eine Dokumentation. Deuticke, Wien 1998.
Gansinger, Gottfried: Nationalsozialismus im Bezirk Ried im Innkreis. Widerstand und Verfolgung 1938–1945.
Kerschbaumer, Gert: Respekt vor allen Opfern des nationalsozialistischen Terrors, in: Weidenholzer, Thomas; Lichtblau, Albert (Hg.): Leben im Terror. Verfolgung und Widerstand. Die Stadt Salzburg im Nationalsozialismus Band 3, Salzburg, 2012. Landesgendarmeriekommando für Vorarlberg (Hg.): Hugo Lunardon. Gendarmerie-Rittmeister posthum. In: Gedenkschrift zum 150-jährigen Bestehen der Gendarmerie in Österreich, Bregenz, 1999.
Matt, Werner: Zuerst das Notwendige ... Dornbirn von 1945 bis 2000. In: Werner Matt, Hanno Platzgummer (Hg.): Geschichte der Stadt Dornbirn. Band 2, 2002, S. 266.
Neugebauer, Wolfgang; Schwarz, Peter: Stacheldraht, mit Tod geladen ... Der erste Österreichertransport in das KZ Dachau 1938. Hrsg. Von der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs, Wien, 2008.
Pichler, Meinrad: Nationalsozialismus in Vorarlberg: Opfer, Täter, Gegner. Reihe Nationalsozialismus in den österreichischen Bundesländern, Band 3. Studien-Verlag, Innsbruck, 2012.
Sabitzer, Werner: Lexikon der inneren Sicherheit, Neuer wissenschaftlicher Verlag, Wien/Graz, 2008.
United States Holocaust Memorial Museum Archives: Wiener Prozesse wegen NS-Verbrechen. Viennese Post-War Trials of Nazi War Crimes. Washington, Online-Dokumentation: https://collections.ushmm.org/findingaids/RG-17.003M_01_fnd_de.pdf
Walser, Harald: Der Tod eines Staatsdieners. Hugo Lunardon und der Nationalsozialismus in Dornbirn. In: Bundschuh, Werner; Walser, Harald: (Hg.): Dornbirner Statt-Geschichten. Kritische Anmerkungen zu 100 Jahren politischer und gesellschaftlicher Entwicklung. Bregenz, 1987, S. 210-242.
Zellhofer, Martin: Die NS-Morde und –Standgerichtsfälle in Schwarzau im Gebirge und Umgebung im April/Mai 1945 im Lichte des Volksgerichtsverfahrens 1945–1948. Diplomarbeit, Universität Wien, 2008.

Gedenktafel in der Landespolizeidirektion Salzburg mit den Namen von NS-Opfern der Polizei in Salzburg.
Gedenktafel in der Landespolizeidirektion Salzburg mit den Namen von NS-Opfern der Polizei in Salzburg.
© Werner Sabitzer

Presseberichte:
20 Morde eines Nazi-„Standgerichts“. In: Österreichische Volksstimme, 4. Mai 1947, S. 4.
Das Mördernest von Schwarzau im Gebirge. In: Die Weltpresse, 6. Mai 1947, S. 2.
Massaker im Raxgebiet – April 1945. In: Der Freiheitskämpfer, Nr. 1/März 1996.
Reichenau: Gedenkstein für Opfer der Jahre 1945–1946: In: NÖN (Ausgabe Neunkirchen), 18/1995, S. 15.
Die Polizei gedenkt der Opfer der Naziherrschaft, in: Arbeiter-Zeitung, 27.10.1946.
Ehrung der justifizierten Angehörigen der Wiener Polizei, in: Arbeiter-Zeitung, 1.11.1946.
Die elf Märtyrer der Wiener Polizei, in: Österreichische Volksstimme, 1.11.1946.
Enthüllung einer Gedenktafel für justifizierte Polizeibeamte, in: Neues Österreich, 1.11.1946.
Gedenktafel in der Polizeidirektion, in: Wiener Zeitung, 1.11.1946.
Der Gedenkstein für die Polizeiopfer des Faschismus, in: Arbeiter-Zeitung, 3.11.1946.
Gedenkfeier in der Polizeidirektion, in: Neues Österreich, 3.11.1946.
Zum Andenken eines treuen Sozialisten, in: Arbeiter-Zeitung, 9.11.1946 (Leserbrief).
Zuchthäusler lieferte Sankt-Pöltner Freiheitskämpfer der Gestapo aus. In: Österreichische Zeitung, 11. Dezember 1945, S. 2.
Ehrung für Sankt-Pöltner NS-Opfer. In: Der Neue Mahnruf, Heft 12/1968, S. 6.
Rehabilitierung nach dem Tode. In: Vorarlberger Volksblatt, 13. März 1947, S. 3.
Veränderungen in der Gendarmerie. In: Vorarlberger Wacht, 7. Februar 1928, S. 3.


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2021

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