Prävention

Der Direktor des Bundeskriminalamts Andreas Holzer und die Leiterin des Notrufs „Rat auf Draht“ Birgit Satke vereinbarten die Fortführung der Förderung der Beratungsstelle.
Der Direktor des Bundeskriminalamts Andreas Holzer und die Leiterin des Notrufs „Rat auf Draht“ Birgit Satke vereinbarten die Fortführung der Förderung der Beratungsstelle.
© Armin Halm

Säule der Präventionsarbeit

Das Bundeskriminalamt fördert die Beratungsstelle „Rat auf Draht“ finanziell, die wichtige Präventionsarbeit für Kinder und Jugendliche leistet.

Wenn sich die Eltern ständig streiten, der Lerndruck in der Schule zu groß wird, Freundschaften oder Beziehungen junge Menschen vor Herausforderungen stellen, können sich Kinder und Jugendliche der Unterstützung von „Rat auf Draht“ sicher sein. Sorgen und Ängste über die Schule, Liebe oder die Zukunft sind für junge Menschen oftmals Wegbegleiter und nur schwer allein zu bewältigen. Vor allem in Krisenzeiten können sich Unsicherheiten und zwischenmenschliche Konflikte verstärken und häufiger auftreten. „Rat auf Draht“ stellt gerade in solchen Situationen eine wichtige Anlauf- und Präventionsstelle dar, weshalb das Bundeskriminalamt die Förderung der Beratungsstelle für weitere zwei Jahre verlängerte. „Die Initiative ‚Rat auf Draht‘ ist eine wichtige Säule der Präventionsarbeit in Österreich“, erklärt der Direktor des Bundeskriminalamtes, General Mag. Andreas Holzer, MA. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten einen wertvollen Beitrag zur Deeskalation und damit zur Verhinderung von Gewalt.“

Anonyme Beratung.

Seit 1987 können Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen kostenlos und anonym über ihre Probleme und Ängste reden, ohne vorverurteilt oder missverstanden zu werden. Das 19-köpfige Team besteht aus Psycholog/-innen, Klinischen- und Gesundheitspsycholog/-innen, Lebens- und Sozialberater/-innen, Sozialpädagog/-innen und Jurist/-innen. Bedingt durch die Corona-Pandemie und die Einschränkungen des alltäglichen Lebens hatten nicht alle Kinder und Jugendliche die Möglichkeit einer Privatsphäre, wodurch ein persönliches Gespräch unmöglich wurde. Um die jungen Menschen dennoch beraten zu können, wurde die Chat-Beratung in einer Testphase ausgebaut und von der Zielgruppe angenommen. Diese ist von Montag bis Freitag von 18 bis 20 Uhr erreichbar. Aufgrund der steigenden Anzahl an Anrufen von Eltern und Bezugspersonen wurde 2020 die Elternseite, eine Online-Plattform, die neben Informationen zu Erziehungsfragen und Familienalltag eine Video-Beratung für Ratsuchende anbietet, ins Leben gerufen.

Die Auswirkungen von Corona.

2020 hat nicht nur das Leben vieler Erwachsener verändert, sondern auch das von Kindern und Jugendlichen. Homeschooling, Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen sowie der Umgang und die Verarbeitung von Ängsten im Zusammenhang mit der Pandemie hat viele Heranwachsende vor Herausforderungen gestellt. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen zeigen sich vermehrt Angstzustände, Depressionen, Essstörungen und andere psychische und körperliche Probleme. Wie der Jahresbericht 2020 von „Rat auf Draht“ zeigt, wurde der Notruf 147 insgesamt 83.649-mal kontaktiert und 63.548 Telefon-, 3.987 Chat- und 2.778 Online-Beratungen durchgeführt. Besonders häufig wurde über Themen wie Arbeitslosigkeit (+ 174 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), Ängste (plus 159 Prozent) oder auch Schlafstörungen (plus 142 Prozent) gesprochen. Doch auch wie die Heranwachsenden mit psychischer Gewalt in der Familie (+ 157 Prozent), familiären Problemen (+ 123 Prozent) oder der unerwünschten Kontaktaufnahme über digitale Medien (+ 151 Prozent) umgehen sollen, wurde oft thematisiert. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten und unterstützen die Kinder und Jugendlichen in Ausnahmesituationen, wie bei Gewalterfahrungen. Genau deshalb ist ‚Rat auf Draht‘ für uns ein wichtiger Partner in der Gewaltprävention, denn gerade junge Menschen sind besonders schutzbedürftig“, betonte General Mag. Holzer. Um diese Probleme und Hürden auch in Zukunft gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen bewältigen zu können, wurde die Förderung zum dritten Mal in Folge verlängert. Der Notruf wird mit weiteren 150.000 Euro vom Bundeskriminalamt unterstützt.

11600 – Hotline für vermisste Kinder.

Neben „147“ gibt es eine weitere Hotline, die von Rat auf Draht mitbetreut wird. Sie wurde für Kinder und Jugendliche ins Leben gerufen, die von zu Hause weggelaufen sind beziehungsweise gezwungen wurden, ihr Zuhause zu verlassen und nun nicht mehr weiterwissen. Die Expert/-innen stehen auch für die psychosoziale Beratung und Begleitung von Personen, die für vermisste Kinder und Jugendliche verantwortlich sind, zur Verfügung. Ebenso beraten sie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Neben der Entgegennahme und Weiterleitung von Vermisstenmeldungen an die Polizei, unterstützen sie die Behörden auch bei der Suche nach den Vermissten. Dies schließt grenzüberschreitende Fälle mit ein. Die Suchmeldungen werden vor allem über soziale Netzwerke, wie Twitter oder Facebook geteilt, um möglichst viele Menschen über die Abgängigkeit zu informieren und so schneller finden zu können.

Romana Tofan


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2021

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