GEMEINSAM.SICHER in Österreich

Bahnhof Mödling: Nadine Spannagl, Marion Seidl und Norbert Vogel geben Tipps, wie man sein Fahrrad vor Diebstahl schützt.
Bahnhof Mödling: Nadine Spannagl, Marion Seidl und Norbert Vogel geben Tipps, wie man sein Fahrrad vor Diebstahl schützt.
© Gerd Pachauer

Fahrraddiebstähle verhindern

Im ersten Halbjahr 2021 wurden im Bezirk Mödling über 150 Fahrraddiebstähle verzeichnet. Polizeibedienstete informieren Radfahrer am Bahnhof Mödling, wie sie ihre Räder vor Diebstahl schützen können.

Norbert Vogel hält den Fahrradpass in der Hand, der erstellt worden ist, um nach einem Diebstahl die Chance zu erhöhen, das Fahrrad wiederzubekommen. Er ist Kontrollinspektor und Sicherheitskoordinator in Mödling, er ist der Grund, warum Radfahrerinnen und Radfahrer stehenbleiben, an diesem Ort im Bereich des Bahnhofs Mödling vor der Radstation, wenn sie wissen wollen, wie sie ihr Fahrrad vor Diebstahl schützen können. „Es werden jährlich bis zu 400 Fahrräder im Bezirk Mödling gestohlen, zumeist aus Wohnhausanlagen oder Vorgärten – heuer schon 152“, sagt Vogel. Und wo erreiche man Radfahrerinnen und Radfahrer am ehesten? „Natürlich am Bahnhof, weil viele mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto zum Bahnhof kommen – und genau da wollen wir ansetzen, um Radlerinnen und Radler mit unseren Informationen zu erreichen.“

Beratung.

Es ist Montag, 12. Juli 2021, später Nachmittag: Gemeinsam mit Bezirksinspektorin Marion Seidl, Sachbearbeiterin und Präventionsbeamtin der Polizeiinspektion Mödling, und Inspektorin Nadine Spannagl, der „Jüngsten“ der Dienststelle, steht Vogel am Bahnhof Mödling und berät Radfahrerinnen und Radfahrer zu Fragen: Was kann ich tun, um mein Fahrrad vor Diebstahl zu schützen? Wo stelle ich es am besten ab? Welches Schloss verwende ich? Wie schließe ich es richtig ab? Soll ich mein Rad versichern lassen? „Am besten einen hellen, gut einsehbaren Ort als Abstellplatz wählen“, erklärt der Polizist. „Das Fahrrad an einen festen Gegenstand sperren“, erklärt er. „Das Schloss sollte etwa zehn Prozent vom Kaufpreis des Fahrrades ausmachen, weil es mindestens drei Minuten eines Angriffes standhalten sollte.“ Auch eine Diebstahlversicherung empfehle sich, besonders bei neuen, hochpreisigen Fahrrädern in den ersten Jahren.
Ein junger Mann nähert sich, begrüßt Marion Seidl, die Präventionsbeamtin. Man kennt einander von Amtshandlungen. Seidl ist seit 16 Jahren in der Polizeiinspektion, kennt viele Gesichter. Sie mache Prävention, Verkehrserziehung, Kinderpolizei, Cyber-Kids, Jugendprävention in Schulen und Eigentumsprävention, sagt sie. Am vor ihr aufgestellten Pult liegen Broschüren: „Fakten & Tipps zum Schutz Ihres Fahrrades“, „Richtig ausgerüstet“, „Radfahren im besten Alter“, „Kleine Radprofis“. Auch Fahrradpässe – der junge Mann greift nach einem. Ein älterer Radfahrer beklagt sich bei Vogel – da geht es um Fragen, die nicht nur den Schutz des Fahrrades betreffen. Aber auch das gehöre dazu, betont der Polizist, dessen Vater Rayonsinspektor in Wien war. „Er hat immer zu mir gesagt, nur durch Reden kommen Leute zusammen – ich halte mich an diesen Leitspruch.“ Denn eigentlich sei es genau das, was die Initiative „GEMEINSAM.SICHER“ ausmache, betont er. „Wenn du gut vernetzt bist, tust du dir in der Polizeiarbeit leichter. Du kannst Informationen transportieren, aus erster Hand. Du kannst das Sicherheitsgefühl von Menschen erhöhen, weil sie Fakten erfahren, die Hand und Fuß haben und nicht aus einer Tageszeitung kommen.“

GEMEINSAM.SICHER am Bahnhof Mödling: Nadine Spannagl verteilt Infobroschüren an Radfahrer;
GEMEINSAM.SICHER am Bahnhof Mödling: Nadine Spannagl verteilt Infobroschüren an Radfahrer;
© Gerd Pachauer

Aufklärung.

Seidl und Spannagl schwärmen wieder einmal aus, um vorbeifahrende Radfahrerinnen und Radfahrer anzusprechen, auch Fußgängerinnen und Fußgänger. Die Bezirksinspektorin klärt über innovative Ansätze beim Diebstahlsschutz auf. Über Fahrradschlösser mit Abschreckung, über Ortungsgeräte, über Alarmanlagen.

Diebstahl.

Es gebe viele Gründe, warum Fahrräder gestohlen werden, sagt sie. „Um schnell mal nach Hause zu kommen, um sich nicht selbst eines kaufen zu müssen, um sie einem Hehler anzubieten, aber auch, um es selbst zu verkaufen.“ In Österreich würden knapp zehnmal mehr Fahrräder als Kraftfahrzeuge gestohlen, ergänzt ihre Kollegin, die junge Inspektorin. „Und mehr als die Hälfte davon in den Landeshauptstädten.“ Deshalb dürften auch Innovationen nicht außer Acht gelassen werden, sagt sie. Nadine Spannagl ist erst seit Oktober 2020 in der Dienststelle, die „Jüngste“ von allen. Warum sie zur Polizei gegangen ist, beschreibt sie so: „Es lag auf der Hand, mein Vater ist Polizist und auch viele meiner Bekannten sind bei der Polizei.“ GEMEINSAM.SICHER sei insbesondere für jene Menschen wichtig, die keine Bezugsperson wie sie hätten, sagt sie.

Vernetzung

Vernetzung sei wichtig, sagt Kontrollinspektor Vogel. Er koordiniert zwölf Sicherheitsbeauftragte. Sie sind auf elf Polizeiinspektionen verteilt: Breitenfurt bei Wien, Brunn am Gebirge, Gumpoldskirchen, Guntramsdorf, Hinterbrühl, Laxenburg, Maria Enzersdorf, Mödling, Perchtoldsdorf, Vösendorf und Wiener Neudorf. Vogel kam 1992 zur Wiener Polizei. Von 1992 bis 2008 arbeitete er in Wien-Ottakring, war dazwischen auf zwei Auslandseinsätzen im Kosovo. Seit 1. März 2016 ist er Sicherheitskoordinator im Bezirkspolizeikommando Mödling. Er sei immer wieder operativ tätig, hebt er hervor. Bei Sicherheitsbesprechungen, Ferienspielen, an Sicherheitstagen. Wie Ende 2019 bei der Frauenmesse in Wiener Neudorf, wo er mit Bezirksinspektorin Seidl einen Polizeistand betreute. „Das ist damals von einer Gemeinderätin organisiert worden, die auch Sicherheitspartnerin ist“, sagt er. Auch bei der Jobmesse in Brunn am Gebirge sei er regelmäßig im Einsatz. „Weil Vernetzung wichtig ist, aber Zeit kostet.“

Marion Seidl und Norbert Vogel beraten Bürger am Informationsstand der Polizei.
Marion Seidl und Norbert Vogel beraten Bürger am Informationsstand der Polizei.
© Gerd Pachauer

GEMEINSAM.SICHER mit Gemeinden und Bürgermeistern.

„Die Initiative ,GEMEINSAM.SICHER‘ ist deshalb wichtig, weil es eine der wenigen Möglichkeiten ist, in der Polizeiarbeit auf Augenhöhe mit Menschen zu kommunizieren“, sagt Oberstleutnant Gertraud Haselbacher, Kommandantin im Bezirkspolizeikommando Mödling. Es gebe auch eine enge Vernetzung der PI-Kommandanten mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, hebt sie hervor. „In vierzehn von den zwanzig Gemeinden im Bezirk gibt es Sicherheitsgemeinderäte, die mit den Sicherheitsbeauftragten eng vernetzt sind.“ „Ich schreibe monatliche Informationstexte über aktuelle sicherheitsrelevante Themen, die an Sicherheitspartnerinnen und -partnern sowie Gemeinden versendet werden. Texte, die oft in Gemeindezeitungen oder auf Gemeinde-Homepages zu lesen sind“, ergänzt der Sicherheitskoordinator.

Covid-19-Pandemie.

Die Frage, wie sich Corona auf die Initiative „GEMEINSAM.SICHER“ ausgewirkt hat, beantwortet der Sicherheitskoordinator so: „Das hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Weil Prävention dann gut und zielgerichtet läuft, wenn du Menschen dort abholst, wo sie sind – bei Informations- oder Sicherheitstagen, Sicherheitsbesprechungen, oder wenn sie Opfer einer Straftat geworden sind.“ Dann würden sich Menschen für Vorbeugung interessieren. Ein konkretes Beispiel? „Opfer werden nach Einbrüchen von unseren Präventionsbeamtinnen und -beamten kontaktiert, zeitnah, mit dem Angebot einer Hilfe, von Beratung – das haben wir telefonisch machen müssen, nicht persönlich.“
„Die Polizistinnen und Polizisten im Bezirkspolizeikommando Mödling versuchen mit der Initiative ‚GEMEINSAM.SICHER‘ die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit der Menschen zu fördern.“ Was nicht bedeute, dass sie an Bespitzelung interessiert seien, vielmehr daran, „die Menschen aufzurütteln und für noch mehr Zivilcourage zu gewinnen“, sagt Norbert Vogel, der Sicherheitskoordinator von Mödling.

Reinhard G. Leprich


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 9-10/2021

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