Russland

Geld und Drogen

Kriminelle nutzten in Russland das durch die Corona-Pandemie begünstigte Einkaufsverhalten im Internet aus.
Kriminelle nutzten in Russland das durch die Corona-Pandemie begünstigte Einkaufsverhalten im Internet aus.
© Adrian_Ilie825/stock.adobe.com

Die Polizei verzeichnete 2020 in Russland 510.400 Cybercrime-Anzeigen – um drei Viertel mehr als 2019. Die meisten Anzeigen wurden wegen Internetbetrugs erstattet.

Lockdowns, Quarantäne, Homeoffice, Distance-Learning: Aufgrund der Corona-Pandemie nutzten auch in Russland mehr Menschen das Internet. Diese Entwicklung machten sich Kriminelle zunutze: Die Zahl der Cybercrime-Delikte stieg 2020 in Russ land um 73,4 Prozent gegenüber 2019. In Russland werden Cybercrime-Delikte wie in anderen Ländern in zwei Gruppen eingeteilt. Zur ersten Gruppe zählt man die IT- und Computer Delikte, bei denen Angriffe auf Daten oder Computer-Systeme erfolgen. Die zweite Gruppe betrifft alle Straftaten, bei denen das Internet und andere Kommunikationstechnik als Tatmittel zur Ausführung von Straftaten eingesetzt wird. Mehr als 300.000 Straftaten wurden in Russland 2020 mittels Internet begangen (59 % aller angezeigten IT-Delikte). Das Handy wurde in 218.739 Fällen als Tatmittel verwendet, 190.000 Cybercrime-Delikte wurden mittels Kreditkarten begangen. Die Anzeigedaten des russischen Innenministeriums zeigen, dass sich die Tendenz der Steigerung der Cyber-Kriminalität in Russland fortgesetzt hat. Im Jänner und Februar 2021 stieg die Anzahl der Cybercrime-Anzeigen um 29,4 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020.

Zwillingsseiten von Zwillingsbrüdern.

Die russische Polizei klärte im März 2021 Internet-Betrugsfälle auf, die von einer Gruppe von Kriminellen begangen worden waren, die von Zwillingsbrüdern aus Sankt Petersburg geleitet wurden. Die Betrüger erstellten Kopien – „Zwillingsseiten“ – von Web-Seiten russischer Kredit- und Finanzinstitute und lockten Bankkunden auf die falschen Seiten. Als die Kunden beim Onlinebanking ihre Logins und Pass wörter eingaben, bekamen die Betrüger Zugriff auf die Daten der Opfer. Sie riefen die Kunden der Bank an und gaben sich als Mitarbeiter des technischen Supports dieser Bank aus. Sie forderten von ihnen die von der Bank gesendeten Sicherheitscodes, um die wahrscheinlichen „Fehler“ zu definieren. Diese Sicherheitscodes haben die Opfer entweder telefonisch oder über von den Betrügern erstellten Webseiten mitgeteilt. Das ermöglichte es den Betrügern, das Geld der Opfer auf ihre Konten zu überweisen. Einige Mitglieder der organisierten Gruppe hatten die Aufgabe, das gestohlene Geld einzulösen und die Spuren des Diebstahls zu verschleiern. Hierzu wurden SIM-Karten und Bankkonten verwendet, die für Personen registriert wurden, die von den illegalen Aktivitäten der Betrüger nichts wussten.

Bei der Aufklärung

Bei der Aufklärung von Cybercrime-Delikten spielen die technische Ausrüstung und Informationsunterstützung der Polizei eine wesentliche Rolle. Die Polizei in Russland hat seit 1992 eigene Einheiten zur Bekämpfung der IT-Kriminalität. Die Gesamtzahl der „Cybercops“ wurde 2020 um 3.000 Polizistinnen und Polizisten erhöht und beträgt derzeit 5.000. Große Hilfe leistet den Polizisten das Hauptinformations- und analytische Zentrum des Innenministeriums. Es verfügt über mehr als 30 Informationsdatenbanken, die ständig weiterentwickelt werden. Zum Beispiel wurde das Subsystem „Biometrische Identifizierung“ für die Suche nach Personen über Fotos konzipiert. Das System „Fernbetrug“ ermöglicht es, transregionale und Serienverbrechen aufgrund von Merkmalen wie der IMEI-Nummer des Handys, der Nummer der Bankkarte oder des Bankkontos des Täters aufzuklären.

Ausbildung.

Der Erfolg der polizeilichen Arbeit im Kampf gegen Cybercrime hängt zu großen Teilen davon ab, wie gut die Polizistinnen und Polizisten ausgebildet sind. Die Kräfte der analytischen und technischen Abteilungen der Polizei werden in polizeilichen Universitäten und Akademien ausgebildet. Zum Beispiel werden in der größten Polizei-Universität in Moskau die „Cybercops“ an der Fakultät für IT-Sicherheit ausgebildet. Während des Studiums erlernen die Schüler Programmund kryptografische Methoden des Informations- und Datenbankenschutzes und der Informationsübermittlung. Seit 2017 hat die Moskauer Universität des Innenministeriums eine neue Ausbildungsrichtung: „Operativ-technische Unterstützung der Aufklärung und der Untersuchung von Cyber-Kriminalität“. Die Ausbildung dauert fünf Jahre. Die Spezialisierung wählen die Schüler im dritten Ausbildungsjahr aus.

Für die Aufklärung und Untersuchung

Für die Aufklärung und Untersuchung von IT-Delikten sollen die Polizisten mehr mit Banken, mit den Besitzern der Mobilfunknetzen und sozialen Netzwerken zusammenarbeiten. Im Februar 2021 sind die Änderungen des Gesetzes „über Information, Informationstechnologien und den Informationsschutz“ in Kraft getreten. Laut diesem Gesetz sind die Betreiber sozialer Netzwerke verpflichtet, die Nutzung sozialer Netzwerke zum Zwecke der Begehung von Straftaten zu verhindern. Die Betreiber müssen ihre sozialen Netze kontrollieren, um mögliche pornografische Darstellungen von Minderjährigen, illegalen Suchtgifthandel, illegale Glücksspiele oder Informationen über die Methoden der Begehung von Selbstmord sowie Aufrufe zur Begehung von Selbstmord zu verhindern. 
Im Fall der Identifizierung solcher Informationen ist der Betreiber des sozialen Netzwerks verpflichtet, den Zugang zu diesen Informationen zu beschränken. Um den Schutz der Bevölkerung und Unternehmen vor Cyber-Kriminalität zu erhöhen, plant die russische Polizei, die Bevölkerung mehr über Möglichkeiten zum Schutz vor Betrügern zu informieren, die Ausbildung der Polizisten zu verbessern und die technische Ausrüstung zu modernisieren.

Tanja Shukova

Cybercrime 

510.400 Anzeigen

Die Zahl der Cybercrime-Anzeigen stieg in Russland 2020 um 73,4 Prozent gegenüber 2019 und beträgt 25 Prozent aller angezeigten Straftaten (2019: 14,5 %). Die meis ten der 510.400 angezeigten Cybercrime-Delikte waren: Internetbetrug 210.493 (+ 75,6 %), Diebstahl im Zuge von E-Banking 173.416 (+ 75,5 %), illegaler Suchtgifthandel im Internet (+ 90,7 %), Betrug mittels E-Banking 25.820 (+ 60.2 %). Die Anzahl der „Computerdelikte“ betrug 4.498 (+ 56 %). Die Aufklärungsquote lag bei 20 Prozent.


Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2021

Druckversion des Artikels (233 kB)