Deutschland

Serienmörder Friedrich Schumann (Polizeifoto und Illustration in der Illustrierten Kronen Zeitung 1919).
Serienmörder Friedrich Schumann (Polizeifoto und Illustration in der Illustrierten Kronen Zeitung 1919).
© Archiv, Illustrierte Kronen Zeitung

Serienmorde am Falkenhagener See

Vor 100 Jahren wurde im Berliner Gefängnis Plötzensee Friedrich Schumann hingerichtet. Schumann ging als erster Serienmörder der Weimarer Republik in die deutsche Kriminalgeschichte ein.

Ein Forstaufseher aus Spandau traf am Abend des 18. August 1919 in einem Wald einen Mann und sprach ihn an. Dieser zog eine Pistole und schoss dem Forstaufseher zweimal in die Brust. Dem Schwerverletzten gelang es, mit seiner Schrotflinte auf den Unbekannten zu schießen und traf ihn in den Oberkörper. Dann schleppte er sich zu einem nahegelegenen Haus. Bevor er in der Nacht im Krankenhaus starb, gab er eine Beschreibung des Täters ab. Zwei Tage später verhafteten Kriminalbeamte in einer Arztpraxis in Spandau einen Mann, auf den die Personsbeschreibung passte und der sich die Schrotschusswunde versorgen ließ. Es handelte sich um Friedrich Schumann. Der 26-Jährige aus Spandau gestand nach und nach eine Reihe von Morden und Mordversuchen. Er ging als erster Serienmörder der Weimarer Republik in die deutsche Kriminalgeschichte ein. In Tageszeitungen wurde er als „Massenmörder vom Falkenhagener See“ bezeichnet.

Friedrich Schumann

Friedrich Schumann, geboren am 1. Februar 1893 in Spandau, wuchs in tristen Verhältnissen auf; sein Vater war Alkoholiker und kriminell. Seinen ersten Mord verübte Schumann als Jugendlicher. Bei einem Waldspaziergang erschoss er am 14. Mai 1908 seine 15-jährige Cousine. Er stellte die Tat als Unfall hin und behauptete, er hätte seine Cousine für ein Reh gehalten. Man glaubte ihm, sodass er nicht wegen Mordes verurteilt wurde, sondern nur für eine kurze Zeit in eine Erziehungsanstalt kam. 1911 erschoss er in Spandau eine Frau und wurde dafür nur zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Man glaubte seiner Version vom Tathergang. Dass er die Frau beraubt hatte, gestand er erst acht Jahre später.
Friedrich Schumann absolvierte eine Schlosserlehre und diente im Ersten Weltkrieg in der Armee. Aus dem Kriegsdienst entlassen, kehrte er nach Spandau zurück und arbeitete als Schlosser bei der Deutschen Reichsbahn. Er heiratete und trieb sich immer wieder im Wald beim Falkenhagener See herum. Dort begann eine Mordserie, die die Bewohner der Region in Angst und Schrecken versetzte.
Im September 1916 feuerte Schumann achtmal auf einen Jäger, verfehlte ihn aber. Im Mai 1917 erschoss er in Falkenhagen einen Nachtwächter. Die nächsten Opfer waren zwei Falkenhagener Gendarmen, die er am 4. Juli 1917 durch Schüsse tötete. Bei seinen Streifzügen im Falkenhagener Forst beobachte Schumann Liebespaare, erschoss die Männer und vergewaltigte die Frauen, bevor er auch sie ermordete. Weitere Mordopfer waren Jäger und Förster, Wanderer, Ausflügler und andere Menschen, die sich im Wald aufhielten.

Todesstrafe.

Vom 5. bis 13. Juli 1920 im Landgericht III in Berlin-Moabit musste sich Friedrich Schumann wegen sechs Morden, elf Mordversuchen, mehrfacher Vergewaltigung und anderen Straftaten verantworten. Für seine sechs Morde wurde er sechsmal zum Tod verurteilt. Der preußische Justizminister ließ sich mit der Entscheidung über eine Umwandlung der Todesstrafe Zeit, deshalb wurde Schumann erst am 27. August 1921, um sechs Uhr früh, im Gefängnis Plötzensee enthauptet. Sein Rechtsanwalt Erich Frey berichtete, dass ihm der Verurteilte in der Nacht vor seiner Hinrichtung gestanden habe, insgesamt 25 Menschen ermordet zu haben. Der Mörder habe ihn aber ersucht, dieses Geständnis dem Gericht nicht mitzuteilen. Er habe kein weiteres Gerichtsverfahren haben wollen.

Serienmörder Carl Grossmann.
Serienmörder Carl Grossmann.
© Wikimedia Commons

Serienmörder Carl Großmann.

Sechs Tage vor der Hinrichtung von Friedrich Schumann wurde am 21. August 1921 in Berlin auf frischer Tat neben seinem letzten Opfer ein weiterer Serienmörder verhaftet – Carl Friedrich Wilhelm Großmann. Bei der Durchsuchung der Wohnung in der Lange Straße in Berlin fanden die Kriminalisten Frauenkleider und Körperteile im Herd. Drei Morde konnten ihm zweifelsfrei zugeordnet werden, diese gestand Großmann auch. Die Zahl seiner Opfer wird auf mindestens 20 geschätzt. Carl Großmann, geboren am 5. Juli 1922 Sohn eines Lumpensammlers in Neuruppin, arbeitete als Fleischer und Hausierer und war mehrmals wegen Sexualstraftaten und anderen Delikten im Gefängnis. Er betrieb am Schlesischen Bahnhof in Berlin einen Würstelstand, wo er vermutlich seine Opfer ansprach und zu sich in seine Wohnung einlud. Es handelte sich großteils um Prostituierte und allein stehende oder obdachlose Frauen. Zwischen 1918 und 1921 wurden in den Gewässern um den schlesischen Bahnhof (ab 1950 Ostbahnhof) 23 zerstückelte Frauenleichen gefunden. Er erhängte sich am 5. Juli 1922 in seiner Zelle – noch vor dem Ende der Gerichtsverhandlung.

Werner Sabitzer


Quellen/Literatur:

  • Blazek, Matthias: Carl Großmann und Friedrich Schumann – Zwei Serienmörder in den zwanziger Jahren. Ibidem-Verlag, Stuttgart, 2009.
  • Frey, Erich: Ich beantrage Freispruch. Aus den Erinnerungen des Strafverteidigers Prof. Dr. Dr. Erich Frey. Blüchert Verlag, Hamburg, 1959.
  • Der Spandauer Massenmörder Friedrich Schumann. In: Illustrierte Kronen Zeitung, 18. Sept. 1919, S. 4.
  • Der Falkenauer Massenmord. In: Grazer Tagblatt, 18. Juli 1920, S. 3.

Öffentliche Sicherheit, Ausgabe 7-8/2021

Druckversion des Artikels (129 kB)