Körner, M. and T. Lemme (2020). ""Haben Sie gut hergefunden?“ Die Bedeutung der Rapport-Phase für den Verlauf der polizeilichen Vernehmung." SIAK-Journal – Zeitschrift für Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis 17(3): 48-61. In Zeiten des technischen Fortschritts wird auch die Relevanz des Personenbeweises im Strafverfahren diskutiert. Im Gegensatz zu kriminaltechnisch gewonnenen Sachbeweisen können Aussagen allerdings wertvolle Informationen über Tatbeteiligte oder Tatmotive beinhalten. Voraussetzung hierfür ist eine qualitativ hochwertige polizeiliche Vernehmung, deren Güte allerdings durch vielfältige Faktoren beeinfusst werden kann. Vor allem der Einstieg in eine Vernehmung, die bewusste Gestaltung der Ankommensphase – auch Rapport genannt – ist eminent wichtig für die Etablierung einer positiven Arbeitsbeziehung zwischen geladener und vernehmender Person und damit für den Vernehmungserfolg. Gleichwohl mangelt es bisher in Deutschland an wissenschaftlich fundierten, einheitlichen Empfehlungen, die Anwendung in der polizeilichen Praxis fnden. Ziel der Arbeiten des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen im BMBF-geförderten Projekt „BEST – Befragungsstandards für Deutschland“ ist es, standardisierungsfähige Elemente für polizeiliche Vernehmungen zu entwickeln. Hierfür wird der Status quo der Vernehmungspraxis exemplarisch in den Feldern Wirtschafts- und Jugendkriminalität mittels teilnehmender Beobachtung sowie narrativ angelegten Expertinnen- und Experteninterviews untersucht. Bis dato konnten 119 Vernehmungen beobachtet, elf Interviews geführt und speziell mit Blick auf den Beginn einer Vernehmung ausgewertet werden. Es zeigte sich, dass vor allem das Setting, also räumliche und zeitliche Rahmenbedingungen, Intentionen und Ziele der vernehmenden Beamtinnen und Beamten sowie die beziehungsfördernde Interaktion in der frühen Kontakt- und Orientierungsphase maßgeblich den weiteren Verlauf einer Vernehmung bestimmen können. Welche Gestaltungsformen in der Ankommensphase einer Vernehmung möglich sind und inwiefern Empfehlungen aus der Theorie Anwendung in der polizeilichen Praxis finden, wird in diesem Beitrag unter Einbezug der ersten Untersuchungsergebnisse diskutiert.