Peer Support

"Wir sind für unsere Kollegen da"

23 "Peers" schlossen ihre Ausbildung im Rahmen des Peer-Support-Programmes des Innenministeriums am 26. Jänner 2018 erfolgreich ab und stehen künftig ihren Kolleginnen und Kollegen bei der Aufarbeitung belastender Ereignisse zur Seite.

Mit dem "Peer-Support" hat der Psychologische Dienst des Innenministeriums ein Programm entwickelt, das Polizistinnen und Polizisten dabei hilft, sich gegenseitig nach schwierigen Amtshandlungen zu unterstützen. Am 26. Jänner 2018 schlossen 23 weitere Polizistinnen und Polizisten die dreiwöchige Ausbildung zum "Peer" ab und stehen künftig ihren Kolleginnen und Kollegin bei der Aufarbeitung belastender Ereignisse zur Seite. Insgesamt sind bundesweit 86 Polizistinnen und Polizisten für den Peer-Support tätig. Im Team sind auch 18 ausgebildete Psychologinnen und Psychologen aktiv.

Dieselbe Sprache

Polizistinnen und Polizisten sind in ihrem Beruf häufig Extremsituationen ausgesetzt. Nicht nur die körperliche Belastung ist dabei groß, auch die Psyche kann unter den extremen Situationen leiden. Der Begriff "peer", also gleichrangig, bezieht sich auf den gemeinsamen Beruf. "Peers sind Menschen aus den eigenen Reihen, die dieselbe Sprache sprechen. Polizistinnen und Polizisten haben einen ähnlichen Zugang zum Erlebten", sagt die Koordinatorin des Programmes, Mag. Elisabeth Schneider. Das nötige Rüstzeug für die psychologische Unterstützung ihrer Kolleginnen und Kollegen bekommen die Peers im Rahmen der Peer-Support-Ausbildung in drei Blöcken mit der Dauer von je einer Woche.

Parallelen zum eigenen Leben

Belastende und gefährliche Situationen können Bilder erzeugen, die die Betroffenen nicht mehr so schnell loslassen und in weiterer Folge Traumata auslösen. Der Gebrauch von Schusswaffen, Unfälle mit Todesfolge oder ein Katastrophen-Einsatz sind nur einige Beispiele für belastende Erlebnisse im Polizei-Berufsalltag. Im Prinzip kann aber so gut wie jede Amtshandlung belasten. "Problematisch ist es unter anderem, wenn die Betroffenen Parallelen zur eigenen Lebenssituation herstellen", sagt Mag. Markus Wirtenberger vom Psychologischen Dienst, der gemeinsam mit Mag. Elisabeth Schneider und Mag. Wolfgang Rindler neue Peers ausbildet. So könne der Ehering eines toten Menschen an die eigene Partnerschaft erinnern, oder der Unfalltod eines Jugendlichen Angst vor dem Verlust eigener Familienangehöriger auslösen.

Angepasste Unterstützung

"Wenn jemand eine potenziell traumatische Situation erlebt, muss sich daraus nicht zwingend eine psychische Störung entwickeln. Wenn etwas Ungewöhnliches während dem Dienst passiert, schaut der Peer Support, was der Betroffene in dieser Situation braucht und wie man sie oder ihn am besten unterstützen kann", sagt Schneider. Und das könne viel sein. Mit Einzel- oder Gruppengesprächen, Informationen, Erklärungen, Stressmanagement oder einfach nur durchs Zuhören, versucht der Peer Support, den Betroffenen nach schwierigen Erlebnissen zur Seite zu stehen, um gravierenden Belastungsstörungen vorzubeugen. Aber auch schon während schwieriger Einsätze, wie zum Beispiel Katastrophen, wird der Peer-Support aktiv.

"Nicht auf sich selbst vergessen"

"Wenn man sich bei einem Einsatz voll ins Geschehen stürzt, vergisst man häufig auf für den Körper grundlegende Dinge wie essen und trinken oder Pausen. Die Gefahr, dass man dabei schnell ausbrennt, ist groß. Wir kümmern uns dann darum, dass die Kolleginnen und Kollegen nicht auf sich selbst vergessen", sagt Schneider. "Oft ist es auch von Vorteil, wenn sich bei einem Katastrophen-Einsatz jemand um die Angehörigen vor Ort kümmert und so den Polizistinnen und Polizisten im Einsatz den Rücken frei hält", betont die Psychologin das vielfältige Einsatzgebiet der Peers. Auch vermittelnde Tätigkeiten seien oft gefragt. "Es kann helfen, wenn jemand die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Gruppen bei einem Einsatz oder zwischen den Blaulicht-Organisationen übernimmt", ergänzt Rindler.
Der Peer-Support kann von Polizistinnen und Polizisten jederzeit freiwillig kontaktiert werden und unterliegt der Verschwiegenheitspflicht.

Text: Anna Freinschlag

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Artikel Nr: 15530 vom Freitag, 2. Februar 2018, 13:50 Uhr
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