Sicherheitsakademie

Hohes Ausbildungstempo

Die steigende Zahl an Aufnahmen in die Polizei setzt die Sicherheitsakademie und die Bildungszentren unter Druck. Sie suchen Lehrpersonal in der Polizei und Platz für die Polizeischulklassen.

Unter enormem Druck stehen derzeit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sicherheitsakademie und ihrer Bildungszentren. Grund ist die Aufnahmeoffensive. Derzeit sind etwa 2.500 Polizeischülerinnen und -schüler in Grundausbildung. Bisher waren es durchschnittlich 1.800 mit Spitzen bis knapp über 2.000. Führungskräfte der Sicherheitsakademie (SIAK) und Leiter der Bildungszentren (BZS) berieten vom 21. bis 23. November 2017 bei einer Tagung in Wien, wie die Herausforderungen zu bewältigen sind.

"Wir dürfen an Tempo nicht nachlassen", sagte Mag. Michael Kloibmüller, Leiter der für die Ausbildung zuständigen Sektion I (Präsidium), bei der Leiter-Tagung. "Auch in der Ausbildungsqualität dürfen wir keine Abstriche machen. Sie muss durchgehend dasselbe hohe Niveau haben – von Bregenz bis Eisenstadt."

Polizeilehrer gesucht

Mit der Aufnahmeoffensive sind Herausforderungen für die Sicherheitsakademie verbunden wie die Notwendigkeit, Polizeilehrer zu rekrutieren und Lehrsäle bereitzustellen. Derzeit stehen knapp 300 Planstellen für Polizeilehrerinnen und -lehrer zur Verfügung. Über 230 davon sind besetzt; auf den meisten anderen sind bereits Beamte eingesetzt, aber noch in ihrer Probezeit.

"Ob man sich zur Lehrerin bzw. zum Lehrer berufen fühlt, muss jede Polizistin bzw. jeder Polizist für sich erst testen, wenn er sich dazu entschließt", erklärte Dr. Norbert Leitner, Direktor der Sicherheitsakademie. "Auch die Dienstbehörde muss erst sehen, ob jemand für diesen Bereich geeignet ist." Daher gibt es eine Probezeit. Sie dauert in der Regel sechs Monate.

Wer sich für den Lehrberuf in der Exekutive entscheidet, muss in angemessener Zeit einen Fachhochschul-Lehrgang absolvieren. Bisher war das der FH-Lehrgang "Polizeiliches Lehren" an der FH Wiener Neustadt. Künftig wird das der drei Semester umfassende FH-Lehrgang "Pädagogisch-Didaktischer Lehrgang für hauptamtliche Lehrende des Exekutivdienstes" (90 ECTS) sein, der ebenfalls mit der FH Wiener Neustadt entwickelt wird und der auch die Verleihung eines akademischen Grades für die Absolventinnen und Absolventen vorsieht. Der erste Lehrgang soll noch 2017 beginnen.

Hohe Verantwortung

Im September 2017 trat eine neue Geschäftsordnung (OGO) für die Bildungszentren in Kraft. "Damit haben wir ordentliche Rahmenbedingungen geschaffen und der Lehrberuf innerhalb der Polizei ist noch ein wenig attraktiver geworden", sagte Generalmajor Thomas Schlesinger, BA MA, Leiter des SIAK-Zentrums für Grundausbildung. In der OGO wurden neben einheitlichen Größenschlüsseln und Strukturen Arbeitsplätze für Mentoren im Bereich der Grundausbildungslehrgänge für die Verwendungsgruppe E2a sowie die Fachzirkelkoordinatoren verankert. Fachzirkel sind Gremien, bestehend aus Polizeilehrerinnen und -lehrern, die die Lehrinhalte auf dem neuesten Stand halten. Insgesamt gibt es zwölf Fachzirkel – vom Fachzirkel Dienstrecht über Einsatztraining, Kriminalistik bis hin zum Fachzirkel Strafrecht und Privatrecht. Jeder Fachzirkel wird von einer Lehrerin oder einem Lehrer koordiniert. Bisher übten sie diese Tätigkeit aus, ohne dafür entsprechend entlohnt zu werden. Für die Fachzirkelkoordinatoren sind in der OGO zwölf E2a/7-Planstellen eingerichtet worden. Die übrigen Polizeilehrer sind als E2a/6-Beamte eingestuft, also relativ hoch.

"Sie haben auch eine hohe Verantwortung", betonte Sektionschef Kloibmüller. "Wie gut die Polizeischüler auf den Polizeidienst vorbereitet werden, hängt von den Polizeilehrerinnen und -lehrern ab." Und das sei im Falle eines Polizisten oft überlebenswichtig. Auf jede Polizei-Grundausbildungsklasse kommen drei Polizeilehrer. Die Zahl der Polizeischüler wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Die SIAK sucht daher laufend Interessenten für den Lehrberuf.

Platz für die Bildung

Auch das Platzproblem ist eine Herausforderung für die SIAK- und BZS-Führungskräfte. Österreichweit gibt es etwa 100 Lehrsäle. Das Salzburger Bildungszentrum wird in den kommenden Monaten möglicherweise zum Teil auf Container ausweichen müssen. 2020 werden die Schüler und Lehrer in ein neues Gebäude in der Stadt Salzburg umziehen. In Salzburg werden derzeit zwölf Spitzensportler ausgebildet. Sie sind großteils Wintersportler. Der bekannteste ist Max Franz. Er wird seine Polizeiausbildung 2019 abschließen. "Die Ausbildung ist verlängert, weil sie immer wieder von der Hauptsaison der Sportler unterbrochen ist", erklärte Oberst Peter Brunner, BA MSc. "Sie müssen aber dieselben Prüfungen absolvieren wie jeder andere auch – inklusive der Dienstprüfung."

Im Juli 2017 wurde ein Bildungszentrum in St. Pölten eingerichtet. Somit gibt es österreichweit elf – in jedem Bundesland eines, in Niederösterreich drei (Traiskirchen, Ybbs/Donau und St. Pölten). Einen immer größer werdenden Stellenwert nimmt das E-Learning am elektronischen SIAK-Campus im Intranet ein. "Wir müssen eventuell auch über weitere neue Standorte nachdenken", sagte Sektionschef Kloibmüller. Alles hänge davon ab, wie das Programm der nächsten Bundesregierung aussehen werde. Kloibmüller drängt aber darauf, dass die SIAK und die Bildungszentren auf alles vorbereitet sind. "Wir müssen schnell handeln, sobald wir wissen, wohin der Zug geht", sagte der Sektionschef.

Fortbildung

Neben der Ausbildung, der Lehrer- und Platzsuche, beschäftigt die Fortbildung die Mitarbeiter der SIAK. Mit der wachsenden Zahl an Polizisten wächst der Bedarf an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. "Die Fortbildungswochen 2018 bis 2020 werden vier Schwerpunkte bilden", berichtete Generalmajor Günter Krenn, BA, Leiter des SIAK-Zentrums für Fortbildung. "Fremdenpolizei, Erstmaßnahmen bei komplexeren Amtshandlungen, noch bevor ein ,Kommandant vor Ort‘ die Amtshandlung führend übernimmt, im sogenannten Kommandanten-Verfahren, Erste Hilfe und Verkehrspolizei."

Im Fremdenwesen geht es hauptsächlich um den Erstkontakt mit Fremden und rechtliche Vorgaben sowie Möglichkeiten des Einschreitens nach Maßgabe der rechtlichen Bestimmungen. Die Maßnahmen im "Verfahren – Ersteinschreiten bei komplexeren Amtshandlungen" kommen speziell dann zum Tragen, wenn mehrere Sektorstreifen zu einem Einsatzort gerufen werden und die Erstverantwortung der Amtshandlung zu bestimmen ist, noch bevor ein Kommandant eingetroffen ist. Das sind etwa Amtshandlungen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial. Sind beispielsweise nach einem Gasrohrgebrechen Absperr- und Einsatzmaßnahmen zu koordinieren, hat das der mit der Erstleitung der Amtshandlung bestimmte Polizist zu übernehmen. Wie das zu geschehen hat, wird unter anderem im kommenden Fortbildungs-Zyklus vermittelt werden. Für die Erste Hilfe haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Chefärztlichen Dienstes im Innenministerium ein Konzept entwickelt. Im verkehrspolizeilichen Schwerpunkt der Fortbildungswochen soll der Umgang mit neuen Phänomenen im Straßenverkehr geschult werden, etwa im Zusammenhang mit neuen Trendsportgeräten, etwa mit der Frage, wie Verkehrsunfälle damit auf Geh-, Radwegen oder Fahrbahnen zu bewerten sind.

Zudem kommt auf die Mitarbeiter der SIAK und der Bildungszentren die Ausbildung von 500 bis 600 Mitarbeitern der neu einzurichtenden Landesleitzentralen zu. In der Bekämpfung der Cyber-Kriminalität und Datensicherstellung werden etwa 300 Bezirks-PI-IT-Ermittler aus- bzw. fortgebildet, das sind IT-Ermittler in den Bezirks-, Stadtpolizeikommanden und Polizeiinspektionen. 52 Polizistinnen und Polizisten werden zu Fahrtechnik-Instruktoren ausgebildet. Sie werden künftig die Befähigung von Polizeischülern feststellen, ob diese in der Lage sind, Dienstkraftfahrzeuge zu lenken.

Derzeit sind etwa 2.500 Polizeischülerinnen und -schüler in Grundausbildung.
©  BMI/Gerd Pachauer
Die SIAK sucht Lehrpersonal in der Polizei und Platz für Polizeischulklassen.
©  BMI/Gerd Pachauer
Führungskräfte der SIAK und Leiter der Bildungszentren bei der Tagung.
©  BMI/Alexander Tuma

Artikel Nr: 15329 vom Donnerstag, 23. November 2017, 16:33 Uhr
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