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Öffentliche Sicherheit

Das Magazin des Innenministeriums, Nr. 7-8/2003

STUDIE

Jugend, Drogen und Verkehr

Der Konsum legaler und illegaler Drogen ist ein vielfach unterschätztes Problem. Psychologen untersuchten die Einstellungen der Jugendlichen zu Gefahren im Straßenverkehr.

Jugendliche trinken immer früher und offensichtlich auch exzessiver Alkohol“, berichteten Verkehrspsychologen bei einem Kongress des Instituts Angewandte Psychologie und Forschung (AAP) in Wien. Im Straßenverkehr kann das fatale Folgen haben. Obwohl die Anzahl der Verkehrsunfälle in den letzten Jahren zurückgegangen ist, sind Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren immer noch überproportional häufig an Verkehrsunfällen beteiligt. 31 Prozent aller Verunglückten und 23 Prozent aller getöteten Personen bei Verkehrsunfällen gehören dieser Altersgruppe an.
Als typische Unfallursachen gelten: mangelnde Fahrpraxis, überhöhte Geschwindigkeit, Selbstüberschätzung, erhöhte Risikobereitschaft, Fehleinschätzungen, Missachtung der Verkehrsregeln, Drogen und Alkohol.
Kampagnen gegen Alkohol am Steuer gibt es seit Jahrzehnten. Über die Gefährlichkeit von Medikamenten und Drogen im Straßenverkehr wird laut Verkehrspsychologen zu wenig informiert. Die Experten empfehlen Verkehrserziehung in der Schule nicht nur punktuell, sondern schwerpunktmäßig und gezielt vor allem dann, wenn Jugendliche den Mopedausweis oder den Probeführerschein machen.

Konsumgewohnheiten
Mitarbeiter der „Psychologischen Zentren“ Wien und Wiener Neustadt informierten bei dem Kongress anhand einer Studie über die Konsumgewohnheiten der Jugendlichen von Alkohol und Drogen sowie deren Einstellungen zum Straßenverkehr. 1.240 Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren aus verschiedenen Schulen in Niederösterreich (Hauptschule, Gymnasium, Polytechnischer Lehrgang, Berufsschule, berufsbildende höhere Schulen) wurden befragt. Ziel dieser Studie war es, zu untersuchen, welche Einstellungen die Jugendlichen, die zum Teil schon einen Mopedausweis besitzen bzw. eine Lenkberechtigung erwerben wollen, zu Alkohol und Drogen am Steuer sowie zu verschiedenen anderen Verkehrsdelikten haben. Verfügen sie über ein ausreichendes Problem- und Gefahrenbewusstsein? Wann soll mit welchem Thema schwerpunktmäßig präventiv eingegriffen werden? In Zusammenarbeit mit den zuständigen Schulbehörden wurde einer repräsentativen Schülerstichprobe – anonym unter Einbindung eines Verkehrspsychologen vor Ort – ein umfangreicher Fragebogen vorgelegt. Mittels statistischer Analysen wurde unter anderem untersucht, wie Jugendliche verschiedene Gefahrenmomente bei Selbstfahren versus Mitfahren im Verkehr bewerten.
Die Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren schätzen sowohl beim Selbstfahren als auch beim Mitfahren Drogen am Steuer am gefährlichsten ein, gefolgt von Alkohol am Steuer und Geschwindigkeitsübertretungen im Ortsgebiet. Geschwindigkeitsübertretungen auf der Autobahn werden hingegen als neutral bis eher ungefährlich eingestuft. Für die Praxis bedeutet dieses Ergebnis: Einerseits wäre eine verstärkte fächerübergreifende sowie praxisbezogene Vernetzung der Lehrinhalte in den Schulen wünschenswert und andererseits eine verbesserte Selbstwertstärkung und Bewusstseinsbildung des einzelnen Jugendlichen hinsichtlich des oft großen Gruppenzwanges bzw. der Angst vor einem Außenseiterdasein in der Peer-Group.

Die Gefahrensituationen werden von den Jugendlichen durchwegs realistisch eingeschätzt. Geschlechtsspezifisch zeigte sich ein gleiches Verlaufsmuster bei jedoch unterschiedlichem Niveau. Mädchen schätzen alle Gefahrenmomente als gefährlicher ein. „Mädchen beurteilen Gefahrensituationen zwar generell vorsichtiger, aber die Rangordnung der Gefahren ist bei beiden Geschlechtern gleich. Ein wesentlicher Hinweis dafür, dass für Mädchen wie Burschen die gleiche Didaktik angewandt werden kann“, erläuterte Mag. Bettina Schützhofer von der AAP Landesstelle Wien.
22 Prozent der befragten Mädchen und 39 Prozent der Burschen besitzen einen Mopedausweis; 18 Prozent der Schüler haben bereits den B-Führerschein. 70 Prozent der Jugendlichen verbringen ihre Freizeit gerne bei Freunden, 8 Prozent im Verein, 4 Prozent im Jugendclub und 13 Prozent im Shoppingcenter. 77 Prozent der Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren gehen zumindest am Wochenende regelmäßig aus. Beim Weggehen konsumieren 83 Prozent der Jugendlichen zumindest gelegentlich alkoholische Getränke. Nur 18 Prozent gaben an, beim Ausgehen nie Alkohol zu trinken.
Neun Prozent der Mädchen und 13 Prozent der Burschen gaben an, bereits mit zehn Jahren oder früher das erste Mal Alkohol konsumiert zu haben. Je 68 Prozent haben bis zu ihrem vollendeten vierzehnten Lebensjahr erstmals Alkohol getrunken. 14 Prozent der Mädchen und 15 Prozent der Burschen gaben an, noch nie alkoholische Getränke konsumiert zu haben. Von jenen, die bereits Alkohol getrunken haben, waren 73 Prozent der Mädchen und 75 Prozent der Burschen ihren Einschätzungen zufolge auch schon einmal betrunken. Das Alter beim ersten Rausch lag bei 50 Prozent der Jugendlichen bei 14 Jahren und darunter; 26 Prozent der Schülerinnen und Schüler beantworteten diese Frage nicht.

Bei illegalen Drogen zeigt sich ein anderes Bild als bei Alkohol. 82 Prozent der Schüler gaben an, keine Erfahrung mit illegalen Drogen zu haben. Vier Prozent konsumieren beim Weggehen regelmäßig illegale Drogen, 14 Prozent manchmal bis selten. Von jenen Schülern, die bereits Erfahrungen mit Drogen haben, gaben 18 Prozent an, Cannabis ausprobiert zu haben, 9 Prozent Beruhigungs-bzw. Aufputschmittel, 6 Prozent Ecstasy und je 3 Prozent LSD und Kokain.
Als Motive für Alkohol- oder illegalen Drogenkonsum gaben die Schüler an: um cool zu sein (59 %), aus Neugierde (57 %), um dazu zu gehören (52 %), der Wirkung wegen (28 %), um erwachsen zu wirken (26 %), schwer nein sagen können (18 %) und aus Protest (9 %). 71 Prozent der Schüler gaben an, auf einer Party auch ohne Alkohol lustig sein zu können.

Verschiedene Gefahrensituationen werden somit von den Jugendlichen abhängig von Geschlecht und Alter als verschieden gefährlich eingestuft. Bei Alkohol und Drogen am Steuer erzielt die Bewusstseinsbildung gute Erfolge, ein Gefahrenbewusstsein in Bezug auf Geschwindigkeit ist bei vielen Jugendlichen noch nicht ausreichend ausgeprägt. Daraus resultiert die Notwendigkeit einer intensiveren Aufklärungsarbeit und einer vermehrten Einbindung der Verkehrspsychologie in die Jugendarbeit, wie es beispielsweise seit 1. Jänner 2003 mit der Einbindung eines Verkehrspsychologen in die Mehrphasenführerscheinausbildung geschieht.

Siegbert Lattacher

BM.I Bundesministerium für Inneres, Postfach 100, A-1014 Wien,Telefon: +43-(0)1-53126-2307 |  Kontakt

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